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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sandfilter



HiredGun
03.04.2006, 16:36
Ich habe eine Frage zur Ausrüstung von Bunkern.

Und zwar wurde mir von einem Bekannten erzählt, das es eine art Sandfliter für Frischluft gegeben hat, die in Atombunkern eingesetzt wurden.

Gibt es hierzu irgendwelche Daten, oder weiß jemand mehr zu diesem Thema?

nairolf
03.04.2006, 16:53
Ja diese sogenannten Sandfilter Wurden in (fast) jede Bunkeranlage eingebaut und hatten den Zweck die Außenluft abzukühlen und von großen Staub- und Schmutzartikel zu Filtern dazu wurde die kontamienierte Luft durch Sandgesaugt und dadurch gekühlt und gereinigt.

MfG

Florian

FEK
03.04.2006, 18:05
die in Atombunkern eingesetzt wurden.



was bitte ist ein Atombunker?

FEK

Harry (†)
03.04.2006, 18:11
Nana :D

"...
Atombunker sollen auch das Überleben bei einem atomaren Angriff ermöglichen. Grössere Bunker sind durch eine eigene Strom- und Wasserversorgung autark (http://autarkie.know-library.net/). Sie besitzen grosse Vorräte an Lebensmitteln, sodaß sie auch in dem Belagerungsfall längere Versorgungsengpässe überbrücken können.Frischerdings wurden Bunker brechende Bomben ("Bunker-Buster-Bomben") mit einem Gewicht von mehr als 2100 Kilogramm entwickelt, um auch unterirdische Bunker zu zerstören...".

"Echte" Atombunker gibts selten, eigentliche ABC Schutzräume viele. "Echte" hätten einen Einschlag (bezogen auf die 60er-80er Jahre) in nächster Nähe verkraftet, was ABC Schutzräume nur teilweise konnten.

Aber eine Definitionsfrage wohl eher :)

Ansonsten stimmt das was Florian sagt. Ein "Vorfilter" sozusagen. In den Warnämter waren auch welche.

Leif
03.04.2006, 18:18
;) In welchem aktuelleren Schutzraum gab es keinen Sandfilter?

Viele Grüße,
Leif

nairolf
03.04.2006, 18:20
Ich denke in ein paar privaten wir der gefehlt haben...........


MFg

Florian

taupe
03.04.2006, 18:34
Da fällt mir doch auch eine Frage zu ein:

Der Sandfilter funktioniert ja doch als Wärmeübertrager, d.h. der ihn durchströmenden Luft wird Wärmeenergie entzogen.

Irgendwann jedoch sättigt sich aber doch die Wärmeaufnahmefähigkeit des Sandes ab. Dann wird die den Filter verlassende Luft doch unweigerlich immer heißer. Sind diese Filter nun so ausgelegt, dass man nur für eine bestimmte kurze Zeitdauer sehr stark überhöhte Lufttemperatur im Außenbereich annahm, so dass die Wärmekapazität nur hinreichend dimensioniert wurde?

Oder anders gefragt, gab es diese Filter auch mit sekundärem Kühlkreislauf, also aktiv rückgekühlt?

nairolf
03.04.2006, 18:38
meines Wissens waren sie dafür ausgelgt zumindest ein paar stunden die Wärme zu absorbieren.... zur not gabs ja noch ne Klimanlage......


MfG

Florian

taupe
03.04.2006, 18:50
meines Wissens waren sie dafür ausgelgt zumindest ein paar stunden die Wärme zu absorbieren.... zur not gabs ja noch ne Klimanlage......


MfG

Florian

Hm, dann also Dimensionierung auf Annahme einer "kurzzeitigen Temperaturüberhöhung"

Die Klimaanlage sähe ich gerne, die den Temperaturgradienten bei Versagen des Sandfilters bewerkstelligt hätte - das wären doch sicher einige hundert °C. Aber gegen einsetzenden Sättigungseffekt hätte sie vielleicht schon noch kurzweilig ankämpfen können - nur eben eine Größenordnung darunter, so x-mal 10 °C...
Wahrscheinlich war meine Grundannahme, dass es "draußen" sehr lange, sehr heiß sein könnte dann wohl schlicht falsch :D

Harry (†)
03.04.2006, 19:24
Da gibts Vorschriftenberechnungen. Ich denke mal eine Hauptaufgabe war die Luft soweit runterzukühlen dass die Hauptfilter nicht verbrennen.

taupe
03.04.2006, 19:38
Oh, hättest du mal n scan von sowas?
Würde mich mal interessieren!


Natürlich auch wenn sonstwer sowas scannen könnte :D

nairolf
03.04.2006, 19:40
guck ma in der fis vom BBK www.zivilschutz-online.de unter fachinformationsstelle

FEK
03.04.2006, 19:56
Nana :D

"...
Atombunker sollen auch das Überleben bei einem atomaren Angriff ermöglichen.

ich hatte die Frage bewußt so gestellt. :p Ich halte diesen Begriff, mit Verlaub - für ein bißchen blöd. Und einen Modebegriff.
Schutzbauwerke, besonders wenn sie dazu dienen sollen, die Führung von Handlungen zu gewährleisten, müssen logischerweise den zu erwartenden Angriffswaffen standhalten.
Im Zentrum Europas rechneten beide Seiten mit dem möglichen Einsatz von Kernwaffen, planten und bauten also ihre Schutzbauwerke auch dementsprechend.
Aber größtenteils waren es doch wohl eher Betonbunker :D

FEK

Leif
03.04.2006, 20:20
Ich denke in ein paar privaten wir der gefehlt haben...........

Hallo.
Wer die staatliche Förderung erhalten wollte, mußte entsprechend den "Bekanntmachgungen der Bautechnischen Grundsätze" bauen. Es gab z.B. "Bekanntmachgungen der Bautechnischen Grundsätze für Hausschutzräume des Grundschutzes für 10,15 und 25 Personen in ein- und zweigeschossigen Gebäuden" (Fassung 1991). Es ist festgelegt, daß ein Schutzraum mit entsprechend ausgelegten Sandfilter zu bauen sind.

Im Amtsblatt "Ausführung, Prüfung und Abnahme von lüftungstechnischen Einbauteilen in Schutzräumen" (Fassung 1975 mit Ergänzungen) wird unter 10.2.1.1 die Zweckbestimmung genannt: "Sandvorfilter dienen als Staubfilter sowie als Feuchtigkeitspuffer, Luftstoßpuffer und Wärmespeicher"
10.2.2.1 Ähnlich für den Sandhauptfilter
10.2.2.2 Technische Forderung
(...) Der Sandhauptfilter muß durch sein Wärmespeichervermögen der Außenluft eine Wärmemenge von rd. 6270 kJ (1500 kcal) je Schutzplatz entziehen können (Rechenwert der Außenlufttemperatur 300°C über 6 Std.). (...)

Viele Grüße,
Leif

taupe
03.04.2006, 20:34
->Außenlufttemperatur 300°C über 6 Std.

uii,

das halt ich für SEHR optimistisch. Bei Marienthal war wohl ein Temperaturgradient von 1400°C der Rechnung zu Grunde gelegt (hab ich aber nicht schriftlich, laut Aussage des damaligen techn. Leiters).
Aber das war ja auch kein privater Schutzraum :D

Dennoch mit Q=6270KJ und der spez. Wärmekapazität von Sand, Basalt bei 673°K von 1,2 KJ/Kg K kann man schon mal was anfangen ;)
Danke für die Quelle!

vizekonteradmiral
03.04.2006, 21:44
Ich bin ja gänzlich unbedarft, was Bunker im allgemeinen und Atombunker in besonderen angeht, daher nun eine grundsätzliche Frage:
Sollte der Atombunker die Insassen nur vor den primären Zerstörungsgewalten der Atombombe schützen (Feuer, Hitze, Luftdruck, evtl. Erdbeben ....), oder auch vor verstrahlter Luft? Bin zwar kein Physiker aber ich kann mir nicht vorstellen wie man verstrahlte Luft filtern kann.

Und selbst wenn man es könnte: Irgendwann müssen die Leute aus den Bunkern wieder raus.
Hätte sich der Kalte Krieg zu einem Heißen Krieg zugespitzt, und auf Deutschland wären sagen wir mal 100 Atombomben von jeweils zigfacher Zerstörungskraft der Hiroshimabombe niedergegangen, dann hätten die paar Glücklichen in den Atombunkern zwar die ersten Tage und vielleicht Wochen überlebt, wären dann aber doch vermutlich sehr schnell alle an Krebs gestorben. Oder sehe ich das falsch?

Harry (†)
03.04.2006, 22:02
Die Luft ansich ist nie verstrahlt, es sind immer nur Partikel darin wie Staub usw., die man ausfiltern kann. Und man muss differenzieren, wenn es ein "richtiger" Atomkrieg mit Hunderten von Nukes gewesen wäre, dann wären auch Bunker nicht so prall gewesen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist aber nicht so hoch, da auch der Feind diese Gebiete ja "besetzen" wollte. Allgemein ging man wohl von strategischen Schlägen gegen Infrastruktur und Militärbasen aus, so dass eine Evakuierung in "nichtverseuchte" Gebiete sinnvoll war.

nairolf
04.04.2006, 16:07
Darauf war ja auch das damilige Hilfkonzept des LSHD ausgelegt.... Mann ging eben nicht von MAssierten Nuklearen Schlägen aus sondern von Einzelnen Ground Zero's

MfG

Florian

ZS-Museum
24.11.2006, 09:51
Ich denke in ein paar privaten wird der gefehlt haben...........


MFg

Florian

Auch für die staatlich bezuschußten Privatschutzräume war der Grobsandfilter vorgeschrieben. Nur natürlich wesentlich kleiner Dimensioniert, als für einen Bunker mit 1600 Plätzen.
Der Sand hält nicht nur Wärme und Schmutzpartikel ab, sondern absorbiert auch die radioaktiven Verunreinigungen in der Atemluft.
Die Hitzeentwicklung bei einer A-Bombendetonation ist in der Tat recht kurz.

Harry (†)
24.11.2006, 15:41
>absorbiert

Hoi :D macht er nicht, macht nur Aktivkohle, und selbst die bindet nicht sondern läßt durch große Oberfläche nur erhebliche Mengen an "angekoppelten" (Gift-) Stoffen zu.

Absorbieren nicht aber zurückhalten.

Besserwisserisches Verhalten ich hasse das :D

ZS-Museum
26.11.2006, 01:17
Du kennst meinen Sand nicht :-)

Harry (†)
26.11.2006, 01:53
Supersauberabsorbsand :)

ZS-Museum
06.12.2006, 13:27
Aber mindestens.

Lauterbacher
09.12.2006, 18:00
Hallo, mal ne sau dumme Frage:

Ist dieser Filter eigentlich immer vorgeschaltet? Oder gibt´s da noch andere Ansaugstellen ohne Sandfilter??

Ich mein, wenn so ein Bunker längerfristig nach einem Kernschlag benutzt werden soll, dann stellt sich doch auch neben der Hitzeabsorbtion auch die Frage nach dem Filterverhalten im anschließenden nuklearen Winter. Besteht da denn nicht die Gefahr, daß der Sandfilter vereist und damit verstopft. Da kondensiert doch ne Menge Luftfeuchtigkeit und durch den Luftstrom geht das noch bestimmt 1-2°C runter. Wenn die Außentemperatur dann noch eh nicht hoch ist, vereist das Teil doch. Oder ist da für den Fall eine Heizung im Sandfilterbereich?
Aus dem gleichen Grund wurde bei der M17A1 Gasmaske der Amis dieser Aufsatz für die Filteransaugstutzen entwickelt, da bei der Maske der Filterwechsel wegen Backenfilter nicht so unproblematisch wie bei der M40/42 ist!

Gruß Ulrich

ZS-Museum
12.12.2006, 13:45
Soweit mir bekannt hatten alle Schutzräume - auch die vom BLSV beworbenen privaten - einen Grobsandfilter.

brocken
07.04.2010, 21:12
Hallo,
ich habe zwei Fragen die ich mir bisher nicht beantworten konnte:
1. Unter dem Sandfilter befindet sich ein Ansaugrost/Sandfilterrost um zu verhindern, das der Filtersand in die Lüftungsanlage gesaugt wird. Ich habe zwar technische Zeichnungen und Zeichnungen von Beispielen für den Einbau, habe aber bisher keinen auf Fotos oder in echt gesehen und wollte fragen ob jemand von euch mir da helfen könnte?

2. Zitat Wikipedia zu Raumfilter(Schutzraum) (http://de.wikipedia.org/wiki/Raumfilter_%28Schutzraum%29):
"Wichtig: Hier geht es um die Raumfilter, die in Schutzräumen der alten Bundesländer zum Einsatz kommen. In den DDR-Bunkern war die Lüftungstechnik komplett anders aufgebaut."
Wie war in der DDR die Lüftungstechnik für Schutzräume aufgebaut? Ich konnte bisher nichts finden, wo sich mit dem Thema auseinandergesetzt wurde. Hat hier vielleicht jemand eine Idee oder Antwort?

McMarkus
08.04.2010, 01:01
Moin.


Wie war in der DDR die Lüftungstechnik für Schutzräume aufgebaut? ... Hat hier vielleicht jemand eine Idee oder Antwort?

Vielleicht.

Auf Kapitalistischer Seite scheint nach meinem fundierten Halbwissen in den entsprechend großen verbunkerten Schutzräumen bis hin zum Regierungsbunker folgende Anordnung verbreitet gewesen:
1. Sandfilterbänke zum temperieren und grobfiltern.
2. Feinfilterkartuschen (Aktivkohle, wenn ich mich recht an eine Bunkerführung in Hamburg erinnere. Diese waren nicht zum Tausch während des Betriebes vorgesehen) in strahlungsgedämmten Räumen (deshalb).

Der Ivan (Rebroff?) hingegen hat sich wohl eine Kombination aus "Massekühler" und Feinfilter ausgedacht.
1. Massekühler zum temperieren
2. Filterbüchsen für grob und fein.

Selbst gesehen habe ich nur die Westsandfilter im Warnamt 1 und ZS-Bunker am Hachmannplatz in Hamburg. Bilder davon habe ich auf die Schnelle nicht parat.

Zum Massekühler gäbe es diese Photographie aus dem Honeckerbunker ("Objekt 17/5001"): SpiegelOnline: Massekühler (http://einestages.spiegel.de/static/entry/im_bauch_des_kalten_krieges/15772/massekuehler_und_luftzufuhroeffnungen.html).

An sich müsste man ja noch zwischen verschiedenen Betriebsarten für die Bunkerbelüftung differenzieren. Außenluftab- und unabhängig mit Sauerstoffgeneratoren und Pipapo. Da sollte sich jedoch lieber ein Fachmann daran versuchen zumal ich jetzt auch mal ins Bett muß. :o

Bis denn...
Markus [chrrrrrr....]

McMarkus
08.04.2010, 19:08
Moin.

Oh, heute nacht schrub ich "Sauerstoffgenerator". Möööp, ganz falsch!

Ob es so etwas tatsächlich gab, weiß ich nicht mal. Ich dachte eher an CO2-Binder, oder wie auch immer man diese Dinger nennt. Die, die während des Betriebes offenbar ollenheiß werden und ab und an auch mal zu brennen anfangen können.

Bis denn...
Markus