PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kunst im Nato-Bunker Baden-Baden/Neuweier 28.-30. Juni 2013 (mit Bunkerführungen)



WolfgangL
13.06.2013, 16:01
Seltene Gelegenheit:

Die CUBUS Produzentengalerie Baden-Baden e. V., führt mit über 30 regionalen Künstlern am letzten Juniwochenende die Ausstellung „Kunst im Bunker“ durch. Die Teilnehmer setzen sich dabei mit dem Thema „Spannungsfeld zwischen Krieg und Frieden“ in den Schutzräumen des Bunkers künstlerisch auseinander.
Der Bunker wurde 1940 von der deutschen Wehrmacht als Teil der westlichen Grenzverteidigung in Form eines riesigen Hohlgangsystems (50 m breit und 80 m tief) in den Felsenberg getrieben und später von der NATO zum Atomluftschutzbunker ausgebaut. Der Bunker umfasst ein gewaltiges Areal mit mehr als 50 Schutz-Räumen in welchen jetzt die Kunstausstellung stattfindet.

Vernissage: Freitag, 28.6. 2013 um 19:00 Uhr

Ausstellungseröffnung: Ortsvorsteher Ulrich Hildner

Ausstellungseinführung: Gerd Weismann (CUBUS)

Musikalische Begleitung: Bläserensemble Neuweier

Ausstellung:

Sa., 29.6. von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr
So., 30.6. von 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr

http://www.cubus-produzentengalerie.de/Bilder%20Bunker.htm

Wolfgang

Siegfried-Kremer
13.06.2013, 18:02
Vielen Dank Wolfgang für diese Informationen. Toll wäre es, wenn da auch noch angegebn werden würde, wo man sich eigentlich einfinden soll, also den genauen Ort des Natobunkers steht nirgends ?

Gruß Siegfried - Am besten Koordinaten

matrix
13.06.2013, 23:09
Mal kurz Onkel Google gefragt und das hier gefunden:

http://www.vergesseneprojekte.de/neuweier.html

Mit Koordinaten UND Bildern :)

WolfgangL
14.06.2013, 00:05
Jetzt, wo Du´s sagst, Siegfried...

Ich habe bei einem der beteiligten Künstler nachgefragt:
Baden-Baden-Neuweiher
Mauerbergstraße (ist wohl die Durchgangsstraße)
gegenüber Haus Nr. 173 (wohl etwas außerhalb Richtung Schwarzwald)

Wolfgang

Siegfried-Kremer
14.06.2013, 12:50
@ Matrix und @ Wolfgang
Vielen Dank für die Koordinaten. Das hätten die in Ihrem Zeitungsartikel und Bericht schon erwähnen können. Jetzt ist alles klar. Die Mauerbergstraße in das Tal hinein Richtung B 500 und dann wird es ja irgendwann kommen. In GE ist jedenfalls noch kein Bildpunkt von diesem Natobunker gesetzt. Höchste Zeit von mir dort hinzugehen und einen Bildpunkt zu hinterlassen. Und dann kann man ja noch ein paar Bildchen vom eigentlichen Bunker mitnehmen.

Grüße Siegfried

Siegfried-Kremer
14.06.2013, 12:56
Habe jetzt auch mal die Mauerberstraße 173 eingegeben, weicht schon ein bischen ab von den Koordinaten aus dem Googelhinweis von Matrix. Aber egal, muß man eben vor Ort jemanden fragen. Die werden schon wissen, wo ihr Bunker liegt. Vielleicht ist auch ein kleines Hinweisschild angebracht. Ich werde es am 30.06.2013 sehen.

ed22ful
30.06.2013, 00:05
Abend,


am heutigen Tage haben palatinat und ich uns getroffen und sind zu besagten Ausstellungstermin gefahren, um uns die Anlage (nicht die Kunst) mal näher anzuschauen.

Die Liegenschaft liegt völlig unscheinbar an einer kleinen Straße mitten im Ort.
Bei unserer Ankunft kurz vor der Eröffnung war schon eine kleiner Ansammlung von ca. 50-60 Interessierten da, die dem "Ausstellungsleiter" zuhörten bei seiner mehrminütigen Ansprache, wir beide nutzten solange mal die Gelegenheit und nahmen den zweiten Eingang in Augenschein.

17965 17966
Haupteingang, die meisten sind reingegangen, die Säulen rechts davon gehören nicht dazu!

17967 17968 17969
Nebeneingang, dieser war verschlossen.

17970 17971
Haupteingang Innenansicht sowie Zutrittskontrolle.

17972
Hauptgang vorne, links davon der Zugang von außen.

17973
Innenansicht nach draußen auf den Nebeneingang.

17974
Schleusentor zwischen Hauptgang vorne und hinterem Bereich, davon gibt es vier.


Gleich geht´s weiter...

ed22ful
30.06.2013, 00:19
Weiter...


17975
Vorderer Hauptgang entgegengesetzte Blickrichtung.

17976
Zutrittskontrolle von innen.

17977 17978 17979 17980
Toilettenbereich

17981
Heizung/Umluftanlage, man sieht das Kondenswasser an den Rohren hängen, alles ist stark verrostet.

17982 17983
Elektro- und Machinenraum, dort war kein Zutritt möglich.

17984
Weitere Drucktür


kommen noch...

ed22ful
30.06.2013, 00:31
und der Rest.


17985
Stromverteiler, die Elektrik in der Anlage war eine Katastrophe, anscheinend gab es dort auch schon mal einen Kabelbrand.
Das Licht wurde über eine separate Zuleitung von draußen mit Saft versorgt.

17986
Gang im hinteren Bereich, die einzelnen Zimmer wurden nochmals mit einfachen Stahlschiebetüren verschlossen.

17987
Weitere Drucktür

17988
Heizungsschalter

17989
Notausgang???


Leider ist die Anlage in einem relativ schlechtem Zustand, man merkt, das hier lange nichts getan wurde, viel Feuchtigkeit und dadurch starke Korrosion.
Interessant ist sie jedoch trotzdem, wenngleich auch ein Satz in der Broschüre der Kunstausstellung in unserer beide Köpfe hängengeblieben ist:
"NATO-Bunker mit unfassbaren Dimensionen".

Wenn die wüsten, was es alles gibt und gab :D.

Gruß


ed

Rex Danny
30.06.2013, 00:37
Hallo, Ed !

Tolle Bilder, sehr gute Dokumentation.

Und wozu diente der Bunker den Franzosen. Hat der Typ da auch etwas zu gesagt oder konntet ihr etwas in Erfahrung bringen?

Ein KMZ-File mit der genauen Lage schickst Du mir doch sicherlich noch zu?

Grüße


Rex Danny

ed22ful
30.06.2013, 01:04
Hallo Rex,

kmz ist eben rausgegangen an dich.


Wir haben eigentlich nur geknipst und nicht gefragt, da die meisten wohl doch mehr Interesse an der "Kunst" hatten und den Leiter wie die Mücken umschwirrt haben.

Allerdings bin ich ganz ehrlich, so wie es da aussieht, war hier seitens der Franzosen höchstens mal leise drüber nachgedacht worden, das Teil als NATO-Anlage zu deklarieren, eher wohl als Weinkeller.
Wenn man sich da mal als als Gegenstück eine Anlage a´la Marienthal etc. anschaut, war Neuweiler wohl nur ein plumber Prototyp.
Ich bin kein Kenner solcher Anlagen, aber technisch gesehen das einfachste vom einfachen, teilweise mit gemauerten Ziegelsteinen.
Natürlich muß man das Alter berücksichtigen, aber wenn die Anlage wirklich 93/94 aufgegeben wurde, ist bis dahin mind. 30Jahre lang nichts mehr passiert, den die Steckdosen und sonstige Technik stammte wohl noch aus der Zeit der Wehrmacht.

Gruß


ed

Siegfried-Kremer
30.06.2013, 21:09
So dann war ich heute auch mal dort. Der Andrang war schon riesig. Die ganze Dorfstraße war mit Autos voll gestopft. Da kam ich mit meinem Paparazzi-Roller natürlich bestens durch. Hier meine Eindrücke:

Siegfried-Kremer
30.06.2013, 21:13
weiter Aufnahmen:

ed22ful
30.06.2013, 23:03
Hast du sehr gut gemacht, Siegfried.

Danke für die erweiterten Fotos aus dem Technikraum, bist mal wieder überall rein ;) .

Gruß


ed

Siegfried-Kremer
30.06.2013, 23:47
Hallo René, klar überall rein, kennst mich ja, obwohl es ja heute easy war. Palatinat hat mich gebeten die Technikräume festzuhalten, da Ihr beiden da nicht drinnen gewesen seid. Ist schon recht große Anlage. Aber die viele Kunst, na ja könnte ich noch nachhängen, bringt hier aber nichts, denke ich mal. Für mich war es insoweit noch interessant, weil weiter oben im Schwarzwald die am Dach abgebrannte ehemalige psychosomatische Klinik zu finden ist. Dort musste ich natürlich auch mal inspizieren. Viele Grüße an Dich - am kommenden Samstag bin ich in Speyer, Tag der offenen Tür in der Kurpfalzkaserne und am Wasserplatz Reffenthal.

Siegfried

Rex Danny
01.07.2013, 01:04
Hallo, Siegfried !

Und von Speyer und dem Wasserübungsplatz erwarten wir dann natürlich wieder ausführliche Photostrecken.

Grüße


Rex Danny

Siegfried-Kremer
01.07.2013, 01:25
Klar Rex Danny, vielleicht kommt auch Palatinat oder auch Renè dazu, weil ja Palatinat da mal gedient hat. Ich selber bin ja leider ungedient, musste mich damals ja eher in Berlin rumdrücken, war aber auch geile Zeit.

Grüße Siegfried

Rex Danny
01.07.2013, 02:09
Klar Rex Danny, vielleicht kommt auch Palatinat oder auch Renè dazu, weil ja Palatinat da mal gedient hat. Ich selber bin ja leider ungedient, musste mich damals ja eher in Berlin rumdrücken, war aber auch geile Zeit.

Grüße Siegfried

Dann werden Dich ja die beiden Altgedienten hoffentlich in die Mitte nehmen und Dich Drückeberger mal ein wenig schleifen.:eek:

Lieber spät als nie, damit auch aus der "Berliner Lusche" noch mal ein ganzer Kerl wird.:rolleyes:

Grüße und viel Spaß beim Schliff:D


Rex Danny

WolfgangL
01.07.2013, 08:46
Vielen Dank Leute, für die Informationen.

Ein kleiner Versuch der Auseinandersetzung mit der Kunst (Bitte: Kunst und nicht "Kunst") hätte auch nicht geschadet. Es waren namhafte und anerkannte Leute unter den Künstlern. Kunst soll Denkanstöße liefern. Dass sie dies an einem außergewöhnlichen Ort versucht, ist doch spannend.

Viele Grüße!

Wolfgang

Siegfried-Kremer
01.07.2013, 15:58
Hallo Wolfgang,

Kunstbilder hatte ich leider nicht so viele, hier mal ein paar Bildchen.

Gruß Siegfried

PS: Das letzte Bild der Säulen gehört glaube ich nicht dazu, die liegen da immer rum oder auch nicht ?

WolfgangL
02.07.2013, 09:20
Herzlichen Dank Siegfried,

für den Einblick dieser Art! Es sieht ja spannend aus. Leider hatten wir keine Gelegenheit, die Ausstellung UND den Bunker zu besuchen. Wenn ich den Rost überall sehe, verstehe ich, warum die Ausstellung nach drei Tagen schon wieder vorbei war. Von den Säulen habe ich auch keine Ahnung.

Viele Grüße!

Wolfgang

ed22ful
02.07.2013, 09:40
Moin,


das Vorgelände wird anscheinend vom Bauhof etc. der Gemeinde genutzt als Abstellfläche, es fanden sich größere Mengen an alten Grabsteinen etc., u.a. auch die fotografierten Säulen am Eingang, diese scheinen dort zwischengelagert zu sein und hatten mit dem Bunker auch nichts zu tun.

Zum Thema Kunst, es ist schön, das durch die Ausstellung dort eine Besichtigung möglich war, allerdings stellt sich mir hier die Frage (Ich bin Kunstbanause, ja), was das Projekt "Kritische Auseinandersetzung mit dem Krieg" teilweise bedeuten sollte.
So waren u.a. in einem Raum eine kleine Säule mit einem Telefon (W48) darauf oder in einem anderen am Bodenrand rundum "Zewa-Wisch-und-Weg-Papier" ausgelegt.
Was für einen Bezug soll ich da erkennen?

Kunst sollte auch für einen Unwissenden wie mich ein wenig verständlich sein und zumindest ansatzweise eine Bedeutung erkennen lassen, aber da scheiden sich nun mal die Geister.

Trotzdem, Danke dem Veranstalter für die dadurch gewährten Einblicke und damit auch einem schönen Bericht inkl. Fotos für hier im Forum.

Gruß


ed

Firefighter
02.07.2013, 16:29
Allerdings bin ich ganz ehrlich, so wie es da aussieht, war hier seitens der Franzosen höchstens mal leise drüber nachgedacht worden, das Teil als NATO-Anlage zu deklarieren, eher wohl als Weinkeller.
Wenn man sich da mal als als Gegenstück eine Anlage a´la Marienthal etc. anschaut, war Neuweiler wohl nur ein plumber Prototyp.
Ich bin kein Kenner solcher Anlagen, aber technisch gesehen das einfachste vom einfachen, teilweise mit gemauerten Ziegelsteinen.
Natürlich muß man das Alter berücksichtigen, aber wenn die Anlage wirklich 93/94 aufgegeben wurde, ist bis dahin mind. 30Jahre lang nichts mehr passiert, den die Steckdosen und sonstige Technik stammte wohl noch aus der Zeit der Wehrmacht.

Gruß


ed

Hallo ed,

bei einer ehmaligen Westwall-Stollenanlage der FFA ist die Bezeichnung "NATO-Bunker" ziemlich daneben wenn man bedenkt das Frankreich nach 1966 nicht mehr in den militärischen Strukturen der NATO eingebunden war. Die FFA nutzte die Anlage als verbunkerten Korpsgefechtsstand, mehr aber auch nicht.

Die technischen Ausstattung dürfte aus den 50er oder 60er Jahren stammen, die Kabel erinnern mich sehr stark an die Elektrische Installation in Maginotwerken. Wer weiss was die Franzosen da verbaut haben....

Vom "Layout" her ist die Anlage BAD-Neuweier am ehesten mit Ruppertsweiler (RUF I) oder Kindsbach vergleichbar - wenn in den letzteren 2 die Technik natürlich wesentlich moderner war. Für die letzteren passt sogar die Bezeichnung "NATO-Bunker" :D

Gruß,

WolfgangL
03.07.2013, 18:48
Moin Ed,

grundsätzlich ist es doch gar nichts schlimmes, ein Banause zu sein. Es bedeutet eigentlich nichts anderes, als dass man in einem (Lohn-)arbeitsverhältnis steht, im Gegensatz zu Kriegern (Soldaten), Wissenschaftlern, Künstlern und Adeligen. So war es jedenfalls im alten Sparta. Banausie bezeichnet handwerkliche Tätigkeit.

Glücklicherweise sind bei uns die Zeiten vorbei, als Kunst grundsätzlich einfach zu durchschauen sein musste. Während des Kalten Krieges nannte man das östlich des Eisernen Vorhand "Sozialistischen Realismus". Kritische Kunst war dort nicht möglich und wurde unterdrückt. Ein Ziel des Kalten Krieges im Westen war es, die Freiheit zu bewahren - auch die Freiheit der Kunst. Schon alleine diese Tatsache macht die Kunst im Bunker spannend und nachdenkenswert, auch wenn es sich nicht um einen Bunker aus dem Kalten Krieg handelt.

Wenn ich Lost Places aus dem Kalten Krieg, von denen es hier in der Nähe von Kaiserslautern viele gibt, besuche (Sembach Airbase, Site II für Atomraketen usw.), dann veranlasst mich das immer zum Nachdenken über den Irrsinn der da betrieben wurde. Wie irrsinnig wichtig diese Plätze mal waren und sich selbst genommen haben ... und jetzt rosten sie dahin. Das trifft ja auch auf diesen Bunker zu, der so wichtig war, wegen des Erzfeindes im Westen, mit dem es heute vor allem Freundschaften gibt. Zu ähnlichen Gedankengängen kann auch Kunst anregen ... man muss sich nur darauf einlassen. Das bedeutet aber nicht, dass einen jegliche künstlerische Äußerung auch ansprechen muss.

Ab Oktober arbeite ich wieder für drei Monate bei der Banausenkammer .... äh Handwerkskammer in Wiesbaden.

Viele Grüße!

Wolfgang