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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Landesamt für Denkmalschutz



taupe
15.03.2006, 20:52
Hallo,

nein, ich habe mich nicht im Forum geirrt, und nein ich bin kein Sondler :D

Trotzdem oder gerade deshalb fand ich folgende Passage recht amüsant:

"Das Landesamt für Denkmalschutz ist nach Artikel 2 des Grundgesetzes zur Konvention vom 14. Mai 1954 zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten vom 11. April 1967 auführendes Organ der Kulturguterfassung" /1/.

Da diese Aktivität nach dem Ende des kalten Krieges sicher nicht mehr mit gleichem Enthusiasmus wie zuvor verfolgt wird, blieb den LDA nichts anderes übrig als sich mit ganzem Herzen den schützenswerten Bodendenkmälern zu widmen :D

Diese Kulturguterfassung schlug jedenfalls im Jahre 1986 noch mit sage und schreibe 3,82 Milliarden (SIC!) DM zu Buche./2/

Die von den Landesdenkmalämtern erfassten schützenswerten Objekte werden dann im Bundesamt für Zivilschutz zusammengefasst und an das Bundesministerium für Verteidigung zwecks Eintragung der Koordinaten in Kartenwerk weitergeleitet. Sodann leitet selbiges wieder weiter und zwar an das Auswärtige Amt (Außenministerium), von dort geht die Reise der schützenswerten Objekte weiter zu den Vereinten Nationen. Eine Unterabteilung der UNESCO nimmt sich ihrer an, um sie unter internationalen Schutz stellen zu lassen.

Bis zum Jahre 1986 hat die BRD kein einziges völkerrechtlich schützenswertes Objekt an die UNESCO gemeldet - man hatte es bis dato einfach nicht geschafft, die Listen zu einem Abschluß zu bringen. Und eine nicht fertige Liste darf nicht auf die Reise gehen!

Immerhin hat man zu dieser Zeit in Hessen schon einige Objekte ausgespäht, deren Schutz man beantragen möchte:

- Dom, Stifts- und Pfarrkirche St. Bartholomäus
- Kath. Pfarrkirche St. Leonhard
- Liebfrauenkirche
- Ev. Katharinenkirche
- Ev. alte Nikolaikirche
- Ehem. Dominikanerkloster
.
.
.
- Haus Krimvogel
- Hauptwache
- Römer

alle zu Frankfurt am Main.

Natürlich hätten diese Objekte vor einer internationale Geltendmachung auf ihre miliärische Vertretbarkeit geprüft werden müssen. So muss, auch um den Einklang mit den Haager Landkriegsordnungskonventionen herzustellen, ein Abstand von mindesten 500 Metern zum nächsten militärischen Objekt gewährleistet sein.

Da hätte beispielsweise Wiesbaden echt mal Pech gehabt, denn die Dichte militärischer Objekte in der Innenstadt hätte wohl zu so mancher Streichung von der Liste geführt. :eek:

Hochinteressant oder ? - ich finds drollig, mir war bislang noch nicht bekannt, dass es atomare Gefechtsköpfe mit selektiver Wahrnehmung gab, die ganz im Sinne des Landesdenkmalamtes die Auswirkungen einer möglichen Atomexplosion von dem unter internationalem Schutz stehenden Objekt ferngehalten hätten :D

Auch finde ich den Etat, den die Landesdenmalämter für diesen Zweck verwendet haben doch sehr üppig...so hat der Kalte Krieg zumindest einigen Leuten auch in diesem Gebiet zu Lohn und Brot verholfen.

Bleibt die Frage: Hätte es tatsächlich bei einem - sagen wir - eher konventionellen Schlachtverlauf geholfen - wäre der Römer tätsächlich stehen geblieben?


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Hinweis: Ich will niemandem mit meinem Sarkasmus auf den Schlips treten, alleine staunt der mündige Bürger, wohin Geld so überall versickert ist.

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1) BGBL II 1967 S. 1233 und 1971 S. 1025
2) Einzelplan 36 zivile Verteidigung, Anlage zur DRS 10/3700 S. 50 ff. d. deutschen Bundestages


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Korrektur: Weil mir 3,82 Milliarden wirklich suspekt war, habe ich nochmal eine Sekundärquelle bemüht. Es handelt sich wohl um einen Tippfehler und es sind "nur" 3,82 Millionen DM.

nairolf
15.03.2006, 21:33
Doch Deutschland hat ein Objekt auf jeden fall an die UNESCO gemeldet die Zetrale Bergungsstätte für Kuturgut (3 Faches Schutzzeichen).

MfG

Florian

taupe
15.03.2006, 21:41
Hallo Florian,

das mag sein, aber wenn, dann aber erst NACH dem 13.08.1986 /3/ ,
bis dahin hat man bei den alle vier Jahre stattfindenden Überprüfungskonferenzen immer nur mitgeteilt, dass noch an den Listen gearbeitet wird.


vorbehaltich der u. angegeb. Quelle.
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3) telef. Auskunft ORR G. U., Bundesamt für Zivilschutz, v. 13.08.1986, in Wiesbaden, eine Anaylse der miltärischen Strukturen in der hessischen Landeshauptstadt, E. Schmit-Eenboom, S. 94 f.

nairolf
15.03.2006, 21:48
gut möglich...

MfG

Florian

FEK
16.03.2006, 08:57
Hallo,

So muss, auch um den Einklang mit den Haager Landkriegsordnungskonventionen herzustellen, ein Abstand von mindesten 500 Metern zum nächsten militärischen Objekt gewährleistet sein.

Da hätte beispielsweise Wiesbaden echt mal Pech gehabt, denn die Dichte militärischer Objekte in der Innenstadt hätte wohl zu so mancher Streichung von der Liste geführt. :eek:

Hochinteressant oder ? - ich finds drollig, mir war bislang noch nicht bekannt, dass es atomare Gefechtsköpfe mit selektiver Wahrnehmung gab, die ganz im Sinne des Landesdenkmalamtes die Auswirkungen einer möglichen Atomexplosion von dem unter internationalem Schutz stehenden Objekt ferngehalten hätten :D


Zeigt nur das alles was mit Krieg zu tun hat irgendwie pervers ist. Der Irak hatte offensichtlich solch Liste nicht rechtzeitig eingereicht.
Wir können jedoch zu Zeiten des Einsparens davon ausgehen, das diese Mittel zumindestens gekürzt werden. Wozu eigentlich Gebäude schützen, wenn es keine Menschen mehr gibt welche sie nutzen könnten. Beim Schutz der Rechte von Kriegsgefangegen sind wir da international schon erheblich weiter. Sie Guantanamo und Folter.

FEK

vizekonteradmiral
16.03.2006, 10:02
Zetrale Bergungsstätte für Kuturgut
Wo soll denn diese Einrichtung sein?
Selbst Google weiß nix davon (auch dann nicht wenn ich das fehlende n und l einfüge ;) )

Leif
16.03.2006, 10:15
Hallo.
http://www.lostplaces.de/kulturgut/index.html

Hier die Zahlen für den Bundeshaushalt 1983:

Einzelplan 36 (04) Titelgruppe 7:
Gesamt 3.660.000 DM
davon Vergütung für Angestellte 301.000 DM
Löhne für Arbeiter 69.000 D
vermischte Personalaufgaben 3.000 DM
Nicht teilbare sächliche Verwaltungsaufgaben (hier geht es um die Sachkosten der Sicherungsverfilmung und Einlagerung) 840.000 DM
Maßnahmen zum Schutz nicht bundeseigenen Kulturgutes 2.447.000 DM

Die Ausgaben sind noch weiter spezifiziert.


Viele Grüße,
Leif

Harry
16.03.2006, 14:38
Den der BRD kann man sich ggf. mal anschauen.

FEK
16.03.2006, 14:52
Leif,

das sind aber 20 Jahre alte Zahlen. Gibt es den konkrete Hinweise, das diese Behörde nach wie vor existiert?

FEK

taupe
16.03.2006, 16:53
Hallo,

aktuelle Zahlen kann ich keine liefern, dazu müsste man sich wahrscheinlich durch die Anlagen "Einzelpläne" des aktuellen Bundeshaushalt wühlen...

Aber ich denke, ich kann den Nachweis erbringen, dass die Behörde nach wie vor existiert. Die Prioritäten sind jetzt ein wenig verschoben, nach der Gesetztesnovelle von '97.

aber hier noch eine aktuelle Broschüre des BBK zum Thema
Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten (http://www.bbk.bund.de/cln_007/nn_398720/SharedDocs/Publikationen/Brosch_C3_BCren__und__Faltbl_C3_A4tter_20Download/Kulturgutschutz,templateId=raw,property=publicatio nFile.pdf/Kulturgutschutz.pdf) (840 kB, pdf)

Enthält unter anderem auch Bilder zur Sicherungsstelle, bzw. dem Lagerort, dem Barbarastollen in Oberried/Schwarzwald.

Harry
16.03.2006, 16:54
Jemand Interesse das Teil anzugucken?

taupe
16.03.2006, 16:56
Hi, ja natürlich, aber erst im April :D

Leif
16.03.2006, 19:02
Hi.
Ich dachte, Zahlen von 1983 würden bei einem Beitrag, der auf Mitte der 80er Jahre ziehlt, Sinn machen ;)

Schaut mal hier: http://www.bundesfinanzministerium.de/bundeshaushalt2005/html/ep06/ep06kp28nra0202.html
In der Nähe sind auch die Gelder für die Abwicklung von Marienthal...

Viele Grüße,
Leif

FEK
16.03.2006, 19:11
Ist ein schönes Stück Geld.

FEK

taupe
16.03.2006, 19:34
Ist ein schönes Stück Geld.

FEK

Das schon, dennoch ist der Etat ganz enorm zusammengestrichen worden, von knapp 2,0 Millionen Euro anno 1986 auf 1,15, also immerhin um grob 42% und das ohne Berücksichtigung von etwaigen Teuerungsraten usw.

Aber vielleicht sind unsere Listen ja inzwischen fertig :D

Leif
16.03.2006, 19:51
Hier die Zahlen für den Bundeshaushalt 1983:

Einzelplan 36 (04) Titelgruppe 7:
Gesamt 3.660.000 DM
davon Vergütung für Angestellte 301.000 DM
Löhne für Arbeiter 69.000 D
vermischte Personalaufgaben 3.000 DM
Nicht teilbare sächliche Verwaltungsaufgaben (hier geht es um die Sachkosten der Sicherungsverfilmung und Einlagerung) 840.000 DM
Maßnahmen zum Schutz nicht bundeseigenen Kulturgutes 2.447.000 DM


Titelgruppe 02
Gesamt 3.040.000 Euro
F 539 29- 034 Vermischte Verwaltungsausgaben 8.000 Euro
F 547 21- 034 Nicht aufteilbare sächliche Verwaltungsausgaben 1.115.000 Euro
F 632 22- 034 Maßnahmen zum Schutz nicht bundeseigenene Kulturgutes 1.892.000 Euro

Die Personalkosten müßte ich noch suchen.

Viele Grüße,
Leif

Nachtrag: Die hier gelisteten Summen beziehen sich, soweit ich es erkenne, nur auf Oberried.

taupe
16.03.2006, 19:59
Hups,

sorry, war heute wohl ein zu langer Tag. Ziehe mein letztes Posting zurück.

Harry
16.03.2006, 20:32
Wechseljahre, ich sag nur Wechseljahre.

Christel
16.03.2006, 21:52
Leif,

das sind aber 20 Jahre alte Zahlen. Gibt es den konkrete Hinweise, das diese Behörde nach wie vor existiert?

FEK


Hi FEK,

also der Lostplaces Beitrag, sowie der Besuch während einer Einlagerung im "Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland" war vor ca. 3 Jahren. Da existierte das BBK noch, siehe auch hier: http://www.bbk.bund.de/cln_007/nn_403144/DE/02__Themen/12__Kulturgutschutz/Kulturgutschutz__einstieg.html__nnn=true

Gruß, Christel