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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Korpsdepot 370 Obersfeld (BW)



herolda4
07.02.2010, 21:42
Hallo Zusammen!
Ich verfolge eure Fragen und Antworten schon eine ganze Weile und finde es faszinierend wo ihr immer die Antworten herzaubert!
Okay. Ich hab hier auch ne Frage:
Ich bin in der Nähe von Obersfeld (nähe Hammelburg) groß geworden. Dort gab es ein Korpsdepot (siehe Koordinaten).
Weiß jemand, was früher dort gelagert wurde? Was ist dort heute?
Danke für eure Antworten.
Ach ja! Hier die Koordinaten:
50°01´11,73"N / 9°55´06.94"E

funkmelder
08.02.2010, 20:51
In der Regel hatten Korpsdepot folgenden Auftrag:

- Material aller Fachgebiete und Munition für das Heer bereitzustellen und den Verbrauch selbständig zu ergänzen

- den taktischen Vorrat des Heeres zu lagern

- die Depotinstandsetzung von Heeresmaterial durchzuführen

- Heeresmaterial in Instandsetzungseinrichtungen der anderen Teilstreitkräfte sowie der verbündeten Streitkräfte einzusteuern

es gibt hier noch Profis, die detailiertere Auskunft geben können

alterfritz
10.02.2010, 14:13
In den Korpsdepots lagerte der Vorrat der Korps an Munition, Betriebsstoff und anderem Material. Die Korpsdepots hatten keine Instandsetzungskapazitäten.
Schadhaftes Material wurde im Heer je nach Materialerhaltungsstufe (Schwierigkeitsgrad) von den Instandsetzungsdiensten aller Truppen und den Kompanien der Instandsetzungstruppe sowie von zivilen Firmen instandgesetzt.
Die Hauptinstandsetzung (früher: Depotinstandsetzung) war eine Art von Generalüberholung und wurde in Heeresinstandsetzungswerken, Gerätedepots, Munitionsdepots und Industriebetrieben durchgeführt.

nachschieber
10.02.2010, 20:45
Das Depot bei Obersfeld war das Korpsdepot 370 – Eußenheim-Obersfeld, ein Materialaussenlager. Hätte man mit ein bisschen Suchen hier im Forum auch finden können. ;)
Was dort heute ist? Keine Ahnung. Hinfahren, gucken, Bilder machen, posten. Guckelerde sagt Bildaufnahmedatum April 2000. Seitdem kann sich dort viel verändert haben.

funkmelder
10.02.2010, 21:50
Auszug Text TOP7

"Pyropark MSP", früher Korpsdepot Obersfeld

Das frühere Korpsdepot Obersfeld wurde an die Firma Pyropark MSP, Inhaber Herr Markus Pfleghardt, verkauft. Auf diesem Gelände soll ein Pyropark eingerichtet werden.
Die Zufahrtsstraße zum Pyropark, früher Korbsdepot ist somit ebenfalls im Eigentum der Firma Pyropark MSP.

Gemeinde Eußenheim (http://www.eussenheim.de/Sites/gensite.asp?SID=cms100220102147509443628&Art=3283)

Independent
17.08.2010, 12:45
Hallo,

ich hab mal ein bisschen meinen Arbeitsplatz "gegoogelt" und hab euch hier gefunden:)

Ansässig sind hier mehrere Firmen, pyromäßig jedoch nichts.

Ich gehöre zu einer Aschaffenburger Firma, die ihre Außenstelle hier im Korpsdepot hat. Ich bin für die 18 Bunker zuständig. Diese Bunker sind inzwischen mit Regalsysteme ausgebaut und es lagern dort Autoteile (S 1.4-Zeug).

Ist echt ein schöner Arbeitsplatz, ich bin die ganze Woche hier und halte das Ding am laufen. Wenn ihr Fotos (Nostalgiezwecke oder:) haben wollt, dann kann ich welche machen und sie uppen.

Geograph
17.08.2010, 17:00
… ich hab mal ein bisschen meinen Arbeitsplatz "gegoogelt" und hab euch hier gefunden:)

Ansässig sind hier mehrere Firmen, pyromäßig jedoch nichts.

Ich gehöre zu einer Aschaffenburger Firma, die ihre Außenstelle hier im Korpsdepot hat. Ich bin für die 18 Bunker zuständig. Diese Bunker sind inzwischen mit Regalsysteme ausgebaut und es lagern dort Autoteile (S 1.4-Zeug).

Ist echt ein schöner Arbeitsplatz, ich bin die ganze Woche hier und halte das Ding am laufen. Wenn ihr Fotos (Nostalgiezwecke oder:) haben wollt, dann kann ich welche machen und sie uppen.




Vielen Dank für die Informationen und herzlich willkommen im »Cold-War-Forum«!……:)

Bilder sind immer gern gesehen; deshalb als Vorgeschmack aktuelle Außenaufnahmen vom Einfahrsbereich des ehemaligen Korpsdepot 370 ………:)
.

Independent
17.08.2010, 20:02
Hab heute bei herrlichstem Wetter noch ein paar nette Bilder der Bunker gemacht.

Muss mal wieder putzen:D

Geograph
18.08.2010, 22:15
Hab heute bei herrlichstem Wetter noch ein paar nette Bilder der Bunker gemacht.


Interessante Aufnahmen!……:)


.

mog1300l
26.11.2010, 20:48
Hallo zusammen,

habe 1997 im September meinen Jägerzugführerlehrgang (ROAadW) in Hammelburg absolviert. Ziel war uns zu Zugführern in einem Heimatschutzbataillon auszubilden. Eine unserer Aufgaben bestand darin einen 'Plan für den Einsatz' zur Überwachung des Korpsdepot Obersfeld zu entwerfen und im Gelände gezeigt umzusetzen. Kräfteansatz war ein Jägerzug, entspricht 40 Mann mit 4 MG, einem Scharfschützentrupp und dem restlichen Kleinzeug, was man im Infanteriezug eben so mitführt. Dabei gab man uns etwa folgende Informationen:
Das Depot ist in drei Bereiche unterschiedlichen Widerstandswertes unterteilt:

Bereich Munition, Widerstandswert etwa 1 h
Bereich MVG (Bekleidung, Ausrüstung, ...), Widerstandswert unter 10 min
Bereich Betriebsstoff, Widerstandswert etwa 20 min

Laut Aussage des Hörsaalleiters seien das realistische Annahmen und die Bevorratung so tatsächlich vorgesehen.

Bei der Erkundung konnten wir das Depot begehen und sahen tatsächlich die typischen BW-Munitionsbunker, Baracken bzw. Lagerhäuser und große Erdtanks, sowie einen Löschwasserteich.

Etliche andere Depots ähnlicher Art seien in umliegenden Wäldern vorbereitet worden und für einen Ausweichbetrieb ausgelegt. Eines davon lag im Wald nähe Gräfenneuses im sog. 'Dimbaches Forst'. Dieses bestreiften wir im weiteren Verlauf unserer Übung. Ist heute aber zurückgebaut, die getarnt in den Wald gebauten Bunker zugeschüttet.

Grüße


mog1300l

Horrido!

britebrian
01.05.2012, 17:34
dieses Koprsdepot 370 Obersfeld war in 2 Bereiche geteilt. Man betrat das Gelände über eine eigene Zufahrtsstraße-stand dann vor einem großen Metalltor. Rechts befindet sich das ehemalige Wachgebäude - da waren damals das Wachlokal gleich vorne, dann gabs nen Schlafraum, Büro für den befehlshabenden Offizier, dann gabs noch andere Büros, eine Kantine, kleiner Küchenbereich, Umkleide für das Zivilpersonal die damals dort 5 Tage die Woche gearbeitet und die Anlage in Schuß gehalten haben. Wenn man das Gelände betritt, befanden sich linker Seite die Spritdepots sowie einige Metallhallen - die untem mit S-draht gesichert waren---in diesen Hallen waren diverse Öle und Schmierstoffe, alles mögliche Zeugs für die Inst (Fette, Caramba all so Zeug) gelagert, die Betriebsstoffe- hautsächlich Diesel - lagen in riesigen Gummiballons in Betonbuchten die mit einem offenen Dach versehen waren- da gingen um die 30 000 Liter Diesel rein pro Bucht...waren immer schön kühl im SOmmer - da haben wir oft auf diesen Dingern gepennt anstatt Rundgang zu machen :-) im Winter haste dir den Arsch abgefroren - es war ein Rundgang mit Meldeanlagen - die sind auf den Fotos weiter oben noch zu erkennen--- zu den Bunkern ging es eine geteerte Straße rechts hinter dem Wachgebäude lang - das waren sicher so 400-500 Meter bis man den Bunkerbereich erreichte, dort gibts auch einen Löschteich soweit ich mich erinnern kann....die Bunker sind große Erdwalle die mit allem möglichen Zeug bepflanzt sind-oder waren... die bunker hatten gewaltige Tore, bei manchen konnte man mit dem Laster reinfahren und dort be- oder entladen---die Tore wurden mittels der Ketten geöffnet die seitlich runterhingen--sieht man auch auf den Fotos. In den bunkern wurden sämtliche Munitionsarten für die Panzer (Marder, Leo 1, Haubitze und dergl) , Handfeuerwaffen usw gelagert. Auch da wieder Rundwege mit Meldeanlagen - man musste da regelmäßig durchläuten zum Wachhabenden und sein nix los Sprüchlein aussagen :-), so eine Wachschicht dauerte 2 Stunden, dann Ablöse, immer 2 Mann mit geladener Knarre (Uzzi oder G3)- dann Ablöse und Bereitschaft, dann konnte man pennen gehen wenn eine Koje frei war--- im Sommer wars ja immer recht schön - aber im Winter brrrrrr :-), das gesamte Gelände ist umzäunt und es gab im Mun-Bereich auch ein Zufahrtstor, bewacht wurden in den 90ern die Anlagen schon von einem privaten Wachschutz, da musste kein Soldat mehr Wache schieben

DeltaEcho80
31.10.2014, 13:04
Muss das Thema wieder mal hoch holen:

Anscheinend wurden die Lagerhallen jetzt mit Photovoltaik ausgestattet - zumindest den Luftbildern im Bayern Viewer nach zu urteilen.

Weiß hier jemand, wie der aktuelle Nutzungsstand des Depots ist?

DE

DeltaEcho80
31.08.2015, 20:19
Hallo zusammen,

wir (Freundin und ich) haben gestern einen "kleinen" Sonntagsausflug nach Obersfeld gemacht.

Es ergab sich dann auch ein sehr nettes Gespräch mit einem Bauunternehmer, der dort eingemietet ist.

Er hat uns erzählt, dass der bereits hier genannte Unternehmer das ehem. Lager gekauft hat und seine Firma für Pyrotechnik ansiedeln wollte. Diese Firma hätte nicht nur die Pyrotechnik gelagert, sondern dort auch hergestellt und ausprobiert. Zu diesem Zweck hatte er bereits die MLH mit Regaltechnik und Trocknungsanlagen ausgestattet. Als dann alles soweit fertig war, wurde ihm die Herstellung und das Ausprobieren nicht genehmigt ! Somit wurde das Objekt für diese Firma uninteressant.

Der Besitzer "lebt" also jetzt von den Einspeisevergütungen der PV-Anlagen und den Mieten für die vermieteten Objekte. Die MLH stehen - lt. Aussage - leer.
Ein Verkauf scheint aber derzeit kein Thema zu sein.

Hier nun einige Bilder von mir:

Bild 1: Stromversorgung von Sachserhof kommend zum Lager.
Bild 2: Grundplatte der alten Klingel
Bild 3: Sirene auf dem Dach des Wachgebäudes (ob die schon jemals gelaufen ist??)
Bild 4: Briefkasten mit Patina ;-)
Bild 5: Tor und ehem. Wache
Bild 6: Zufahrt
Bild 7: Zufahrt an der Südseite

DeltaEcho80
31.08.2015, 20:58
Weitere Bilder:

Bild 1: die Vegetation holt sich den Zaun zurück
Bild 2. Zaun an der Südseite des Lagers. Er ist stark verrostet, aber immer noch unbeschädigt und straff gespannt
Bild 3: Tor an der Südseite des Lagers
Bild 4: Zaun-Ecke an der süd/westlichen Spitze des POL-Bereiches.
Bild 5: Eine der Lagerhallen aus dem östlichen (POL?)-Bereich. Das Holz, das da liegt wurde im Lagerbereich gefällt, da die Bäume den Lichteinfall auf die PV-Anlagen behindert haben.

Hier noch der Link aus dem Bayern-Atlas. Hier kann man auch erkennen, dass die Gemarkungsgrenze (violette Linie) zwischen dem Stadtgebiet Arnstein (OT Büchold) und der Gemeinde Eußenheim (Obersfeld ist ein OT) genau durch das Lager läuft.

http://www.geoportal.bayern.de/bayernatlas/?X=5544699&Y=4350846&zoom=10&lang=de&topic=ba&bgLayer=tk&catalogNodes=122&crosshair=marker


Meine Fragen nun, die ich habe:

> Waren diese Korps-Depots reine Lagerstätten für den V-Fall oder war das dort eingelagerte Material Teil des regulären Material-Kreislaufes der BW?
> Wann wurde das Depot eröffnet und geschlossen? Kann da nichts zu finden.
> Wenn man sich die Standorte der anderen Depots des III. Korps ansieht, ist ja Obersfeld relativ weit "weg vom Schuss". Hatte das einen bestimmten Grund?

palatinat
01.09.2015, 09:07
Hallo zusammen,

die Bundesregierung hatte im November 1997 folgende Antworten auf eine kleine Anfrage aus den Reihen der Fraktion der Grünen:

http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/13/089/1308908.pdf

Gruß aus der Pfalz

DeltaEcho80
01.09.2015, 14:31
Hallo Palatinat,

vielen Dank für die Infos.

Das habe ich irgendwie nicht gefunden.

DeltaEcho80
03.09.2015, 12:01
Hallo zusammen,

habe nochmals etwas recherchiert.

Lt. eines MainPost-Artikels aus 2001 war das Lager Obersfeld im Jahre 1973 eröffnet worden und wurde endgültig zum 31.12.2000 geschlossen - da war die Mun schon weg.

Die Mitarbeiter fanden größtenteils Arbeitsplätze bei der StOV in Hammelburg und Wildflecken, einer ging in den Ruhestand, die Soldaten wurden versetzt.

Hier der Link zum Artikel:

https://www.mainpost.de/regional/franken/Aussenlager-Obersfeld-wird-verkauft;art1727,871097

DeltaEcho80
04.02.2016, 14:45
Hallo zusammen,

ich musste von der Arbeit aus zu unserer Geschäftsstelle in Obersfeld - da haben sich interessante Möglichkeiten eröffnet.

Evtl. bekomme ich die Möglichkeit mit der Geschäftsführerin einer der dort eingemieteten Firmen eine Besichtigungstour zu machen. Dann werde ich natürlich die Bilder hier wieder einstellen.

Rex Danny
04.02.2016, 16:52
Das klingt gut, bezirtze die gute Dame mal mit Deinem Charme, dann klappt das auch.......:kiss:

DeltaEcho80
05.02.2016, 08:49
Habe ich schon, kennst mich doch ;-)

Geht nur noch um den Termin - wahrscheinlich mehr im Mai oder so, wenn das Wetter und die Vegetation nicht mehr so trostlos sind.

Ludschter
19.03.2017, 19:04
Hallo zusammen,
bin bei einer Recherche zufällig auf diesen thread gestoßen und wollte meinen Beitrag leisten: Ich war 1984/85 in Hammelburg stationiert und hatte die Ehre mehrfach im Korpsdepot 370 Wache schieben zu dürfen. So auch in dem saukalten Januar 1985, als die Temperaturen bis auf - 15 Grad fielen (man hat dann erkannt, das die sog. "Winterkleidung" diese Bezeichnung nicht wirklich verdient hatte...Deshalb wurde die Streife (man war da alleine draußen) immer nur 60 Min. statt wie vorgesehen 120.
In Erinnerung ist mir geblieben, dass man auf dem Postenweg gut beleuchtet war, während es außerhalb des Zauns stockfinster war...ideal für den möglichen Eindringling, schlecht für den Posten...
Panzer Hurra!