Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Gedanken zur Grenze
condor66
15.07.2005, 22:15
Die innerdeutsche Grenze zog sich auf einer Länge von 1.393 km mitten durch Deutschland. Sie bildete sowohl die Nahtstelle als auch die Trennlinie nicht nur zwischen den beiden deutschen Staaten, sondern auch zwischen zwei unterschiedlichen politischen, militärischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Systemen in Europa.
Sie teilte 45 Jahre lang Landschaften, Städte und Dörfer, zerschnitt Verkehrswege, trennte Familien, Verwandte und Bekannte voneinander und prägte das Leben von Millionen Menschen.
Die innerdeutsche Grenze entwickelte sich von einer zunächst grünen Grenze zu einer der am besten ausgebauten und gesicherten Grenze der Welt. Im Staatshaushalt der DDR waren 1989 2,2 Milliarden Mark für den „Schutz der Staatsgrenze West“ veranschlagt. Im Vergleich dazu betrug der Hochschuletat 3,7 Milliarden, für den Bereich Kultur 2,9 Milliarden Mark.
Finanziert haben wir das ganze Spiel der Herren in Ostberlin mit der harten DM, denn die Ostmark war ja grade mal gut zum Holzkohleanzünden.
Und nach 1989 war dann die harte DM/Euro gefragt, um die verkommenen Städte und die heruntergwirtschaftete Industrie wieder in Gang zu bringen, neue Strassen und Gleise zu bauen, während unsere "Brüder und Schwestern aus den "neuen Bundesländern" nichts besseres zu tun hatten, als sich Gedanken über ein neues Auto, Videorecorder , HiFi Anlagen und Auslandsurlaube zu machen, statt das undichte Dach ihres Hauses zu sanieren und ein ordentliches Klo in das Gemäuer einzubauen.
Ich habe es selbst erlebt: 5 !!! neues autos vor der Tür, Holzhütte als Klo auf dem Hof und gewaschen haben sich die 5 People an 1 !!! Hahn in der Küche. Mahlzeit.
Und vielerorts hat sich da noch immer nicht viel getan. " Es geht eben alle seinen Gang"
war denen ihr tägliches Schlagwort. Der " liebe gott " ist ja ein guter Mann, er wird es schon richten.
Das sind meine Gedanken zur "innerdeutschen Grenze "
Auch wenn sie manchen Leuten sauer aufstossen.
Hatebreed
03.05.2009, 13:06
...meiner Meinung nach (und ich bin quasi äußerst-Wessi oder auch Fast-Franzose) darf man das nicht über einen Kamm scheren, dann müßte man auch die Wessis beschimpfen, die nach der Wende wie der Landvogt in den Osten sind und dort ihre alten Herrenhäuser wieder haben wollten als wäre nix passiert...Ich denke mal, dass die deutsche Geschichte (und an der waren vorherige Generationen ja maßgeblich beteiligt) uns den Mist eingebrokt haben und wir gerade deswegen lernen sollten, die Welt nicht nur in schwarz und weiß zu unterteilen. Dualistische Weltbilder gibt es leidergottes trotz der Katastrophen des letzten Jahrtausends, die uns eigentlich eines besseren belehren sollten, immer noch. Und mit Beispielen wie "Die Ossis mit Schüssel auf dem Dach" oder "der HartzIV-Mensch mit Porsche in Malle" werden zwar Ressentiments geschürt, aber ändern im positiven Sinne tun die nix...Und glaub mir, Leute, die nix zu Essen aufm Tisch haben, aber fünf neue Autos im Hof, die gibts auch im Westen (und das sind keine, die damals "rübergemacht" haben). So was darf man nicht von Regionalzugehörigkeit abhängig machen. Als denn, das Wort zum Sonntag...:D Gruß Thomas
...meiner Meinung nach (und ich bin quasi äußerst-Wessi oder auch Fast-Franzose) darf man das nicht über einen Kamm scheren, dann müßte man auch die Wessis beschimpfen, die nach der Wende wie der Landvogt in den Osten sind und dort ihre alten Herrenhäuser wieder haben wollten als wäre nix passiert...Ich denke mal, dass die deutsche Geschichte (und an der waren vorherige Generationen ja maßgeblich beteiligt) uns den Mist eingebrokt haben und wir gerade deswegen lernen sollten, die Welt nicht nur in schwarz und weiß zu unterteilen. Dualistische Weltbilder gibt es leidergottes trotz der Katastrophen des letzten Jahrtausends, die uns eigentlich eines besseren belehren sollten, immer noch. Und mit Beispielen wie "Die Ossis mit Schüssel auf dem Dach" oder "der HartzIV-Mensch mit Porsche in Malle" werden zwar Ressentiments geschürt, aber ändern im positiven Sinne tun die nix...Und glaub mir, Leute, die nix zu Essen aufm Tisch haben, aber fünf neue Autos im Hof, die gibts auch im Westen (und das sind keine, die damals "rübergemacht" haben). So was darf man nicht von Regionalzugehörigkeit abhängig machen. Als denn, das Wort zum Sonntag...:D Gruß Thomas
Die Herrenhäuser im Osten war ja auch deren Eigentum, nur wurden sie von solchen Möchtegern-Gleichmachern wie Ulbricht und Konsorten einfach enteignet. Und da die DDR in die BRD übergegangen ist , und nicht umgekehrt, gilt nun mal Wessi-Recht. Ich finde das ok.
Und von dem Besitz sind eh nur meist Ruinen übrig.
Ich würde verstehen, wenn die Sachen über die Jahre tadellos instand gehalten worden wären, dass dann eine Entschädigung fällig geworden wäre.
Aber alles wurde brach liegen gelassen oder ausgeschlachtet. Und nun regen die sich auf, wenn sie ander Leute Eigentum wieder los werden
Also zum Sonntagsausklang diese Anmerkung von mir
Grüsse
nordfan
Thunderhorse
03.05.2009, 23:26
Die Herrenhäuser im Osten war ja auch deren Eigentum, nur wurden sie von solchen Möchtegern-Gleichmachern wie Ulbricht und Konsorten einfach enteignet. Und da die DDR in die BRD übergegangen ist , und nicht umgekehrt, gilt nun mal Wessi-Recht. Ich finde das ok.
Und von dem Besitz sind eh nur meist Ruinen übrig.
Ich würde verstehen, wenn die Sachen über die Jahre tadellos instand gehalten worden wären, dass dann eine Entschädigung fällig geworden wäre.
Aber alles wurde brach liegen gelassen oder ausgeschlachtet. Und nun regen die sich auf, wenn sie ander Leute Eigentum wieder los werden
Also zum Sonntagsausklang diese Anmerkung von mir
Grüsse
nordfan
Na nordfan,
sieht mir nach einer ziemlichen Schwarz - Weiß Malerei aus, Dein Beitrag.
Auch wenn sie manchen Leuten sauer aufstossen.
meinste wirklich? Mich bringen solche schlichte Darstellungen, fern jeglicher Realität bestenfalls zum schmunzeln. :)
FEK
Gedanken zur Grenze ist in meinen Augen die falsche Überschrift für diesen Thread. Wenn ich an die Grenze denke, denke ich an die vielen Opfer dieser Grenze, die vor dem Menschenverachtenden Regime in Ostberlin flüchteten.
Viele Grüße
Boris
Gedanken zur Grenze ist in meinen Augen die falsche Überschrift für diesen Thread. Wenn ich an die Grenze denke, denke ich an die vielen Opfer dieser Grenze, die vor dem Menschenverachtenden Regime in Ostberlin flüchteten.
Viele Grüße
Boris
Natürlich hast Du recht, wir sind da etwas abgeschweift. Die Opfer dieses Regimes darf man nie vergessen. Und da drüben ( EX-DDR= "Neue Bundesländer ") laufen immer noch Unverbesserliche rum , die das ok finden, mit Schüssen an der Grenze. Deshalb finde ich es eben richtig, wenns da ab und zu ein Dämpfer gibt, sprich Rückforderungen von Enteignungen
Na nordfan,
sieht mir nach einer ziemlichen Schwarz - Weiß Malerei aus, Dein Beitrag.
Sind Dir Grauzonen lieber. Es gibt lt Gesetz nun mal Recht und Unrecht.
zumindest sollte es so sein. alles andere riecht nach Manipulation oder Schummelei. Und im Manipulieren und Betrügen war die DDR einsame Spitzenklasse
Thunderhorse
08.05.2009, 17:58
Zitatauszug:
Und da die DDR in die BRD übergegangen ist , und nicht umgekehrt, gilt nun mal Wessi-Recht. Ich finde das ok.
Also zum Sonntagsausklang diese Anmerkung von mir
Grüsse
nordfan[/QUOTE]
Ein kleiner Hinweis zu Deiner Schwarz - Weißdenke.
Auszug aus dem Einigungsvertrag:
Art 9 Fortgeltendes Recht der Deutschen Demokratischen Republik
(1) Das im Zeitpunkt der Unterzeichnung dieses Vertrags geltende Recht der Deutschen Demokratischen Republik, das nach der Kompetenzordnung des Grundgesetzes Landesrecht ist, bleibt in Kraft, soweit es mit dem Grundgesetz ohne Berücksichtigung des Artikels 143, mit in dem in Artikel 3 genannten Gebiet in Kraft gesetztem Bundesrecht sowie mit dem unmittelbar geltenden Recht der Europäischen Gemeinschaften vereinbar ist und soweit in diesem Vertrag nichts anderes bestimmt wird. Recht der Deutschen Demokratischen Republik, das nach der Kompetenzordnung des Grundgesetzes Bundesrecht ist und das nicht bundeseinheitlich geregelte Gegenstände betrifft, gilt unter den Voraussetzungen des Satzes 1 bis zu einer Regelung durch den Bundesgesetzgeber als Landesrecht fort.
(2) Das in Anlage II aufgeführte Recht der Deutschen Demokratischen Republik bleibt mit den dort genannten Maßgaben in Kraft, soweit es mit dem Grundgesetz unter Berücksichtigung dieses Vertrags sowie mit dem unmittelbar geltenden Recht der Europäischen Gemeinschaften vereinbar ist.
(3) Nach Unterzeichnung dieses Vertrags erlassenes Recht der Deutschen Demokratischen Republik bleibt in Kraft, sofern es zwischen den Vertragsparteien vereinbart wird. Absatz 2 bleibt unberührt.
(4) Soweit nach den Absätzen 2 und 3 fortgeltendes Recht Gegenstände der ausschließlichen Gesetzgebung des Bundes betrifft, gilt es als Bundesrecht fort. Soweit es Gegenstände der konkurrierenden Gesetzgebung oder der Rahmengesetzgebung betrifft, gilt es als Bundesrecht fort, wenn und soweit es sich auf Sachgebiete bezieht, die im übrigen Geltungsbereich des Grundgesetzes bundesrechtlich geregelt sind.
(5) Das gemäß Anlage II von der Deutschen Demokratischen Republik erlassene Kirchensteuerrecht gilt in den in Artikel 1 Abs. 1 genannten Ländern als Landesrecht fort.
Art 12 Verträge der Deutschen Demokratischen Republik
(1) Die Vertragsparteien sind sich einig, daß die völkerrechtlichen Verträge der Deutschen Demokratischen Republik im Zuge der Herstellung der Einheit Deutschlands unter den Gesichtspunkten des Vertrauensschutzes, der Interessenlage der beteiligten Staaten und der vertraglichen Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland sowie nach den Prinzipien einer freiheitlichen, demokratischen und rechtsstaatlichen Grundordnung und unter Beachtung der Zuständigkeiten der Europäischen Gemeinschaften mit den Vertragspartnern der Deutschen Demokratischen Republik zu erörtern sind, um ihre Fortgeltung, Anpassung oder ihr Erlöschen zu regeln beziehungsweise festzustellen.
(2) Das vereinte Deutschland legt seine Haltung zum Übergang völkerrechtlicher Verträge der Deutschen Demokratischen Republik nach Konsultationen mit den jeweiligen Vertragspartnern und mit den Europäischen Gemeinschaften, soweit deren Zuständigkeiten berührt sind, fest.
(3) Beabsichtigt das vereinte Deutschland, in internationale Organisationen oder in sonstige mehrseitige Verträge einzutreten, denen die Deutsche Demokratische Republik, nicht aber die Bundesrepublik Deutschland angehört, so wird Einvernehmen mit den jeweiligen Vertragspartnern und mit den Europäischen Gemeinschaften, soweit deren Zuständigkeiten berührt sind, hergestellt.
Soviel zum Thema;
...gilt nun mal Wessi-Recht.
TH
Die innerdeutsche Grenze zog sich auf einer Länge von 1.393 km mitten durch Deutschland...... zerschnitt Verkehrswege, trennte Familien, Verwandte und Bekannte voneinander und prägte das Leben von Millionen Menschen. Die innerdeutsche Grenze entwickelte sich von einer zunächst grünen Grenze zu einer der am besten ausgebauten und gesicherten Grenze der Welt....
Wenn ich an die ehemalige Grenze denke, dann eigentlich nur im Zusammenhang mit den teilweise sehr schikanösen Grenzkontrollen. Anfang der 70er Jahre (ich hatte eine Freundin in Berlin-West) wurde ich als damals 25 Jähriger oftmals aufs widerlichste schikanös und menschenverachtend kontrolliert. Oftmals waren die Grenzbeamten in meinem Alter, und heute frage ich mich manchmal, was aus diesen Menschen wohl geworden ist. Sitzen die jetzt irgendwo morgens bei „Tchibo“ und lesen die BILD, oder sind in Frühpension, Hartz IV, oder was?! Und wenn ich ihnen heute begegnen würde, was wäre wohl deren Erklärung? „Hab’ halt meinen Job gemacht!“ oder so ähnlich ?! Aber was auch immer, ich fühle nur tiefste Verachtung für diese Menschen. „Gedanken zur Grenze“ sind m.E. daher völlig müßig!
Gruß! Scaleon
Thunderhorse
10.05.2009, 08:39
Wenn ich an die ehemalige Grenze denke, dann eigentlich nur im Zusammenhang mit den teilweise sehr schikanösen Grenzkontrollen. Anfang der 70er Jahre (ich hatte eine Freundin in Berlin-West) wurde ich als damals 25 Jähriger oftmals aufs widerlichste schikanös und menschenverachtend kontrolliert. Oftmals waren die Grenzbeamten in meinem Alter, und heute frage ich mich manchmal, was aus diesen Menschen wohl geworden ist. Sitzen die jetzt irgendwo morgens bei „Tchibo“ und lesen die BILD, oder sind in Frühpension, Hartz IV, oder was?! Und wenn ich ihnen heute begegnen würde, was wäre wohl deren Erklärung? „Hab’ halt meinen Job gemacht!“ oder so ähnlich ?! Aber was auch immer, ich fühle nur tiefste Verachtung für diese Menschen. „Gedanken zur Grenze“ sind m.E. daher völlig müßig!
Gruß! Scaleon
Wie sahen diese widerlichsten - "menschenverachtenden" Kontrollen denn aus?
Und wo, Kontrolliert wurde auf beidne Seiten.
Eventuell in einem Neuen Treat einbringen.
Thanks.
TH
Ok, hast mich überzeugt, sorry, dass ich etwas engstirnig denke, aber meinen Verwandten hatte man auch einige Häuser und Grund und Boden aus der Nase gezogen.
Hier hat es allerdings mit der Rückführung geklappt, auch wenn meine Tante einen Stasi-Major ( oder EX---) herausklagen musste, der wiederum mit irgendwelchen Seilschaften versuchte sie unter Druck zu setzen. er wohnt jetzt in einem Plattenbau in Berlin.Sicherlich nicht so schön wie vorher, aber er weiss bestimmt , wo die Mikrofone versteckt waren.
Linebaker
05.08.2010, 10:16
Frage :
Tritt hier nicht Bundesrecht Bricht Landesrecht?
LG Linebacker :) (wen ich das Richtig gelesen Habe )
Linebaker
05.08.2010, 10:18
Sorry korrigiere:
Frage :
Tritt hier nicht Bundesrecht Bricht Landesrecht in Kraft ?
LG Linebacker (wen ich das Richtig gelesen Habe )
Moin zusammen,
und wenn man dann noch an die Menschen denken tut, die nur wegen ihres Willen zur Freiheit am " Eisernen Vorhang " gestorben sind, fehlen einen die Worte, das ein Regime dieses natürliches Bedürfniss mit Gewalt unterbunden hat.Hierzu habe ich einen passenden Link gefunden:
http://www.zeitgeschichte-online.de/portals/_rainbow/documents/pdf/hertle_saelter_da.pdf
Gruß
Horner ( Beagle )
TopOfTheRock
07.08.2010, 13:56
Eine gute Zusammenfassung.
Was meint unser Grenzexperte Thunderhorse dazu?
Oj, oj, was ist denn hier auf einmal los?
Also zunächst mal zum Einigungsvertrag, soweit zitiert: hier wird lediglich gesagt, dass die Kompetenzordnung des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland nach Inkrafttreten des Beitritts der Länder aus dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik gilt. Das bedeutet: ein DDR-Gesetz, das nach dem GG ein Landesgesetz wäre, wird nach dem Beitritt Landesrecht, ein DDR-Gesetz, das nach dem GG ein Bundesgesetz wäre, wird Bundesrecht.
Mit dem Grundsatz "Bundesrecht bricht Landesrecht" hat das nichts zu tun.
Es ist quasi ein "Vorsortieren" des DDR-Rechts nach den Massstäben des Grundgesetzes. Klingt kompliziert, ist es auch.
So, jetzt zu den Ossi/Wessi-Klischees: ja, es gab die innerdeutsche Grenze, die von Anfang an als Frontlinie in der Ost-/Westauseinandersetzung gedacht war und nicht als bloße Abgrenzung zweier Staaten. Wobei noch die Frage zu klären wäre, was die DDR eigentlich war: ein zweiter deutscher Staat, wie es die Ost-Verträge und die Regierung Brandt der Form nach faktisch anerkannten oder ein staatsähnliches Gebilde auf deutschem Boden, das - ja was eigentlich? war.
An dieser Grenze gab es Verletzte und Tote und zwar nur deshalb, weil diese Personen von einem Land in das andere wollten - von der Unfreiheit in die Freiheit.
Aber: ich persönlich denke auch daran, dass die Menschen in der DDR zweimal versucht haben, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen und die Freiheit, die ihnen die glorreichen Kommunisten vorenthielten, zu erkämpfen. Einmal am 17. Juni 1953 und mit einer blutigen Niederlage und ein zweites Mal im Herbst 1989 durch unaufhörliche Demonstrationen und Aktionen, denen das marode filzokratische Gebilde der SED-Herrschaft nichts mehr entgegensetzen konnte. Und die Menschen in der DDR, die vielgeschmähten Ossis!, haben es geschafft, diesen Machtapparat zum Einstürzen zu bringen!
Es mag Ossis geben, die sich mittlerweile genauso assozial benehmen wie so manche Wessis. Aber es gibt eine große Mehrheit von Menschen im Beitrittsgebiet, die damals alles auf eine Karte gesetzt und die politischen Verhältnisse umgekehrt haben.
Und die Typen, die an der innerdeutschen Grenze - aber auch sonst in der DDR - ihre kleine Machtposition rüde ausgespielt haben, leben heute vielfach unerkannt und sind brave Bürger geworden. In meiner Zeit im "Aufbau Ost" habe ich vereinzelt solche Exemplare kennen gelernt bzw. wurden sie regelrecht enttarnt.
Ich habe aber auch solche kennen gelernt, die sich ganz offen zu ihrer Stasi-Vergangenheit oder ihrer Tätigkeit in der Partei bekannt haben.
Einer von Ihnen hat den Vogel abgeschossen: er war kurz vor dem Ruhestand in einer Behörde und sagte mir ganz offen, dass er erst den Nazis, dann den Roten und jetzt der Bundesrepublik gedient hätte.
Das gab es alles und gibt es teilweise auch heute.
Und glaubt doch nicht, dass das Geld, das da hineingepumpt wurde, die ganze Wahrheit ist! Genauso wahr ist doch, dass ganze Wirtschaftszweige der Ex-DDR systematisch und schon zu Treuhandzeiten vernichtet wurden. Da wurde erst gar nicht überprüft, ob sie sanierbar gewesen wären. Es kam ein West-Investor, kaufte den Laden auf und machte ihn platt - damit war gut zu verdienen und eine mögliche Konkurrenz gleich von vorneherein ausgeschaltet.
Das Bild ist viel bunter und die Wahrheit viel vielschichtiger als ein paar platte Propagandaparolen vermuten ließen... :mad:
Moin zusammen,
ich wollte nur mit meinen Beitrag darstellen,das Menschen in ihren natürlichen Sinne der Freiheit, auch so zu leben und dieses Grundbedürfniss aus zu leben, in der Hoffnung,auf ein besseres dasein zu haben.
Der Freiheitsdrang eines Volkes hat schon in der Geschichte Mauern bröckeln lassen.
Gruß
Horner ( Beagle )
Die Herrenhäuser im Osten war ja auch deren Eigentum, nur wurden sie von solchen Möchtegern-Gleichmachern wie Ulbricht und Konsorten einfach enteignet. Und da die DDR in die BRD übergegangen ist , und nicht umgekehrt, gilt nun mal Wessi-Recht.
Nur daß im "Wessi-Recht" die Enteignungen durch die DDR durchaus in ihrer Form rechtskonform gewesen wären.
Daß dich der Staat in Westdeutschland - auch heute noch - jederzeit enteignen kann wenn er dein Grundstück haben will ist dir schon klar?
Art. 14 GG:
(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt.
Das näher regelnde Gesetz ist das Baugesetzbuch, §§ 85-122.
Zum "Wohle der Allgemeinheit" gehören durchaus vom örtlichen befugten Entscheidungsträger beschlossene städtebauliche Maßnahmen und die Zuführung eines Grundstücks oder Gebäudes zu einer vom Entscheidungsträger (insbesondere durch Bebauungspläne) festgelegten Nutzung.
Zur Entschädigung wird hier der Verkehrswert des enteigneten Gutes festgelegt. Hier kommt dann der Unterschied: Da in der ostdeutschen Planwirtschaft der Staat den Verkehrswert zentral steuernd festlegte, kann er auch durchaus einen beliebig geringen Verkehrswert ansetzen - und entsprechende (geringe) Entschädigungen gab es durchaus, sowohl für weiter in der DDR lebende Staatsbürger als auch Geflüchtete ("Ausländerdevisenkonten").
Gerade bei aus der DDR Geflüchteten kann man darüber hinaus auch etwas aus Art. 14 (2) (dem "Eigentum verpflichtet"-Absatz) konstruieren. Deren in der DDR verbliebener Besitz wurde schließlich lediglich dem "Wohl der Allgemeinheit" zugeführt.
zaagstra
08.08.2011, 15:05
Ganz offen gesagt habe ich an den Grenzlern auch keine gute Erinnerungen. Ich bin in 1986-88 mehrfach in "Berlin, Hauptstadt der DDR" gewesen, und einiges erlebt was man wenn nicht als Schikane, dann doch als masslose Frechheit beschreiben kann - "Ich tu's weil ich's kann und Sie nicht dagegen sagen können".
Beispiel 1: Nach einen mehrtägigen Ausflug mit der FH f. Wirtschaft Amsterdam in Ostberlin wollen wir zurück nach West. Der Grenzer kontrolliert die Liste, und meint mit ernster Miene "Da steht ein Name zuviel drauf! Diese polnische Dame, die darf ja gar nicht drauf stehen!" Das Mädel wird blass, der Grenzler baut mit "Hm, soso, jaja, was denn nun?" die Spannung auf, und sagt dann "Ach ja, Sie sind ja Staatsangehöriger der VR Polen, sie brauchen gar nicht gemeldet zu werden!" So ein Witzbold.
Beispiel 2: Ich will nach Besuch an einer Freundin in Ost züruck über Friedrichstrasse nach West, und der Grenzler fragt ob ich was mitbringe. Ja, die Freundin hat mir dieses schöne Buch geschenkt. Und da fangt er an das ganze gaaaanz ruhig zu lesen und den Auftrag sogar laut vorzulesen. Finde ich vorsichtig gesagt unhöflich.
Andererseits will ich auch gerne gestehen dass ich in Ost selber mehrfach nach meinem Pass gefragt bin, die Leute aber immer höflich waren (höflicher als die Polizei im Amsterdam ;-)), auch die Leute die bei der polnischen Botschaft sicherten (MfS?). Die letzten hatten sogar einen normalen Sinn für Humor. Dass ging etwa so: essen mit der Freundin in der Weinstube im Palast der Republik, dan richting Brandenburger Tor um Häschen zu schauen, un dann zurück, wobei wir jedesmal kontrolliert wurden. Schliesslich kam da zu der Uhrzeit kein Schwein, und die Posten langweilten sich warscheinlich zu Tode.
Also, wir wandern an der Botschaft vorbei, der Posten kommt und fragt höflich nach unseren Ausweisen. Standartfrage an meiner DDR Begleiterin: "Und was studieren Sie?" "Marxismum-Leninismus!" (Stimmte auch noch.) Er verschwindet mit unseren Ausweisen um die Ecke um überprüfen zu lassen, da scherze ich "Wetten dass die Ablösung gleich kommt und nach unseren Pass fragt? Ist ja sehr verdächtig wie wir hier herumstehen, und dazu noch einer der deutlich aus dem Westen kommt." Und Bingo! da kommt Wachtmeister 2 und fragt die Ausweise. Wir fangen an zu lachen, und so was ist er offensichtlich nicht gewöhnt. Aber nach Erklärung unsererseits lacht er auch. Und da kommt Wachtmeister 1 zurück und sieht wie wir und den Kollegen viel Spass haben. Letztendlich haben wir zu viert gelacht.
Walter Zed
Ritchie 66
03.09.2011, 18:48
Ich habe diese Grenze durch Deutschland nur einige male persönlich gesehen und bei Reisen überquert. Ich fand diese Demarkationslinie Abstoßend und dieses Gefühl ist heute nur noch stärker geworden. Das Auftreten der "DDR-Grenzorgane" war zum Teil abstoßend, willkürlich und von Machtversessenheit geprägt. Ich verurteile nicht jeden Menschen, der dort von diesem Staat in eine Uniform gesteckt wurde und seinen Dienst versehen hat nur wenn ich mir auf einschlägigen "Vetranenseiten" ehemaliger der Grenztruppen so durch lese was diese von sich geben, dann frage ich mich schon ob manche gar nichts dazu gelernt haben? Die selben Ausreden und Rechtfertigungen wie die der Generation des 3.Reiches.
Sicher ist diese Grenze als Folge des durch Deutschland begonnenen und verlorenen Krieges entstanden, mit welcher Konsequenz jedoch dort später Jagd auf Menschen gemacht wurde ist durch nichts und niemanden zu Rechtfertigen. Die die Meinen dies tun zu müssen werden es durch alle ihre Argumente nicht besser machen. Die DDR war ein Unrechtsstaat und als solcher ist sie auch untergegangen. Mit Sprüchen wie "es war ja nicht alles schlecht", kann man keine Diktatur rechtfertigen. Nicht die braune und ebenso wenig die rote in Deutschland.
Ritchie 66
Kleine Anmerkung: Grenzorgane hat der Westbesucher an der Güst vielleicht mal in der Ferne gesehen. Die Personenkontrolle übernahmen die PKE der Staatssicherheit - in den Uniformen er Grenztruppen.
Ritchie 66
18.09.2011, 12:55
Hallo Marlon,
das man damals beim Grenzübertritt von PKE der Stasi kontrolliert wurde war einem damals nicht bewust. Man hat halt eine Uniform gesehen. Das Verhalten der an der Grenze eingesetzen Leute habe ich und andere damals als unfreundlich und teilweise Arrogant empfunden. Bei Besuchen an der Grenze kann ich über das Verhalten der "normalen" DDR-Grenztruppen eigentlich nicht viel sagen außer das man von diesen "übersehen" wurde. Kam eine solche Streife, dann wurde man zwar wahrgenommen, aber irgendwelche sichtbaren Reaktionen der Grenzsoldaten gab es nicht. Sie haben ihren Dienst verrichtet und so getan als währe niemand auf der anderen Seite der sie beobachtet.
Die einzigen Reaktionen wie Fotografieren usw. kamen halt von den Grenzaufklärern.
Ich war nur einige male an dieser Grenze.
Ritchie 66
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