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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sperranlagen im Landkreis Neu-Um



PaSi
06.08.2018, 16:06
Hallo zusammen,
ich habe gestern die Sperranlagen zwischen Wiblingen und Neu-Ulm besucht, möchte dazu ein paar Bilder teilen und auch Fragen stellen.
Zunächst einmal die Stecksperre DOSPA 1695 an der Illerbrücke. Die Sperre befindet sich am Nordufer (Bayern) und sperrt die ST2021. Sie besteht aus zwei Doppelreihen mit 6 und 5 bzw. 5 und 4 Schächten. Baujahr der aktuellen Brücke war Mitte der 1980er, ich habe leider vergessen, das Schild zu fotografieren.

Zu der Sperre existiert in der Datenbank zudem noch ein Sperrmittellager (DOSPA 4513), das auf dem Bild in der DB abgebildete Gebäude befindet sich ca. 30 Meter westlich der Brücke. Was mich an diesem Gebäude stört, ist dass es zwei Türen hat (auf den beiden kurzen Seiten) sowie zwei Fenster (auf der der Iller zugewandten Seite), außerdem befindet sich im Bereich des Dachs eine Messsonde und das Gebäude hat einen Stromanschluss. Das könnte natürlich alles erst baulich verändert worden sein, nachdem die BW das Gebäude abgeben hat, sieht für mich allerdings ehrlich gesagt nicht so aus.
Ich habe einen anderen Verdacht: am nördlichen Brücken-Widerlager befindet sich ein halbrunder Anbau, der auf Straßenniveau eine Art Aussichtsplattform bildet, auf der auch ein (Kunst-)Objekt aus Stahl steht. Unterhalb dieser Plattform befindet sich Raum, der mit einem Vorhängeschloss gesichert ist. Meine Vermutung ist, dass dies das Sperrmittellager sein könnte...

PaSi
06.08.2018, 16:20
Die nächste Sperre ist der Sprengstollen (Grabensperre) (DOSPA 6378) der die vier nördlichen Fahrstreifen am Kreuz zwischen B30 und B28 gesperrt hätte. Wie bereits in der Datenbank aufgeführt, geht der Stollen unter allen Fahrstreifen hindurch und besitzt an beiden Enden Gittertüren, die jeweils mit zwei Vorhängeschlössern gesichert sind. Man erkennt auch, dass das Illerhochwasser in den Stollen eindringt, inwiefern es in diesem Falle möglich gewesen wäre, die Sperre auszulösen, kann ich mir nicht vorstellen.
Am südöstlichen Zugang ist mir noch etwas aufgefallen und zwar ist an der Innenwand eine Beschriftung mit Schriftschablonen angebracht, die da besagt: "HW 16.02.1990". Hat diese Beschriftung einen militärischen Hintergrund oder steht es "nur" für "Hochwasser", was insofern passen würde, da unter diesem Link (https://www.wwa-ke.bayern.de/hochwasser/hochwasserschutzprojekte/iller/historie/index.htm) ein Spitzenpegel der Iller in Sonthofen am 15.2.1990 verzeichnet ist.

PaSi
06.08.2018, 16:36
Zu guter Letzt noch die Brücke, welche die südlichste der Fahrspuren der B30 trägt und so von den anderen Fahrspuren abgesetzt ist, dass sie durch den zuvor vorgestellten Sprengstollen nicht gesperrt worden wäre. Am westlichen Wiederlager befindet sich im ersten Feld der Brücke ein vergitterter Zugang in den Brückenkörper, ich gehe daher davon aus, dass Schneidladungen im Inneren angebracht worden wären. Interessant finde ich den seitlichen Zugang in das Widerlager, Plattform, Tür und Entwässerung scheinen alle neueren Baujahrs zu sein - sind aber vielleicht auch nur nachträglich ausgetauscht worden.

Rex Danny
06.08.2018, 17:32
Hallo, PaSi !

Vielen Dank für die Bilder und entsprechenden Erläuterungen.

Zu DOSPA 1695:
Mir liegen auch die Bilder des "vermutlichen" Sperrmittellagers in Form des Häuschens vor. Allerdings wurden diese Aufnahmen aus einem Winkel geschossen, aus dem die beiden Fenster mit den Rolläden nicht zu sehen sind. Nachdem Du aber Deine Meinung inkl. der erweiterten Bildreihe zu dem Häuschen abgegeben hast, denke auch ich, daß es sich nicht um das Sperrmittellager für die Stecksperre auf der Brücke handelt.

Der von Dir erwähnte Raum unterhalb der Skulptur könnte das Sperrmittellager sein. Es könnte sich aber auch um den Zugang zu den nördlichen Brückenwiderlagern handeln. Es könnte aber auch beides sein.

Wäre es Dir möglich, vor Ort die beiden Brückenrampen (Nord- und Südseite) auf weitere Möglichkeiten zum Einstieg zu den Widerlagern abzusuchen?

Zu DOSPA 6378:
Die Zugangstüren sind die Eingänge zum eigentlichen Sprengstollen, der unter allen Fahrbahnen durchführte. In diesem Sprengstollen befanden sich insgesamt 9 Sprengkammern, die bei Auslösung zur Zerstörung der Fahrbahnen führen sollten.

Zu DOSPA 6379:
Aufgrund der Beschaffenheit des Brückenkastens gehe ich ebenfalls davon aus, daß im Brückeninnern die Halterungen für Schneidladungen vorhanden sind bzw. waren. Gibt es ins Innere nur diesen einen Zugang oder von der östlichen Seite her einen weiteren?

Sonstiges:
Abschließend noch ein paar Anmerkungen zu Deinen wirklich gelungenen Bildern. Um die Bilder hier zu posten und möglicherweise dann auch für die Datenbank zu verwenden, wäre es sehr hilfreich, wenn sie im Format 800 x 600 eingestellt werden. Auch sollten sie möglichst immer im Querformat gemacht werden, denn hochformatige Bilder werden für die Datenbank nicht verwendet. Hin und wieder sind hochformatige Aufnahmen sicherlich nötig (bspw. bei Ablichtung eines Fallkörpers aus der Nähe oder auch der Zugang zu dem Sprengstollensystem an der Iller) und können hier auch gepostet werden, für die Datenbank sind sie aber unbrauchbar.

Ich hoffe, daß Du bislang nur diese drei Sperranlagen dokumentiert hast, denn dann lohnen sich die Anmerkungen und Tipps für Deine weiteren Fototouren, ohne daß Du alles noch einmal abklappern mußt.

Grüße


Rex Danny

PaSi
07.08.2018, 07:31
Hallo Rex Danny,
zunächst einmal Dankeschön für deine Worte. Das mit dem Bildformat ist mir grundsätzlich bewusst, "im Feld" denkt man dann aber doch nicht unbedingt daran, bzw. sind, wie du geschrieben hast, hochformatige Bilder manchmal doch aussagekräftiger als Querformat. Daher finde ich aber die einzelnen Vorstellungen von Sperren hier im Forum auch so interessant, da sie doch mehr zeigen als das (in der Regel) eine Bild in der Datenbank. Bei den heutzutage üblichen Bildformaten ist es aber ja auch meist möglich, im Nachhinein ein 800x600-Bild zu erstellen. Besteht konkret bei einer der drei Sperren Interesse an einem neuen Foto?

Zu DOSPA 1695:
Auf der Nordseite gibt es keinen weiteren Zugang, die Südseite habe ich mir nur aus der Distanz angeschaut, dabei ist mir nichts aufgefallen. Wobei ich einen Zugang zum Widerlager bei einer Brücke dieser Größe schon recht ungewöhnlich finde.

Zu DOSPA 6379:
Das andere Widerlager habe ich mir nicht angeschaut. Aufgrund der Länge der Brücke müsste man sich da auch einen anderen Parkplatz suchen. Allerdings liegt dieses Widerlager auch im Feld und wird noch nicht einmal durch einen Feldweg erschlossen, ich würde daher vermuten, dass es nur diesen einen Zugang gibt. Kann ich mir aber bei meinem nächsten Besuch in Ulm (wohl Anfang Oktober) noch einmal anschauen.

Grüße, PaSi

Muna-Mann
08.08.2018, 09:17
Hallo PaSi,
Deine Beiträge gefallen mir gut. Einerseits hast Du Dir viel Mühe gemacht, an die Stellen hinzukommen und auch fotografisch zu dokumentieren. Andererseits bin ich rund 20 Jahre dort werktäglich darübergefahren.. Danke für Deine Mühe.
Gleichzeitig bin ich doch überrascht, dass die Anlagen noch so weit erhalten geblieben sind. Das werde ich beim nächsten Besuch in der alten Heimat mal näher anschauen. Und nach dem Sperrmittelhaus recherchieren ( durch die Übernahme eines LKW von der Autobahnmeisterei dort sind mir noch ein paar Leute dort bekannt, da werde ich mal wieder ein Besüchle machen.. ;-) )
Wenn ich was ermitteln kann melde ich mich hier dazu.

Mit freundlichen Grüßen
Muna-Mann