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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : JLT Projekt des Heeres



taupe
16.07.2005, 09:36
Hallo allerseits,

so dann will ich in der Rubrik mal den Anfang machen :D

Motiviert durch die Tschechienkrise entstand beim Heer Bedarf die bis dato mobile Fernmeldeaufklärung durch eine festinstallierte zu ersetzen.
Man begann damit drei sogenannte Aufklärungstürme grenznah (DDR, CSSR) zu installieren. Da an manchen avisierten Standorten die Luftwaffe bereits solche Türme unterhielt, zog das Heer hier kurzerhand - gewissermassen als Untermieter ein.
Es gab ab ca. 1976 dann drei Standorte mit jeweils einem ca. 70m hohen Turm sowie Bauten für Unterkunft, Technik etc:
- Barwedel
- großer Kornberg (steht heute noch, webcam unter www.kornberg.de)
- Hoher Meissner.

Weiterhin wurde in der beschaulichen Eifel, in der Heinrich Hertz Kaserne zu Daun eine Zentrale nebst Großrechner (1970) eingerichtet. Letzteres erlaubte insbesondere automatische Peilungen sowie Radaridentifizierungen in DDR und CSSR. Primärziel waren Truppenfunk und Richtfunk in o.g. Ländern.

Soweit mir bekannt, waren die Türme alle mehr oder weniger baugleich, zumindest jedoch mit einheitlicher technischer Ausstattung versehen:
- Kreisgruppenantennen 20-1000 MHz
- Parabolspiegelanlage (WJ-1140)
- VHF Sichtfunkpeiler (SFP-2000)
- weiters UHF, VHF, Richtfunk

Der Standort "Hoher Meissner" stellt insofern eine Besonderheit dar, als hier bereits 1948 die Organisation Gehlen gemeinsam mit der Army Sercurity Agency (ASA) einen Horchposten einrichtete. Später betrieb man dann zwei benachbarte aber getrennte Anlagen. Einzige Ausnahme: der deutsche Turm war um 3 Stockwerke höher als seine Schwesterbauten, da hier Richtfunktechnik der ASA untergebracht war, die dieser erlaubte Kontakt zur Field Station Augsburg zu halten (La Fair Site System).

Die Türme wurden alle ca. um 1994 aufgegeben. Interessant vielleicht noch: Die Gesamtkosten betrugen 160 Millionen DM, bei vorgesehenen 185 Millionen DM!

Leif
16.07.2005, 12:46
Hallo.

Ich erlaube mir mal, auf den Artikel hinzuweisen:
http://www.lostplaces.de/meissner/index.html

Viele Grüße,
Leif

taupe
16.07.2005, 14:00
Hallo Leif,

da hast du natürlich recht, die Quelle sollte nie fehlen. :rolleyes:
In dem Zusammenhang gibt es auf den Seiten von Lostplaces übrigens jede Menge interessante Artikel.
Da wären noch anzumerken:
Zu den Fernmeldesektorentürmen der Luftwaffe (und Marine)
http://www.lostplaces.de/stoeberhai/index.html

Weiters zu den Torii Towers Dannenberg und Wobeck
http://www.lostplaces.de/torii/index.html

Weiterhin werden eine ganze Reihe von Horchposten detailliert beschrieben.

Aber zurück zu JLT. Wie genau funktionierte denn die Datenübertragung nach Daun? Diente der Großrechner zu Entschlüsselungszwecken? Und schließlich: Wo bekommen die Fernmelder aus Daun denn heute ihrer Daten her?:confused:

Gruß
Michael

Harry
16.07.2005, 14:46
Huhu Leif

Ist schon in Ordnung. Lost kennen wohl alle hier und werden da sicher ebenso reinschauen. Aber hier soll es ja auch um Technik gehen, um Storys und dergleichen mehr, wie funktionierte sowas, warum gabs das etc. Der Bedarf ist da, wie man sieht. Leider habe ich von der Materie keine Ahnung, vielleicht kann oder will das Michael machen, hier den Mod geben?

taupe
19.07.2005, 20:16
Hier anbei mal ein Foto von einem solchen Turm.
Man erkennt sehr gut die Kreisgruppenantenne für den VHF-Bereich (das sind die kreuzförmigen Antennenelemente). Weiterhin hat der Turm eine "Nase" (zum rechten Bildrand zeigend). Hier verbirgt sich eine Kreisgruppe für den UHF-Bereich. Zum Schutz vor der Witterung sind diese verkleidet, was dem Turm eben seine charakteristische Form gibt.

Generell versteht man unter einer Kreisgruppe eine kreisförmige Mehrelement-Antenne, sie besteht also aus einer Vielzahl von Einzelantennen, die kreisförmig angeordnet werden. Die hier zu sehende VHF-Kreisgruppe ist eine sogenannte Wullenwever-Antenne. Natürlich ist so eine Anlage extrem aufwändig, aber man erzielt damit einen Gewinn von 20-25 dB, was insbesondere bei Peilanlagen natürlich sinnvoll ist und den Aufwand lohnt. Dieser Gewinn ergibt sich vor allem dadurch, dass die Einzelelemente zu einem "beam forming network" zusammengefasst werden. Zudem hat dieser Antennentyp den Vorzug störende Signale sehr stark abzuschwächen.

taupe
24.09.2005, 10:02
Hallo allerseits,

wie gestern hier zu sehen
http://www.tagesschau.de/sendungen/0,1196,SPM7_OIT4788202,00.html
wurde gestern der Fernmeldeaufklärungsturm der Luftwaffe bei Wieda in Niedersachsen gesprengt. Die Anlage diente als "Lauschposten" und wurde sowohl von Luftwaffe und Heer aber auch von der französischen Armee genutzt. Gestern nun wurde der 75m hohe Turm, der mit Antennenplattformen 16 Etagen zählte, gesprengt. Weitere interessante Fakten finden sich hier:
http://www.lostplaces.de/stoeberhai/index.html

Gruss

Michael