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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dislozierungen der GSSD am 10.11.1989



joachim
06.12.2005, 21:09
Hi,

Mir liegt ein Zeitzeugenbericht vor, wonach am 10.11.1989 00:00 (Mitternacht) Einheiten der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) zur gefechtsmäßigen Sicherung der Westgrenze der DDR übergegangen sind. Der Zeitzeuge war zum damaligen Zeitpunkt Offizier der NVA. Ich dokumentiere seinen Bericht im Anschluss.

Frage: Sind solche Dislozierungen auch von westlicher Seite aufgeklärte worden, bzw. gibt es ehemalige BGS Angehörige oder BW Angehörige, die davon gehört haben oder damals dies beobachtet haben?

Joachim

Der Zeitzeugenbericht:
1. Dass Truppen der WGT an der Grenze gelegen haben ist unumstritten, ich habe sie mit eigenen Augen gesehen, war sogar in ihren Stellungen.

2. Dass es sich bei diesen Truppen um die Grenzssicherungsbataillone der WGT handelte, war die Antwort von GO Streletz auf meine Frage an ihn in Wünsdorf.

3. Dass es sich dabei nicht eventuell auf eine Übungssituation handelte, ist ausgeschlossen,dies zeigte mir der Status der Waffen.

4. Ein Zusammenwirken gab es nicht, weil wir nicht handelten, weder NVA noch GT, die WGT offensichtlich schon.

5. Ob entlang der ganze Staatsgrenze , kann ich nicht sagen, da ich nicht an der gesamten Staatsgrenze war, ich vermute es jedoch mal. Ich habe nur einen Abschnitt gesehen, den im Norden (Bezirk Schwerin).

6. Deshalb weiß ich auch nicht, wie weit die einzelnen Stellungen zur Grenze waren, ich kanns in dem Abschnitt, den ich gesehen habe sagen. Dort warens ca. 500 - 600 m vom Hinterlandszaun entfernt
in Zugstützpunkten bzw. Kompaniestützpunkten, eingegrabene Panzereinheiten. Ich hielt mich in dieser Zeit halt sehr viel in dieser Gegend auf. Mit einem festgelegten Schußsektor, der ununterbrochen beobachtet oder sollte ich besser sagen angerichtet war.

Da die Schußsektoren jedoch alle ausschließlich nach Westen wiesen, gehe ich mal davon aus, das diese Aktion weniger den Demonstranten galt, als eher unangenehmen Überraschungen aus westl. Richtung verhindern sollte.

Harry (†)
07.12.2005, 18:32
Nix handfestes gibt es... aber ich habe merhfach mit USlern gesprochen, die an Border Observation Points beschäftigt waren. Ohne Datumsangabe wurde mehrfach gesagt "als die Mauer fiel gab es einige heisse Tage die nach Problemen aussahen".

Thunderhorse
15.03.2006, 20:03
Ja, dass ist korrekt, an der Grenze gab es einige heiße Tage zu Zeiten des Mauerfalls. Aber nur auf den Straßen in Richtung der jeweiligen Grenzübergangsstellen aus östlicher bzw. westlicher Sichtweise.

Es sind keinerlei Truppen der GSSD/WGT zu irgend einem Zeitpunkt während der Grenzöffnung oder danach zu einer gefechtsmäßigen Sicherung der Staatsgrenze West aktiviert oder eingesetzt worden. Schon vor dem Mauerfall waren die vorhandenen B-Stellen der WGT durch die zuständigen Aufklärngseinheiten besetzt.
Auch in den bekannten Stellungen wie Geba-Berg, Stadtberg, Großer Gleichberg oder Steinheid, um nur einige zu nennen. wurden keine verstärkten Operativen Maßnahmen festgestellt.
erst ab Dezember 1989 bzw. Januar 1990 wurden einzelne Fahrzeuge der WGT im Bereich der Grenze offen erkannt, auch an den Grenzübergangsstellen festgestellt. Die Soldaten wurdn eingesetzt zum Abau von Sperranlagen. Das gewonnene Material durfte durch die entpsrechenden Einheiten verwendet werden.

Die angeprochenen US-Quellen liegen auch hier mal wieder Falsch. Aus welchen Gründen auch immer.

Gruß von Thunderhorse.

Harry (†)
15.03.2006, 20:14
"wurde mehrfach gesagt "als die Mauer fiel gab es einige heisse Tage die nach Problemen aussahen"

"Ja, dass ist korrekt, an der Grenze gab es einige heiße Tage"

>Die angeprochenen US-Quellen liegen auch hier mal wieder Falsch

Ahja.

emu
15.03.2006, 20:34
Ich kann Harrys Aussage nur bestätigen,mein Vater war zu der Zeit für ein US-Unternehmen tätig,wurde eindringlichst geraten,bis zur eindeutigen Klärung
der politischen Verhältnisse in den USA zu bleiben..Es könnte zum Knall kommen...so waren die damaligen Aussagen seiner Vorgesetzten...

Thunderhorse
15.03.2006, 20:51
Nun, die politische Lage war anfangs wahrlich nicht ganz klar, der Westen wurde vollständig von der Grenzöffnung überrascht.
Auch die Sowjets unter Grobatschow in Moskau.

Ich kann nur nochmals schreiben, es gab keine so heiße militärische Lage an der Grenze, auch die US-Einheiten wurden nicht in erhöhte Bereitschaftsstufen versetzt.
Ich müßte es ja eigentlich Wissen, war im täglichen Kontakt mit den BOIC und NCOIC und dazu fast jeden Tag, in diesen ersten Wochen und Monaten vor Ort an der Grenze.
Wenn dieses so bekannt gewesen sein soll bei den westlichen Grenzsicherungsorganen, hätten wir vor Ort anders gearbeitet.
Sollen solche Aussagen gegenüber Mitarbeitern von US-Firmen gemacht wurden, dann aus Unkenntnis der Lage vor Ort.

Eine Rücksprache heute, mit ehem. Border-Camp Verantwortlichen und ehem. Mitgliedern der USMLM ergibt auch keine Bestätigung dieser, für mich, Gerüchte.


Thunderhorse

emu
15.03.2006, 21:02
Nun gut,da treffen viele Aussagen zum Thema ein,ich kann nur sagen was ich gehört habe.Mir hat auch der Bruder meiner Ex-Freundin gesagt(er war zu der Zeit bei der NVA,ich meine Fallschirmjäger)dass er und seine Einheit in Alarmbereitschaft gewesen sein..Welchen Grund hätte er gehabt mich anzulügen?
Und mein Vater arbeitete damals für eine Firma die Hochleistungselektromotoren und andere Komponenten auch und vor allem für Rüstungsgüter produzierte und dies heute noch tut..DIE hatten mit Sicherheit einen ganz heissen Draht ins Pentagon...

Thunderhorse
15.03.2006, 21:17
Es hilft vielleicht, einmal die Geschichte nach zu lesen, warum damals soviele Teile der NAV, auch Fallschirmjäger in Bereitschaft lagen. Nicht wegen der Grenzöffnung, sondern für einen eventuellen Einsatz im inneren der DDR.
Den Leuten wurde aber nicht gesteckt, warum man die Bereitschaft einführt.
Man hat manche Auf Lastwagen gesetzt, mit Schoild und Stock und versteckt bei den Demonstrationen bereitgehalten, zumindest ab Ende Oktober - Anfang November.

Bitte einfach mal gewisse Aussagen auch tiefer Hinterfragen und nicht als gegeben annehmen.

Die Grenztruppenführung wurde am Abend des 09. November 1989, erst gegen 21.00 Uhr von der Grenzöffnung bekannt, nachdem die ersten Leute an der Haustür standen.
Geplant war eine Öffnung viel später, erst nach Abstimmung aller Maßnahmen mit der Führung der Grenztruppen.

Die Verbindungsmissionen der westlichen Schutzmächte, in der DDR, war bestens informiert. Man ist auch sofort ausgeschwärmt um Informationen zu sammeln.

Und einen heißen Draht ins Pentagon hätte ich von Camp Lee aus auch jederzeit haben können. Nur ob mein Gesprächspartner am anderen Ende stets auf dem Laufenden war, was sich so in Europa zu der Zeit abgespielt hat???
Ich bezweifle es!
Die lebten auch nur von den Informationen vor Ort.

Oder der NSA.
Wenn im Osten ein Kommanduer gehustet hätte, wären die ACR´s sicherlich informiert worden.

Soviel zu diesem Thema.

Thunderhorse

Harry (†)
15.03.2006, 21:18
>auch die US-Einheiten wurden nicht in erhöhte Bereitschaftsstufen

Thunder schreibt aber von US Einheiten die NICHT in Alarm versetzt wurden. Für die "andere Seite" mag das ja gelten.

Aus gewissen Gründen kannst du Thunder da glauben.

emu
15.03.2006, 21:30
Na alla,ich lerne gerne dazu..Dafür haben wir ja hier das Forum

joachim
16.03.2006, 13:41
Zum Zeitzeugenbericht:

Der Zeitzeuge trug den Dienstgrad Oberstleutnant und war zum Zeitpunkt der Grenzöffnung Kommandeur des FunkFunkTechnischen Aufklärungsbataillons 5 (FuFuTAB 5) am Standort Hagenow. Diesem Bataillon unterstellt war die Spezialaufklärungskompanie 5 (SAK 5). Angehörige dieser Kompanie hatten ähnliche Aufgaben zu erfüllen, wie die Fernspäher der Bundeswehr. Zu ihren Aufgaben gehörte auch die Aufklärung von Vorrangzielen des Gegners im grenznahen Raum, die gegebenenfalls auch ausgeschaltet werden sollten. Zu den erstrangigen Vorrangzielen gehörten grenznah stationierte Kernwaffeneinsatzmittel (KWEM).
Die Grenzsicherungsregimenter der GSSD hätten im Rahmen der seit 1987 veränderten Militärdoktrin der DDR vorbereitete Stellungen im grenznahen Raum beziehen sollen, um ein feindliches Vorgehen zu verzögern. Im Rahmen dieser Aufgabenstellung sollte FuFuTAB 5 gemeinsam mit den GSSD Grenzsicherungsregimentern handeln.

Zum genauen Ort der Dislozierung: Diese Stellung befand sich unmittelbar nördlich der Verbindungsstraße Gadebuch - Roggendorf - Mustin - Ratzeburg. Es handelt sich dabei um den Abschnitt des GR-6 (Schönberg).

Der Zeitzeuge hat zusammen mit seinem Vorgesetzten diese Stellung im dienstlichen Auftrag besucht.

Um welche GSSD Einheiten handelte es sich?:
Im Bereich der 2.GPA (Gardepanzerarmee) gab es zwei sst (=selbstständige) Panzerregimenter, die von ihrer Struktur her sogar Brigaden waren, nicht aber als solche bezeichnet wurden. Diese beiden Regimenter waren in Güstrow (732. sst Panzerregiment) und in Hagenow (731. sst Panzerregiment)stationiert. Dieses betreffende 731. sst PR in Hagenow lag unmittelbar neben dem MSR (motorisierten Schützenregiment) der 21. MSD (motorisierten Schützendivision) der NVA. Beide Regimenter wurden übrigens lange vor den anderen Truppen der WGT (allerdings erst nach der "Wende")in die SU zurückverlegt. Das eine der beiden Regimenter (Hagenow) war neben dem MSR - 29 NVA (Hagenow) zur Deckung der Staatsgrenze eingesetzt. Das andere (Güstrow) war als Streifzugabteilung (StrzA bzw OMG) operative Manövergruppe der 2.GPA vorgesehen. Es waren also zwei Regimenter mit speziellen Aufgaben und spezieller Struktur (eigentlich Panzerbrigaden - also stärkere Regimenter).
Neben diesen Verbänden existierte noch das 733. sst. Garde PR in Zeithain
und das 734. sst. Garde PR in Plauen.

Diese Regimenter waren offiziell der WGT direkt unterstellt, jedoch den beiden Panzerarmeen zu Erfüllung besonderer Aufgaben als Unterstützungsmittel unterstellt. 731. und 732. sst Garde PR der 2.GPA und das 733. und 734. sst Garde PR der 1.GPA.
Insgesamt gehörten fünf Armeen der Landstreitkräfte 1989 zum Bestand der GSSD: 1. Gardepanzerarmee in Dresden
2. Gardepanzerarmee in Fürstenberg
3. Stoßarmee in Magdeburg
8. Gardearmee in Nora
20. Gardearmee in Eberswalde

Dauer der Dislozierung: Die entsprechenden Regimenter lagen nach dem Bericht des Zeitzeugen vom 10.11.1989 bis Mitte Januar 1990 in ihren Stellungen.

Joachim

joachim
16.03.2006, 14:06
Seit Mitternacht galt am 10.11.1989 erhöhte Gefechtsbereitschaft für das Grenzkommando Mitte (Berlin).
Am 10.11.1989 wurde auf Veranlassung von Generaloberst Streletz, Chef des Hauptstabes der NVA, erhöhte Gefechtsbereitschaft für die 1. Motorisierte Schützendivision der NVA (1. MSD) und das Luftsturmregiment 40 (LStR 40) befohlen. Die genannten Verbände waren Teil der sogenannten Berliner Gruppierung, die im V-Fall Westberlin hätte einnehmen sollen und für diese Zielstellung auch trainiert wurde. Die genannten Maßnahmen wurden damals von den Verantwortlichen verschleiert und öffentlich geleugnet. So erklärte der Chef der Politischen Hauptverwaltung Brünner im Fernsehen der DDR keine Verbände der NVA befänden sich in einer Stufe erhöhter Gefechtsbereitschaft. Erst den Recherchen Hans Hermann Hertles ist es zu verdanken, dass diese Handlungen Mitte der 90er Jahre öffentlich bekannt wurden. Nachdem Hertle neben zahlreichen Zeitzeugenberichten auch schriftliche Belege für die genannten Maßnahmen beibringen konnte, erklärte sich Streletz 1995 zu einem Interview bereit. Ich zitiere hier die relevante Passage:

Quelle: Hans-Hermann Hertle: Der Fall der Mauer. Die unbeabsichtigte Selbstauflösung des SED-Staates. Opladen 1996. ISBN – 3-531-12927-9.

[ebenda S. 362]

Fußnoten - eckige Klammern sind zwischen den Text gesetzt.

Joachim

Jede Konfrontation war zu vermeiden
Gespräch mit den Generälen Klaus-Dieter Baumgarten, Joachim Goldbach und Fritz Streletz, 8.12.1994, 21.12.1994 und 20.3.1995

Hertle [1]: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 fiel die Mauer in Berlin. Die zivilen, politischen Maßnahmen, die im Laufe des 10. November eingeleitet wurden, um nach dem Mauerdurchbruch die Kontrolle über die Grenze den Reiseverkehr vor allem in Richtung West-Berlin zurückzugewinnen und die Lage insbesondere in der Umgebung des Brandenburger Tores zu beruhigen, sind unbestritten. Alle diese Maßnahmen, die in der Stellungnahme von Fritz Streletz aufgelistet sind, werden in meinem Beitrag ebenfalls angeführt und keinesfalls verschwiegen. [2]
Seit Mitternacht galt jedoch erhöhte Gefechtsbereitschaft für das Grenzkommando Mitte, und am Mittag des 10. November wurden die 1. Motorisierte Schützendivision (1. MSD) und das Luftsturmregiment-40 (LStR-40) ebenfalls in erhöhte Gefechtsbereitschaft versetzt. Die zivilen Maßnahmen - insbesondere eine beschleunigte Visaerteilung und Vorbereitungen zur Öffnung weiterer Grenzübergangsstellen - griffen jedoch zu langsam, um der SED-Führung die Lage beherrschbar erscheinen zu lassen. Deshalb, so habe ich argumentiert, bereitete sich die SED-Spitze mit der Herstellung der Erhöhten Gefechtsbereitschaft in den genannten Verbänden parallel auf ein militärisches Eingreifen vor. Als einzig sinnvolle Erklärung dieses Vorgehens schien mir, daß eine militärische Lösung zum Schutz der Grenze in und um Berlin einschließlich der Schließung der Über- gänge zumindest einkalkuliert wurde.
Wenn Sie diese Erklärung zurückweisen, Herr Streletz, wie ist dann zu verstehen, daß Ihr Befehl im Dienstbuch des Operativ Diensthabenden im Kommando der Landstreitkräfte ohne die von Ihnen genannten Einschränkungen - weder was den Nicht-Einsatz der Artillerie betrifft noch was die Einschränkungen in hezug auf die Mot.-Schützenregimenter betrifft -festgehalten wurde? Und welche Erklärunq gibt es dafür, daß auch in der Realität dieser Befehl nicht entsprechend Ihrer Absicht umgesetzt wurde, sondern zum Beispiel das Artillerieregiment der 1. MSD die gesamte Kampftechnik - im wesentlichen schwere Geschütze – aufmunitioniert und die Fahrzeuge durchgestartet hat?
Streletz [3]: Die entscheidende Frage dabei ist, wie der Befehl weitergegeben worden ist. Was ich dem Chef der Landstreitkräfte, Generaloberst Stechbarth [4], dem

1 Der Text ist ein Zusammenschnitt aus drei Gesprächen: mit Fritz Streletz am 8.12.1994 in Strausberg; mit Klaus-Dieter Baumgarten, Joachim Goldbach und Fritz Streletz am 21.12.1994 ebenfalls in Strausberg und mit Klaus-Dieter Baumgarten und Joachim Goldbach am 20.3.1995 in Berlin. An den Gesprächen am 21.12.1994 nahmen Oberst Heinz Strohschein, am 20.3.1995 Prof. Dr. Peter Steinbach, Freie Universität Berlin, teil.
2 Vgl. Maximytschew/Hertle 1994b und Streletz 1995.
3 Fritz Streletz, Jg. 1926, ab 1979 Stellvertreter des Ministers und Chef des Hauptstabes, ab 1971 Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates, ab 1981 Mitglied des ZK der SED.
4 Horst Stechbarth, Jg. 1925, Generaloberst, ab 1972 Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef der Landstreitkräfte. Ab 1976 Kandidat und von 1978-1989 Mitglied des ZK der SED.

Gespräch mit K.-D. Baumgarten, J. Goldbach und F. Streletz 363

die 1. MSD und das LStR-40 unterstellt waren, befohlen habe, das weiß ich. Er muß ja auch wissen, was er seinem Chef des Stabes, Generalleutnant Skerra [5], befohlen hat. Und Skerra muß wissen, wie er den Befehl an die 1. MSD weitergeleitet hat. Aber daß der Befehl klipp und klar war - ohne Panzer, ohne Artillerie und ohne schwere Technik -, das kann keiner bestreiten. Wenn das einer bestreitet, dann lügt er.
Hertle: Würden Sie denn bestreiten wollen, daß im Artillerieregiment die Kampftechnik aufmunitioniert worden ist?
Streletz: Aus meiner Sicht müßte ich Ihnen antworten: Dann hat der Kommandeur des Artillerieregiments nicht den Befehl erhalten, den er hätte erhalten müssen. Wenn der Kommandeur des Artillerieregiments nur den Befehl erhöhte Gefechtsbereitschaft erhalten hat, dann mußte es aufmunitionieren - nach Ihrem Begriff, wobei die Munition dort sowieso am Geschütz war, davon abgesehen. Aber ich weiß ja nicht, ob der Kommandeur des Artillerieregiments wußte, daß sein Artillerieregiment nicht eingesetzt wird. Das ist ja nicht meine Aufgabe als Chef des Stabes der Armee, mich darum zu kümmern. Da müßte man jetzt den Kommandeur des Artillerieregiments fragen, welche Aufgabe er erhalten hat, und welche Aufgabe er weitergegeben hat.
Hertle: Ist das normal, daß ein Befehl, den der Chef des Hauptstabes erteilt, unten vollkommen anders ankommt?
Streletz: Nein. Bloß, es ist jetzt folgende Komplikation dabei, wie Sie ja auch geschrieben haben: Beim Grenzkommando Mitte gab es ebenfalls erhöhte Gefechtsbereitschaft. erhöhte Gefechtsbereitschaft zog eine Reihe von Aufgaben nach sich, die in einem vorgegebenen Zeitrahmen zu lösen waren. Wenn jetzt nicht gesagt wird, das und das nicht, also keine Einschränkungen genannt werden, dann läuft das automatisch weiter. Und wenn Sie jetzt als Beispiel sagen, das Artillerieregiment hat aufmunitioniert, dann kann es durchaus sein, daß der Kommandeur dort nicht diesen Befehl erhalten hat. Oder er hat gesagt, sicherheitshalber, na wer weiß, was kommt, machst du lieber alles; besser ist besser. Aber es war nie vorgesehen, Panzer und Artillerie einzubeziehen.
Fortsetzung im nächsten Beitrag

joachim
16.03.2006, 14:07
Fortsetzung Interview:

Baumgarten [6]: Wo sollte denn die Logik der Dinge sein, in dieser Situation ein Artillerieregiment in Alarmbereitschaft zu versetzen?
Goldbach [7]: Die Frage ist vollkommen berechtigt. Ein Artillerieregiment kann eigentlich nur Granaten in der Gegend herumschießen. Was anderes können die ja nicht.
Baumgarten: Sollten die mit der 152mm Haubitze ans Brandenburger Tor rücken? Ich frage das bewußt einmal sarkastisch.
Hertle: Ich nehme diese Frage ernst. Aber was ist der Grund für seine Alarmierung?
Baumgarten: Offensichtlich ein Fehler in der Ubermittlung. So sehe ich das. Ich kenne die Dinge ja nicht, denn ich habe zu dieser Zeit im Kommando der Grenztruppen in Pätz gesessen und hatte konkrete Aufgaben zu lösen. Und die Grenztruppe war - im Gegensatz zu Ihren Feststellungen - zu diesem Zeitpunkt total intakt. Es stimmt einfach nicht, daß sie handlungsunfähig gewesen wäre. Die Be

5 Horst Skerra, Jg. 1930, Generalleutnant, Chef des Stabes der Landstreitkräfte der NVA .
6 Klaus-Dieter Baumgarten, Jg. 1931, Generaloberst, ab 1979 Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef der Grenztruppen, ab 1981 Kandidat des ZK der SED.
7 Joachim Goldbach, Jg. 1929, Generaloberst, ab 1986 Stellvertreter des Ministers und Chef Technik und Bewaffnung.

364 Jede Konfrontation war zu vermeiden

fehlsstruktur lief, und es gibt keinen einzigen, der einen Befehl nicht exakt ausgeführt hätte.
Hertle: In den Regimentern des Grenzkommandos Mitte sieht man das anders. Dort wird gesagt, sie haben um 0.20 Uhr den Befehl erhöhte Gefechtsbereitschaft erhalten. Sie haben jedoch auf eigenen Entschluß die Durchführung der Erhöhten Gefechtsbereitschaft entweder gar nicht begonnen oder aber abgestoppt und reduziert auf die Herstellung einer Erhöhten Führungsbereitschaft. Von einer zentral funktionierenden Befehlsstruktur kann diesen Aussagen zufolge nicht die Rede sein.
Baumgarten: Da müßten wir uns noch einmal mit der Frage befassen, welche Einschränkungen es konkret gab. Das wäre sicher notwendig. Aber mir geht es um etwas ganz anderes. Es geht doch darum, daß zu diesem Zeitpunkt, obwohl die Situation kritisch war für den ganzen Staat, und vielleicht für mehr als nur die DDR und die Bundesrepublik, es keine Notwendigkeit gab, die Grenztruppe irgendwie zu verstärken. Wir waren durchaus in der Lage, diese wenn auch sehr komplizierten Aufgaben allein und selbständig zu lösen. Es gab keine Anforderungen und keine Weisungen, sie beispielsweise mit Kampfgruppen zu verstärken.
Wir haben natürlich ein enges Zusammenspiel mit den Paßkontroll-Einheiten des MfS gehabt, denn jede Öffnung einer Grenzübergangsstelle bedeutete ja, daß dort die Kontrollorgane - Paß, Zoll, Tierarzt usw. - eingerichtet werden mussten. Das alles innerhalb weniger Stunden zu machen, ist schon eine Leistung. Aber dabei ist uns nie der Gedanke gekommen, daß man nun entlang der Staatsgrenze Bataillone und Regimenter der NVA hinzuzieht. Und ich frage noch einmal: Wo ist die Logik der Dinge, Teile einer Division und nicht die gesamte Nationale Volksarmee in erhöhte Gefechtsbereitschaft zu versetzen?
Hertle: Das hängt von Ihrem damaligen Bedrohungsszenario ab. Wir haben vielleicht eine unterschiedliche Einschätzung über die Bedeutung der Mauer für die Existenz der DDR. Vielleicht haben wir aber die gemeinsame Einschätzung, daß die Art und Weise des Falls der Mauer maßgeblich den Zusammenbruch der DDR beschleunigt hat - unter Einschluß der Tatsache, daß die Sowjetunion die Dinge dann hat so laufen lassen, wie sie gelaufen sind.
Goldbach: Aber zu dem Zeitpunkt, als die Entscheidungen gefällt werden mussten, war ja die Haltung der Sowjetunion nicht bekannt!
Hertle: Gut, aber vielleicht haben Sie ja die Vorstellung gehabt ...
Goldbach: ... mit dem Artillerieregiment die Situation zu retten?
Hertle: Vielleicht haben Sie beispielsweise die Vorstellung gehabt oder zumindest militärisch nicht ausschließen wollen oder können, daß möglicherweise - hier haben Sie ja Recht mit Ihrer Kritik, daß ich Ihnen etwas unterstelle, wenn ich in diesem Zusammenhang die "Berliner Gruppierung" mit ins Spiel bringe - die Lage, ausgehend vom Brandenburger Tor, solch bedrohliche Ausmaße annehmen kann, daß sich daraus ein Angriff von außen entwickelt.[8]
Baumgarten: Unterstellen wir das einmal: Dann kann man doch bei aller Sicherung der Aufklärungsergebnisse - daß man als Militär wissen muß, was der andere vorhat, in welcher Bereitschaftsstufe er steht usw. - nach vierundzwanzig Stunden nicht alles wieder zurücknehmen. Da ist doch die nächste Unlogik drin!

8 Die "Berliner Gruppierung", deren Kern aus der 1. MSD, dem LStR-40 und dem Grenzkommando Mitte in Verbindung mit der 6. Motorisierten Schützenbrigade der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte bestand, hatte im Kriegsfall die Aufgabe, West-Berlin einzunehmen. Die beteiligten Verbände waren für diese Zielstellung übungsmäßig vorbereitet.

[ebenda S. 365]
Gespräch mit K.-D. Baumgarten, J. Goldbach und F. Streletz 365

Hertle: Nein, die Logik wäre die, daß der sowjetische Verbündete als an der
„Berliner Gruppierung" maßgeblich Beteiligter diese Vorstellung nicht nachvollzieht und seine Unterstützung versagt. Herr Streletz kennt diese These schon, aber möchte mir nicht verraten, wie die Haltung der sowjetischen Militärs in diesen Tagen war.Streletz: Doch, das verrate ich Ihnen noch, wenn der Zeitpunkt dazu da ist.
Baumgarten: Weil es ja hier am Beispiel der Alarmierung der 1. MSD um das geht, was sie «militärische Option" nennen, wiederhole ich noch einmal: Es bestand angesichts der zur Verfügung stehenden Kräfte keine Notwendigkeit, einen solchen Gedanken überhaupt zu erwägen. Und selbst wenn es notwendig gewesen wäre, in Gestalt von Kräften zusätzlich etwas zu organisieren, dann hätte es nur so sein können, daß man die Grenztruppen in Form von Hundertschaften in der Tiefe unterstützt hätte, aber doch nie im Grenzgebiet selbst.

joachim
16.03.2006, 14:33
Von der Frage nach den Gründen der erhöhten Gefechtsbereitschaft zu trennen, ist die Existenz der sogenannten a-typischen Hundertschaften der NVA.
Mit dem Befehl 10/89 des Nationalen Verteidungsrats (NVR) der DDR, dessen Sekretär Generaloberst Fritz Streletz war, wurden aus NVA Angehörigen sogenannte a-typische Hundertschaften gebildet, denen zeitweise bis zu 18.000 Armeeangehörige angehörten. Die Soldaten sollten nicht in ihrer Struktur und ihrer strukturmäßigen Bewaffnung, sondern mit polizeitypischen Einsatzmitteln in Hundertschaften entfaltet werden. Mit diesem Vorgehen und Berufung auf einen außergesetzlichen Notstand, glaubte man verfassungsrechtliche Bedenken, die gegen einen Einsatz der NVA im Inneren sprachen, entkräften zu können.

Am 10.11.1989 standen genügend dieser Hundertschaften in Berlin bereit, um die Lage am Brandenburger Tor, wo damit begonnen worden war, Teile der Grenzsicherungsanlagen zu beschädigen, entschärfen zu können.
Gerade die Lage am Brandenburger Tor wird aber von den befragten Generälen als Grund für die Auslösung der erhöhten Gefechtsbereitschaft angegeben. Hertle schreibt dazu:

"Am 9. und 10. November hielt die NVA noch immer insgesamt 179 Hundertschafen - auch in der 1. MSD und dem LStR 40 - 'zur Unterstützung der Schutz - und Sicherheitsorgane' wie es hieß, in einer Zwei - bis Drei-Stunden-Bereitschaft bereit, davon allein 25 für einen Einsatz in Berlin. Daß die politische Führung nicht auf diese polizeilich getarnten Formationen, sondern auf die militärischen Strukturen zurückgriff, ist nur so zu verstehen, dass andere, nämlich militärische Einsatzziele verfolgt wurden". Hertle: Der Fall der Mauer, S. 255 ff.

Joachim

FEK
16.03.2006, 14:46
Hhm,

jetzt sind wir aber weg vom eigentlichen Thema.

War nun die WGT an der Grenze oder nicht. Der Zeitzeuge selbst schränkt ja in 5. selbst ein, das er nur eine Aussage zu diesen einen Abschnitt treffen kann.
Dabei sind die Fragen warum sie dort lagen und wer das anwies noch gar nicht geklärt.
Erklärt mal einem Laien die Geschichte mit dem Waffenstatus, welche erwähnt wurde. heiß das, das die WGT bei Übungen an der Grenze ohne Muni oder mit Platzpatronen rausfuhren, sie aber in diesem Fall scharfe Muni mitführten?

Das die GT alarmiert wurden und auch für teile der NVA Alarmstufe war, halte ich bei derartig zugespitzten Situationen für relativ normal. Und das auch alle "Besatzer" aufmerksam horchten kann ich mir auch vorstellen.
Soviel ich weiß hieletn diese sich aber allesamt, was die militärische Präsenz betrifft zurück.

FEK

FEK

joachim
16.03.2006, 15:25
Hhm,

jetzt sind wir aber weg vom eigentlichen Thema.



Das sehe ich anders. Die behauptete Dislozierung würde Sinn machen innerhalb eines Szenarios in dem eine mögliche erneute Schließung der Grenzen, zumindest als Option offen gehalten werden sollte.

Mir ist aber bewusst, dass ein Zeitzeugenbericht als Beleg nicht ausreicht. Ich habe aber unter anderem auch zu dieser Thematik einen Forschungsantrag bei der BStU gestellt, der zur Zeit bearbeitet wird. Unter anderem werde ich Unterlagen der HA I zu den Einheiten auswerten, denen der Zeitzeuge angehörte.

Joachim

joachim
16.03.2006, 22:16
Erklärt mal einem Laien die Geschichte mit dem Waffenstatus, welche erwähnt wurde. heiß das, das die WGT bei Übungen an der Grenze ohne Muni oder mit Platzpatronen rausfuhren, sie aber in diesem Fall scharfe Muni mitführten?


Die Verbände der WGT rückten in der Regel immer scharf aufmunitioniert aus. Insofern wäre dies nichts besonders bemerkenswertes gewesen, da hast Du recht.

Joachim

FEK
17.03.2006, 06:59
joachim,

was bleibt uns da noch vom Zeitzeugenbericht als tatsächlicher Hinweis auf das Vermutete?

Was taten die Grenzsicherungsbat. der WGT eigentlich sonst, d.h. außerhalb dieser heiße Tage und Wochen? Waren sie selten oder häufig an der Grenze anzutreffen?

Was sagen denn eigentlich die Grenztruppen selbst dazu, denn diese waren doch sicherlich jederzeit darüber unterrichtet, das sich sowj. Truppen innerhalb des von ihnen zu sichernden Bereiches aufhielten.

Die Option der Schließung der Grenze hatte man doch sicher auch völlig unabhängig vom Einsatz von Angehörigen der WGT. Da wäre doch aber sicher in allererster Linie Präsenz an den Übergängen und deren Zufahrten erforderlich.

FEK

joachim
17.03.2006, 11:35
Hallo FEK,

Die Stellungen sollen sich ca. 600 Meter vom Hinterlandsicherungszaun entfernt befunden haben; sie befanden sich also nicht im unmittelbaren Handlungsraum der Grenztruppen.

Trotzdem wäre es sicher interessant, Angehörige des Grenzregiments 6, die in diesem Zeitraum Grenzdienst geleistet haben, über den Sachverhalt zu befragen.

Ich glaube nicht, dass die WGT die Grenztruppen über Verlegungen an die Grenze vorher unterrichtet hätte.

Joachim

joachim
17.03.2006, 11:48
Der Zeitzeuge hat noch eine weitere Mitteilung gemacht: Das Treffen in Wünsdorf fand im Rahmen der Traditionspflege ehemaliger NVA Angehöriger statt.


Als wir uns in Wünsdorf trafen [2004], habe ich darauf den GO [Generaloberst] Streletz persönlich angesprochen. Er antwortete mir, dass es sich bei meinen Beobachtungen um die Grenzsicherungsbataillone der WGT gehandelt habe. Das ist für mich eine zusätzliche Bestätigung des selbst erlebten. Ich stellte diese Frage auch nur im Zusammenhang der Äußerung Streletz, die WGT waren zu dieser Zeit ausschließlich in ihren Kasernen. Ich wußte jedoch das dass nicht stimmte.

Joachim

FEK
17.03.2006, 13:39
Ich glaube nicht, dass die WGT die Grenztruppen über Verlegungen an die Grenze vorher unterrichtet hätte.

Joachim

der Glaube hilft uns leider nicht weiter. Ich kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, das Kräfte der WGT ohne Kenntnis der GT an die Grenze verlegt wurden. Sie haben sicher nicht um Erlaubnis gefragt - jedoch eine Verlegung ohne Information hätte doch sicher unnötige Risiken erzeugt.
Ich denke das sollte sich relativ einfach klären lassen.

FEK

joachim
17.03.2006, 17:04
der Glaube hilft uns leider nicht weiter.
FEK

Dann muss ich deutlicher werden. Die sowjetischen Verbände sollen ihre Stellungen in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 und zwar ca. um Mitternacht bezogen haben.
Was geschah sonst noch an diesem Abend? Um 18:55 antwortete Günter Schabowski auf die Frage des italienischen Journalisten Ricardo Ehrmann, wann denn die neuen Reiseregelungen in Kraft treten würden, mit dem beühmten Satz sofort unverzüglich und läutete damit den Run auf die Grenzübergangsstellen ein. Die Pressekonferenz wurde live im Fernsehen der DDR übertragen. Eigentlich sollte die neue Regelung erst am nächsten Tag bekannt gegeben werden.
Zu diesem Zeitpunkt dauerte die 9. ZK Tagung der SED noch an. Die Teilnehmer dieser Sitzung bekamen von Schabowskis Äußerungen nichts mit. DDR Verteidigungsminister Keßler hatte die Mitglieder des Kollegiums seines Ministeriums - praktisch die gesamte relevante militärische Führung - für 19:00 auf eine Kollegiumssitzung nach Strausberg bestellt. Die ZK Sitzung dauerte aber bis 20:45, so dass die Kollegiumsmitglieder, die nicht ZK Mitglieder waren, vor der Tür des Sitzungssaales in Strausberg warteten. Niemand hatte etwas von Schabowskis Äußerungen mitbekommen. Nach dem Ende der ZK Sitzung fuhren Keßler und der Chef des Hauptstabes der NVA Generaloberst Streletz mit dem Wagen vom ZK Gebäude nach Strausberg und trafen gegen 21:45 dort ein.
Gegen 22:00 eröffnete Keßler die Kollegiumssitzung und begann damit die ZK Tagung auszuwerten, wobei er auf den Widerstand der übrigen Kollegiumsmitglieder stieß, die mit Keßlers Politik nicht einverstanden waren.
In dieser Situation erfolgte ein Anruf des Stabschefs der Grenztruppen Teichmann, der über die Situation an den Genzübergängen informierte. Inzwischen waren die ersten DDR Bürger bereits im Westen angekommen und an den Berliner Grenzübergangsstellen hatten die dort diensthabenden MfS Anghörigen damit begonnen Bürgern den Übergang bei Vorlage ihres Personalausweises zu gestatten.
An den Grenzübergangsstellen herrschte stets eine Doppelherrschaft. Während die Grenztruppen für die äußere Sicherheit verantwortlich waren, entschieden einzig Angehörige der Hauptabteilung VI des MfS, die in Uniformen der Grenztruppen Dienst taten, wer die Grenze passieren durfte und wer nicht.
Nachdem Keßler zum ersten Mal durch Teichmanns Anruf von der Situation an der Grenze erfahren hatte, befahl er seinem Stabschef Streletz den Staatssicherheitsminister Mielke anzurufen. Streletz erreichte jedoch nur Mielkes Stellvertreter Gerhard Neiber, der seinerseits bemüht war Mielke zu erreichen. Auch der Innenminister Dickel war nicht zu erreichen, sondern nur dessen Stellvertreter Wagner. Schließlich befahl Keßler dem Chef der Grenztruppen Baumgarten sich seine Führungsstelle - das Kommando der Grenztruppen in Pätz zu begeben und von dort Meldung zu machen. Als Baumgarten dort endlich eintraf, war es nach Mitternacht und alle Grenzübergänge waren geöffnet.
Die Entscheidung die Grenzübergangsstellen zu öffnen, war eine Entscheidung der unteren und mittleren Entscheidungsstellen vor Ort. Es gab keine zentrale Weisung an die Grenzübergangsstellen.

Die sowjetische Seite war über die neue Reiseregelung nicht im Vorwege informiert worden. Die sowjetischen Stellen bekamen nur mit, wie das Grenzregime zusammenbrach.
Wenn man unterstellt, die Dislozierung der GSSD sei eine Reaktion auf diese Situation gewesen, was nahe liegt, dann ist es logisch, dass diese die Grenztruppen darüber nicht unterrichtet haben.
Die Grenztruppen wurden in dieser Nacht nicht geführt. Die mittleren Führungsebenen hatten andere Sorgen, als sich um GSSD Einheiten zu kümmern. Das wirkliche Risiko hatte darin bestanden, die Grenztruppen Soldaten und die Angehörigen der Pass - und Kontrolleinheiten des MfS in dieser Situation ohne zentrale Weisung zu lassen.

Joachim

taupe
17.03.2006, 17:18
"Wenn man unterstellt, die Dislozierung der GSSD sei eine Reaktion auf diese Situation gewesen, was nahe liegt, dann ist es logisch, dass diese die Grenztruppen darüber nicht unterrichtet haben."



Hallo Joachim,

wieso ist das naheliegend? Gab es da einen Automatismus der sich vielleicht auch auf Seite der GSSD in der unteren Führungsebene verselbstständigte?
Hätte dies dann nicht sehr schnell über bloßes Stellung nehmen hinaus gehen müssen?
Wurde vielleicht zu einem bestimmten Zeitpunkt von Moskau aus gebremsst oder versucht sich mit dort abzustimmen?

FEK
17.03.2006, 17:57
joachim,

ich zweifle nicht an, das Schabowski die berühmten zwei Worte sprach und das dann einiges kunterbunt ablief. Ich kann mir aber eben nicht vorstellen, das (gerade wegen der angespannten Situation, welche ja nicht spontan am 9.11. entstand) Kräfte der WGT unangemeldet in den Bereich eindrangen für welchen die GT zuständig waren.
Ich denke eher, es gab da ein eingespieltes Regime der Anmeldung. Woher sollten sonst die GT wissen, das es sich um eine reguläre Maßnahme der WGT und nicht um einen gewaltsamen Durchbruch von Sowjetsoldaten handelt?
Wir brauchen eigentlich nur einen ehemaligen Grenzoffizier zu fragen, wie das gehandhabt wurde. Ist denn hier keiner im Forum?

Im übrigen ist dein Zeitzeuge bisher die einzige Quelle für den Aufenthalt sowjetischer Kräfte an der Grenze zu diesem Zeitpunkt. Das es nicht massenhaft weitere solche Meldungen gibt, verwundert mich schon. Oder gab es eine geheime Absprache zwischen Helmut Kohl und Michael Gorbatschow, den Mantel des Schweigens darüber zu decken? :cool: Aber warum schweigen dann auch alle anderen? Die Grenzer sollten das doch bemerkt haben. Oder bin ich nur einfach uninformiert?

FEK

joachim
17.03.2006, 18:16
Hallo FEK,

Wie schon gesagt befanden sich die Stellungen für die behauptete Dislozierung ca. 600 Meter freundwärts vor dem Hinterlandszaun, lagen also nicht im Handlungsraum der Grenztruppen.

Der Zeitzeuge war zum fraglichen Zeitpunkt Kommandeur des Funk und funktechnischen Aufklärungsbataillon 5 das ist unstrittig. Warum sollte er die Unwahrheit sagen.

Ich suche aber nach weiteren Bestätigungen; ein einziger Zeitzeuge ist zu wenig. Das ist der Grund meines Postings. Die bisherigen Antworten (Thunderhorse) scheinen mehr den süddeutschen Raum (Hessen / Bayern) zu betreffen.
Von westlicher Seite wären solche Dislozierungen eher nicht öffentlich bekannt gegeben worden. Das gilt sicher noch heute. Möglicherweise findet sich darüber etwas im Militärarchiv Freiburg oder bei der BStU.
Allerdings haben die entsprechenden Einheiten FuFuTAB 5 und SAK 5 viel Material, was die operative Planung betraf, vernichtet.

Joachim

FEK
17.03.2006, 18:32
Hallo FEK,

Der Zeitzeuge war zum fraglichen Zeitpunkt Kommandeur des Funk und funktechnischen Aufklärungsbataillon 5 das ist unstrittig. Warum sollte er die Unwahrheit sagen.
Joachim

er wird sicher nicht die Unwahrheit gesagt haben. Zu prüfen ist lediglich ob die Interpretation der spärlichen Fakten vertretbar ist.

FEK

Thunderhorse
11.04.2006, 23:24
Betreff angebliche Grenzsicherungseinheiten der GSSD an der Grenze, vom 10. November 1989 bis Januar 1990:

In der Zwischenzeit hatte ich die Gelegenheit, mit einigen ehem. Angehörigen von Grenzüberwachungsorganen / Militärverbindungsmissionen / Grenztruppe aus West und Ost das oben genannte Thema ausführlich zu erötern. Ferner habe ich Unterlagen, die den gesamten Bereich der ehem. innerdeutschen Grenze (von der Ostsee bis zum Dreiländereck bei Hof) umfassen, gesichtet.


Sowohl die Kontaktpersonen als auch die Nachschau in den Unterlagen haben keinerlei Hinweise auf die vorgenannten Aktivitäten der GSSD ergeben.
Da es sich angeblich auf den Bereich des GR 6 beschränkt haben soll, kann es eventuell eine Alarmübung der GSSD nach Alarmkalender gewesen sein. Zufall!!!?

Die angesprochene Stellung freundwärts des Grenzsperr- und Signalzaun ist keine Seltenheit gewesen. Die Masse dieser Beobachtungsstellen der GSSD/WGT lag freundwärts im Handlungsstreifen der Grenztruppe (dieser umfaßte einen Bereich von etwa 5 km, vom Grenzverlauf in die Tiefe der DDR und endete nicht am GSSZ).
Entfernung der B-Stellen zwischen 50 und 5000m zum GSSZ.

Insgesamt dürften etwa 3 - 4 Bestellen im Schutzstreifen gelegen haben, so zum Beispiel die Anlage Blosenberg, eine Stellung bei Hetschbach, und eine Stellung im Raum Eisenach.

Aus diesen Stellungen wurde sowohl optische wie auch technische Aufklärung betrieben. Die Bunkeranlagen (wenn man davon überhaupt sprechen kann) und Baracken waren mit Masse nicht ständig besetzt. Dies orientierte sich z.B. an Manövern der NATO oder bei anderen Aktivitäten im westlichen Grenzgebiet.
Besetzung von B-Stellen durch die US-Army oder Grenzübungen westlicher Behörden.

Versorgt wurde die Truppe durch Anlehnung an Objekte der Grenztruppe, Tauschhandel mit der Bevölkerung und durch die eigenen Einheiten.
Der An-und Abtransport erfolgte mit Masse mit Lkw oder Jeep. Selbst mal per Foto festgehalten.

Interessant ist jedoch, dass ab etwa Mitte Januar 1990 ein Großteil der B-Stellungen bis in den Juni hinein besetzt waren. Zuvor waren die Bunker bereits für die Bevölkerung zugänglich. Ab März/April wurden auch Soldaten der GSSD mit Lkw beim Abbau von Grenzsicherungsanlagen beobachtet, bzw. sind offen in der 5km Zone auf getreten.
Es wurde auch versucht, im Bereich der Grenzübergangsstellen Kontakt mit Personen aus dem westlichen Ausland auf zu nehmen.


Keiner meiner Kontaktperson (ob Ost oder West) ist übrigens der Begriff Grenzsicherungseinheiten der GSSD geläufig. Wer diesen so interpretiert hat, ist für mich nicht Nachvollziehbar.

So, dass soll es dazu gewesen sein.

Gruß.

Thunderhorse

P.S.: Meine Erkenntnisse erstrecken sich auf die gesamte ehem. Grenze, Schwerpunkte eingeschlossen.

Thunderhorse
11.04.2006, 23:31
Übrigens hier kann man zwei dieser Bunker / B-stellen auf Fotos betrachten.
http://www.eaglehorse.org/2_border_mission/border_diagram/soviet_bunkers1.htm

MfG.

Thunderhorse

joachim
13.04.2006, 14:26
Ferner habe ich Unterlagen, die den gesamten Bereich der ehem. innerdeutschen Grenze (von der Ostsee bis zum Dreiländereck bei Hof) umfassen, gesichtet.

Du kannst einfach Unterlagen der westlichen Aufklärung sichten? In diese Unterlagen würde ich auch gern mal Einsicht nehmen.

Joachim

Thunderhorse
21.12.2006, 12:06
Geh doch mal auf die Betreiber von Grenzmuseen zu. Dort dürfte so manches Aktenmaterial zum Thema Grenze zur DDR - CSSR lagern.
Oder in die zuständigen Staatsarchive.
Problem wird sein, dass nach 5 bzw. 10 Jahren die Tagesmeldungen und teilweise Monatsberichte vernichtet wurden.

TH

joachim
21.12.2006, 20:44
Hallo Thunderhorse,

Ich bin bisher davon ausgegangen, dass entsprechende Lageberichte - so diese in die Staatsarchive (in diesem Fall wohl Niedersachsen) eingegangen sein sollten, erst nach 30 Jahren eingesehen werden können (Archivgesetz). Eine Ausnahme bilden die Nachlässe der DDR Organe, die vollständig eingesehen werden können (mit Ausnahme des Nachlasses des Außenministeriums der DDR, hier gilt die 30-Jahres-Frist).

Die Akten auf westlicher Seite - Lageberichte (des BGS?) - sind also teilweise zugänglich?
Betreiber von Grenzmuseen würde ich gern anschreiben. Kannst Du mit Hinweisen helfen? Ich recherchiere auch schon sehr viel, wie Du weißt seit einem Jahr im Rahmen des Mauerprojekts (NVA-Forum). Ich habe auch einen Forschungsantrag bei der BStU gestellt (läuft seit Januar). Ich mache das aber alles in meiner Freizeit und bin daher für jede Hilfe dankbar.


Joachim

Thunderhorse
22.12.2006, 08:54
Hi Joachim,

auch wenn Sperrfristen bestehen, wenn es sich um einen offiziellen Forschungsauftrag handelt, dürfte es auch etwas einfacher sein, Unterlagen zu sichten.
Hier müßte man jeweils separat vor Ort in den Archiven anfragen.

Zu den Lageberichten /Tage-, Monatslagen) BGS. Erwarte hier nicht zuviel in den Archiven. Ich habe schon in einem anderen Zusammenhang daruf hingewiesen, dass Akten nach 5 oder 10 Jahren Sperrfrist vernichtet werden mußten/wurden. Es sei denn, man benötigte noch das eine oder andere. Das waren z.B. Dislo-Übersichten, Dokumentation zu den Sperranlagen, Statistiken, etc..


Zu dem Hinweis, Grenzmuseen. Schreibe doch diese einfach mal an oder Frage telefonisch dort nach, inwieweit diese Unterlagen von den ehem. Grenzbehörden West oder Ost in den Archiven haben. Jedes HZA, ZKom, GPI oder GPS, GK oder GB der GT hatte ja Akten, Fotos.
Und ob das Material, für Forschungszwecke (Antrag/Verfahrensweise mußt Du slebst klären) vor Ort gesichtet werden kann!

Eventuell ist auch eine Anfrage bei den damit befaßten Dienststellen der Bundespolizei/BGS, HZA Erfolg versprechend.
Kann ich jedoch nicht beurteilen.

Du bist doch in HH ansässig, bei der Bundespolizei in Lübeck existiert ein Grenzmuseum. Dort kann man auch mal Anfragen.

TH

Lauterbacher
03.01.2007, 08:08
Moin Moin,

also ich hab mal mein Schwiegervater auf die Sache angesprochen (Eisenacher) und der hat mal seine Kollegen gefragt.
Zusammenfassend folgendes:

1.) In der Tat wurden die Grenzer nur sehr sehr spärlich über Operationen der Sowjets informiert, wenn überhaupt.

2.) Durch die Politik von Gorbi und Co. bestand ein starkes Mißtrauen der Sowjets den NVA/ GT gegenüber, anders als in der immer wieder beschworenen Waffenbrüderschaft der sozialistischen Staaten...

3.) Im Bereich Eisenach (also Übergang Herleshausen) gab es keine militärischen Aktivitäten der Sowjets

4.) Die Alamierung auf Seiten der DDR war ausschließlich für einen Einsatz im Inneren vorgesehen. Offenbar ist da nicht einmal einer auf die Idee gekommen, daß der "böse Westen" die Situation militärisch ausnutzen könnte.

5.) Seine Kollegen hatten eher den Eindruck, daß der WP viel mehr Sorgen über das mögliche Verhalten der DDR-Staatsorgane hatte. Es hörte sich so an, daß die Sowjets eher die para/- und militärischen Organe der DDR im Auge halten sollten.


Soweit aus den Quellen!

Was mich nur doch etwas verwundert sind die 600m!

Also, wenn man einer Gefahr eines Durchbruches der US/BW oder NATO begegnen will, also eine Auffangstellung aufbaut, ist das viel viel viel zu nah an der Grenze. Die Gefahr der Ausflankierung und Überflügelung ist zu groß. Nicht einmal mehr für räumlich stark begrenze Operationen ist da noch Platz. Also für den Verteidigungsfall ist eine solche Nähe zur Grenze völliger Quatsch.

Eher Sinn macht die Nähe, wenn ein Grenzübergang militärisch geschlossen werden soll. Da jedoch bei Herleshausen definitiv keine militärische Operationen der Sowjets statt fanden, kann dieser Zweck ausgeschlossen werden. Es macht ja nur Sinn, wenn alle Grenzübergänge gleichzeitig geschlossen werden.

Die Nähe macht auch Sinn für eine offensive Absicht, aber das scheint ja wohl auch auszuscheiden. Zu wenige Truppen, keine allgemeine Alamierung, fehlende Aktivitäten der Marine/ Luftwaffeneinheiten...


Allerdings stimmt nicht ganz, daß auf westlicher Seite alles ganz ruhig gewesen war. Ich weiß ja nicht, wer hier wo gedient hat und was er in dieser Zeit gemacht hat, aber es war einiges los.

Einer der 10. Spec.Forces meinte dazu, daß es die "tollsten" Tage seid dem Fall von Saigon gewesen waren. Auf US Seite war man zwar der Ansicht, daß daraus keine Gefahr für das NATO-Gebiet sich entwickeln könnte, aber die Gefahr von Bürgerkrieg, Unruhen..in der DDR und WP-Staaten wurde erwartet. Und eine solche Gelegenheit zur Infiltration wollte man sich ja wohl dann doch nicht entgehen lassen. Außerdem dachte man auch eher an einen vorübergehenden Zustand.

Eine ganze Reihe von Stützpunkten entlang der Grenze waren sehr wohl in erhöhter Alarmbereitschaft. z.B. Fulda. Insbesondere in den Stützpunkten Sickels und Langöns standen 50% der Hubschrauber in den ersten 6 Tagen mit laufender Turbine auf dem Startplatz. Ob jetzt aufmunitioniert, konnte mir nun keiner sagen, aber die Stützpunkte waren hermetisch abgeriegelt. Dies wurde übereinstimmend und unabhängig von einer ganzen Reihe von Augenzeugen berichtet, kann also für gegeben hingenommen werden.




Gruß Ulrich


Was genau waren denn das für Truppen, die da lagen ??

Thunderhorse
03.01.2007, 11:57
Hallo Lauterbacher,

schöne Ausführungen von Dir.

Im Raum Herleshausen/Wartha, wie auch bei Melpers oder auf dem Blosenberg, oder im Nordbereich fanden schon miltärische Aktionen der GSSD statt. Die bekannten B-Stellen waren seitens der Aufklärungsbtl. der GSSD meist besetzt. So auch zu dieser Zeit.


Und woher stammen die Augenzeugenberichte, dass 50 % der Helikopter auf Sickels und Langöns über 6 Tage mit laufenden Turbinen standen???
Das wäre selbst den Anwohnern aufgefallen, bei dem Lärm!
Es wurde normale bzw. zusätzliche Grenzüberwachung geflogen bzw. die Führung des 11th ACR machte sich ja auch ein Bild vor Ort.

Die Stützpunkte an der Grenze und dabei handelt es sich um die BOP´s (waren nicht mal alle besetzt) bzw. die Border Camps (ständig besetzt), waren in keiner erhöhten Bereitschaft. Hier wurde normaler Dienst geschoben, die Reaction Teams waren wie gehabt in Stand By in den BC´s.
Es wurden auch keine Kräfte zusätzlich verlagert.


Und welche Stützpunkte waren hermetisch abgeriegelt? Munitionsdepots, Air Defence Stellungen?
Sicherlich nicht die BC´s oder BOP´s.
Ich konnte dies nicht in den BOP´s oder Border Camps feststellen, obwohl ich dort fast täglich vor Ort war. Für einige BOP´s hatten wir Zugangsberechtigungen, da wir im Besitz der Schlüssel waren.
Und die seitens der US-Army genutzten, konnten jederzeit von uns Betreten werden (kurzer Anruf vorher).

Sorry, aber ich war damals vor Ort, und meine US-Kollegen von damals können sich auch nicht daran erinnern.

Im übrigen waren es damals tolle Tage.

TH

Thunderhorse
03.01.2007, 12:20
Zur Ergänzung:


Ruhig war es sicherlich nicht in den Tagen nach der Grenzöffnung, also ab dem 10. November 1989, in den frühen Morgenstunden.
Alarmiert wurde auch, aber um Kräfte für die Verkehrsregelungen heranzuführen, die Versorgung der DDR-Reisenden zu gewährleisten.

Und zu den BOP´s - BC´s.
Die US-Army führte ihren normalen Grenzdienst durch. Die Besatzungen der Border Camps fuhren Streife, die Kräfte auf den BOP´s (nicht alle waren besetzt und wurden nach dem 09.11.89 auch nicht besetzt) sind im 24-Stunden Rhytmus abgelöst worden.
Was wegen dem Verkehrsaufkommen gar nicht so leicht war.



Zu hermetisch abgeriegelten Stützpunkten:
Ich konnte dies nicht in den BOP´s oder Border Camps feststellen, obwohl ich dort fast täglich vor Ort war. Für einige BOP´s hatten wir Zugangsberechtigungen, da wir im Besitz der Schlüssel waren. Was auch nach dem 09.11. nicht verwehrt wurde.

Empfehle Dir das Buch: On Freedom´s Frontier, des 11th ACR Fulda

http://www.eaglehorse.org/2_border_mission/freedoms_frontier/freedoms_frontier.htm

Cover anklicken und dann durcharbeiten.
Die Bilder entstanden ab dem 10. November 89.

TH

Thunderhorse
03.01.2007, 12:57
Hi Lauterbacher.


Zu den 10 SF, 1 Btl in Bad Tölz.

Eine Gefahr einer Überreaktion bestand anfänglich sicherlich. Zumal in den ersten Stunden die Organe vor Ort nicht informiert wurden und in eigener Entscheidung handeln mußten. Die Mitteilung zu den Reiseerleichterungen und die schnelle Umsetzung seitens der Bevölkerungsmassen ab den späten Abendstunden des 09.11.89 kam ja auch überraschend. (Siehe auch NVA-Forum)

Das man einen Bürgerkrieg oder Unruhen für eine Infiltration nutzen wollte, dies halte ich für eine Mär/Hoax.
Darauf war zu diesem Zeitpunkt meiner Meinung nach keiner Vorbereitet.
Siehe 13. August 1961.
Und die SF im Kurzhaarschnitt auf dem Boden des WP???

Ab der Grenzöffnung waren jedoch die westlichen MVM´s in der DDR on Tour, um ein Lagebild zu erstellen.

TH

emu
03.01.2007, 13:14
Hallo Thunderhorse,
es ist spannend wie genau Du das berichtest,Lob,Lob,Lob!!!!

Ein Gutes und lehrreiches Jahr wünsche ich uns allen!!

Thunderhorse
03.01.2007, 14:53
Da es ja zuvor um den Bereich des 11th ACR - V US-Corps ging.

Auch im Bereich des VII US-Corps, zuständiges ACR war das 2th (für die Grenze zur damaligen DDR (Trennungslinie der US-Corps lag in Unterfranken) und CSSR) mit HQ in Nürnberg, Schwadronen in Bamberg, Bindlach bei BT und Amberg (mit den zugeordneten Grenzcamps BC´s), gab es keine höheren Maßnahmen. Weder in Schweinfurt, noch in Bamberg oder Nürnberg/Feucht liefen in diesen Tagen die Turbinen der Helikopter Rund um die Uhr, auch nicht die 50 %.

TH

Lauterbacher
03.01.2007, 19:49
Moin Moin,

klaro!

Ich befragte meinen Schwiegervater nicht nach irgendwelchen normalen Aktivitäten, die sonst auch stattfanden, sonders nach außergewöhnlichen Truppenbewegungen im Gelände. So wie in der ursprünglichen Fragestellung beschrieben. Klar, waren die Stellen besetzt, so wie meist immer!


Das mit den Hubschraubern hab ich ja gerade von den Anwohnern, mich darfst Du da nicht fragen, aber ich glaube nicht, daß die sich alle getäuscht haben und auch noch alle in der gleichen Sache. Das hermetisch abgeriegelt bezog sich übrigens auf die beiden genannten Stützpunkte. Aber wie gesagt, mehrere Anwohner erklärten das übereinstimmend, mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Ich hab dort nicht gewohnt!


Was allerdings die 10. angeht, da bist Du glaube ich auf dem Holzweg. Was glaubst Du wozu der hohe Anteil von Ausländern (insbesondere Ostblock) bei den SF da war? Ich meine sowas ist ja sogar in Trivialliteratur wie Schauer und Co. nachzulesen. Wozu in den SF insbesonders Wert auf fließende Fremdsprachenkenntnisse Wert gelegt wurde (Polnisch, Tschechisch, Russisch...) Wie war das mit dem Plan während Unruhen in das entsprechende Land zu infiltrieren?? Stand sogar dummerweise mal in der Times (Ich hab den Artikel irgendwo rumliegen, such ihn noch raus, war so 82/83...


"....Und die SF im Kurzhaarschnitt auf dem Boden des WP???..." Das sind die Ranger nicht die Green Berets!;)


Noch einfacher: Frag einfach mal einen der Jungs.

Gruß Ulrich

Thunderhorse
03.01.2007, 20:23
Woher will Dein Schwiegervater gewußt haben, wann die Bunker der GSSD besetzt waren? Ist er jedesmal dort vorbeigefahren?
Wenn er an der GÜST Wartha eingesetzt war, hat er dies doch gar nicht mitbekommen, die Nachricht ging doch nur an das zuständige GR, BG und GK, wenn überhaupt. Die dort befindliche Stellung war von der GÜST weit weg und nicht einsehbar!

Wartha war auch für die GSSD uninteressant. Alliierte in Uniform und zivil durften ja nur über Marienborn mit dem Pkw nach Berlin fahren.
Und der normale Reisende aus den USA, GB, Frankreich wurde dort von der PKE abgefertigt.
Sollte sich doch einer Verfranzt haben, hätte Ihn sicherlich der Grenzschutzeinzeldienst vorher gestoppt.
Aber auch die GSSD schaute fast täglich vorbei an der GÜST. mit der MI24 oder MI8 bei Ihren Kontrollflügen im Rahmen des DHS.

Die Green Berets muß ich nicht fragen. Die wollten ja auch ab und an die Grenze sehen.
Was ja auch von Ronald Reagen damals so angeordnet war. Jeder US-Militär sollte/mußte an die Grenze (auch bei Reforger z.B.) geführt werden. Lief aber mit Masse direkt über die US-Border Camps.
Fließende Fremdsprachen des Ostblock konnten auch die Angehörigen der MI-Dienststellen sprechen, Pflichtsprachen, sonst kam man nicht auf diese Dienstellen. War also nichts berühmtes.

Soso, Sickels und Langöns sollen hermetisch abgeriegelt gewesen sein!
Komisch. Hat uns damals vom 4/11 ACR bzw HQ 11th ACR keiner gesteckt.
Aber wenn man heute nach über 15 Jahren Leute befragt, was so um den 09/10.11.89 alles gelaufen ist, wissen die plötzlich alles und beim Hinterfragen "nichts".
Auf Sickels-, Feucht- oder Schweinfurt Airfield hat es damals auch schon vorher und danach gebrummt. Die US-Army hatte meist regen Flugbetrieb.

Was übrigens 1982 oder 1983 noch für SF galt, war in 1989 vielleicht, schon in Teilen überholt.
Und bei Unruhen infiltrieren, das wollte die politische Ebene damals sicherlich nicht. Dafür gab es andere Möglichkeiten. Warum haben sich die Westmächte und die Bundesregierung zurück gehalten? Die Chance für politische Veränderungen kam in den Tagen und Wochen danach und die hat man auch genutzt. Siehe Wiedervereinigung.
Es war auch kein Spannungsfall zur damalaigen Zeit!

Aber jeder soll seinen Glauben haben.

TH

Lauterbacher
04.01.2007, 07:28
Moin Moin,

".....Woher will Dein Schwiegervater gewußt haben, wann die Bunker der GSSD besetzt waren? Ist er jedesmal dort vorbeigefahren?
Wenn er an der GÜST Wartha eingesetzt war, hat er dies doch gar nicht mitbekommen, die Nachricht ging doch nur an das zuständige GR, BG und GK, wenn überhaupt. Die dort befindliche Stellung war von der GÜST weit weg und nicht einsehbar!...."


Keine Ahnung, ich sag doch, er hat die ehemaligen Grenzer gefragt, die zu der Zeit Dienst schoben. Ich kann nicht mehr dazu sagen.



"....Soso, Sickels und Langöns sollen hermetisch abgeriegelt gewesen sein!
Komisch. Hat uns damals vom 4/11 ACR bzw HQ 11th ACR keiner gesteckt.
Aber wenn man heute nach über 15 Jahren Leute befragt, was so um den 09/10.11.89 alles gelaufen ist, wissen die plötzlich alles und beim Hinterfragen "nichts".
Auf Sickels-, Feucht- oder Schweinfurt Airfield hat es damals auch schon vorher und danach gebrummt. Die US-Army hatte meist regen Flugbetrieb...."


Stimmt!!!!!!!!! das ist in der Tat ein Problem. Ich schreibe ja fleißig an meinem Buch, als ich dann das Einverständnis der Quellen zur namentlichen Nennung in der Quellenangabe einholte, war nur noch die Hälfte sicher. Jaja, wie immer. Dennoch habe ich es mit reingenommen, allerdings unter der persönlichen Meinung der genannten Quellen. Ich denke nur, daß insbesondere Anwohner, die ständig dem Flugbetrieb ausgesetzt waren am besten Unterschiede bemerken, weswegen ich ja auch die Tour unternommen hatte! Man was das nervig. Die ersten 40% sind zugezogen, die anderen 30% erinnern sich nicht mehr, die weiteren 25% wollen mit dem "Quatsch" nichts zu tun haben. Wenn es hochkommt bekommt man gerade mal 5% überhaupt vor das Mikro!




".....Was übrigens 1982 oder 1983 noch für SF galt, war in 1989 vielleicht, schon in Teilen überholt.
Und bei Unruhen infiltrieren, das wollte die politische Ebene damals sicherlich nicht. Dafür gab es andere Möglichkeiten. Warum haben sich die Westmächte und die Bundesregierung zurück gehalten? Die Chance für politische Veränderungen kam in den Tagen und Wochen danach und die hat man auch genutzt. Siehe Wiedervereinigung...."

Auch das ist richtig, es war sehr viele Befehle überholt bzw. abgeändert worden. Ich rede hier auch nicht von einer Infiltration in Kompaniegröße oder so, sondern um einzelne Aufklärungsaktionen. Ich hoffe das ist nicht falsch verstanden worden. Es war nicht geplant da irgendwelche Einheiten zur Sabotage oder sowas hinüberzuschicken. In der Tat durfte von US bzw. Nato Seite keinerlei Einflußnahme ausgeübt werden. Es ging in diesem Zusammenhang wohl nur um bestimmte Objekte, die man sich mal etwas näher und unbemerkt ansehen wollte. Es war keine Einschleusung von was auch immer.

@Thunderhorse: Willst Du mein Buch dann, wenn es wirklich endlich mal fertig werden sollte, gegenlesen, also das Skript meine ich?? Ich würde mich freuen!

Gruß an Alle


Ulrich

Doc Hollywood
08.01.2007, 20:04
Hallo Jungs!

Die in post 11 erwähnte 21.MSD der NVA gab es nicht. Wird wohl ein MSR der 8.MSD gewesen sein.
Im NVA-Bereich hatte im Umkreis größerer Städte mit Sicherheit alles erhöhte Gefechtsbereitschaft.
Vom LSR-40 ist ja bekannt,daß es in den Straßen von Leipzig bereit stand.
Ich kann mir nur zu gut vorstellen, daß die Russen bei der angespanten Situation im Herbst 89 Gewehr bei Fuß standen.
Wenn sie wirklich so nah an der innerdt.Grenze in Bereitschaft lagen, muß daß den Grenzern vom GK Nord ja aufgefallen sein.
Das sie offiziell nichts wußten mag sein, denn um die viel gerühmte Waffenbrüderschaft haben sich die Russen einen Dreck geschert.
Man hat in wirklichkeit der NVA in Hinsicht auf eine Konfrontation mit der BW nicht über den Weg getraut.
Klassisches Bsp.: Einnahme von WB.Dort war der NVA-Gruppierung um die 1.MSD eine russ.Brigade unterstellt.(um den Schein zuwahren).In Wirklichkeit habeb sie mit eigenen Kräften die Einnahme von WB geplant.In dieses Szenario hatte kein NVA´ler Einblick.

Gruß Doc

joachim
08.01.2007, 20:33
[QUOTE=Doc Hollywood;2365]Hallo Jungs!

Die in post 11 erwähnte 21.MSD der NVA gab es nicht. Wird wohl ein MSR der 8.MSD gewesen sein.

Richtig das ist ein Fehler, es handelte sich um das MSR 29 der 8. MSD.

Joachim

joachim
08.01.2007, 20:58
Noch mal zu den selbstständigen Panzerregimentern der GSSD / WGT die dort ab 10.11.1989 stationiert gewesen sein sollen (!).
Es gab davon vier: Die beiden, die der 2. Garde Panzer Armee der GSSD unterstellt gewesen sein sollen, trugen zunächst die Nummerierung 731. selbstständiges Gardepanzerregiment in Hagenow und 732. selbstständiges Gardepanzerregiment in Güstrow.
Es hat offensichtlich im Verlauf der 1980er Jahre hier eine Umnummerierung gegeben, danach trugen die besagten Panzerregimenter die Nummern 221 [Hagenow] und 222 [Güstrow]. Die beiden Panzerregimenter wurden noch vor der Wiedervereinigung in die UdSSR zurückverlegt.

Die Information zur Umnummerierung erhielt erst im Mai 2006 [für Thunderhorse: nachzulesen im Nicholson Thread des NVA Forums]

Joachim

Thunderhorse
08.01.2007, 21:07
Doc Hollywood.

Vorstellen kann man sich vieles. Wie damals die Realität war, ist jedoch eine andere Sache.

Und was so alles am 09/10. November bei der NVA in Bereitschaft lag oder nicht das läßt sich ja heute an den zugänglichen Unterlagen weitesgehend nachvollziehen.
Das LSR 40 war zum damaligen Zeitpunkt nicht mehr in Leipzig. Die in Bereitschaft gesetzten Kräfte der NVA verblieben in den Standorten.Diese erhöhte Bereitschaft wurde am 10 oder 11.11.89 bereits wieder aufgehoben. Am Brandenburger Tor wurden zusätzliche Kräfte der GT zum Einsatz gebracht.
Es gibt dazu im NVA-Forum einiges an Informationen.

Es wäre eine Runde Sache wenn man mit konkretem Antworten/handfesten Informationen daherkommen könnte.

Nicht mit den Floskeln:
gut Vorstellen / mit Sicherheit / wird wohl ....


Und sollte doch mal die 21. MSD aufgetaucht sein. Man änderte bei den Übungen der NVA und GSSD auch mal schnell eine Truppenbezeichnung. Da Bedarf es einer tieferen Recherche inwieweit solch eine MSD bei einer Übung existierte.

Na Joachim hat ja schon eine Antwort zur 21. MSD gegeben.

TH

Thunderhorse
08.01.2007, 21:15
Hallo Lauterbacher.

Wie soll das Buch heißen?
Was für einen Inhalt/Themenbereich deckt es ab?

Sollte es erscheinen, wäre dabei ein Verzicht auf die unsicheren Quellen sinnvoll.
Selbst eine deutliche Kenntlichmachung dahingehend ist meiner Meinung nach nicht hilfreich.
Hinterher wird schnell wieder etwas erfunden und dazu gedichtet. Und das steht ja so in dem Buch.
Das als persönliche Anmerkung auf Deine letzte Antwort.

TH

Thunderhorse
08.01.2007, 21:20
Hallo Joachim.

Die selbstständigen PR der GSSD/WGT, da bereits vor der Wiedervereinigung abgezogen, könnten diese Teil der geplanten Truppenreduzierung seitens der UdSSR gewesen sein?


TH

joachim
08.01.2007, 21:47
Hallo Thunderhorse,

Eine erhebliche Truppenreduzierung der WGT war in jedem Fall geplant, unabhängig von den späteren (1990) Verhandlungen. Ob die sst Panzerregimenter in diesem Zusammenhang abgezogen wurden, kann ich leider nicht beantworten, ich halte dies aber für die wahrscheinlichste Erklärung.

In diesem Zusammenhang ist das angehängte MfS Dokument vom Sommer 1989 vielleicht ganz interessant. HA XVIII (= Absicherung Volkswirtschaft), SPK = Staatliche Plankommission

Da schlecht zu lesen:

Hauptabteilung XVIII 30.07.1989

Information über Hinweise der vorgesehenen Reduzierung der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte auf dem Territorium der DDR

Der Mitarbeiter aus der Verwaltung Regierungsaufträge des Militärbereiches der SPK [=Staatliche Plankommission], Genosse [von BStU geschwärzt], PKZ [Personenkennzeichen] [BStU Geschwärzt] erhielt in Konsultationen mit Vertretern der Rückwärtigen Dienste der Westgruppe der Sowjetischen Streitkäfte Informationen, die beinhalteten, dass die auf dem Territorium der DDR stationierten Sowjetischen Streitkräfte bis 1995 aufgelöst / in die Sowjetunion zurückgeführt würden.

Eine ähnliche Information erhielten Mitarbeiter der Abteilung Beschaffung der Verwaltung Regierungsaufträge aus Konsultationen mit Partnern aus rückwärtigen Dienststellen der Feldposteinheit (FPE) 61963.

Joachim

Doc Hollywood
08.01.2007, 22:48
hab ja nicht geschrieben, daß das LSR-40 am 9/10.11.89 in Leipzig war.

LSR war vom 4.-8.11.89 in Leipzig.
Nachzulesen in "Vom Himmel auf die Erde ins Gefecht"
Das die Einheiten bei übungen mal anders bezeichnet wurden, ändert aber nichts an der Tatsache das es keine 21.MSD gab.
War ja auch nur ein gut gemeinter Hinweis.

Gruß Doc

joachim
08.01.2007, 23:09
Doc Hollywood,

Mir ist nicht bekannt, dass das Luftsturmregiment 40 im von Dir geposteten Zeitraum in Leipzig war. Möglicherweise meinst Du den Oktober 1989?

In Leipzig wurde nach der Auslösung der „ERHÖHTEN GEFECHTSBEREITSCHAFT" am 04.10.1989 um 23.45 Uhr nach ca. 5 Stunden, am 05.10.1989 um 05.00 Uhr, die Sicherheit für Waffen und Munition in den Waffenkammern wieder hergestellt.
Beginnend in den Morgenstunden des 05.10.89 wurden im Raum Leipzig 27 Hundertschaften gebildet. Für 15 Hundertschaften wurden Schlagstöcke zugeführt. Diese Mittel wurden zentral gelagert und nicht am Mann ausgegeben. Als Aufgaben der Hundertschaften waren Absperrungen sowie Objektsicherungen (z.B. Hauptbahnhof, Hauptpostamt und Sender Leipzig) vorgesehen. Von den Kräften des MB III wurde eine Hundertschaft am 30.10.1989 gegen 16.30 Uhr für zwei Stunden in der Bezirksparteischule Richterstraße zum Schutz des Senders Leipzig in Bereitschaft gehalten. Zum Einsatz kam diese Einheit nicht.
Zusätzlich zu den 27 Hundertschaften wurden vom 14.10.1989 abends bis 17.10.1989 drei Hundertschaften des Luftsturmregiments-40 in das Objekt des Artillerieregiments-3 Olbrichtstraße verlegt.
Diese zeitweilig mit Schlagstöcken und Schilden ausgerüsteten Einheiten kamen wie die Einheiten des MB III nicht zum Einsatz.



Zitat: Abschlußbericht des Ausschusses zur Untersuchung von Fällen von Amtsmißbrauch, Korruption und persönlicher Bereicherung in der Nationalen Volksarmee und den Grenztruppen der DDR vom 15. März 1990".
Diesen Bericht erhielt der damalige Minister für Nationale Verteidigung, Admiral Hoffmann.
Unterschrieben von Oberst Hans-Jürgen Mader (Vorsitzender des Untersuchungsausschusses des MfNV).

Joachim

Doc Hollywood
09.01.2007, 00:31
Hallo Joachim!
Kam eben auch ins Grübeln,habe aber noch mal nachgelesen.
der Autor (letzter Kdr. des LSR-40,Mj.Seiffert),schreibt4.-8.11.89
Muß ja zur letzten großen Leipziger Montagsdemo gewesen sein, und ich meine das war der 6.11.89
Entweder Lüge von Seiffert oder Druckfehler im Buch.
Er schreibt, daß er Sa 4.11.89 zur Befehlsausgabe bein Kdo Lask war und Befehl erhielt mit 3 Sonderhundertschaften nach Leipzig zu verlegen (noch am gleichen Abend).
6.-8.10.89 könnte nicht funktionieren, da LSR an Parade 40.Jahretag teilnam.
14.-17.10. kann funktionieren, da Montagsdemo in Leipzig

Gruß Doc

Lauterbacher
09.01.2007, 08:25
Moin Moin!

@Thunderhorse:

Ich hab es eh schon rausgeschmissen, das ganze Kapitel während der Fall der Mauer. Paßt eh nicht in das Gesamtkonzept. Jetzt kommt nur noch ein kurzes Schlußkapitel über den Verlauf der Wiedervereinigung.

Der Buchtitel wird in etwa lauten: Der Kalte Krieg im Fulda Gap. Eine strategisch taktische Auswertung.

Eigentlich dreht sich das ganze Buch um 2 Schwerpunkte. Zum einen ca. 30% um den Zivilschutz im Spiegel der Presse: Aktion Eichhörnchen, Lehrplan in der Schule, Einbeziehung der örtlichen Kräfte, Katastrophenschutzübungen im Raum Lauterbach, Bad Hersfeld, Alsfeld, Schotten, Fulda.

Der andere Schwerpunkt sind die Manöver: Taktisch strategische Auswertung der FTX und Reforger, OPLAN....

Dazu habe ich die ganzen Manöverberichte aus diesen Zeiten incl. Karten, battle reports, Anweisungen/ Berechnungsleitfäden für Schiedsrichten..usw sowie Presseberichte, Manöverzeitungen..usw ausgewertet.

Da haben mir die vollständigen Unterlagen 3er simulierter Manöver geholfen. Da wurde genau aufgeschlüsselt: Marschdauer, Einsatzbereitschaft, Logistik, Verlustquoten, Schäden , Art des Angriffes, welche Einheiten usw. im Verlaufe eines 8 Tägigen Krieges im Bereich Fulda gap. Mit allem drum und dran: konventioneller Krieg-taktischer Atomschlag- Optionen für die BC-Kriegsführung- strategischer Atomkrieg...Diese Daten waren echt der Hammer, Himmel was wurde da alles berücksichtigt: Straßenschäden, Kommandounternehmen, Verhalten der Zivilbevölkerung, sogar Beseitigung der eigenen Schäden durch Sprengschächte (wenn man doch wieder über die Straße mußte) oder wie bekommt man eine Straße frei, die durch umgefallene Bäume aufgrund eines taktischen Atomschlages völlig unpassierbar ist... Bei zwei dieser Manöver wurde der Übergang vom taktischen zum strategischen Atomschlag simuliert. :D Komisch, daß diese Manöververlauf nach dem strategischen Schlag ziemlich schnell abbrachen:D

Dazu kommen natürlich die Zusammenfassung etlicher TM/FM´s.

Außerdem ein Kapitel: Manöver im Vogelsberg aus Presseberichten....


und ganz ganz viele Photo´s aus der Zeit.


Gibt einen ganz schön dickes Buch. Bin bei 180 Seiten und hab die Bilder noch nicht eingesetzt. Ist aber noch lange nicht fertig. Ich brauche noch mehr Daten über ein Pioniermanöver im Bereich Bad Hersfeld-Schlitz-Angersbach (Hi Harry)-Rudlos-Stockhausen... Da wurde ein fast nahezu geschlossener Minen-/Sperrengürtel gelegt. Bilder habe ich davon genug und man soll nicht glauben wieviele der Übungsminen als Andenken von den betroffenen Bauern mitgenommen wurden. Inzwischen habe ich etliche davon "gesichert" Insbesondere M19 AT, M21, M18...

Übrigens Harry: Unten im Lauterbacher Grund, vom Angersbacher Friedhof links gesehen, unterhalb der Tongrube hab ich auch Unterlagen und Bilder. Da zog sich eine 3fache Stacheldraht Sperre incl. AT und AP Minen entlang. Von der Tongrube kommend runter an die Lauter und dann rüber über die ehemalige Ziegelei.
Ne zweite Reihe auf der Höhe zwischen Landenhausen und Angersbach. Während der Übung standen Panzer Im Bereich Kugelberg, Lauterbacher Holzwerk (das am Bahnhof) um den Bereich Angersbach/Lauterbacher Graben.. decken zu können.

Zu dem Manöver gibt´s auch was zum Lachen (oder auch nicht). Ein Bauer aus Wernges hat, weil sein Feld vermint war, er aber Mist ausbrigen wollte, die Minen auf einen Haufen zusammengeschoben und den Mist z.T. dadrauf abgeladen. Pfui, die armen Soldaten, die die Teile wieder einsammeln mußten. Hat aber nie irgendwie Ärger bekommen. Ich möchte an dieser Stelle hinweisen, daß trotz einer weitläufigen Verwandschaft ich damit nichts zu tun hatte!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! !!!!!!!:cool:

Allerdings hat sich ein Bauer aus Pfort bzw. Nieder-Stoll so erschreckt, als er trotz Verbot über einen Waldweg fuhr und damit einen Simulator auslöste, daß er sein Traktor gegen einen Baum setzte. Resultat einmal Totalschaden und ein Leichtverletzter und eine ganze Menge Ärger...:rolleyes:


Gruß Ulrich


PS.: Wer noch Bilder, Manöverkarten oder sonsige hilfreiche Unterlagen aus der Zeit hat, bitte mal Melden.

Harry (†)
09.01.2007, 18:13
Da fragt man sich ob das Hattenbacher Bömbli nicht am Ende HIER war... der Schacht an der Jugenherberge und die Simu auf dem andern Berg passen da viel besser hin.

Übrigens, wenn du den Pfarrer suchst der die Hattenbachgeschichte auslöste gib laut. Und : Der Verein sucht noch Mitglieder :D

Lauterbacher
10.01.2007, 07:17
@Harry: "wuff":D

Was das bömbli angeht. Ich hatte mal nach einem Manöver in einem der Müllcontainer das Manöverhandbuch der Schiedsrichter gefunden. (Ja, ich bekenne, ich hab als Kind in den Müllcontainern der Ami´s gewühlt) Leider ist mir das Büchlein irgendwann abhanden gekommen:mad: Aber die Übersetzung von meinem großen Bruder hab ich noch (konnte damals noch recht wenig englisch, war gerade 10 Jahre alt)
Der Fahrplan dadrin sagte nichts über eine US/NATO Bömbli in unserer Gegend aber über rote Bomben auf Fulda, Bad Hersfeld, Frankfurt während der Angriffsphase und dann auf Giessen, Bad Nauheim, Kassel während der Rückzugsphase.

Damals wurden die Manöver ja streng nach Fahrplan ausgerichtet: Hinhaltender Widerstand, Konsolidierung, Gegenangriff und Durchbruch bis zur Grenze.

Also keine Panik, keine Atombombe auf unsere Gegend, der Bereich Grebenau-Lauterbach-Grebenhain wäre in der Tiefe von 5km nur chemisch verseucht worden:rolleyes:

Also alles halb so schlimm:cool:

Gruß Ulrich

Lauterbacher
10.01.2007, 07:57
Verdammt, jetzt hab ich die 10Minuten Sperre verpaßt, also noch ein Beitrag:

Die Schüler aus Almenrod, Wallenrod, Sickendorf und Heblos konnten nicht in die Schule kommen, da alles vernebelt war. Die Schulbusfahrer wollten nicht mehr fahren.
Die übende Truppe hatte Gasmasken auf und es gab daraufhin ne Menge Ärger vonwegen Gesundheitsschädlich und so.
War natürlich Quatsch, die haben "nur" die chemische Verseuchung durch feinliche Ari geübt.

Im gleichen Manöver wurde das Ausschachten von Massengräbern durch die Friedensbewegung beobachtet: der Teufel war los- auch Quatsch, waren in dem Fall nur Stellungen für die schwere Ari!

Aber der Zuspruch bei der nächsten Aktion der Ostermarschbewegung am Grebenhainer "Giftgasdepot" :rolleyes: war gesichert!


Allerdings war der Bereich Lauterbach-Schlitz immer ein hot point während der Übungen. Insbesondere in folgenden Gebieten haben die sich regelmäßig mächtig gefetzt:

Volltruppe:
Wälder zwischen Landenhausen und Rudlos
Kugelberg
Knöppsack-Frischborn
Höhenzug zwischen Wallenrod und Vadenrod
Bilskupp-Wernges-Lauterbacher Bahnhof
Stockhausen-Altenschlirf

kleinere aber auch regelmäßige Feuergefechte max. in Platoon größe:
Sängersberg (Bad Salzschlirf)
Wolfersberg/Eisenberg (Schlitz)
Hunlos (Hainich-Rudlos)
Im Keutz (das ist im Grund von Müs Richtung Stockhausen

Das sind die, die ich selber miterlebt habe. Da hat es sich immer gelohnt nach einem Manöver mal der Sammelleidenschaft nachzugehen!



Gruß Ulrich

Thunderhorse
15.04.2007, 22:50
Hallo Lauterbacher,

wie weit ist das Buch zum Fulda GAP schon gediegen?
Werden schon Bestellungen entgegen genommen?

TH

Harry (†)
15.04.2007, 23:24
Ja meld dich mal wieder, ich bräuchte mal die UNterlagen die wir besprochen hatten :D

Lauterbacher
30.04.2007, 07:35
Moin Leute,

sorry bin im Moment (so seit einigen monaten und in den nächsten wird´s nicht besser) total im Stress. Netter gutbezahlter Job, aber was bringt die Kohle, wenn man sie nicht ausgeben kann!

Das Buch ist erst mal auf Eis gelegt. Absolut keine Zeit mehr!


Alles andere: ich hoffe mal im Heimatland vorbeizukommen, wenn ich mal etwas Luft habe. Ich lande eh meist in Frankfurt, da ist vielleicht was zu machen.


@Harry: Unterlagen sind bereit. "Simulator Tonne" für Dich auch! Die kann ich aber dann nicht mitbringen. Vielleicht kann mein Bruder die mit nach unten nehmen, wenn er mal wieder hier ist. Was das Ausstellungsprojekt angeht, müssen wir unbedingt in Angriff nehmen, wenn ich nur mehr Zeit hätte :(


Gruß Ulrich



PS.: Ich hab jetzt endlich die Deko ADM bekommen. Leider nur ein Vollgußmodell aus so nem Plastikguß allerdings mit Bleikern wegen dem Gewicht. Trotzdem schönes Teil.

Anrheiner
05.06.2007, 17:31
Hi Joachim,

zu dem am Anfang zitierten Zeitzeugen: Ich war Offizier in diesem Truppenteil (FuFuTaB5), kenne den Herren KH persönlich und stehe allem was dort geschrieben steht sehr kritisch gegenüber.
Übrigens war die Truppe nie in Hagenow stationiert, sondern zuerst in Schwerin (von 1986 - 89 Johannes-Stelling-Straße) und ab 1989 bis zur Auflösung in Glöwen. In Hagenow war lediglich die SAK (Spezialaufklärungskompanie) des Bataillons untergebracht (bis 1986).

Gruß

Anrheiner

Thunderhorse
06.06.2007, 22:28
Hi Anrheiner,

das FuFuTAB 5 hat dann das Objekt der GT übernommen? Einst Standort des Grenzausbildungsregiments 5 Glöwen.
Die GT hat dafür das Objekt des FuFuTAB in Schwerin übernommen.
Korrekt?

Kannst Du zu den Aufgaben des FuFuTAB, auch Zusammenarbeit mit der GSSD, etwas erzählen? Gerne auch per PN.

TH

Thunderhorse
07.06.2007, 07:30
Hi Anrheiner,

kannst Du diese Info von Dir etwas näher beleuchten?

"und stehe allem was dort geschrieben steht sehr kritisch gegenüber."

In diesem Forum wurde das Thema auch schon behandelt:
http://www.lostplaces.de/forum/viewtopic.php?t=7252&sid=e26b79fc7f35bf04387964d92429879f

Danke.

TH

Anrheiner
07.06.2007, 11:41
Hi TH,

die Geschichte relativiert sich bekanntermaßen je mehr Zeit vergeht. Diesen psychologischen Effekt kann jeder bei sich selbst beobachten. Will sagen, die Positionen werden wichtiger, die Verantwortung größer....usw. Unser Gehirn vergisst wesentliche Dinge und verklärt die Realität. Niemand kann sich da ausnehmen. Man bedenke, es sind mittleweile fast 18 Jahre vergangen.

Ich möchte einiges zur Geschichte des FuFuTAB 5 berichten.

Das Bataillon wurde 1986 gegründet. Aber die einzelnen Kompanien existierten im Wesentlichen schon vorher. Die Funktechnische Aufklärungskompanie war bereits in Schwerin (Johannes-Stelling-Straße, direkt hinter dem Schweriner Schloß) stationiert und organisierte von hier aus die Funkaufklärung an der Westgrenze (z.B Roggendorf, Schlagsülsdorf). Die Spezialaufklärungskompanie war bis dato in Hagenow, in der Kaserne des MSR 29 untergebracht (hier waren auch das AB 8, das PiB 8 ), das ist auch nur eine der letzten Standorte der Kompanie, die sind viel herumgekommen. Die Spezialaufklärer waren im obersten Geschoss des Gebäudes untergebracht in dem auch das AB 8 saß.
Die Zusammenlegung der einzelnen bis dahin selbständigen Kompanien war eine Entscheidung die aus Kostengründen getroffen wurde. Außerdem war die organisatorische und logistische Führung dadurch einfacher.
Neu dazu gegründet wurde eine Nachrichtenkompanie, zuständig für die Führung und retranslative Weiterleitung der Aufklärungsergebnisse.

Ich möchte hier nicht weiter ins Detail gehen was die Zuordnung der einzelnen Bataillonsteile im Falle der Mobilmachung betrifft. Hier hätte es faktisch nicht mehr als solches existiert, was an den unterschiedlichen Aufgabenstellungen der Kompanien lag.

Nur noch soviel, der zitierte Zeitzeuge war wie richtig geschrieben der Bataillonskommandeur (Dienstrang Oberstleutnant). Der Name des Bataillons lautete Funk und Funktechnisches Aufklärungsbataillon. Ich konnte während meiner gesamten Dienstzeit immer wieder feststellen das Herr KH von der Funküberwachung so gut wie keine Ahnung hatte (wie sollte er auch als ausgebildeter MotSchütze). Daher hat er die Spezialaufklarungskompanie auch als sein "Lieblingsspielzeug" betrachtet. Das ist wohl auch dem Umstand geschuldet, daß hier schneller "vorzeigbare" Ergebnisse zu erreichen waren. Die viel subtilere und nervenzermürbende Tätigkeit der Funkaufklärung war ja langweilig anzusehen. Übrigens setzte sich die gesamte Führung des FuFuTAB 5 aus MotSchützen und den so wichtigen Politoffizieren zusammen. Allesamt hatten sie von Nachrichtentechnik nicht die leiseste Ahnung (auch wenn sie etwas anderes behaupten).

Die Behauptung wir mußten aus Platzmangel Schwerin verlassen, ist schlichtweg falsch. Die Wahrheit ist, die Stasi wollte dieses Objekt unbedingt haben, vermutlich wegen der exponierten Lage.
Heute sitzt dort übrigens das Finanzamt, was für eine Ironie.
In Glöwen bezogen wir eine heruntergekommene Kaserne aus den 30er Jahren. Früher war das eine Ausbildungsstätte der Reichsmarine. Rundherum befanden sich alte Versuchsanlagen in denen die Reichsmarine Sprengstoffe und Waffen testete.
In der Glöwener Kaserne befand sich zeitgleich noch ein Ausbildungszentrum für Reservisten.
Von einer Zusammenarbeit des FuFuTAB 5 mit den GSSD ist mit nichts bekannt.

Gruß

Anrheiner

Thunderhorse
07.06.2007, 12:00
Hi Anrheiner,

Danke für den Input.
Hilft mir weiter.
Ja manches wird vergessen, wenn es nicht irgendwo schriftlich festgehalten wurde oder wird.
Deinem letzten Satz nach, kannst Du die Angaben von KH nicht untermaueren oder bestätigen!!?

Kennst Du diese Seite?

http://www.manfred-bischoff.de/index1.htm

Vielleicht kannst Du mit MB Kontakt aufnehmen?
Würde sich sicherlich freuen!

MfG.

TH

Anrheiner
07.06.2007, 12:45
Hi TH,

kann ich nicht bestätigen. Die Zeiten waren turbulent, wir waren in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt. Die Gerüchteküche brodelte nur so. Aber im Wesentlichen hatte jeder mit sich selbst zu tun. Erwähnenswert ist vielleicht, es gab eine Gruppe von Offiziere die sich zusammengetan hatten und bei einem Marschbefehl Richtung Berlin gemeutert hätten (ich war zufällig dabei).

Ja, ich kenne die Seite. Wie seriös ist MB?

Gruß

Anrheiner

Thunderhorse
07.06.2007, 12:56
Hi Anrheiner

PN ist ab.
Danke für die Nr.. Melde mich der Tage.

Nun Turbulent war es damals, manchmal sogar sehr. Aber das lag an den Massen die im Grenzgebiet hin- und her wogten.
Nach dem 09.11.89.

TH

Thunderhorse
10.06.2007, 09:59
Hi Anrheiner,

das Objekt Hellberg sagt Dir sicherlich etwas.

Lt. Aussage Kdr 5 soll sich im dortigen Bereich bei Roggendorf eine Stellung dieser Grenzsicherungskräfte der GSSD befunden haben. Entfernung zur damaligen Grenze ca. 3 - 5 km.

Die Einheiten waren lt. Hinweis aus Ludwigslust und Güstrow!

Kannst Du damit was anfangen??

TH

FEK
10.06.2007, 12:18
Hi TH,
Ja, ich kenne die Seite. Wie seriös ist MB?


so seriös man es sich nur vorstellen kann! Die Welt wäre ein Genuß wären alle nur halb so korrekt und seriös wie MB auf seiner Seite. :)

FEK

Thunderhorse
10.06.2007, 15:28
Hi FEK,

dem kann ich nur Zustimmen.

TH

Anrheiner
11.06.2007, 08:38
Danke FEK,

ich habe mit MB gesprochen, es war ein Vergnügen.

Gruß

A.

Thunderhorse
11.06.2007, 19:41
Hi Anrheiner,

Yep, das ist schön.
Dann ist die PN ja angekommen. MB hatte schon einen Tip erhalten.

Kannst Du was zu meiner letzten Frage schreiben?

MfG

TH

joachim
20.06.2007, 14:24
Hallo Anrheiner,

Kritisch gegenüberstehen bedeutet, dass Du die Darstellung von KH in Frage stellst bzw. ihren Wahrheitsgehalt bestreitest?

Da wärst Du zumindest nicht der Einzige. Auch der letzte KC der SAK sagte mir in einem persönlichem Gespräch von der angeblichen Dislozierung nichts mitbekommen zu haben. Inzwischen schlagen die Wogen diesbezüglich im NVA Forum hoch. Aber der Zeitzeuge ist zur Zeit der Einzige auf weiter Flur, der die Dislozierung bestätigt.

Joachim

P.S.: Das NVA Forum ist zur Zeit wegen technischer Probleme - mehrstufige Konvertierungen auf neue Versionen der Forums - und Datenbank Software offline. Die Arbeiten sind aber erfolgreich verlaufen. Das Forum wird voraussichtlich morgen wieder online gehen.

joachim
20.06.2007, 14:59
Der Zeitzeuge behauptet übrigens, diese Dislozierung bzw. diese vorbereiteten Grenzsicherungsstellungen seien so hoch angebunden gewesen, dass höchstens er und sein Stellvertreter darin involviert gewesen wären. Daher wären anderslautende Berichte von Ehemaligen des FuFuTAB 5 irrelevant.

Joachim

Thunderhorse
20.06.2007, 19:45
Schön Joachim, dass du wieder mal hier angekommen bist.

Zum Thema:

Aber der Zeitzeuge ist zur Zeit der Einzige auf weiter Flur, der die Dislozierung bestätigt.
Und das über einenZeitraum von etwa 10 Wochen, in denen die Kräfte in Stellung gelegen haben wollen!
Was dort der Zeitzeuge aussagt ist keine Bestätigung, die erhalte ich nur wenn von unabhängiger Seite/n oder durch andere Augenzeuge diese relativiert und damit Wasserdicht gemacht wird.

Der Zeitzeuge behauptet übrigens, diese Dislozierung bzw. diese vorbereiteten Grenzsicherungsstellungen seien so hoch angebunden gewesen, dass höchstens er und sein Stellvertreter darin involviert gewesen wären.

Leicht gemachte Aussage, von übergeordneter Stelle hat es anscheinend auch keiner gewußt oder gemerkt.
Der Zeitzeuge als OSL hat es als einziger gewußt, ein Kdr. eines GK Nord oder GR bzw. GBK war darüber nicht informiert?
Auch die ehemalige GT-Führung geht nirgends auf diesen Aspekt ein, obwohl doch die Zusammenarbeit mit der GSSD stets gelobt wurde.
Im Ernstfall hätten die sich ja gegenseitig platt gemacht!


Diverse Anmerkungen (Ohne bisher darauf eine Antwort bekommen zu haben) dazu und die Aufklärungsmöglichkeiten (West) habe ich anderweitig ja schon gemacht.


Solange keine hieb- und stichfesten Beweise von KH oder anderer Seite kommen, stelle ich es bei mir in das Reich der Märchen.



TH

joachim
20.06.2007, 19:55
Hallo TH,

Ich habe schon im NVA Forum klargestellt, dass ich ohne weitere unabhängige Aussagen oder anderweitige stichhaltige Belege diese angebliche Dislozierung nicht in die Projektdokumentation aufnehmen werde.

Inzwischen halte ich eher für erklärungsbedürftig, warum sich der Zeitzeuge in diese Geschichte verbeißt.

Wenn das NVA Forum wieder offen ist, werde ich die bisherigen negativ verlaufenden Recherchen noch einmal systematisch aufführen.

Joachim

Thunderhorse
20.06.2007, 19:57
Hi Joachim,

ich habe es dort zur Kenntnis genommen.

Werde dies ohne Kommentare verfolgen.

PN ist an Dich ab.


TH

Thunderhorse
30.06.2007, 14:48
Ein bisschen Info zur Struktur der GSSD/WGT Kräfte in der ehemaligen DDR.

Gliederung eines Panzer-Btl. der GSSD/WGT in 1988.

TH

Bild: http://www.cold-war.de/intern/TankBattailion.jpg

Thunderhorse
30.06.2007, 14:51
Und dazu die nächst höhere Stufe, das Panzer-Regiment, GSSD/WGT 1988.

TH

Bild: http://www.cold-war.de/intern/TankRegiment.jpg (http://www.cold-war.de/intern/TankRegiment.jpg)

Thunderhorse
30.06.2007, 14:54
Dazu das Mot-Schützenregiment der GSSD/WGT, ausgestattet entweder mit BTR oder BMP.
Die Gliederung war identisch.

TH

Bild: http://www.cold-war.de/intern/TAGSSD.jpg (http://www.cold-war.de/intern/TAGSSD.jpg)

martin
02.07.2007, 01:29
Ich nehme an, dass Du kein Urheberrecht auf die geposteten Darstellungen hast. Erbitte daher Quellenangabe.

Martin

Thunderhorse
02.07.2007, 20:43
Mister Martin.

Willkommen auf diesen Seiten.


Eine höfliche Bitte:
Hier nicht so weiter machen wie in anderen Foren und etwas Unterstellen.

Die Unterlagen wurden mir dereinst übereignet/geschenkt und sind somit in meinen Besitz und Eigentum übergegangen..
Die Definition Besitz und Eigentum, was dies bedeutet, kann im Duden nachgelesen werden.

Die Seiten wurden daher mit Quellen- / Archivangaben versehen/gespiegelt und gepostet.


Mit Glück ist das heute auch in einigen Grenzmuseen ausgestellt.
Anfragen können auch im Programm FOIA der USA gestellt werden.


TH

Thunderhorse
02.07.2007, 20:59
Könnte auch in Mödlareuth oder Point Alpha einsehbar sein.
Seitens der US-Army und den einstigen Angehörigen dieser Speziellen Einheiten wurde umfangreiches Material an diesen Museen übergeben.

Auch umfangreiches Zeitintensives Studium im Web erbringt manche Quelle, auch wenn diese nicht immer ganz so korrekt ist.
Und teilweise mit Abschreibfehlern behaftet sind.


TH

urimuu
02.07.2007, 21:03
Hallo Martin,

wie kannst Du annehmen, dass Thunderhorse kein Urheberrecht hat? Ich denke wenn er diese Darstellungen mit seinem Namen/Archivangaben einstellt,
dann wird dass wohl seine Richtigkeit haben.

Gruß

Urimuu

Thunderhorse
02.07.2007, 21:11
Hi Martin,


Es ist auch unbelassen, diese mit Quellenangabe für eigene Zwecke zu verwenden.


TH

Thunderhorse
02.07.2007, 23:24
Hallo Martin,

was dereinst in irgend einem Schrank unter Verschluß lag:

Under diesen Links sind inzwischen auch solche Sachen zum Teil veröffenlicht.
Vielleicht auch alles aus dieser Zeit des Kalten Krieges, das habe ich jedoch noch nicht durchgecheckt.

Jedoch nur ein kleienr Auszug aus der großen Angebotspalette:

http://www.specialoperations.com/Schools/LRSLC/Default.htm

http://www.military-info.com/mphoto/new2a01.htm

http://www.go-armynavy.com/manuals.htm

http://fmso.leavenworth.army.mil/Red-Star/issues/OCT96/OCT96.HTML


Mit etwas Zeit findet man die Richtigen Publikationen und Hinweise.

Manche kann man auch kaufen. Kostet hat Geld.

Muß eben investiert werden.

TH

Ich war so frei habe noch eine PN zur Ergänzung gesendet.

Thunderhorse
02.07.2007, 23:35
Auch eine interessante Möglichkeit, inzwischen Hinweise und Unterlagen zu bekommen.
Dauert aber sehr lange mit der Bearbeitung der Anfragen und dem Suchen in den Aktenbeständen.

http://www.dia.mil/publicaffairs/Foia/foia.htm


Die PDF mit Hinweisen gibt es hier:

http://www.dod.mil/pubs/foi/FOIAhandbook.pdf

TH

kowi
03.07.2007, 00:03
@TH
Deine eingestellten 08/15 Strukturlisten sind auch nicht gerade der HIT.
Da gibt es weitaus bessere und detailiertere Strukturlisten als deine ungenauen Grobdaten aus Ami-Quellen.

Thunderhorse
03.07.2007, 00:10
Danke Kowi,

nun kann ich ja beruhigt den PC abschalten.
Wird es jetzt auch hier wieder nur persönlich angegangen?
Und immer wieder die selben.

Schade hatte mehr Sachinhalt erwartet.
Kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass die Daten zutreffend sind!
Muß nicht der Hit sein, eine Trefferlage im oberen Bereich?
Da ist dass Interesse von einzelnen einfach zu groß dafür!
Seltsam!

Aber:
Da es ja Grobdaten sind, wie behauptet, auch noch vom Feind, mußt Du die Feindaten haben.
Jetzt liegt es an Dir, da zu brillieren.
Bin auf Sachbeiträge gespannt.
Aber Bitte nur solche.


TH
Good Night.

martin
03.07.2007, 01:44
TH,
was bist Du aufgeregt.
Mehrere Beiträge binnen Minuten. Nur weil ich eine Frage stellte.

Gut. Darum bin ich hier.
Nur, damit niemand geblendet wird, weil drei harmlose Strukturseiten als Heilthum durchgereicht werden.

Erzähle doch einfach mal was über die sst PzReg. Oder über die zwei :p PzBrig: Da bist Du doch Profi. ;) Das wäre doch mal spannend.

Hase - Igel.
Martin

martin
03.07.2007, 02:13
Bin auf Sachbeiträge gespannt.
Ich übrigens auch. :cool:

Martin

Thunderhorse
03.07.2007, 06:58
Bin doch nicht aufgeregt, warum auch.

Habe nur etwas Suchen müssen, und wenn man nicht nach einer relativ kurzen Zeit hier Antworten einstellt oder die Ergänzung zu lange schleifen läßt, ist ein editieren nicht mehr möglich. daher die etwas gehäufte Zahl an Kurzbeiträgen.
Jedes Forum hat seine andere Software.

Ist schon wieder die Polemik drinnen, in den Sätzen, also Sachbeiträge zum Thema von Joachim.

So, wenn ich wieder mehr Zeit habe, ZAIG weis warum, dann kann ich mich wieder vermehrt im Staub der Geschichte betätigen.

TH

FEK
03.07.2007, 08:06
Ich nehme an, dass Du kein Urheberrecht auf die geposteten Darstellungen hast.

Martin

ich finde es schon ziemlich frech, mit dem ersten Beitrag in einem Forum, ohne den Tagesgruß zu entbieten, jemandem unkorrektes Handeln vorzuwerfen. Verhält der Mensch sich auch im täglichen Leben so?


Ich bin dafür den gesamten Abschnitt der Diskussion, ab diesem Stänkerbeitrag zu entfernen.

FEK

Harry (†)
03.07.2007, 15:12
>ab diesem Stänkerbeitrag

Ich habe einige entfernt. Sollte das hier weitergehen wird die Tür kurz auf und wieder zugehen, und zwar ganz kurz.

raven66
03.07.2007, 21:05
@KOWI

@TH
Deine eingestellten 08/15 Strukturlisten sind auch nicht gerade der HIT.
Da gibt es weitaus bessere und detailiertere Strukturlisten als deine ungenauen Grobdaten aus Ami-Quellen.
Es wird dann auch freundlichst gebeten, die Quellen für die "weitaus besseren und detaillierteren Strukturlisten" hier aufzuzeigen, um sich ein Bild zu machen, sonst bringt das nix (s.o.)

-danke-

Thunderhorse
03.07.2007, 23:55
Nachdem so viele hier gespannt warten.

So, das ist ja nicht mehr Geheim:

sst 138 (57044) und
sst 221 (93273) Doch glatt die Klammer vergessen.
Und die Standorte der Regimenter waren....! Nur im Bezug auf diesen Thread.
Das Wissen die Insider ja.
Den Rest, 7.. Nummern und was sonst noch so da vorhanden war, auch der Btl. gibt es in einer Publikation.
Dies wird dann Zeitgerecht mitgeteilt.
Kein Stress!

Nachdem ja auch Raven66 schon freundlich angefragt hatte, nochmal der Hinweis auf die Bitte nach den besseren Strukturübersichten.
Kowi, it is your part.

Good Night.


TH

I feel Good.

bombastic
04.07.2007, 16:29
Nur noch mal so zur Erinnerung.

Es war ein einfacher Link zu einer russischen Seite, passend zum Thema:

http://gsvg.ru/gsvg_2.htm

raven66
05.07.2007, 17:08
hallo bombastic,

die Seite von Konstantin V. Semyenov ist mir bekannt, er hat hier und da auch schon nachgebessert, ist aber in einigen Teilen auch nicht korrekt (z.B. bzgl den Aufkl- /OSNAZ-Kräften). Zudem muss man die Dislozierung immer Zusammenhang mit dem Zeitaspekt (Jahr) sehen, ab Ende 80er bis 94 gab es da wichtige Verschiebungen. Das Thema ist sehr umfangreich um berührt auch diesen Thread hier. Ganz genau vermögen das wohl nur die Russen selbst darzulegen, obwohl es augenscheinlich in diversen Foren einige Herren zu geben scheint, die es ganz genau wissen, aber es auch irgendwie nicht belegen können/wollen.
Und Konstantin hatte in seiner Funktion und Dienstgrad wohl auch nicht so DEN Überblick. Auf russischen Seiten wird da auch viel und gegenseitig 'abgekupfert'.

Was die AufklKr (SIGINT) der Russen in der DDR angeht, da ist ein mir bekannter Herr dabei, eventuell noch in diesem Jahr etwas zu publizieren (Buch).

R66

Thunderhorse
05.07.2007, 19:17
die "weitaus besseren und detaillierteren Strukturlisten" hier aufzuzeigen
Kowi, it is your part.

Daraus wird allem Anschein nach nichts.

TH

FEK
05.07.2007, 19:41
Nur noch mal so zur Erinnerung.

Es war ein einfacher Link zu einer russischen Seite, passend zum Thema:

http://gsvg.ru/gsvg_2.htm

endlich mal eine Seite mit einem schönen Foto vom "Progress"

FEK

kowi
06.07.2007, 00:19
@TH, C66

Daraus wird hier in diesem Forum demnach nichts, denn ...


Was es hier nicht geben wird
"Meiner ist größer wie deiner" oder "Ich hab aber bessre Sachen, ätsch"

Harry (†)
06.07.2007, 01:18
Wie alt bist du, 12?

Thunderhorse
06.07.2007, 11:19
Eine echt kindliche Antwort, von Kowi.
Hat aber nichts mit seiner gemachten Äußerung zu tun.
Dazu hatte ich persönlich keine positive Reaktion erwartet.

Diesen Thread kann man getrost schließen.
Hierzu gibt es, außer einer Meldung einer Einzelperson, die niemand bestätigen kann, keine weiteren Informationen.

TH

FEK
06.07.2007, 15:11
@TH
Da gibt es weitaus bessere und detailiertere Strukturlisten als deine ungenauen Grobdaten aus Ami-Quellen.

mag sein - interessantes Zeitdokument des kalten Krieges sind sie dennoch bzw. gerade deswegen. Und darüber zu plauschen hocken wir eigentlich hier zusammen.

FEK

Thunderhorse
06.07.2007, 22:56
Nur möchte kowi nicht plauschen.

Und dabei hat er ja angedeutet, das es "weitaus bessere und detailiertere Strukturlisten als deine ungenauen Grobdaten" gibt.
Damit wäre ein Abgleich möglich.

Hege jedoch meine persönlichen Zweifel, ob der angedeuteten Strukturlisten.

TH

Thunderhorse
09.07.2007, 21:46
Nach wie vor nichts Neues aus dem Osten!

TH

martin
10.07.2007, 00:29
Hege jedoch meine persönlichen Zweifel, ob der angedeuteten Strukturlisten.
Dem sei unbenommen.

In "dem anderen Forum" hattest Du (wenn ich recht verstand) gesagt, dass
Dislozierungsdaten der sst.Regimenter allgemein bekannt seien. Dieses sagtest
Du (wenn ich recht verstand) mit Hinweis auf dieses Forum und _genau_ diesen
Thread.

Hier fand ich zwar mehrere Beiträge von Dir. Diese zeigten aber nur völlig
allgemein die ganz-grundsätzliche Strukturierung eines PzReg., eines MSR,,
eines Bataillons.

Ist es sehr unhöflich, öffentlich nachzufragen, worin genau Deine Kenntnis
der (aus Deiner Einrede allgemein bekannten) Daten der sst. Regimenter
bestehen?

Wenn das doch (Deine Einrede) allgemein bekannt ist, dann kannst Du es
ja auch öffentlich sagen. Da mußt Du kowi nicht pressieren.
Mache halt den ersten Schritt. Der Rest findet sich dann.

Martin

raven66
10.07.2007, 17:05
Habe die Befürchtung, oder besser gesagt, es ist schon geschehen: dieses Thema ist festgefahren, weil die Herren, die meinen/behaupten/etc. Infos zu haben sie nicht rausrücken.

Martin:
im "anderen Forum" gehts Du etwas detaillierte auf die "ominösen" sst Rgt ein (Freitag, 29.Juni 2007, 18:29 Uhr), schreibst einmal "...Aus meiner Sicht liegt eine Verwechslung 731 <-> 732 vor. So ist jedenfalls mein heutiger Stand. ", danach gleich: "Ich habe keine Einschätzungen zu Kampfkraft/Bewaffnung/Ausrüstung dieser Einheiten."

TH legt amerikanische Struktur-Listen vor, KOWI anwortet mit "nicht Hit-verdächtig", bringt aber auf An-/Nachfrage auch von mir rein nix, jetzt lenkst Du wieder ab, indem Du KOWI den Rücken stärkst, das TH erstmal die 'Karten auf den Tisch legen soll'.
Du schreibst an KOWI "Du hast andere Dokumente als ich".

Bitte an Dich: da Du ja augenscheinlich über die Dislozierungen der zuletzt 700er sst PzRgt so gut Bescheid weisst, nehme ich Dir nicht ab, dass Du deren Ausrüstung/Struktur überhaupt nicht kennst/ kennen willst.
Lege doch zum besseren Verständnis bitte mal Deine Erkenntnisse ein wenig mehr dar und deute nicht immer nur an oder verschleiere oder lenke ab. Vielleicht gibt Dein Fundus ja auch etwas zu dem von Wolf verwendeten Begriff "Grenzzsicherungsbataillon" her, wenn dieser Begriff (persönl. Anm. meinerseits) nicht ohnehin etwas "daneben" ist.

Gepannt auf eine Antwort, wie auf die von die KOWI, der abgetaucht ist ??

Interessant wäre mal eine Darstellung (von wem auch immer), ob die sst PzRgt anders strukturier waren als die 'Standard-Rgt' ....



Da mußt Du kowi nicht pressieren.
Mache halt den ersten Schritt. Der Rest findet sich dann.
Naja ....drehe ich jetzt mal um, macht Ihr (Martin, KOWI) doch mal den Schritt ...

Doc Hollywood
10.07.2007, 17:37
Frage?
für was steht die Abkürzung sst

Gruß doc

martin
10.07.2007, 19:14
Hallo Doc,
das "sst" steht für "selbstständig" und ist eine bundesdeutsche Abkürzung. Die
russische Abkürzung kann man mit selbstständig bzw. abgesetzt übersetzen.

Hallo Raven66,
zum Schluss sind sechs sst.PzReg bekannt. Vier von denen waren
Verfügungsreserve des Stabs der Gruppe; logistisch und versorgungsmäßig der
1. bzw. 2. GPA unterstellt. Ca. 1988/89 werden alle vier formal zu sstMSR (mit
den Nummern 731-734). Zwei werden erstaunlicherweise schon anfang 1989
abgezogen.

Es gibt erstaunlich wenig Informationen zu diesen Einheiten. Insbesondere die
Frühgeschichte ist unklar. Es ist möglich, dass sie als Streifzugabteilungen im
Krieg nach Deutschland kamen, dann tatsächlich Grenzsicherung trieben, dann
später in eine Brigadestruktur zusammengefaßt wurden, die ca. 1980 wieder
aufgelöst wurde.

Die genaue Struktur ist mir tatsächlich nicht bekannt. In westlichen Berichten
ist immer mal wieder eine Andeutung zu finden, dass diese Einheiten am
modernsten ausgerüstet gewesen seien (die Halle, an der Mjr Nicholson
erschossen wurde gehörte denen!). Andererseits hatte ein Teilnehmer die
Andeutung, dass diese Einheiten sehr schlecht ausgerüstet gewesen seien.
Leider hat er das dann nicht konkretisiert.

Die von TH geposteten allgemeinen Strukturdaten sind hier wenig hilfreich.
Das ist alles zwar ganz nett - aber man muss zunächst unterstellen, dass
gerade diese Einheiten andere Strukturen hatten - weil "sst" Einheiten.
Insoweit meine kritische Nachfrage an TH. Im anderen Forum hatte er nach
meinen Daten gesagt, dass das alles bekannt wäre. - Ja schön, denke ich
mir dann. Dann will ich erstmal zuhören, was denn da so alles bekannt ist.
Nicht dass ich alten Kaffee und Unfug erzähle. ;)

Martin

Doc Hollywood
10.07.2007, 19:22
alles klar

d.h. die Einheiten waren nicht irgendeiner Division, sonder direkt einer Armeegruppe unterstellt.

Theoret. wie die dt.Tiger-Abteilungen in WKII

Gruß Doc

raven66
11.07.2007, 18:13
Hallo Martin
Dank für die Ausführungen, aber meiner Meinung nach lässt eine Selbständigkeit nicht automatisch den Schluss zu, dass die besagten Rgt anders strukturiert sein müssen als 'reguläre' PzRgt.
Auch die logistische Anbindung an die Armeen läßt diese Schlussfolgerung nicht unbedingt zu.

Von entscheidener Bedeutung ist da wohl eher der Auftrag, die Führungsebene, die Befehls-/Meldewege und vielleicht die Kommunikationsmittel.

Werde mal versuchen, ob ich nach so vielen Jahren auch noch was herausfinden kann ....

66eR

raven66
11.07.2007, 18:16
NACHBRENNER:

zum Thema "selbständig" oder "selbstständig" siehe auch hier http://faql.de/wortgebrauch.html

martin
11.07.2007, 20:42
Hallo Martin
Dank für die Ausführungen, aber meiner Meinung nach lässt eine Selbständigkeit nicht automatisch den Schluss zu, dass die besagten Rgt anders strukturiert sein müssen als 'reguläre' PzRgt.
Natürlich lässt es diesen induktiven Schluss nicht zu. Es lässt aber auch den
Umkehrschluss (Struktur war identisch) nicht zu! Daher (und wegen fehlender
konkreter Angaben bei mir) kann ich -anders als andere Teilnehmer- zur
Struktur leider nichts näheres sagen.


Auch die logistische Anbindung an die Armeen läßt diese Schlussfolgerung nicht unbedingt zu.
Von entscheidender Bedeutung ist da wohl eher der Auftrag, die Führungsebene, die Befehls-/Meldewege und vielleicht die Kommunikationsmittel.
Dem möchte ich zustimmen, gleichzeitig aber anmerken, dass noch ein
Missverständnis existiert (liegt das am unterschiedlichen Sprachgebrauch?):
Nach meinen bescheidenen Kenntnissen lagen die vier in Rede stehenden
Regimenter in der Verfügungsgewalt der Gruppe. Oder nenne es "der Front"
oder "der Armeegruppe" - jedenfalls in Verfügungsgewalt des GLAWKOM in
Wünsdorf. Das "logistisch" bezieht sich auf die friedensmäßige Versorgung:
Tanken, Essen ordern, Abrechnung machen.

Martin

martin
11.07.2007, 20:47
NACHBRENNER:
zum Thema "selbständig" oder "selbstständig" siehe auch hier http://faql.de/wortgebrauch.html
Hallo 66, ;)
hatte Admin Fingerhakeln nicht untersagt?

Schlechte Nachrichten: Dein Duden hat das Verfallsdatum überschritten.
Obwohl ich annehmen möchte, dass Du Dir einen neuen Duden leisten kannst:
Du kannst vorab schon mal lurken: Duden-2006 (http://www.korrekturen.de/lit-duden-rechtschreibung-2006.shtml) :D

Martin

Thunderhorse
15.07.2007, 16:17
Ein Schritt zurück zum Kernthema.

Aussage des Mitteilers auf Seite 1 des Threads:
6. Deshalb weiß ich auch nicht, wie weit die einzelnen Stellungen zur Grenze waren, ich kanns in dem Abschnitt, den ich gesehen habe sagen. Dort warens ca. 500 - 600 m vom Hinterlandszaun entfernt


Davon ausgehend das der Hinterlandzaun einst bis zu 2000m vom Grenzverlauf entfernt verlief.
In besagtem Bereich war die mittlere Entfernung des GSSZ zur Grenze bei etwa 500m gelegen

Im gesamten Bereich an der Grenze, und hier (ohne Wertung aber zur Eingrenzung des relevanten Gebietes) auf den 5km Bereich (Sperrgebiet, Zugang und Zufahrt mit Fahrzeugen über die Kontrollstellen der Volkspolizei) bezogen, darin sollen lt. Mitteiler die Einheiten sich befunden haben, gab es keine vorbereiteten Stellungen der GSSD/WGT. In diesem Streifen waren die B-Stellen (innerhalb des Schutzstreifens, als auch außerhalb im Sperrgebiet) der Aufklärungskräfte der GSSD die einzigen vorhandenen ausgebauten Anlagen.
Tätigkeiten/Handlungen der GSSD/WGT mußten der GT, so die Regelung, mitgeteilt werden bzw. wurden angemeldet, um auch Zwischenfälle zu vermeiden.
Diese Aussage wurde nunmehr von einem weiteren Offizier der ehemaligen GT bestätigt.

TH

Thunderhorse
19.07.2007, 21:32
So, zurück von der Aufklärung.
Leider, wie erwartet, keine Anzeichen für einstige grenznahe Stellungen der GSSD gefunden. Dafür andere interessante Informationen erhalten.
Bedürfen aber nicht einiger Gegenprüfungen.

Die Aussage zu Beginn des Themas konnte wieder nicht untermauert werden.
Na, ist ja nichts Neues.

Mehr dazu, zu gegebener Zeit.
Nur um die in Lauerstellung liegenden auf dem neuesten Stand zu halten.

TH

martin
21.07.2007, 02:57
Nur um die in Lauerstellung liegenden auf dem neuesten Stand zu halten.

TH
Danke, danke.

Aber "auf neuestem Stand zu halten" sieht doch anders aus. :p

Martin

Thunderhorse
03.08.2007, 16:51
So, mal was zum Kernthema.

Im Sommer 1990 hat die GSSD erstmals im Raum NO Ratzeburg damit begonnen, eine B-Stelle anzulegen.

Fotodoku kann hier, unter Grenzlage, sowjetische Aufklärung, eingesehen werden.
http://www.bgs-zeit.de/index1.htm

Auch ein paar interessante Bilder zur Stellung "Lockwisch" der GSSD.
Und mobile Aufklärung bei Schlag-Sülsdorf.

TH

Thunderhorse
03.08.2007, 19:01
Eine Ergänzung:

Unter Grenze - Grenzlage - sowjetische Aufklärung, geht es zu den Bildern.

Ich hoffe, die Zahl 1990 - Sommer, wird richtig gelesen.
Und an der Begrifflichkeit "vorgeschobene Stellung" sollte sich hier keiner Stören. Die B-Stellen der GSSD wurden auch unter diesem Begriff eingeordnet.

Jedenfalls sind auf dem Foto keine Anlagen für ein sstBtl oder gar sstRgt. zu erkennen.
Und die Baustelle lag nicht im Schutzstreifen.

Und unter Firefox könnte es Probleme beim Öffnen geben. IE7 ist da besser.

TH

Thunderhorse
03.08.2007, 19:15
Ups.

Zu schnell.

das nicht, zwischen, lag ... im, muß raus.

Sorry.

TH

Thunderhorse
03.08.2007, 21:44
So, wenn man das Foto näher betrachtet, dürfte die Einstufung Sommer 1990 nicht ganz passen. Ich meine, das Bild ist im Frühjahr des Jahres 1990 aufgenommen. Der Pflanzenbewuchs läßt diesen Rückschluß zu.

In diesem Zusammenhang würde dann auch folgendes passen.
Ergebnis einer weiteren Recherche.

Am 15.02.1990 wurden im Raum WISMAR/DDR und GADEBUSCH/DDR, größere Kolonnen-Bewegungen (in den Kolonnen festgestellt unter anderem: BTR ) der WGT beobachtet.

Anfang Februar 1990 wurde im Raum südlich DECHOW/DDR eine eingezäunte Stellung der WGT,Größe ca. 100m auf 30m, außerhalb des Schutzstreifens, errichtet. Diese wurde am 20.02.90 bestätigt.
Ferner wurden Hinweise durch Reisende in die DDR und Bewohner der DDR bekannt.

Diese Anlage/Stellung war den ganzen März und im April mit Kräften der WGT besetzt. Im Mai wurden die Kräfte abgezogen.

Aufgrund der Truppenbewegungen im Februar, im Bereich zwischen der Ostseeküste und etwa Wittenburg, beschwerte sich unter anderem die Bevölkerung von GADEBUSCH/DDR, auf einer Wahlveranstaltung bei der damaligen politischen Führung.

Ende Mai kam es noch zu einer Suchaktion von Kräften der WGT, im Raum
w GALLIN/DDR.
Hintergrund war hier eine Fahnenflucht eines Angehörigen der WGT.

Fazit:
Der o.a. Zeitraum der Feststellungen und die Truppenbewegungen der WGT decken sich nicht mit den Angaben des Mitteilers.
Was jedoch paßt in der Mitteilung, ist die Lage der Stellung, nördlich der Straße MUSTIN - ROGGENDORF.

Möglicherweise wurde seitens des Mitteilers der Zeitraum vertauscht, in der diese Beobachtung stattfand???

TH


Joachim, wenn Du dies hier ließt, kannst dies auch ins andere Forum weiterleiten.

Thunderhorse
14.08.2007, 13:21
Gliederung/Stärke einer Panzerdivision der GSFG.
Etwa 1986.

TH

Doc Hollywood
14.08.2007, 22:54
@TH

Struktur ist in etwa identisch mit der der NVA-PD
Diese hatte ca.9000 Mann Friedensstärke (die GSSD-PD wird mit 2600 Mann mehr an Personal angegeben)
die PR`s der NVA hatten keine MS-Batt. sondern nur Kompanien
die Hubschrauberstaffel gabs auch nicht
statt 36 2S3 gab es im AR nur 18

Vorteil der NVA-PD: sie hatte in der Geschoßwerferabt. 18 40rohrige RM 70
(diese hatten eine autom.Nachladeeinrichtung und waren damit den BM-21 der Russen überlegen)

ist zwar off-topic aber vielleicht ganz interessant

Gruß Doc

Thunderhorse
14.08.2007, 23:16
Hi Doc Hollywood,

ist interessant, mach doch einen extra Schiene dazu auf!
NVA!

Salü.

TH

Doc Hollywood
14.08.2007, 23:55
@TH

ok. ich bleib mal dran, ist bei mir aber ne Zeitfrage!

Muß ja noch die Schiffe der Volksmarine einstellen bei konventinelle Waffen

Gruß Doc

martin
24.08.2007, 21:41
Ende Mai kam es noch zu einer Suchaktion von Kräften der WGT, im Raum
w GALLIN/DDR.
Hintergrund war hier eine Fahnenflucht eines Angehörigen der WGT.
Ist konkretisierbar, welches GALLIN gemeint ist?

Hintergrund der Frage:
Östlich Lutherstadt Wittenberg gibt es eine Elbübergangsstelle, die von über-
örtlichen Kräften der GSSD/WGT zum Üben genutzt wurde.

Martin