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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Kartenfäschung durch das MfS?



FEK
11.12.2007, 14:45
da die hier Aktiven sich mit der materie befassen, wird vielen auch die Diskussion zum Thema "Das MfS fälschte topographische Karten" bekannt sein. Hier eine Betrachtung zum Thema: http://mfs-insider.de/Abhandlungen/Karten2.htm

FEK

Roxel
16.12.2007, 19:26
da die hier Aktiven sich mit der materie befassen, wird vielen auch die Diskussion zum Thema "Das MfS fälschte topographische Karten" bekannt sein. Hier eine Betrachtung zum Thema: http://mfs-insider.de/Abhandlungen/Karten2.htm

FEK

Ich möchte da eher einen Fachbeitrag zu diesem sehr interessanten Thema empfehlen, ja so etwas soll es durchaus geben.

Kartenverfälschung in der DDR. Verklärende Rückschau oder kritische Aufarbeitung?
Roland Lucht. In: Kartographische Nachrichten, 55. Jahrgang, April 2005, Heft 2, S. 89 - 91.

Daraus möchte ich nur kurz den Abschlußsatz zitieren:

"Zu wünschen bleiben Beiträge, die Erhellendes zur DDR-Kartographie bieten ..."

@FEK:
Das kannst du gerne als Gegenmeinung zu den Ansichten ehemaliger Mitarbeiter des MfS werten.

FEK
16.12.2007, 20:12
@FEK:
Das kannst du gerne als Gegenmeinung zu den Ansichten ehemaliger Mitarbeiter des MfS werten.

ja gern! da ich mich aber vor allem darauf bezog: Das „Institut für Militärisches Geowesen“ des Bundesministeriums für Landesverteidigung der Republik Österreich widmet sich in dem Heft „MILGEO“ Nr. 20/2006 „Schriftenreihe des Militärischen Geowesens“, in einer außerordentlich sachlichen und zeitgeschichtlich fundierten Ausgabe dem Thema:

„Militärisches Geowesen der DDR - Von den Anfängen bis zur Wiedervereinigung“

muß ich erst noch klären inwieweit:

Wissenschaftler, Generale und Stabsoffiziere des Österreichischen Bundesheeres, der deutschen Bundeswehr und Stabsoffiziere a.D. der NVA

Ansichten ehemaliger Mitarbeiter des MfS wiedergeben. :p

FEK

Harry (†)
16.12.2007, 21:44
>Ansichten ehemaliger Mitarbeiter des MfS

Wobei sich mir dann die Frage stellt ob mir diese sonderlich wichtig sind.

Doc Hollywood
17.12.2007, 00:26
@FEK

das die Herren Militärkartographen der DDR ihr Handwerk verstanden steht außer Frage und darüber, das milit.Objekte/TÜP´s nicht auf käuflich zu erwerbendem Kartenmaterial verzeichnet waren brauch man wohl auch nicht zu diskutieren.

Gleich wohl war nur das offizielle Kartenmaterial der NVA 100% stimmig.
Es gab eine Straßenkarte für Militärkraftfahrer der NVA, die durchaus Abweichungen zu den zivilen Karten(Entfernungen,Höhenpunkte) hatte.

Im übrigen stimmten die Tonnage-Angaben an Brücken in der Regel nicht!

Das erfüllt in meinen Augen sehr wohl den Tatbestand der Fälschung

Gruß Doc

Harry (†)
17.12.2007, 00:36
Die Topokarten 1:10000 Thüringen bauten in erster Auflage auf den Topokarten der DDR auf. Es erfolgte dann ein großer Rückruf weil die um Dutzende - 100te Meter falsch waren.

FEK
17.12.2007, 08:21
>Ansichten ehemaliger Mitarbeiter des MfS

Wobei sich mir dann die Frage stellt ob mir diese sonderlich wichtig sind.

das ist ein ganz anderes Thema. Im Thema kalter Krieg gehören sie dazu, ob das dem Einzelnen gefällt oder nicht.

FEK

FEK
17.12.2007, 08:24
Die Topokarten 1:10000 Thüringen bauten in erster Auflage auf den Topokarten der DDR auf. Es erfolgte dann ein großer Rückruf weil die um Dutzende - 100te Meter falsch waren.

was verstehst Du bzw. die Quelle dieser Information unter Topokarte?

FEK

Roxel
17.12.2007, 08:35
Bei den Kartenverfälschungen geht es im Wesentlichen um

a) eine Legende vom angeblich "verkippten" Gauß-Krüger-Netz und

b) um die verfälschte topographische Karte (AS).

Schreibe dazu noch einen gesonderten Beitrag.

Roxel
20.12.2007, 10:40
So, es hat etwas länger gedauert, aber dafür habe ich einen sehr guten Artikel gefunden, der einen schönen Vergleich der Unterschiede der Ausgabe AS mit der Ausgabe AV bietet.

Als Beispiele für die Unterschiede dienen


Cottbus in 1:100000, TK (AS) Blatt M-33-5 / TK (AV) Blatt 1010
Treuenbrietzen in 1:50000, TK (AS) Blatt N-33-134-D / TK (AV) Blatt 0907-4
Kraftwerk Lübbenau in 1:25000, TK (AS) Blatt M-33-4-B-d / TK (AV) Blatt 1009-24
Flugplatz Marxwalde in 1:25000, (TK (AS) Blatt N-33-125-A-b / TK (AV) Blatt 0810-12
Olympisches Dorf von 1936 in 1:10000, TK (AS) Blatt N-33-123-A-c-3 / TK (AV) Blatt 0808-133




Dagmar Unverhau, Roland Lucht, Horst Henkel, Wolfgang Schulz


Die Topographische Karte „Ausgabe für die Volkswirtschaft” –
Staatssicherheit und Kartenverfälschung in der DDR

Über „Landkarten für den durchschnittlichen Nutzer (Wirtschaft, Industrie, Landwirtschaft) gegenüber Landkarten für das Militär: Doppelstandards bei der Genauigkeit von Landkarten in der sowjetischen Kartographie (1917 – 1991)” veröffentlichte Alexej V. Postnikov, stellvertretender Direktor des Instituts für Wissenschafts- und Technologiegeschichte an der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau, im Jahre 2002 einen aufschlussreichen Artikel. Für unsere Thematik, die sich auf das eine topographische Kartenwerk der „Ausgabe für die Volkswirtschaft” (AV) der DDR bezieht, dabei aber als Richtschnur das andere für die bewaffneten Organe als existent voraussetzt, weil daraus abgeleitet, sind diese Darlegungen wegweisend und exemplarisch zugleich. Sie lehren darüber hinaus, die politischen Rahmenbedingungen zu thematisieren, um die „Doppelstandards” in ihren Auswirkungen für die kartographische Darstellung und Nutzung präzisieren zu können.


Diesen Artikel könnt ihr hier downloaden (http://www.geobasis-bb.de/GeoPortal1/produkte/verm_bb/pdf/1_06_Unverhau_44-53.pdf).

Geograph
20.12.2007, 18:15
Zur Diskussion empfehle ich ein Buch von MARK MONMONIER (»Eins zu einer Million. Die Tricks und Lügen der Kartographen«; Basel u.a. 1996), dessen Einführung (auf Seite 13) mit folgendem interessanten Satz beginnt:
"Mit Karten zu lügen, ist nicht nur leicht, es ist sogar notwendig."


Rezension von Reiner Schrader zu MONMONIERS Buch :


"Kurzbeschreibung:

Haben Sie es nicht schon einmal erlebt, daß Sie eine Straße befahren wollten, die Ihr Atlas als günstige Abkürzung auswies, die aber, wie Sie leidvoll feststellen mußten, entweder gar nicht vorhanden oder noch im Bau war? Solche Erfahrungen bringen unseren Glauben in die absolute Korrektheit von Karten ins Wanken. Und das zu Recht.

Mark Monmonier beschreibt auf amüsante und unterhaltsame Weise, wie sogar auf den hochamtlichen topographischen Karten die Darstellung der Realität verändert und manipuliert wird. Viele dieser Manipulationen sind zwar notwendig, um eine Karte überhaupt lesbar zu machen. Doch neben diesen professionellen Notlügen zeigt uns Mark Monmonier auch, wie Karten ganz bewußt verfälscht werden. Zum Beispiel für politische und militärische Propaganda oder – ganz schlicht – von Immobilienmaklern, die versuchen, ihre Objekte durch gewisse Verschönerungen der kartographischen Darstellung teurer an den Mann oder die Frau zu bringen.

Ganz nebenbei zeigt Ihnen dieses Buch aber auch, aus welchen Elementen Karten aufgebaut sind und wie diese einzelnen Elemente zu einem Ganzen zusammenspielen. Der schwierigen Erstellung und dem skeptischen Umgang mit statistischen Karten ist ein ganzes Kapitel gewidmet. Auch auf die Verwendung von Farbe in Karten wird ausführlich eingegangen.

Der Autor: Mark Monmonier ist Professor für Geographie an der Syracuse University. Er war selbst jahrzehntelang professioneller Kartograph und ist Autor zahlreicher Fachartikel und populärwissenschaftlicher Bücher, die sich mit dem Handwerk des Kartenherstellens kritisch und kreativ auseinandersetzen.


»Von den Grenzen der Kartographie.«

Wer eine Landkarte zur Hand nimmt, macht sich wohl kaum Gedanken darüber, wie sie zustande kommt – Hauptsache, sie hilft weiter. Dabei ist das, was auf der Karte erscheint, keineswegs selbstverständlich in dem Sinne: So und nicht anders. Karten sind kein getreues Abbild der Erde, sie sind ein Produkt gezielter Auswahl – Stichwort: Generalisierung. Das heißt: Angefangen mit den darzustellenden geographischen Objekten über die verschiedenen Maßstäbe und Signaturen bis hin zur graphischen Gestaltung gibt es Vorgaben und Zwänge, die das Bild der Wirklichkeit mehr oder weniger verändern, verfälschen und verzerren. Monmonier legt den Finger auf diese Wunde. Sein locker, aber sachkundig geschriebenes Buch schärft den Blick für die Unzulänglichkeiten der unterschiedlichsten Kartenarten, die bis zur bewussten Manipulation reichen können. Dennoch scheint mir der deutsche Titel etwas zu reißerisch und nicht zuletzt zu pauschal gegen »die« Kartographen gewählt – »How to Lie with Maps« im Original kommt der aufklärerischen Absicht des Autors wohl näher. Wie auch immer: Für interessierte Laien eine lesenswerte Einführung in Grundprobleme der Kartographie."


__________
> Quelle: http://www.buecher-in-buxtehude.de/2003.html [20.12.2007; 16.00 Uhr]


Im Buch sind insbesondere die Kapitel »Karten als politische Propaganda« und »Kartographie, Verteidigung und Desinformation« hervorzuheben.

Demnach sind »Karten(ver)fälschungen« kein spezifisch »ostdeutsches« Faktum, sondern gab und gibt es in allen politischen Systemen.

Die interessante Frage ist nur, inwieweit das MfS daran – und mit welchen Auswirkungen – beteiligt war.



Grüße!
.

Roxel
21.12.2007, 16:03
[...]
Demnach sind »Karten(ver)fälschungen« kein spezifisch »ostdeutsches« Faktum, sondern gab und gibt es in allen politischen Systemen.

Die interessante Frage ist nur, inwieweit das MfS daran – und mit welchen Auswirkungen – beteiligt war.

Grüße!


Dazu kann ich ein Buch empfehlen:

Dagmar Unverhau (Hrsg.):

Kartenverfälschung als Folge übergroßer Geheimhaltung?
Eine Annäherung an das Thema Einflußnahme der Staatssicherheit auf das Kartenwesen der DDR

3°, Münster: LIT, 2006
ISBN 3-8258-5964-9

B.Man
29.05.2013, 21:42
Ich buddel schon wieder einen alten Thread aus:)

Zu den Karten in der DDR gab es inen interesanten Interviewteil eines Britischen MVM Soldaten.

Die benutzten alte Deutsche Militärkarten aus den 1920 / 30 er Jahren weil sie feststellten das die DDR Strassenkarten fehlerhaft waren.
Wenn sie keinen konkreten Auftrag hatten fuhren sie bestimmte Wegstrecken ab und aktualisierten die alten Karten. Diese Prozedur nannten sie Mapping.
Das diente nicht nur ihrer eigenen Arbeit um Zugangs und Fluchtwege auszukundschaften sondern wurde wohl auch in der Heimat für profesionelle Karten verwendet.
Dabei wurde auch die Jahreszeitbedingten Nutzbarkeit der kleinen unbefestigten Wege erfasst die dort auch heute noch sehr verbreitet sind.

Die Britischen MVM Autos wurden nach 1/2 Jahr mit einer Fahrleistung von etwa 60 000 km ausgemustert.
Da kann man sich etwa vorstellen was die in einem so kleinen Land alles erfasst haben.

Gruss Andreas