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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : NATO ACE HIGH - Stellung Dosso Dei Galli [IT]



Firefighter
03.09.2014, 22:10
Hallo zusammen,

bei einer Tour durch Italien habe ich mir unter anderem auch die NATO ACE HIGH-Richtfunkstellung auf dem 2196m hohen Dosso dei Galli in den Gardaseebergen angeschaut.
Informationen zu ACE HIGH gibts in diesem Thread (http://www.cold-war.de/showthread.php/855-ACE-High-System?highlight=Dosso)zu genüge bzw. im Wikipedia-Artikel (http://de.wikipedia.org/wiki/ACE_High).
Die Stellung auf dem Dosso dei Galli war die Troposcatter-Gegenstelle vom Feldberg im Schwarzwald. Danach ging das Signal weiter per Richtfunk zum 60 km entfernten Cavriana, südlich vom Gardasee.

Das Gelände ist seit einigen Jahren in Privatbesitz einer Familie aus dem Val Trompia-Tal und liegt mehr oder weniger brach, lediglich im Sommer dürfen die Schafe an den Hängen des Berges grasen.
Die Besitzer haben in der Regel nix dagegen, wenn man sich das Gelände anschauen möchte. Adresse gibts bei Bedarf per PN.

Aber nun zu den Bildern:

1: Erste Blick auf die Liegenschaft von der Tre Valli-Höhenstraße, ausgehend vom Passo Maniva.
2: Passhöhe am Monte Dasdana
3: Auf der (abgesperrten) Zufahrt zur eigentlichen Liegenschaft, hier liegen noch jede Menge Altschneefelder
4: einige Meter weiter
5: 20 kV-Zuleitung zur Liegenschaft
6: Unterkunftsgebäude nach dem Eingang
7: Trafogebäude, steht immer noch unter Spannung da diverse kommerzielle Funkdienste die Liegenschaft nutzen
8: Richtfunkstrecken nach Cavriana, leider Fehlen schon einige Bestandteile
9: 28,5m hohe Scatterantenne, vom Feedhornturm aus im Abendlicht
10: Zuführung vom Hohlleiter für das Feedhorn

Firefighter
03.09.2014, 22:21
und weiter:

1: Feedhorn auf dem zweiten Ausleger
2: Übergang von Hohlleiter auf das Feedhorn, vom Münchner Hersteller Spinner
3: Die letzten Überreste des Hohlleiters, von der Stärke her etwa mit einer Sprudelflasche vergleichbar
4: Als Vergleich zur Größe des Feedhorns - meine Wenigkeit auf dem Turm
5: Blick über den Technikbereich der Stellung. Der komplette Gebäudetrakt ist mit einem Netz aus Blitzableiter überzogen (Faradayscher Käfig)
6: Übersicht der Liegenschaft, im hinteren Bereich Trafo sowie Unterkunftsgebäude, dann Sendergebäude.
Im hohen Gebäude befand sich die Netzersatzanlage sowie die USV (No Break mit Schwungmassenspeicher)
7: Blick auf den Monte Dasdana sowie die Tre Valli-Höhenstraße Richtung Val Trompia.
8: Die Sonne geht bereits unter...
9: Blick von der Tre Valli-Höhenstraße
10: Rückblick auf die Liegenschaft

Firefighter
03.09.2014, 22:33
und weiter:

1: Panorama von der Passhöhe Monte Dasdana mit einem herrlichen Sonnenuntergang
2: Blick aus dem Unterkunftsgebäude, leider war das Wetter am Tag darauf nicht sonderlich gut
3: Hier standen die zwei Netzersatzanlagen sowie die No Break
4: Scatterantennen mit Feedhörnern
5: Reflektormaterial der Antennen, sieht nach Aluminium aus
6: Gitterkonstruktion der Scatterantenne
7: Feedhörner
8: Haupttor der Liegenschaft
9: Ansicht der Liegenschaft von der Tre Valli-Höhenstraße in Richtung Norden

Firefighter
03.09.2014, 22:36
und die letzen Bilder als kleines Schmankerl :D

ed22ful
03.09.2014, 23:04
Hallo Firefighter,


wie immer, allerbeste Fotos und wieder ein ganz toller Bericht, Vielen Dank!!!

Sag ja, neben unserem Hobby ist der Cold War auch immer wieder ein traumhaftes Fotomotiv, deswegen habe ich "frecherweise" eines deiner Bilder gleich mal zum Desktop-Hintergrund umgewandelt :top:.

Nebenbei, Interessant sind die Konstruktionen der Blitzableiter auf den Dächern, geht ja schon in Richtung "Faradayscher Käfig".

Weißt du da mehr drüber? Meine Annahme, eventuell aufgrund der Höhenmeter oder hat das ganze einen technischen Hintergrund?

Gruß


René

Firefighter
04.09.2014, 00:24
Nebenbei, Interessant sind die Konstruktionen der Blitzableiter auf den Dächern, geht ja schon in Richtung "Faradayscher Käfig".

Weißt du da mehr drüber? Meine Annahme, eventuell aufgrund der Höhenmeter oder hat das ganze einen technischen Hintergrund?


Das geht nicht nur in die Richtung, das war früher sogar ein Faradayscher Käfig.

Schätze mal das der Hauptgrund der Blitzschutz ist, um die gewaltigen Potentialunterschiede in der Höhe bei Gewittern auszugleichen. Die Antennen als riesige Stahlkonstruktionen sind ja auch nicht grad Vorteilhaft dazu. Einen HF-technischen Hintergrund dürfte das nicht gehabt haben, Abschirmung gegenüber Hochfrequenz war ja nicht wirklich notwendig.
Die HF die von den Antennen ausgestrahlt wurde ging von der Station weg in den Himmel und die Feldstärke vom Feldberg kommend war durch die Troposcatter-Technik so gering das es ja überhaupt solch große Antennen bedurfte.

Welches Bild hast du den als Hintergrund genommen? Kanns dir gerne in höherer Auflösung zukommen lassen :D

ed22ful
04.09.2014, 03:44
Klingt einleuchtend.

Ich hab übrigens selbst mal ein kurzes, aber dafür umso heftigeres Gewitter in den Bergen erlebt, viel zur Todesangst hatte da bei meinem Kollegen und mir nicht mehr gefehlt.

Nicht vergleichbar mit dem, was wir hier kennen, daher wohl auch so ein Aufwand bei der Anlage.

Diese Einrichtung hab ich in unseren Gefilden noch nicht gesehen (Brocken, Feldberg [HE] etc.)


Du kannst mir mal das letzte Bild schicken, das hab ich ausgewählt (Leider hab ich nur einen Desktop...).


Gruß


Übrigens, bis zum 14., ich komme runter, hab da noch was für euch...

klaus_erl
04.09.2014, 04:54
Es ist auch meine Ansicht, dass die engmaschige Leiteranordnung dem Blitzschutz geschuldet ist. Es ist noch erheblich enger als die höchsten Blitzschutzklassen nach den einschlägigen Normen erfordern. In Anbetracht der Höhenlage in Verbindung mit der zu schützenden Ekeltronik passt das aber schon.

Für eine HF-Abschirmung wären die Maschen noch bei Weitem zu groß. Da hätte sich eher angeboten, Dach- und Wandverkleidungen aus Blech mit elektrisch leitfähigen Nahtverbindungen zu gestalten und so eine wesentlich bessere Abschirmwirkung zu erzielen.

Klaus

Firefighter
04.09.2014, 18:22
Klingt einleuchtend.

Ich hab übrigens selbst mal ein kurzes, aber dafür umso heftigeres Gewitter in den Bergen erlebt, viel zur Todesangst hatte da bei meinem Kollegen und mir nicht mehr gefehlt.

Nicht vergleichbar mit dem, was wir hier kennen, daher wohl auch so ein Aufwand bei der Anlage.

Diese Einrichtung hab ich in unseren Gefilden noch nicht gesehen (Brocken, Feldberg etc.)


Du kannst mir mal das letzte Bild schicken, das hab ich ausgewählt (Leider hab ich nur einen Desktop...).


Gruß


Übrigens, bis zum 14., ich komme runter, hab da noch was für euch...

Einen Blitzschutz in der Form hab ich sonst auch noch nirgends gesehen.
Aber völlig logisch, der Dosso dei Galli gehörte zu den exponiertesten Richtfunkstellungen in Europa.
Ich will nicht wissen welche Gesamtlänge das Erdnetz der kompletten Anlage hat und wie tief die Erder in den Boden bzw. Felsen gehen.

Die Gebäude sind übrigens massiv aus Beton (sehr hohe Qualität) mit doppelter Isolierung sowie doppelten Fenstern. Unter dem Unterkunftsgebäude befindet sich ein Kriechkeller zur Isolierung, das Dach ist im Inneren auch nochmals zusätzlich isoliert. Der Zustand der Gebäude ist heute noch erstaunlich gut, obwohl im Winter der Schnee dort oben aufgrund Verwehungen oder Verfrachtungen 3-4m hoch liegen kann.

Hier ein Beispielbild:
https://scontent-a.xx.fbcdn.net/hphotos-xfa1/v/t1.0-9/1981778_750169371695214_490075716_n.jpg?oh=dd19bb4 e43c354deda8bfcd36999ef00&oe=54652ADF

Was ich noch vergessen hatte, eine detaillierte Stationsbeschreibung sowie historische Bilder gibt es bei Gerrit Padberg auf der Seite:
https://sites.google.com/site/idgzdossodeigalli/Home/idgz---historie-1

Das Hintergrundbiild findest du hier:
http://cold-war.de/tmp/GoPro_8.jpg

Freut mich das wir uns mal wieder sehen :-)

klaus_erl
05.09.2014, 04:21
Einen Blitzschutz in der Form hab ich sonst auch noch nirgends gesehen.
Aber völlig logisch, der Dosso dei Galli gehörte zu den exponiertesten Richtfunkstellungen in Europa.
Ich will nicht wissen welche Gesamtlänge das Erdnetz der kompletten Anlage hat und wie tief die Erder in den Boden bzw. Felsen gehen.


Allzu tief werden sie kaum reingehen, in Fels mit seinem hohen spezifischen Widerstand lohnt das den Aufwand nicht. Mehr gewinnt man mit großflächigen Strahlen- oder Maschenerdern knapp unter der Oberfläche. Ich kann mir vorstellen, dass die gesamte Kuppe damit durchzogen ist.

Klaus

Firefighter
05.09.2014, 13:08
Allzu tief werden sie kaum reingehen, in Fels mit seinem hohen spezifischen Widerstand lohnt das den Aufwand nicht. Mehr gewinnt man mit großflächigen Strahlen- oder Maschenerdern knapp unter der Oberfläche. Ich kann mir vorstellen, dass die gesamte Kuppe damit durchzogen ist.


Stimmt auch wieder, das macht kein Sinn. Ich werde mal recherchieren, vielleicht lässt sich der ein oder andere Plan organisieren.
Könnte mir auch vorstellen das die Fläche ähnlich groß sein wird wie bei der Erdung von vertikalen HF-Antennen (KW, MW).

Keilerdackel
07.09.2014, 23:59
Sehr schöne Dokumentation der Anlage.

Auf einen Gittermast zu steigen der seit 20 Jahren nicht mehr gewartet wurde gehört schon ziemlich viel Mut.

Aber du bist ja gesund wieder runter gekommen und das ist das Wichtigste.

Ein kleine Frage habe ich noch.

Du hast beschrieben das die Anlage jetzt in Privatbesitz ist. Wie wird die Anlage jetz noch genutzt oder liegt sie komplett brach?

Firefighter
08.09.2014, 13:53
Ein kleine Frage habe ich noch.

Du hast beschrieben das die Anlage jetzt in Privatbesitz ist. Wie wird die Anlage jetz noch genutzt oder liegt sie komplett brach?

Die Anlage liegt im Grunde komplett brach bis auf die wenigen kommerziellen Funkanlagen (schätze mal EVU) im Trafogebäude bzw. dem Unterkunftsgebäude.
Die Schafe nutzen die Gebäude als Unterstand bei schlechtem Wetter im Sommer, dementsprechend sieht es darin auch aus...

Firefighter
14.09.2016, 22:48
Durch einen Urlaub am Gardasee letzte Woche, ergab sich nochmals die Möglichkeit, die Troposcatter-Stellung auf dem Dosso dei Galli zu besuchen.
Ich hatte hierbei herrlichstes Wetter, bei über 30 Grad im Tal und angenehmen 14 Grad auf dem Gipfel. Bei einer Fernsicht von über 250 km sah man diverse 4000er in der Schweiz sowie den Gran Paradiso, der höchste Berg komplett in Italien liegend.

Bild 1: Die Feedertürme, keine Veränderung zu 2014
Bild 2: Fernsicht auf das Monte Rosa-Massiv, dem Matterhorn sowie weiteren 4000ern in den Schweizer und Italienischen Alpen.
Bild 3: Überblick über das Gelände
Bild 4: Fernsicht auf den 250 km entfernten Gran Paradiso und weitere Gipfel, davor der Monte Tesero (Funkmasten), etwa 70 km entfernt bei Bergamo.
Bild 5: Eingangsbereich, 2014 war das Tor noch verschlossen
Bild 6: Eine größere Horde Schafe im Steilhang, der Schäfer hatte seinen Wohnwagen etliche hundert Meter höher an der Passstraße stehen
Bild 7: Liegenschaft von der Zufahrtsstraße
Bild 8: an der Goletta di Ravenola
Bild 9: Dosso dei Galli mit Tre Valli-Höhenstraße und Laghetto di Dasdana
Bild 10: Panorama von der Goletta di Ravenola mit den Ravenola-Seen

Firefighter
14.09.2016, 22:51
Nebenbei konnte ich noch ein neues "Dokumentationswerkzeug" auf Höhentauglichkeit testen :D