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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kontrolle der Sperranlagen und Sperrmittelhäuser während der aktiven Zeit



Keilerdackel
26.05.2013, 00:27
Hallo zusammen,

seit einiger Zeit beschäftigt mich die Frage der Kontrollen der Sperranlagen und Sperrmittelhäuser.

Wir nehmen einmal an, dass ein Wallmeistertrupp im Durchschnitt ca. 70 Sperranlagen zu betreuen hatte. Die 70 Sperranlagen teilen sich, nach Region verschieden, in Trichtersperren, Brückensperren, Fallkörpersperren und ggf. in Grabensperren auf. Zusätzlich kommen noch die dazugehörigen Sperrmittellager.

Diese Anlagen mussten gewartet, auf Funktion und Verkehrssicherheit geprüft und ggf. instandgesetzt werden. Zusätzlich wurden die Sperrmittellager auf vollstänigkeit und unversehrtheit überprüft und das letztere häufiger.

Wenn man sich dieses Ausmaß betrachtet, frage ich mich wie das ein Wallmeistertrupp bewätigen konnte.

Ich habe mich über diese Thema mit einem Bekannten unterhalten der selbst sehr lange bei der Bundeswehr war. Leider gibt er sein Wissen nur sehr spärlich preis. Ich habe das akzeptiert und möchte kurz wiedergeben was er zu dem o.g. Thema zu sagen hatte.

Die Trichtersperren wurden durch die Wallmeistertrupps halbjährlich kontrolliert. Die Sperrmittelhäuser bedeutend häufiger, allerdings nicht nur durch die Wallmeister sondern vielmehr durch zivile Feldjägerfahrzeuge und manchmal auch durch die Polizei.

Weiterhin hat er berichtet, dass des öffteren die zivilen Fahrzeuge durch Forstbeamte angehalten wurden. Die Ordnungswiedrigkeit (befahren von gesperrten Waldwegen) wurde dann hingenommen und später auf dem Dienstweg geklärt. Zu erkennen gab man sich nicht.

Das hört sich für mich sehr spannend und konspirativ an.

Lief das Ganze wirklich so ab und in welchen Zeitabständen wurden die Anlagen kontrolliert?

Viele Grüße

Michael

Nemere
26.05.2013, 09:32
Die Trichtersperren wurden durch die Wallmeistertrupps halbjährlich kontrolliert. Die Sperrmittelhäuser bedeutend häufiger, allerdings nicht nur durch die Wallmeister sondern vielmehr durch zivile Feldjägerfahrzeuge
Sperrmittelhäuser, Trichtersperren, Grabensperren und Fallkörpersperren (sofort direkt anfahrbar) wurden nicht nur von zivilen Feldjägerfahrzeugen, sondern von allen Feldjägerstreifen per Sichtkontrolle überprüft. Allerdings gab es hier keine zeitlich festgelegten Kontrollzeiten, sondern wenn sich eine Feldjägerstreife mit irgendeinem Auftrag in dieser Gegend bewegte und Zeit vorhanden war, wurden die Sperren überprüft. Die Überprüfung sollte vor allem Beschädigungen oder Schmiereieren feststellen, eine pioniertechnische ÜBerprüfung konnte von einer Feldjägerstreife naturgemäss nicht vorgenommen werden. Zivile Fahrzeuge wurden dabei kaum eingesetzt, denn Zivilstreifen wurden fast immer im Rahmen von Nachforschungseinsätzen nach eigenmächtig abwesenden Soldaten verwendet. Bei solchen Einsätzen hatte man im Regelfall keine Zeit für solche Kontrollen bzw. fanden solche Einsätze vor allem in Städten statt, wo es eher weniger Sperren gab.


Weiterhin hat er berichtet, dass des öffteren die zivilen Fahrzeuge durch Forstbeamte angehalten wurden. Die Ordnungswiedrigkeit (befahren von gesperrten Waldwegen) wurde dann hingenommen und später auf dem Dienstweg geklärt. Zu erkennen gab man sich nicht.

Das hört sich für mich sehr spannend und konspirativ an.
Jeder Forstbeamte oder private Waldbesitzer wusste doch ganz genau, welche Sperranlagen oder Sperrmittelhäuser in seinen Waldstücken lagen, da er vor der Anlage dieser Einrichtungen informiert wurde. Es gab dann z.B. entsprechende Duldungsvereinbarungen bis hin zum Eintrag von Grunddienstbarkeiten in Grundbücher. Jeder Förster kannte die Fahrzeuge der Wallmeister, die meisten Wallmeister legten grossen Wert auf ein kollegiales Verhältnis zu Förstern und Jägern, weil sich dadurch wesentlich besser zusammenarbeiten ließ. Es bestand also gar keine Notwendigkeit für ein "konspiratives Verhalten", weil man sich gegenseitig kannte.

Ich verstehe nicht, warum von Deinenm Bekannten diese ganz normalen Arbeitsweisen zu einem Staatsgeheimnis hochstilisiert werden. Es ist doch nicht so, dass Sperranlagen als solche geheim gehalten wurden - sie waren im Gelände ja auch nicht zu übersehen. Selbst die Objektkarteikarten der Wallmeister als Gesamtverzeichnis der vorbereiteten Sperren waren lediglich "VS-Nur für den Dienstgebrauch" eingestuft (NICHT die Sperrhefte, die waren höher eingeordnet).

Probleme bei Kontrollen von Sperren durch zivile Bundeswehrfahrzeuge gab es allenfalls mit wichtigtuerischen Spaziergängern, die ihren Dackel ausführen und dann meinten, Anzeigen bei der Polizei erstatten zu müssen. Die Halterabfrage durch die Polizei ergab dann sehr schnell, daß es sich um ein ziviles Wechselkennzeichen der Bundeswehr handelte. In den meisten Fällen wurde dann der Vorgang zu den Akten gelegt, weil man davon ausging, daß sich dieses Bundeswehrfahrzeug in Erfüllung hoheitlicher Aufträge in zulässiger Weise auf dem gesperrten Waldweg bewegt hatte. Wenn tatsächlich noch Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten bestanden, ging eine Anfrage an die Zentrale Militärkraftfahrstelle der Bundeswehr, wo festgestellt werden konnte, welche Einheit dieses Wechselkennzeichen verwendete, so dass dann bei Bedarf weitere Ermittlungen möglich waren.

B.Man
26.05.2013, 10:58
Moin

Der Vater von einem Arbeitskollegen war Polizeibeamter im Werra Meißner Kreis.
Der hat berichtet das die zahlreichen Sperrmittelhäuser in der Gegend in den 80er Jahren mit zu den normalen Streifenfahrten gehörten.

Hmmm, ein Streifenwagen im Wald ist schon sehr auffällig und im Winter an den Stellen wo am Meißner die Sperrmittelhäuser liegen nicht ganz das richtige Fortbewegungsmittel.

Gruss Andreas

DeltaEcho80
26.05.2013, 16:12
Hallo zusammen,

eine andere Frage, die sich mir in diesem Zusammenhang stellt: Ein mir bekannter ehem. Pio-Feldwebel, der auch eine Zeit als Wallmeister eingesetzt war, hat mir erzählt, dass z.B. die Trichtersperren und ihre Schächte, Froschklappen usw. auch im tiefsten Winter schnee - und eisfrei gehalten werden mussten. Wenn ich jetzt mal über den Daumen geschossen von ca. 50 bis 70 Sperranlagen pro Wallmeister-Trupp in seinem "Geschäftsgebiet" ausgehe, wurde das doch etwas schwer.

War das dann vielleicht auch ein Job der Straßenmeistereien? Dann mussten die ja auch Bescheid wissen...

Kann mir nicht vorstellen, dass die Wallmeister dann mit Schneeschaufel und Streusalz ausgezogen sind.

DE

Rex Danny
26.05.2013, 16:29
Hallo, Delta Echo !

Wenn Du heute noch mit alten Mitarbeitern der Straßenmeistereien sprichst, kennen viele von ihnen noch die ungefähren Stellen der Trichtersperren.

Ich hatte schon das Glück, daß sich Straßenmeistereien mal auskunftsfreudig zeigten und dann auch noch ältere Mitarbeiter hatten. Leider sterben die aber jetzt aus und die neuen, jüngeren Mitarbeiter inkl. der Leiter kennen nicht einmal den Begriff Trichtersperre oder Sprengschacht.

Traurig aber wahr, es wird immer schwieriger.

Grüße


Rex Danny

Rex Danny
26.05.2013, 16:31
Hallo, B.Man !

Die Polizei hatte ja nicht nur Streifenwagen sondern auch Bullis. Und wenn die Wallmeister mit ihren Bullis durch die Wälder kamen, dann auch die Polizei. Die Fahrzeuge waren ja baugleich, da handelsüblich.

Und bei extremen Witterungsverhältnissen sind sicherlich auch die Wallmeister nicht mehr durch die Wälder gegurkt. Da kann man wohl von ausgehen.

Grüße


Rex Danny

Nemere
26.05.2013, 18:04
die Trichtersperren und ihre Schächte, Froschklappen usw. auch im tiefsten Winter schnee - und eisfrei gehalten werden mussten.

Ganz klar - NEIN!

Das Räumen von Schnee und Eis war im Bedarfsfall Sache der Truppe, die die Sperre zu laden hatte. Das Schwingfeuerheizgerät oder die Lötlampe eignen sich z.B. vorzüglich dazu, zugefrorene Schachtdeckel aufzutauen (eigene Erfahrungen im tiefverschneiten Bayerischen Wald).

DeltaEcho80
27.05.2013, 10:04
Hallo Nemere,

ok, dann hat er da anscheinend was "verwechselt". So hat er mir das jedenfalls erzählt.

Dass es vielleicht regionale Unterschiede gab, kann nicht sein, oder?
D.

Keilerdackel
30.05.2013, 21:58
Jeder Forstbeamte oder private Waldbesitzer wusste doch ganz genau, welche Sperranlagen oder Sperrmittelhäuser in seinen Waldstücken lagen, da er vor der Anlage dieser Einrichtungen informiert wurde. Es gab dann z.B. entsprechende Duldungsvereinbarungen bis hin zum Eintrag von Grunddienstbarkeiten in Grundbücher. Jeder Förster kannte die Fahrzeuge der Wallmeister, die meisten Wallmeister legten grossen Wert auf ein kollegiales Verhältnis zu Förstern und Jägern, weil sich dadurch wesentlich besser zusammenarbeiten ließ. Es bestand also gar keine Notwendigkeit für ein "konspiratives Verhalten", weil man sich gegenseitig kannte.

Ich verstehe nicht, warum von Deinenm Bekannten diese ganz normalen Arbeitsweisen zu einem Staatsgeheimnis hochstilisiert werden. Es ist doch nicht so, dass Sperranlagen als solche geheim gehalten wurden - sie waren im Gelände ja auch nicht zu übersehen. Selbst die Objektkarteikarten der Wallmeister als Gesamtverzeichnis der vorbereiteten Sperren waren lediglich "VS-Nur für den Dienstgebrauch" eingestuft (NICHT die Sperrhefte, die waren höher eingeordnet).

Probleme bei Kontrollen von Sperren durch zivile Bundeswehrfahrzeuge gab es allenfalls mit wichtigtuerischen Spaziergängern, die ihren Dackel ausführen und dann meinten, Anzeigen bei der Polizei erstatten zu müssen. Die Halterabfrage durch die Polizei ergab dann sehr schnell, daß es sich um ein ziviles Wechselkennzeichen der Bundeswehr handelte. In den meisten Fällen wurde dann der Vorgang zu den Akten gelegt, weil man davon ausging, daß sich dieses Bundeswehrfahrzeug in Erfüllung hoheitlicher Aufträge in zulässiger Weise auf dem gesperrten Waldweg bewegt hatte. Wenn tatsächlich noch Anhaltspunkte für ein Fehlverhalten bestanden, ging eine Anfrage an die Zentrale Militärkraftfahrstelle der Bundeswehr, wo festgestellt werden konnte, welche Einheit dieses Wechselkennzeichen verwendete, so dass dann bei Bedarf weitere Ermittlungen möglich waren.

Ich verstehe die Geheimnistuerei auch nicht so ganz. Vieleicht liegt es daran, die selbst erlebten Dinge einem interessierten Aussenstehenden (meine Person) noch schmackhafter und das eigene Tun noch wichtiger zu machen. Wie ich bereits geschrieben habe, habe ich das Verhalten akzeptiert.

Zum ursprünglichen Thema:

Die Forstbeamten die den Kalten Krieg und somit die Sperrmittelhäuser aktiv erlebt haben wussten sicher darüber bescheid. Allerdings habe ich auch schon erlebt, dass ein mir bekannter Förster, dessen Vater Revierleiter eines Revieres mit Sperrmittelhaus war, nicht wusste um was es sich bei den "Bunkern" handelte. Allerdings könnte man dass auch an mangeldem Interesse festmachen.

Du beschreibst, dass Feldjägerstreifen sporadisch die Sperranlagen aufsuchten und kontrollierten. Dabei ging es um den äußeren optischen Zustand um um Vandalismus. Wie sah es aber mit der Überprüfung pioniertechnisch aus? Wurden diese Überprüfungen dann durch die Wallmeister durchgeführt und in welchen Zeitabständen?

Nemere
31.05.2013, 10:42
Du beschreibst, dass Feldjägerstreifen sporadisch die Sperranlagen aufsuchten und kontrollierten. Dabei ging es um den äußeren optischen Zustand um um Vandalismus. Wie sah es aber mit der Überprüfung pioniertechnisch aus? Wurden diese Überprüfungen dann durch die Wallmeister durchgeführt und in welchen Zeitabständen?

Nach meinem Kenntnisstand wurde die Pioniertechnische Überprüfung durch die Wallmeister durchgeführt. Zu den Zeitabständen habe ich keine Informationen, aber für mich würde es Sinn machen, alle Sperranlagen nach dem Winter / Schneeschmelze zu überprüfen, weil hier am ehesten Schäden zu erwarten sind. Ebenso könnte ich mir unplanmässige Überprüfungen nach Extrem-Wetterlagen (Starkregen usw.) vorstellen.