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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Meine ersten Brückensperren???



CampGates
07.08.2010, 19:29
Servus miteinander,

ich war heute am Nachmittag mit Auto und auch mit Fahrrad im östlichen Landkreis Wunsiedel sowie Tirschenreuth auf "Sperrenjagd" unterwegs. Dabei bin ich u. a. auf zwei Brückenbauwerke gestoßen, bei denen ich mir fast sicher bin (aber eben nur fast), daß hier jeweils eine Sperranlage integriert war/ist.

• Brücke (ehemalige (??) Bahnstrecke): Unterführung der Staatsstraße St2178 in Schirnding. Es fallen einem bei jeden Pfeiler drei Steinquader ins Auge, die sich nicht so ganz in den Mauerverband einfügen wollen sowie eine abweichende Färbung besitzen, weiterhin ist jeweils ein "U" in diese Quader eingemeißelt. Dahinter dürften sich Sprengkammern verbergen.

• Brücke (ehemalige Bahnstrecke): Unterführung der Kreisstraße TIR20 in Hundsbach. Der Brückenüberbau ist nicht mehr vorhanden, es stehen nur noch die beiden Widerlager, in denen jeweils zwei Stahltüren vorhanden sind. Auch hier denke ich, daß sich dahinter Sprengkammern befinden.

Schirnding sowie Hundsbach ist jeweils ein Grenzübergang zu Tschechien.

Erstmal einige Photos des Brückenbauwerkes in Schirnding aus verschiedenen Perspektiven:

Blick nach Westen
http://up.picr.de/4932121.jpg

Blick auf den nördlichen Pfeiler
http://s1.up.picr.de/4932123.jpg

Blick auf den südlichen Pfeiler
http://s2.up.picr.de/4932124.jpg

Detailansicht Mauerquader mit eingemeißeltem "U"
http://s3.up.picr.de/4932125.jpg

Weitere Photos sowie die KMZ-Files folgen…

CampGates
07.08.2010, 19:32
Blick nach Osten
http://s4.up.picr.de/4932126.jpg



Jetzt noch zwei Photos der Überreste des Brückenbauwerkes in Hundsbach aus verschiedenen Perspektiven:

Westliches Widerlager
http://up.picr.de/4932380.jpg

Östliches Widerlager
http://s1.up.picr.de/4932383.jpg

Abschließend noch die KMZ-Files…

Gruß Hagen

Rex Danny
07.08.2010, 22:36
Hallo, Hagen !

Ich gehe zumindest bei Schirnding von einer Brückensperre aus. Auch ich glaube, daß es sich bei den eingesetzten Steinen um rückgebaute Sprengkammern handelt. Allerdings habe ich keine Ahnung, was das "U" auf den Steinen bedeuten soll.

Einige Orte weiter in Arzberg (Franken) war die Unterführung unter derselben Bahnstrecke ebenfalls mit einer Sperre versehen, hier allerdings mit einer Stecksperre. Als logische Konsequenz muß dann also die Unterführung in Schirnding auch gesperrt worden sein.

Bei der vermeintlichen Brückensperre in Hundsbach gehe ich auch von Sprengkammern aus. Hier stellt sich aber die Frage, wann das Gleis samt Überführung abgebaut wurde. Diese Brücke/ Unterführung zu sperren macht schon Sinn, denn sie lag ja auf der direkten Einmarschlinie. Jedoch sehen die Metallklappen schon sehr alt aus, möglicherweise WK II. Vielleicht wurden sie aber auch später noch als Sprengkammern genutzt.

Zur Trichtersperre auf der TIR25 kann ich nur sagen: super Sperre und tolle Bilder. Es kommt nicht all zu häufig vor, daß rückgebaute Trichtersperren in dieser Form überasphaltiert werden. Ich selbst habe in meinem Bereich hiervon auch erst sehr wenige dieser Art gefunden.

Hast Du denn die St2175 von Waldsassen nach Neualbenreuth auch abgesucht? Hier ist mit Sicherheit auch mindestens eine Trichtersperre gewesen. Ebenso scheinen auch die Waldwege von Poxdorf nach Waldsassen sehr interessant zu sein. Der Weg bei der Kapelle im Wald scheint schön breit und ausgebaut zu sein. Auch hier wären Sperren möglich.

Weitere mögliche Sperren dürften im Wald auf der St2178 von Waldsassen nach Münchenreuth und auf der TIR20 von Hundsbach nach Münchenreuth gewesen sein. Auch eine gute Stelle und logische Konsequenz aus der Nähe zur Grenze ist die St2178 von Seedorf nach Münchenreuth im Bereich der langen S-Kurve bei den beiden Seen, dann noch die St2178 von Seedorf nach Schirnding im Waldgebiet und die Straße von Seedorf nach Arzberg im Wald. Und zu guter letzt ist auch noch die Strecke von Waldsassen nach Groppenheim ein heißer Kandidat.

Wenn Du Dich dort auf die Suche machst, wirst Du Deine 19 Sperren am Tag bestimmt bald zusammen bekommen.

Grüße


Rex Danny

CampGates
07.08.2010, 23:39
Hallo, Hagen !

Ich gehe zumindest bei Schirnding von einer Brückensperre aus. Auch ich glaube, daß es sich bei den eingesetzten Steinen um rückgebaute Sprengkammern handelt. Allerdings habe ich keine Ahnung, was das "U" auf den Steinen bedeuten soll.

Einige Orte weiter in Arzberg (Franken) war die Unterführung unter derselben Bahnstrecke ebenfalls mit einer Sperre versehen, hier allerdings mit einer Stecksperre. Als logische Konsequenz muß dann also die Unterführung in Schirnding auch gesperrt worden sein.

Bei der vermeintlichen Brückensperre in Hundsbach gehe ich auch von Sprengkammern aus. Hier stellt sich aber die Frage, wann das Gleis samt Überführung abgebaut wurde. Diese Brücke/ Unterführung zu sperren macht schon Sinn, denn sie lag ja auf der direkten Einmarschlinie. Jedoch sehen die Metallklappen schon sehr alt aus, möglicherweise WK II. Vielleicht wurden sie aber auch später noch als Sprengkammern genutzt.

Zur Trichtersperre auf der TIR25 kann ich nur sagen: super Sperre und tolle Bilder. Es kommt nicht all zu häufig vor, daß rückgebaute Trichtersperren in dieser Form überasphaltiert werden. Ich selbst habe in meinem Bereich hiervon auch erst sehr wenige dieser Art gefunden.

Hast Du denn die St2175 von Waldsassen nach Neualbenreuth auch abgesucht? Hier ist mit Sicherheit auch mindestens eine Trichtersperre gewesen. Ebenso scheinen auch die Waldwege von Poxdorf nach Waldsassen sehr interessant zu sein. Der Weg bei der Kapelle im Wald scheint schön breit und ausgebaut zu sein. Auch hier wären Sperren möglich.

Weitere mögliche Sperren dürften im Wald auf der St2178 von Waldsassen nach Münchenreuth und auf der TIR20 von Hundsbach nach Münchenreuth gewesen sein. Auch eine gute Stelle und logische Konsequenz aus der Nähe zur Grenze ist die St2178 von Seedorf nach Münchenreuth im Bereich der langen S-Kurve bei den beiden Seen, dann noch die St2178 von Seedorf nach Schirnding im Waldgebiet und die Straße von Seedorf nach Arzberg im Wald. Und zu guter letzt ist auch noch die Strecke von Waldsassen nach Groppenheim ein heißer Kandidat.

Wenn Du Dich dort auf die Suche machst, wirst Du Deine 19 Sperren am Tag bestimmt bald zusammen bekommen.

Grüße


Rex Danny

Hallo Rex Danny ,

sieht gut aus, dann habe ich hinsichtlich "Brückensperren" mindestens einen Treffer erzielt:)!

Wenn Du Dir das Photo aus dem Datensatz 1180 mal ansiehst, auch hier ist in den Steinquader das fragliche „U“ eingemeißelt! Vielleicht kann uns ja GEOGRAPH hier weiterhelfen!?

Wann die Bahnstrecke, die durch Hundsbach verlief, stillgelegt wurde, kann ich auf die Schnelle nicht sagen, müsste man nachforschen. Aber da die Strecke anscheinend nach Eger weiter lief, müsste sie konsequenterweise kurz nach dem 2. Weltkrieg außer Betrieb genommen worden sein, da hast Du vollkommen recht.

Jetzt zu den Vorschlägen für weitere Trichtersperren im „Stiftland“. Die meisten der von Dir genannten Straßen bin ich heute mit dem Auto oder dem Fahrrad abgefahren, leider mit wenig Erfolg:(.

• St2175 Waldsassen-Neualbenreuth: Der Zustand der Fahrbahn ist hier unterschiedlich, teilweise sehr alt mit vielen "Flicken", teilweise erneuert. Hier konnte ich keine Sperranlage entdecken

• Die asphaltierte Straße nach Wernersreuth, an welcher die von Dir genannte Kapelle liegt, ist in einem miserablen Zustand, hier wurde kein Fahrbahnbelag erneuert, trotzdem konnte ich keine Trichtersperre entdecken. Diesbezüglich muß ich sagen, daß ich bis jetzt in unserer Gegend nicht eine einzige Sperranlage auf einem Wald-, oder Wirtschaftsweg oder auch GVS gefunden habe, nur auf Kreis-, Staats- oder Bundesstraßen

• St2178 Waldsassen-Münchenreuth: Hier wurde der Fahrbahnbelag komplett erneuert, kein Fund

• TIR20 Hundsbach-Münchenreuth: Auch hier wurde die Fahrbahndecke auf vollständige Länge komplett erneuert, konnte auch hier nichts entdecken

• St2178 Münchenreuth-Seedorf: Teilweise erneuerte Fahrbahn, ansonsten in schlechtem Zustand: Auch hier keine Trichtersperre aufzufinden

• St2178 Seedorf-Schirnding: Fahrbahnbelag auf komplette Länge erneuert, kein Fund

• Seedorf-Arzberg: Der Fahrbahnbelag scheint alt zu sein, trotzdem keine Sperranlage aufzufinden

• Waldsassen-Groppenheim: Diese Strecke habe ich noch nicht "untersucht".

Da "unsere Ecke" wirtschaftlich schon immer etwas benachteiligt war, hat sich das ja vielleicht auch auf den Bau von Sperranlagen ausgewirkt!?:(

Es gibt auf jeden Fall noch viel zu tun:)!

Gruß Hagen

Geograph
08.08.2010, 00:45
… sieht gut aus, dann habe ich hinsichtlich "Brückensperren" mindestens einen Treffer erzielt:)!

Wenn Du Dir das Photo aus dem Datensatz 1180 mal ansiehst, auch hier ist in den Steinquader das fragliche „U“ eingemeißelt! Vielleicht kann uns ja GEOGRAPH hier weiterhelfen!?


Ich gratuliere zu dem Fund von zwei vorbereiteten Sperranlagen!……:cool:


Metalltüren an Pfeilern waren nicht nur sehr auffällig und von weitem sichtbar, sondern auch rostanfällig. Daher wich man später zu unauffälligeren Steinabdeckungen aus, die unscheinbar »gekennzeichnet« wurden.


Anbei drei Beispiele für »getarnte« Sprengkammern.


Im Beispiel 1 wurde die Sprengkammer mit einer Steinplatte abgedeckt und mit einem »L« gekennzeichnet.


Bei Beispiel 2 wurde die Sprengkammer scheinbar schon zugemauert, aber bei näherem Hinsehen entdeckt man wieder ein »L«.


Beispiel 3 habe ich gestern auf einer Exkursion entdeckt. Diese Sprengkammer wurde verputzt, allerdings kann man die Umrisse noch erkennen. Sie wurde hier mit einem »+« versehen und bei der »Klopfprobe« hört man den dahinterliegenden Hohlraum. Diese Sperranlage werde ich bei nächster Gelegenheit noch näher vorstellen, wenn ich meine neuesten »Funde« sortiert habe.……:)

Horner
08.08.2010, 01:21
Deswegen habe ich immer ein Hämmerlein im Wagen um als Brückenspecht der Brispe dieses zu erforschen.;)

Gruß
Horner ( Beagle)

CampGates
08.08.2010, 08:42
...Ich gratuliere zu dem Fund von zwei vorbereiteten Sperranlagen...

Übrigens ein großes "Dankeschön" an Geograph und Rex Danny für die sehr hilfreichen Hinweise zum Auffinden von Brückensperren:)!

Gruß Hagen

Nemere
08.08.2010, 17:01
Diese beiden Brücken sind ein schönes Beispiel dafür, wie Sperranlagen aus Reichwehr- und Wehrmachtzeiten bei der Bundeswehr "wiederbelebt" wurden.

Beide Eisenbahnbrücken in Schirnding und Hundsbach waren schon zu Zeiten der Reichswehr (ab etwa 1925) in die damaligen "Zerstörungskarteikarten" aufgenommen und zur Sprengung vorbereitet. Zweck der Sprengung war die Unbrauchbarmachung der beiden von Eger über Arzberg nach Marktredwitz bzw. über Waldsassen nach Mitterteich führenden Eisenbahnlinien. Man befürchtete hier einen tschechischen Angriff aus dem Raum Eger entlang der Eisenbahnen zwischen Fichtelgebirge und Steinwald in Richtung Bayreuth und wollte damit die Nachschublinien abschneiden.
Die bei der Reichswehr wegen des Versailler Vertrages nur in ganz begrenzten Umfang verwirklichten Pläne für einen Grenzschutz im Raum Schirnding - Waldsassen wurden dann ab 1933 durch den Bau der bayrisch-tschechischen Grenzstellung in die Tat umgesetzt.

Diese Stellung begann ostwärts von Schönwald, zog sich dann über Silberbach - Hohenberg - Schirnding - Münchenreuth - Hundsbach - Neualbenreuth - Mähring - Bärnau bis nach Furth im Wald / Eschlkam.

Diese Grenzstellung bestand vor allem aus Feldbefestigungen, verstärkt durch etwa 100 betonierte MG-Bunker und einige Pak-Stellungen (Je eine davon an den Straßen Schirnding - Eger und Waldsassen - Eger). Dazwischen lagen noch aus Bruchsteinen gemauerte Blockhäuser.

Zur Besetzung dieser Anlagen waren eigene Grenzwacht-Einheiten vorgesehen, die vor allem aus in der Nähe der Stellungsanlagen wohnenden Reservisten bestand. Für den Raum Schirnding - Waldsassen war vorgesehen der Grenzwacht-Abschnitt 87 (entspricht Regiment) in Marktredwitz mit den Grenzwacht-Unterabschnitten (= Bataillon) I/87 in Mitterteich, II/87 in Thiersheim und III/87 in Schönwald.


Quellen:
Burk, Kurt: Die deutschen Landesbefestigungen im Osten 1919 - 1945, Osnabrück 1993, S. 225 ff., S. 452 ff.
Tessin, Kurt: Verbände und Truppen der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS im Zweiten Weltkrieg, Band 6 - Die LAndstreitkräfte Nr. 71 - 130, Osnabrück 1979, S. 95

CampGates
08.08.2010, 20:02
Diese beiden Brücken sind ein schönes Beispiel dafür, wie Sperranlagen aus Reichwehr- und Wehrmachtzeiten bei der Bundeswehr "wiederbelebt" wurden...

Vielen Dank für die interessante Hintergrundinformation:)!

Gruß Hagen

Betonkopf
08.08.2010, 20:58
Frage zu den getarnten Sprengöffnungen: Für die Aktivierung wurden also die Steinplatten
mit einem entsprechend großen Hammer zerstört?

Geograph
11.08.2010, 18:01
Ich gratuliere zu dem Fund von zwei vorbereiteten Sperranlagen!……:cool:



► Datenbank Dokumentation Sperr-Anlagen - Projekt DOSPA (http://www.sperranlagen.de/Database/index.php?table_name=online&function=details&where_field=Nummer&where_value=2240)


► Datenbank Dokumentation Sperr-Anlagen - Projekt DOSPA (http://www.sperranlagen.de/Database/index.php?table_name=online&function=details&where_field=Nummer&where_value=2242)



.

CampGates
11.03.2011, 19:04
Hallo miteinander,

da ich heute in der Nähe von Hundsbach unterwegs war, hab´ ich von o. g. Brückensperre ergänzend noch einige Detailaufnahmen "geschossen":

Östliches Widerlager, beide Sprengkammern
http://up.picr.de/6539341pos.jpg

Östliches Widerlager, Sprengkammer 1, unverriegelt
http://up.picr.de/6539342zpu.jpg

Östliches Widerlager, Sprengkammer 2, mit Vorhängeschloß verriegelt
http://up.picr.de/6539343zgm.jpg

Östliches Widerlager, Blick ins "Innere" der unverriegelten Sprengkammer 1, leider etwas "vermüllt"
http://up.picr.de/6539344rjv.jpg

Gruß Hagen