Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Angenommener Angriff des WP Truppen
Nehmen wir das mal an, und zwar für den Bereich Thüringer Grenze als Übergang. Wäre es denkbar oder wahrscheinlich das:
Zuerst eine Raketenvorbereitung stattfand. Von wo aus= In Ohrdruf weiss ich, wo noch? Gotha? Nohra?
Wo wären die Aufmarschgebiete gewesen? Wie die wahrscheinlliche Angriffsroute, Eisenach --> Bad Hersfeld -> Alsfeld, teilen und 1 Abteilung links B254 nach Fulda dann Schwenk nach Frankfurt, andere Abteilung weiter Frankfurt? Wäre dann eine klassische Zangenbewegung...
Wobei ich zugegebenermaßen nicht viel Ahnung von Taktik habe. Aber vielleicht weiss hier jemand mehr?
Aus Thüringen heraus gab es außerdem eine Reihe von Möglichkeiten für einen Angriff in den Raum Nordbayern hinein, die in der GDP-Planung Berücksichtigung fanden:
a) Die Mittelgebirgskette von Rhön, Thüringer Wald, Frankenwald, Fichtelgebirge und der südlich vorgelagerten Haßberge ermöglicht einen schnellen Vorstoß stärkerer Kräfte nur entlang der wenigen von Nord nach Süd verlaufenden Täler und der dort konzentrierten Verkehrswege.
b) Neben der weit im Westen gelegenen Möglichkeit des Angriffs von Meiningen über Mellrichstadt und das Tal der Fränkischen Saale Richtung Spessart bietet sich erst wieder die Verbindungslinie Saalfeld – Ludwigsstadt – Kronach – Main für einen Angriff an. Ein Vorstoß über Coburg ist nicht ganz auszuschließen, aber weniger wahrscheinlich, da dieser Querbewegungen zur Front vor dem Thüringer Wald vorausgesetzt hätte. Je nach Lageentwicklung wäre dann eine Fortsetzung des Angriffs nach Überwinden des Mains Richtung Nürnberg denkbar oder ein Einschwenken nördlich des Mains Richtung Haßberge, zur Unterstützung eines Angriffs auf das Rhein-Main-Gebiet um Frankfurt. Das natürliche Hindernis der Haßberge kann mit stärkeren mechanisierten Kräften schnell nur ostwärts Hofheim, in der Senke von Manau, überwunden werden. Hier wäre sicherlich ein Schwerpunkt der Verteidigung der NATO-Truppen einzuplanen gewesen. Diese beiden Möglichkeiten sind jedoch nur als Nebenstoß eines nördlich von Rhön und Thüringer Wald Richtung Frankfurt zielenden Hauptangriffs anzunehmen.
c) Der Hauptstoß im bayerischen Norden kann mit der Angriffsache in der Senke zwischen Fichtelgebirge und Frankenwald (Autobahn A 9) und der Zielrichtung Nürnberg – München angenommen werden – Hof wäre also im Zentrum des vermuteten Hauptstoßes gelegen. Quer zur Vormarschrichtung verlaufende, natürliche Hindernisse sind hier erst die Ausläufer von Frankenwald und Fichtelgebirge bei Marktschorgast – Gefrees (die „Schiefe Ebene“ der Bahnlinie) und das Tal des weißen Mains bei Bad Berneck.
d) Bei entsprechender Schwerpunktbildung seitens des Warschauer Paktes konnte auch durchaus an eine überraschende Operation aus dem „Thüringer Balkon“, dem weit nach Süden ins Bayerische hereinragenden Landstrich westlich Coburg um Römhild, die Gleichberge und Heldburg gedacht werden. Es existierten konkrete Hinweise, daß hier auf jeden Fall eine starke Konzentration von Artilleriekräften des Warschauer Paktes zu erwarten war, die von Stellungen dicht hinter der Grenze tief in die Verzögerungszone und den Verteidigungsraum der NATO-Truppen hätten hineinwirken können. Der Große Gleichberg war gespickt mit Abhöranlagen, bei guter Sicht konnte von dort aus ein großer Teil des Landes von den Haßbergen bis zum Main überblickt werden.
Nach den noch erhaltenen Unterlagen der NVA bzw. durch Auswertung von Übungsvorhaben der NVA und der sowjetischen Truppen in der ehemaligen DDR lassen sich noch für die Jahre um 1980 Planungen rekonstruieren, die neben dem Hauptstoß in den „Fulda-Gap“ eine Vernichtung der NATO-Truppen in Nordbayern zum Ziel hatten:
Gleichzeitig mit dem Angriff von Kräften des Warschauer Paktes in Norddeutschland und durch den „Fulda-Gap“ war ein massiver Stoß in die rechte Flanke der 7. (US)-Armee vorgesehen, die so nördlich von Nürnberg eingeschlossen und in Zusammenwirken mit den Spitzen der inzwischen aus den westlichen Militärbezirken der Sowjetunion herangeführten 2. Staffel des WP vernichtet werden sollte. Für die Operationsführung in Nordbayern waren einmal die Großverbände der Zentralgruppe der sowjetischen Truppen (ZGT) aus der Tschechoslowakei vorgesehen. Gleichzeitig sollten Kräfte aus der Gruppe der Sowjetischen Truppen in Deutschland (GSTD) in Zusammenwirken mit Verbänden des Leipziger Militärbezirks III der NVA aus dem Raum Plauen nach Oberfranken vorstoßen. Die tschechoslowakische Armee (CVA) hatte in dieser Phase den Auftrag, in der südlichen Oberpfalz durch einen Angriff auf breiter Front die dort eingesetzten Kräfte der Bundeswehr (II. Korps) und möglicherweise eingesetzter französischer Verstärkungen zu binden.
Die Bedeutung der „Plauener Pforte“ aus Sicht der Planer des Warschauer Paktes für einen Angriff in Richtung Südwesten / Hof wird auch durch die relativ grenznahe Stationierung eines Garde-Mot-Schützen- und eines Panzer-Regiments der sowjetischen Streitkräfte in Plauen unterstrichen. Auch die Heranführung von Angriffs- und Verstärkungskräften in diesen Raum war infrastrukturell vorbereitet. Bei Lobenstein endete z.B. der für schwere Kettenfahrzeuge ausgebaute Kettenmarschweg Nr. 15, die grenznahen Bahnhöfe der Strecke Hof - Plauen waren als „Entladeräume“ ausgebaut, teilweise waren dort zerlegbare Lade-Rampen eingelagert, um unabhängig von Bahnhöfen schnell Transportzüge mit Panzern entladen zu können. Gleiches galt für die Bahnhöfe an der parallel zur innerdeutschen Grenze verlaufenden Strecke Weida – Triptis – Saalfeld. Hauptzweck dieser Operation war nach allen Erkenntnissen nicht der Stoß in die Tiefe des gegnerischen Verteidigungsraumes, sondern die physische Vernichtung der in Nordbayern eingesetzten NATO-Truppen. Diese Angriffshandlungen wurden vom Militärbezirk III der NVA noch im Jahre 1988 geübt.
Quellen / Literatur:
Die Geländebedingungen des Raumes Nordbayern und ihre Auswirkungen auf die Operationsführung wurden in mehreren Jahresarbeiten der Führungsakademie der Bundeswehr untersucht.
a) Belck, B. / Nes, H. van: Fränkisches Mittelgebirge, Oberpfälzer Wald und Bayerischer Wald – Landschaftliche Erscheinungsformen und ihr Einfluß auf die Bewegungsmöglichkeiten mechanisierter Großverbände, 1967.
b) Leutner, U./ Rotberg, J.: Möglichkeiten und Grenzen des Flächenmarsches. Untersuchung über die Dichte der Straßen- und Wegeverbindungen in Nord-Süd-Richtung im mainfränkischen Raum und den angrenzenden Gebieten, 1968.
c) Natter, Jürgen: Das fränkische Schichtstufenland – Landschaftliche Erscheinungsformen und ihr Einfluß auf die Bewegungsmöglichkeiten mechanisierter Großverbände im Gefecht, 1969
d) Ergänzend zum Problemkreis Verteidigung in Oberfranken die Arbeit von Ekkehart Richter: Die Bedeutung des Raumes Ober- und Mittelfranken für das Wehrpotential der Bundesrepublik Deutschland, 1968
Sämtliche der genannten Jahresarbeiten nachgewiesen bei: Führungsakademie der Bundeswehr, Clausewitz-Gesellschaft (Hrsg.): Generalstabsausbildung zwischen Gesellschaft und Militär – Das Jahresarbeiten-Archiv, Herford 1991
Wiener, Friedrich: Die Armeen der NATO-Staaten (=Truppendienst-Taschenbuch 3); Wien 1966, S. 142 ff.
Heisenberg / Lutz: Sicherheitspolitik kontrovers – Frieden und Sicherheit – Band I, Bonn 1990, Dokument D 7 / S. 185
Naumann, K. (Hrsg.): NVA - Anspruch und Wirklichkeit in ausgewählten Dokumenten. Berlin 2000, S. 97 ff.
McCaffrey, Barry M.: The battle on the german frontier, In: Military Review (USA), Heft 3/1982, S. 62 – 70,
Super, danke! Wobei ich mich auf "durch den „Fulda-Gap“ konzentriere und versuche die Wege und Planungen, also das wo und wie für diesen Bereich einigermassen zu beleuchten.
Megalodon
02.11.2010, 09:21
Weiß nicht ob ihr das Buch "Der dritte Weltkrieg" von General Sir John Hackett kennt, ist von Anfang der 80 und handelt von einem Angriff des WP auf Westdeutschland.
Darin wird ein mögliches Scenario entworfen wo auch schöne Karten mit Stoßlinien des WP und den Verteidigungslinien drin sind . Obwohl wenn ich mich recht erinnere findet der Hauptstoß des WP darin über den Nordabschnitt der Nato d.h. über die Norddeutsche Tiefebene statt.
Aber der erste Angriff findet im Fulda Gap statt.
>Aber der erste Angriff findet im Fulda Gap statt.
Jo nur von wo? Eisenach --> Herleshausen --> Alsfeld?
Megalodon
02.11.2010, 19:01
Habe mal die Karte abfotografiert! die xxx auf der 2 Karte stehen glaub ich für die Anzahl der Divisionen.
suedbaden
02.11.2010, 19:45
Habe mal die Karte abfotografiert! die xxx auf der 2 Karte stehen glaub ich für die Anzahl der Divisionen.
Nein, die Linien mit den XXX grenzen auf einer Lagekarte die Gefechtsstreifen von Verbänden oder Einheiten voneinander ab.
--- XXXX --- begrenzt den Gefechtsstreifen einer Armee(gruppe) (hier: NorthAG und CentAG)
--- XXX --- begrenzt den Gefechtsstreifen eines Korps
--- XX --- begrenzt den Gefechtsstreifen einer Division
--- X --- begrenzt den Gefechtsstreifen einer Brigade
etc.
Megalodon
02.11.2010, 20:22
jetzt wo du es sagst ist das logisch, sorry für die falsche Info
Megalodon
02.11.2010, 20:34
Wie die wahrscheinlliche Angriffsroute, Eisenach --> Bad Hersfeld -> Alsfeld, teilen und 1 Abteilung links B254 nach Fulda dann Schwenk nach Frankfurt, andere Abteilung weiter Frankfurt? Wäre dann eine klassische Zangenbewegung...
Bin zwar auch kein Taktiker, aber meiner Meinung nach wäre das optimal, alleine schon um feindliche Kräfte zu binden, und nicht den ganzen Druck auf einer Angriffsachse zu haben.
Nein, die Linien mit den XXX grenzen auf einer Lagekarte die Gefechtsstreifen von Verbänden oder Einheiten voneinander ab.
Was wir auf der 2. Karte sehen, sind in etwa die tatsächlichen Gefechtsstreifen der NATO nach dem GDP vor Eintreffen der REFORGER-Kräfte. Allerdings stimmt die Lage des VRV (dicke schwarze Linie) allenfalls im Bereich I. BR, I. BEL, III. DEU und im Nordteil des V. US-Korps in etwa mit den tatsächlichen Verhältnissen überein. Die deutschen Korps müssten korrekt auch mit "GE" statt mit "DEU" bezeichnet werden.
Auch die Fortführung des VRV im Süden durch Österreich hindurch ist reine Phantasie, da Österreich neutral war. Wenn nötig, wäre hier an der bayerischen Grenze südlich Passau mit schnell zusammengestellten Sperrverbänden (Sperrverband Inn-Salzach usw.) verteidigt worden, bis die Kräfte des II. FR-Korps als CENTAG-Reserve herangeführt worden wären.
Vielleicht zur besseren Verdeutlichung der Angriffsmöglichkeiten noch ein paar Zahlenangaben zu den Breiten von Einheiten des Warschauer Paktes im Angriff (Stand etwa 1983):
Breite des Gefechtsstreifens im Angriff (1.Zahl) / Breite des Durchbruchsabschnitts (2. Zahl):
Bataillon: bis 2 km / bis 1 km
Regiment: bis 5 km / bis 2 km
Division: 10 - 20 km / bis 4 km
Die Normen galten für den Angriff gegen eine vorbereitete Verteidigung, wobei der Angriff grundsätzlich aus der Bewegung heraus ohne langwierige Bereitstellung erfolgen sollte.
Die sowjetischen Vorschriften sahen zum gleichen Zeitpunkt für den Durchbruchsabschnitt je laufenden Kilometer Frontbreite
- 60 Kampfpanzer
- 12 - 15 Panzerhaubitzen (2S1, evtl. auch 2S3) zur direkten Feuerunterstützung
- den Einsatz von etwa 100 Rohren Artillerie
vor.
Die Problematik der auf rücksichtslosen Durchbruch angesetzten Operativen Manövergruppen (OMG) mit noch deutlich verkleinerten Durchbruchabschnitten ist hier außer Betracht gelassen, weil nie zweifelsfrei geklärt wurde, ob diese Einsatzoption tatsächlich in der befürchteten Dimension bestand.
Quellen:
Douglass Jr., Joseph D.: Sowjetische Militärstrategie in Europa, München 1983.
Hines, John G. / Peterson, Phillip A. : Die strategische Offensive des Warschauer Paktes, die OMG im gesamtstrategischen Zusammenhang. In: Internationale Wehrrevue 10/1983, S. 1391 - 1395.
Lippert, Günter: Die "operativen Manövergruppen der Sowjetarmee" - eine neue Herausforderung für die NATO? In: Heere international 3, S. 157 - 171, 1984.
Wiener, Friedrich (Hrsg.): Die Armeen der Warschauer - Pakt - Staaten. Band 1 - Organisation, Militärdoktrin, Führungs- und Einsatzgrundsätze (= Truppendienst-Taschenbuch 2 A) Wien 1990.
TopOfTheRock
03.11.2010, 11:14
Hoffe ich oute mich jetzt nicht als Volldepp - aber mir faellt eben auf, dass ich als ehem. Angehoeriger der 12. PzDiv einen GDP oestlich von Schweinfurt hatte - dieser Bereich liegt aber im Gefechtsstreifen des V US Corps - waere die 12. PzDiv demnach dem V Corps unterstellt worden, oder wie...???
suedbaden
03.11.2010, 12:22
Hoffe ich oute mich jetzt nicht als Volldepp - aber mir faellt eben auf, dass ich als ehem. Angehoeriger der 12. PzDiv einen GDP oestlich von Schweinfurt hatte - dieser Bereich liegt aber im Gefechtsstreifen des V US Corps - waere die 12. PzDiv demnach dem V Corps unterstellt worden, oder wie...???
Ja, der GDP der NATO sah (zumindest zeitweise) vor, dass das VII (US) Korps mit der 12. (GE) PzDiv links, der 3. (US) ID im Zentrum und der 1. (US) PD rechts verteidigt. Eine deutsche Division wäre also einem US-Korps unterstellt gewesen.
Nachzulesen im von der Stasi ausspionierten OP 33001 des V (US) Corps auf Seite 4. Den gibt's irgendwo im Netz, ich finde ihn aber gerade nicht.
Kann ich nur bestätigen - die 12. PzDiv war zeitweise dem V. US-Korps, ab etwa 1980 - 1989 dem VII. US-Korps für den Verteidigungsfall unterstellt.
Das war vor allem im logistischen Bereich eine äußerst interessante Konstellation.
Auch im Hinblick auf die sonst für deutsche Divisionen üblichen Verfahrensweisen gab es erhebliche Abweichungen. So wurde die für die 12. PzDiv vorgesehene Feldjägerkompanie des Territorialheeres (in diesem Fall die 6./FJgBtl 760 - Veitshöchheim - ehemalige FJgKp 12) bereits beim Auslösen erster Alarmmaßnahmen der 12. Panzerdivision unterstellt, ansonsten erfolgte dieser Wechsel der Unterstellungsverhältnisse erst nach Abschluß des Aufmarsches.
TopOfTheRock
03.11.2010, 14:37
Herzlichen Dank Euch beiden :-) War die Frage doch nicht so unberechtigt. Ja, den Oplan 33001 hab ich sogar - fand es aber einfacher hier mal nachzufragen.... ;-)
Megalodon
04.11.2010, 20:14
"bis die Kräfte des II. FR-Korps als CENTAG-Reserve herangeführt worden wären"
Was nicht unbedingt so eingetreten wäre je nach dem wie Frankreich sich entschieden hätte, da sie ja militärisch nicht in die Nato eingebunden waren.
Natürlich kann man davon ausgehen das sie sich beteiligt hätten, alleine schon aus eigenem Interesse, aber wenn der WP ihnen einige Sicherheiten in bezug auf ihr Territorium usw. gegeben hätte...... wer weiß was passiert wäre. :D
"bis die Kräfte des II. FR-Korps als CENTAG-Reserve herangeführt worden wären"
Was nicht unbedingt so eingetreten wäre je nach dem wie Frankreich sich entschieden hätte, da sie ja militärisch nicht in die Nato eingebunden waren.
Immerhin ist genau dieses Szenario mit ziemlichen Aufwand 1987 bei der deutsch-französischen Heeresübung "Kecker Spatz / Moineau Hardi" geübt worden.
M136.de Blog Archiv Kecker Spatz 87 (Heeresübung) (http://m136.de/kecker-spatz-1987)
Wobei man bedenken muss das Ende der 80er eine sehr intensive deutsch-französische Kooperation aufgebaute wurde. Z.B. die Deutsch Französische Brigade.
Zu dieser Zeit war Frankreich deutlich näher an der NATO dran als es früher war.
Außerdem hatte Frankreich Teile der NATO Militär Struktur wie z.B. die Luft Verteidigung nie verlassen.
Der Süden des Nike Hawk Belts bestand aus französischen Einheiten
Megalodon
05.11.2010, 18:26
ich weiß ja, war ja auch nur mal reine Spekulation, weil das hätte ja immense Auswirkungen gehabt. Nicht nur die fehlenden Truppen sondern auch z.B. könnten keine Konvois in Frankreich entladen werden usw.:)
Megalodon
05.11.2010, 18:38
Mal eine andere Frage:
Denkt ihr der WP hätte massiv chemische und biologische Waffen eingesetzt und wenn ja, auch gezielt gegen zivile Ziele oder nur militärische Einrichtungen um z.B. Einrichtungen auf Dauer unbrauchbar zu machen?
Rex Danny
05.11.2010, 19:51
Mal eine andere Frage:
Denkt ihr der WP hätte massiv chemische und biologische Waffen eingesetzt und wenn ja, auch gezielt gegen zivile Ziele oder nur militärische Einrichtungen um z.B. Einrichtungen auf Dauer unbrauchbar zu machen?
Hallo, Megalodon !
Das erkläre doch bitte mal genauer.
Wie soll denn ein biologischer oder chemischer Angriff nur auf militärische Ziele ausgesehn haben (theretisch) ?
Die Bundesrepublik ist ein sehr dicht besiedeltes Land und egal, ob A-, B- oder C-Waffen zum Einsatz gekommen wären, die Zivilbevölkerung wäre immer mit eingeschlossen gewesen, alleine schon durch die vorherrschenden Winde.
Weiterhin sollte noch eine Sache bedacht werden. In der Regel haben wir in der Bundesrepublik West-Ost-Winde. Wenn der Warschauer Pakt also biologische oder chemische Waffen (massiv) eingesetzt hätte, wäre das Risiko, die eigenen Truppen damit außer Gefecht zu setzen, viel zu groß gewesen.
Haben unsere echten Strategen gegen meine Thesen Einwände oder können wir es so stehen lassen ?
Grüße
Rex Danny
Dafür daß keine C-Waffen erwartet worden wären (durch die NATO bzw. Bundeswehr) waren die ABC-Abwehrkräfte aber mal deutlich zu stark ausgelegt ;)
Siehe auch Zivilschutz - Kriterium Gasdichtigkeit für Bunker und ähnliche Anlagen (z.B. Hilfskrankenhäuser). Bei B-Waffen trifft das schon eher zu, da waren die militärischen Analyse- und Konterfähigkeiten eher auf sehr kleiner Flamme.
Die Bundesrepublik ist ein sehr dicht besiedeltes Land und egal, ob A-, B- oder C-Waffen zum Einsatz gekommen wären, die Zivilbevölkerung wäre immer mit eingeschlossen gewesen, alleine schon durch die vorherrschenden Winde.
Nix mit Wind. Sarin ist lediglich in Reinform leichtflüchtig. Sowjetische C-Kampfstoffe (Sarin und Soman) wurden überwiegend in Polymerverbindungen gebunden, wodurch der Zustand des ausgebrachten Kampfstoffes viskosen, gelatinösen Tropfen entsprach. Novichok wäre wohl als Feststoff ausgebracht worden.
Bei dem Zeug was die Amis und Briten so im Lager liegen hatten sieht das allerdings anders aus.
Die Übungen im Manöver sogar im Gefechtsstand, wie man sie im "Hattenbachfilm" sieht wurden auch unter Vollschutz durchgeführt.
B-Waffen waren wohl für beide Seiten im Ost West Konflikt zu beherrschbar.
Ganz anders sah es im C Bereich aus.
Diese waren wesentlich dosierbarer und in einen breitien Spectrum von leichtflühtig (um einen Bereich nur kurzfristig zu verseuchen) bis quasi permanent (um z.B. eine Flugplatz, Übersetzpunkte ... ) permant zu sperren.
Die Definition "ziviles Ziel" ist immer sehr interesant.
Wohngebiet - zivil
Wohngebiet mit Kommunikationsschnittstelle - z.B. Post Vermittlungsstelle oder um eine Autobahn?
Alles was mit Verkehrsverbindungen, Kommunikation, Industrie .. nur näherungsweise zu tun hatte wäre wohl als nicht zivil eingestuft wurden. Und dies nur falls jemand sich die Zeit genommen hätte ...
quasi permanent
Sehr relativer Ausdruck. Solange man ausmarkiert wo das Zeug dann liegt, ist mit Straßendekon und ähnlichen Maßnahmen bei den meisten Objekten durchaus dann wieder zumindest in Grundzügen die Funktionsfähigkeit wieder herstellbar.
Sogar relativ schnell, im Sinne von "innerhalb Stunden". Ist im Grunde strategisch und taktisch zu behandeln wie ein Minenfeld, nur daß die taktische Markierung nicht rot ist. :p
Megalodon
07.11.2010, 11:22
Ich meinte auch als Einsatzgebiet nicht nur die BRD, rede auch von Angriffen auf Häfen, Flugplätze usw. weiter westlich z.B. Belgien, Niederlande, Frankreich.
Und mit zivile Ziele meinte ich, wäre es gezielt gegen die Bevölkerungen eingesetzt worden?
Moin Megalodon,
hast Du vielleicht mit zivile Ziele Atomkraftwerke gemeint?
Wie lange so ein Gelände nicht mehr genutzt werden kann, hat ja Tschernobil gezeigt.
YouTube - Nadeshda - Tschernobil 20 Jahre danach - Teil 1 (http://www.youtube.com/watch?v=9mqIvGZjJ4c)
Gruß
Horner ( Beagle )
Megalodon
07.11.2010, 11:39
Und im Bezug auf den Wind, im Gegensatz zu wie schon gesagt den bleibenden Kampfstoff, sind sie flüchtigen Kampfstoffe nach ca 4 stunden so gut wie nicht mehr vorhanden. Und glaube nicht das der WP die Kampfstoffe direkt an der Frontlinie eingesetzt hätte, sondern eher im Hinterland um Nachschubtruppen usw. anzugreifen und zu schwächen.
Hier noch Teil 2 und 3, um das Ausmaß der Katastrophe von Zeitzeugen zu sehen.
YouTube - Nadeshda - Tschenobil 20 Jahre danach - Teil 2 (http://www.youtube.com/watch?v=IjtSkGA6rcQ&feature=related)
YouTube - Nadeshda - Tschernobil 20 Jahre danach - Teil 3 (http://www.youtube.com/watch?v=536UZvULAA0)
Tagesschau vom 29.04.1986
YouTube - Tagesschau zu Tschernobyl (http://www.youtube.com/watch?v=Hv9L53DiQTs)
In einen Bericht über einen Angriff des WP ( den ich jetzt auf die Schnelle nicht finden kann ) wurde ja in Kauf genommen, das die ersten Truppen, bei einen atomaren Angriff, verstrahlt und geschädigt werden.
So nach den Motto, ohne Preis kein Fleiß und das wurde voll mit eingerechnet, ohne Rücksicht auf Verluste der WP-Truppen.
Wenn man sich dieses Szenario versucht vorzustellen, stellt sich die Frage, wie eine Nutzung danach überhaupt möglich wäre, ohne gesundheitliche Schäden davon zu tragen.
Um sich das dann aus den hier passenden Schriftsätzen bzw. Berichte vor zustellen, habe ich noch einiges gefunden.
Eine Doktriene aus dem Jahr 1980 von unserer Seite
ABC des dritten Weltkriegs I. DIE BUNDESWEHR (http://www.gegenstandpunkt.com/msz/html/80/80_5/wk3.htm)
Danmark under kolde krig
Da wir in einen V-Fall " Landjut " unterstellt gewesen wären, hätten wir das bis Hanstholm-Dänemark zu spüren bekommen, wenn keine Möglichkeit zum Stoppen des Einfalles Feindlicher Truppen dargeboten und sich entgegen gestellt hätte.
Angriffspläne des Ostblocks (http://www.vimu.info/general_04.jsp?id=mod_6_4)
25.07.1994
SCHRECKENSSZENARIO: DER DRITTE WELTKRIEG - Deutschland - FOCUS Online (http://www.focus.de/politik/deutschland/schreckensszenario-der-dritte-weltkrieg_aid_146963.html)
Und so ebend ist mir eine PDF-Datei über den Bildschirm geflogen, die eine besondere Aussage des Ansturmes der WP-Truppen hat.
Ich glaube,das diese für den heutigen Sonntag erstmal reichen wird um alles gedanklich zu Verdauen.
13.07.2008
http://ausweichsitz.de/index2.php?option=com_content&do_pdf=1&id=101
Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag,
Gruß
Horner ( Beagle )
Dragoner
07.11.2010, 15:02
Eine Doktriene aus dem Jahr 1980 von unserer Seite
Der "Verein zur Förderung des marxistischen Pressewesens" ist ganz bestimmt nicht UNSERE Seite... :rolleyes:
Und so liest sich das Machwerk übrigens auch, reine DDR-Rhetorik.
Ich denke das Atom Kraftwerke eher weniger attraktiv waren als quasi "Sperren".
Der Effekt ist schlecht dosierbar.
Bei Verseuchten Gebiet war ja der Standard Plan die Fahrzeuge dicht zu machen und durch.
Außerdem lässt sich Strahlung relative leicht feststellen (Geigerzähler - statt ein Dutzend verschieden Tests für C-Waffen).
Im Falle des Dritten Weltkriegs wollte wohl keine Seite die Wahrscheinlichkeit erhöhen das der Gegner in 10-20 Jahren Krebs kriegt sondern einen wesentlich schnelleren Effekt erzielen.
(Geigerzähler - statt ein Dutzend verschieden Tests für C-Waffen).
Wenn man die Jungs über die Wiese kriechen und von Hand testen läßt ists eh schon zu spät. Für den Job hat man schließlich in den 80ern die Spürfüchse angeschafft. Da testet der Computer, und zwar gleich auf ein paar hundert mögliche Kampfmittel statt der Grobeinteilung die man bei den Teststreifen hat. Innerhalb von Minuten, unter Vollschutz. Das einzige was da noch händisch - und zentral - getestet werden mußte waren B-Waffen-Verdachtsfälle.
---
Im wesentlichen muß man beim Einsatz von C-Waffen schon ziemlich stark zwischen taktischer und strategischer Nutzung unterscheiden.
Im taktischen Kontext ist das Hauptverbringungsmittel Artillerie, es wird in großen Mengen verbracht, und im Regelfall im Vorfeld eines Bodenangriffes zur vorübergehenden "Niederhaltung" des Gegners genutzt. Hierbei werden leichtflüchtige Kampfmittel eingesetzt, die lediglich einige Stunden wirken und für die hinter den Kampftruppen nachrückende Logistik nicht mehr beeinträchtigend wirken. Ziele wären eher Konzentrationen ungeschützter Truppen gewesen, also primär Jäger. Mögliche Anwendungsgebiete wären auch die Niederhaltung von ungeschützter Divisionsartillerie und Mörserstellungen oder das zeitlich begrenzte Stören des Feindes während der Konsolidierung eigener Truppen.
Im eher strategischen Kontext wären wohl hauptsächlich Kurzstreckenraketen über Distanzen von 60 bis 150 km eingesetzt worden. Die Verbringung erfolgt dabei - vergleichsweise - auf Punktziele, die eher unbeweglich sind, also z.B. auf Gefechtsstände, Flugplätze, Infrastruktur. Eingesetzt worden wären nichtflüchtige Kampfmittel, die ihre Wirkung über Zeiträume von Tagen bis Wochen behalten. Aufgrund der Punktwirkung wäre ein gezieltes Sperren (im Sinne von Abriegeln) mit diesen Mitteln eher weniger möglich gewesen, Auswirkung wäre eine "Funktionsstörung" des Ziels gewesen.
In der obigen strategischen Funktion wäre der Einsatz von Nuklearwaffen wesentlich wirkungsvoller, in der obigen taktischen Funktion hingegen - auch aufgrund der Nichtnutzbarkeit durch Geländeschäden - weniger sinnvoll.
Der "Verein zur Förderung des marxistischen Pressewesens" ist ganz bestimmt nicht UNSERE Seite...
von Dragoner
Schnüff Schnüff,
ich habe leider nicht das " klein Gedruckte " am Ende gesehen Karl Marx Pressewesen***
Horner ( Beagle )
Ich habe gerade einen Bericht in der Politically In Correct gefunden mit den Titel: UdSSR plante atomaren Angriffskrieg auf Europa
Die Informationen stammen im Wesentlichen von Heinz Rühle, der Chef des Planungsstabes im Bonner Verteidigungsministerium war und heute den Planungsstab in der politischen Abteilung der Nato in Brüssel leitet.
UdSSR plante atomaren Angriffskrieg auf Europa - Politically Incorrect (http://www.pi-news.net/2010/10/udssr-plante-atomaren-angriffskrieg-auf-europa/)
Gruß
Horner ( Beagle )
Es gab aber nicht so viele Spürfüchse. 6 pro Division und nochmal 18 pro Korps. Die waren sehr dünn gesäht.
Ich hatte 84 noch mit Teströhrchen geübt. (ABC-Abwehrtrupp in unser Artillerie Batterie)
Das hat wesentlich länger gedauert als mit den Geigerzähler nach Fallput und so zu suchen .
Zudem hatten die meisten Alliierten inklusive der Amerikaner nichts was an den Fuchs ran kam. Schließlich war ein WW3 in Deutschland keine Bundeswehr-only Show
Es gab aber nicht so viele Spürfüchse. 6 pro Division und nochmal 18 pro Korps. Die waren sehr dünn gesäht.
So dünn ist das nicht, das hätte jedem ABCAufklZg mit 6 Füchsen einen Abschnitt mit einer Breite von maximal 30-40 km gegeben (und ähnlicher Tiefe ab Hauptkampflinie rückwärts bis zur Artillerie, bzw. ein ähnlicher Umfang für die rückwärtigen Züge). Diese Aufteilung wurde größenmäßig m.W. auch in Heeresstruktur 5/5N so betrieben.
Antwortzeit mit Analyse auf Verdachtsfall vielleicht eine halbe bis dreiviertel Stunde im Optimalfall. Und mit den drei Aufklärungsgruppen konnte der Verdachtsfall dann auch in der Fläche schön abgesteckt werden. Der Verdachtsfall (bzw. die Verdachtsmeldung auf den Einsatz z.B. chemischer Artilleriegranaten) wäre zuvor eben nach Beobachtung durch ABCAbwTrupps (oder sonstige Teile) der eingesetzten Truppen gemeldet worden.
Teströhrchen, "Atomkoffer", Eigendekontaminationsset etc waren durchaus auch noch 15 Jahre später im Gebrauch (SGA DekonSdt 1999). Dieselben wie in den 80ern, genauso wie das gesamte restliche Gerät bis hin zum im Fuchs verbauten Computer.
So dünn ist das nicht, das hätte jedem ABCAufklZg mit 6 Füchsen einen Abschnitt mit einer Breite von maximal 30-40 km gegeben (und ähnlicher Tiefe ab Hauptkampflinie rückwärts bis zur Artillerie, bzw. ein ähnlicher Umfang für die rückwärtigen Züge)
Und was ist mit den Hinterland?
Hier gings ja um Sperren von Gelände ... z.B auch von Nachschub.
Ich bleibe dabei bei den BW Verbänden Reichten die Füchse bestenfalls ohne Ausfälle dazu den von dir angegeben Bereich abzudecken aber der Rest war auf die Alten Metoden angewiesen und das ist der Grossteil der Fläche.
Analysezeit 30-45min ...
Immer noch 30-45 Min länger als man mit nen Geigerzähler braucht.
Deshalb bleibe ich dabei das man radioaktive Verseuchung wesentlich schneller als chemische aufklären kann.
Deshalb sind C-Waffen effektiver eine Sperrung von Gelände zu erreichen
Torsten.OSL
26.01.2011, 11:31
Zur Zeit des Kalten Krieges gab es sicher keine russischen Eroberungspläne. Man hatte da eine andere Denke. Man versuchte herauszufinden ob sich die NATO auf einen Krieg vorbereitet, und wollte, wenn man genügend Anzeichen dafür findet, dem mit einem massiven Schlag zuvor kommen. Angefangen hätte das möglicherweise aus einem Manöver heraus. So spricht man von 72 Stunden, die mit konventionellen Waffen gekämpft worden wäre. Sollte nach 72 Stunden keine klare Lage herrschen wäre es zum Kernwaffeneinsatz gekommen. Menschliche Verluste sind dabei sicher eingeplant. Der Hauptvorstoß wäre sicher im Raum Erfurt gen Westen erfolgt, vielleicht nach einem Ablenkungsmanöver im Raum der Ostsee.
Gruß Torsten
Colonel Dash Rendar
04.08.2011, 22:23
Zur Zeit des Kalten Krieges gab es sicher keine russischen Eroberungspläne.
Das kannst Du doch nicht ernst meinen oder? Das widerspricht allen historischen Erkenntnissen. Der WP hatte selbst stets zugegeben, daß niemals ein Krieg auf eigenem Territorium erfolgen dürfe, sondern nur auf dem Territorium des Gegners, also der Nato, respektive der Bundesrepublik Deutschland. Insofern wäre jedes "zucken" des Westens (z.B. unsere großen Herbst-Manöver) ein legitimer Angriffsgrund für den WP gewesen?
Ich glaube es geht ihm mehr darum, dass von Seiten des WP der Krieg abgesehen von etwas Geplänkel in den ersten 72 Stunden auf nukleare Vernichtung statt "Eroberung" ausgelegt war. Dasselbe gilt übrigens durchaus auch für die NATO.
Und bezüglich der Herbst-Manöver haben deren Pläne östliche Sicherheitsdienste üblicherweise noch vor den involvierten Truppen zu Gesicht bekommen...
Moin zusammen,
hier habe ich gerade eine PDF-Datei mit mehreren Beiträgen aus veschiedenen Zeitungen mit Datum und Jahrgang gefunden, die glaube ich sehr passend zu diesen Thema sind.
http://www.bmlv.gv.at/pdf_pool/publikationen/01_ono_07_anhang.pdf
und
http://www.swg-hamburg.de/Archiv/Beitrage_aus_der_Rubrik_-_Gesc/Praventiver_Nuklearkrieg_in_Europa.pdf
Gruß
Horner
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