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Thema: Dislozierungen der GSSD am 10.11.1989

  1. #11
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    Standard Präzisierung

    Zum Zeitzeugenbericht:

    Der Zeitzeuge trug den Dienstgrad Oberstleutnant und war zum Zeitpunkt der Grenzöffnung Kommandeur des FunkFunkTechnischen Aufklärungsbataillons 5 (FuFuTAB 5) am Standort Hagenow. Diesem Bataillon unterstellt war die Spezialaufklärungskompanie 5 (SAK 5). Angehörige dieser Kompanie hatten ähnliche Aufgaben zu erfüllen, wie die Fernspäher der Bundeswehr. Zu ihren Aufgaben gehörte auch die Aufklärung von Vorrangzielen des Gegners im grenznahen Raum, die gegebenenfalls auch ausgeschaltet werden sollten. Zu den erstrangigen Vorrangzielen gehörten grenznah stationierte Kernwaffeneinsatzmittel (KWEM).
    Die Grenzsicherungsregimenter der GSSD hätten im Rahmen der seit 1987 veränderten Militärdoktrin der DDR vorbereitete Stellungen im grenznahen Raum beziehen sollen, um ein feindliches Vorgehen zu verzögern. Im Rahmen dieser Aufgabenstellung sollte FuFuTAB 5 gemeinsam mit den GSSD Grenzsicherungsregimentern handeln.

    Zum genauen Ort der Dislozierung: Diese Stellung befand sich unmittelbar nördlich der Verbindungsstraße Gadebuch - Roggendorf - Mustin - Ratzeburg. Es handelt sich dabei um den Abschnitt des GR-6 (Schönberg).

    Der Zeitzeuge hat zusammen mit seinem Vorgesetzten diese Stellung im dienstlichen Auftrag besucht.

    Um welche GSSD Einheiten handelte es sich?:
    Im Bereich der 2.GPA (Gardepanzerarmee) gab es zwei sst (=selbstständige) Panzerregimenter, die von ihrer Struktur her sogar Brigaden waren, nicht aber als solche bezeichnet wurden. Diese beiden Regimenter waren in Güstrow (732. sst Panzerregiment) und in Hagenow (731. sst Panzerregiment)stationiert. Dieses betreffende 731. sst PR in Hagenow lag unmittelbar neben dem MSR (motorisierten Schützenregiment) der 21. MSD (motorisierten Schützendivision) der NVA. Beide Regimenter wurden übrigens lange vor den anderen Truppen der WGT (allerdings erst nach der "Wende")in die SU zurückverlegt. Das eine der beiden Regimenter (Hagenow) war neben dem MSR - 29 NVA (Hagenow) zur Deckung der Staatsgrenze eingesetzt. Das andere (Güstrow) war als Streifzugabteilung (StrzA bzw OMG) operative Manövergruppe der 2.GPA vorgesehen. Es waren also zwei Regimenter mit speziellen Aufgaben und spezieller Struktur (eigentlich Panzerbrigaden - also stärkere Regimenter).
    Neben diesen Verbänden existierte noch das 733. sst. Garde PR in Zeithain
    und das 734. sst. Garde PR in Plauen.

    Diese Regimenter waren offiziell der WGT direkt unterstellt, jedoch den beiden Panzerarmeen zu Erfüllung besonderer Aufgaben als Unterstützungsmittel unterstellt. 731. und 732. sst Garde PR der 2.GPA und das 733. und 734. sst Garde PR der 1.GPA.
    Insgesamt gehörten fünf Armeen der Landstreitkräfte 1989 zum Bestand der GSSD: 1. Gardepanzerarmee in Dresden
    2. Gardepanzerarmee in Fürstenberg
    3. Stoßarmee in Magdeburg
    8. Gardearmee in Nora
    20. Gardearmee in Eberswalde

    Dauer der Dislozierung: Die entsprechenden Regimenter lagen nach dem Bericht des Zeitzeugen vom 10.11.1989 bis Mitte Januar 1990 in ihren Stellungen.

    Joachim
    Geändert von joachim (16.03.2006 um 13:43 Uhr)

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  3. #12
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    Standard erhöhte Gefechtsbereitschaft von Einheiten der NVA

    Seit Mitternacht galt am 10.11.1989 erhöhte Gefechtsbereitschaft für das Grenzkommando Mitte (Berlin).
    Am 10.11.1989 wurde auf Veranlassung von Generaloberst Streletz, Chef des Hauptstabes der NVA, erhöhte Gefechtsbereitschaft für die 1. Motorisierte Schützendivision der NVA (1. MSD) und das Luftsturmregiment 40 (LStR 40) befohlen. Die genannten Verbände waren Teil der sogenannten Berliner Gruppierung, die im V-Fall Westberlin hätte einnehmen sollen und für diese Zielstellung auch trainiert wurde. Die genannten Maßnahmen wurden damals von den Verantwortlichen verschleiert und öffentlich geleugnet. So erklärte der Chef der Politischen Hauptverwaltung Brünner im Fernsehen der DDR keine Verbände der NVA befänden sich in einer Stufe erhöhter Gefechtsbereitschaft. Erst den Recherchen Hans Hermann Hertles ist es zu verdanken, dass diese Handlungen Mitte der 90er Jahre öffentlich bekannt wurden. Nachdem Hertle neben zahlreichen Zeitzeugenberichten auch schriftliche Belege für die genannten Maßnahmen beibringen konnte, erklärte sich Streletz 1995 zu einem Interview bereit. Ich zitiere hier die relevante Passage:

    Quelle: Hans-Hermann Hertle: Der Fall der Mauer. Die unbeabsichtigte Selbstauflösung des SED-Staates. Opladen 1996. ISBN – 3-531-12927-9.

    [ebenda S. 362]

    Fußnoten - eckige Klammern sind zwischen den Text gesetzt.

    Joachim

    Jede Konfrontation war zu vermeiden
    Gespräch mit den Generälen Klaus-Dieter Baumgarten, Joachim Goldbach und Fritz Streletz, 8.12.1994, 21.12.1994 und 20.3.1995

    Hertle [1]: In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 fiel die Mauer in Berlin. Die zivilen, politischen Maßnahmen, die im Laufe des 10. November eingeleitet wurden, um nach dem Mauerdurchbruch die Kontrolle über die Grenze den Reiseverkehr vor allem in Richtung West-Berlin zurückzugewinnen und die Lage insbesondere in der Umgebung des Brandenburger Tores zu beruhigen, sind unbestritten. Alle diese Maßnahmen, die in der Stellungnahme von Fritz Streletz aufgelistet sind, werden in meinem Beitrag ebenfalls angeführt und keinesfalls verschwiegen. [2]
    Seit Mitternacht galt jedoch erhöhte Gefechtsbereitschaft für das Grenzkommando Mitte, und am Mittag des 10. November wurden die 1. Motorisierte Schützendivision (1. MSD) und das Luftsturmregiment-40 (LStR-40) ebenfalls in erhöhte Gefechtsbereitschaft versetzt. Die zivilen Maßnahmen - insbesondere eine beschleunigte Visaerteilung und Vorbereitungen zur Öffnung weiterer Grenzübergangsstellen - griffen jedoch zu langsam, um der SED-Führung die Lage beherrschbar erscheinen zu lassen. Deshalb, so habe ich argumentiert, bereitete sich die SED-Spitze mit der Herstellung der Erhöhten Gefechtsbereitschaft in den genannten Verbänden parallel auf ein militärisches Eingreifen vor. Als einzig sinnvolle Erklärung dieses Vorgehens schien mir, daß eine militärische Lösung zum Schutz der Grenze in und um Berlin einschließlich der Schließung der Über- gänge zumindest einkalkuliert wurde.
    Wenn Sie diese Erklärung zurückweisen, Herr Streletz, wie ist dann zu verstehen, daß Ihr Befehl im Dienstbuch des Operativ Diensthabenden im Kommando der Landstreitkräfte ohne die von Ihnen genannten Einschränkungen - weder was den Nicht-Einsatz der Artillerie betrifft noch was die Einschränkungen in hezug auf die Mot.-Schützenregimenter betrifft -festgehalten wurde? Und welche Erklärunq gibt es dafür, daß auch in der Realität dieser Befehl nicht entsprechend Ihrer Absicht umgesetzt wurde, sondern zum Beispiel das Artillerieregiment der 1. MSD die gesamte Kampftechnik - im wesentlichen schwere Geschütze – aufmunitioniert und die Fahrzeuge durchgestartet hat?
    Streletz [3]: Die entscheidende Frage dabei ist, wie der Befehl weitergegeben worden ist. Was ich dem Chef der Landstreitkräfte, Generaloberst Stechbarth [4], dem

    1 Der Text ist ein Zusammenschnitt aus drei Gesprächen: mit Fritz Streletz am 8.12.1994 in Strausberg; mit Klaus-Dieter Baumgarten, Joachim Goldbach und Fritz Streletz am 21.12.1994 ebenfalls in Strausberg und mit Klaus-Dieter Baumgarten und Joachim Goldbach am 20.3.1995 in Berlin. An den Gesprächen am 21.12.1994 nahmen Oberst Heinz Strohschein, am 20.3.1995 Prof. Dr. Peter Steinbach, Freie Universität Berlin, teil.
    2 Vgl. Maximytschew/Hertle 1994b und Streletz 1995.
    3 Fritz Streletz, Jg. 1926, ab 1979 Stellvertreter des Ministers und Chef des Hauptstabes, ab 1971 Sekretär des Nationalen Verteidigungsrates, ab 1981 Mitglied des ZK der SED.
    4 Horst Stechbarth, Jg. 1925, Generaloberst, ab 1972 Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef der Landstreitkräfte. Ab 1976 Kandidat und von 1978-1989 Mitglied des ZK der SED.

    Gespräch mit K.-D. Baumgarten, J. Goldbach und F. Streletz 363

    die 1. MSD und das LStR-40 unterstellt waren, befohlen habe, das weiß ich. Er muß ja auch wissen, was er seinem Chef des Stabes, Generalleutnant Skerra [5], befohlen hat. Und Skerra muß wissen, wie er den Befehl an die 1. MSD weitergeleitet hat. Aber daß der Befehl klipp und klar war - ohne Panzer, ohne Artillerie und ohne schwere Technik -, das kann keiner bestreiten. Wenn das einer bestreitet, dann lügt er.
    Hertle: Würden Sie denn bestreiten wollen, daß im Artillerieregiment die Kampftechnik aufmunitioniert worden ist?
    Streletz: Aus meiner Sicht müßte ich Ihnen antworten: Dann hat der Kommandeur des Artillerieregiments nicht den Befehl erhalten, den er hätte erhalten müssen. Wenn der Kommandeur des Artillerieregiments nur den Befehl erhöhte Gefechtsbereitschaft erhalten hat, dann mußte es aufmunitionieren - nach Ihrem Begriff, wobei die Munition dort sowieso am Geschütz war, davon abgesehen. Aber ich weiß ja nicht, ob der Kommandeur des Artillerieregiments wußte, daß sein Artillerieregiment nicht eingesetzt wird. Das ist ja nicht meine Aufgabe als Chef des Stabes der Armee, mich darum zu kümmern. Da müßte man jetzt den Kommandeur des Artillerieregiments fragen, welche Aufgabe er erhalten hat, und welche Aufgabe er weitergegeben hat.
    Hertle: Ist das normal, daß ein Befehl, den der Chef des Hauptstabes erteilt, unten vollkommen anders ankommt?
    Streletz: Nein. Bloß, es ist jetzt folgende Komplikation dabei, wie Sie ja auch geschrieben haben: Beim Grenzkommando Mitte gab es ebenfalls erhöhte Gefechtsbereitschaft. erhöhte Gefechtsbereitschaft zog eine Reihe von Aufgaben nach sich, die in einem vorgegebenen Zeitrahmen zu lösen waren. Wenn jetzt nicht gesagt wird, das und das nicht, also keine Einschränkungen genannt werden, dann läuft das automatisch weiter. Und wenn Sie jetzt als Beispiel sagen, das Artillerieregiment hat aufmunitioniert, dann kann es durchaus sein, daß der Kommandeur dort nicht diesen Befehl erhalten hat. Oder er hat gesagt, sicherheitshalber, na wer weiß, was kommt, machst du lieber alles; besser ist besser. Aber es war nie vorgesehen, Panzer und Artillerie einzubeziehen.
    Fortsetzung im nächsten Beitrag

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  5. #13
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    Fortsetzung Interview:

    Baumgarten [6]: Wo sollte denn die Logik der Dinge sein, in dieser Situation ein Artillerieregiment in Alarmbereitschaft zu versetzen?
    Goldbach [7]: Die Frage ist vollkommen berechtigt. Ein Artillerieregiment kann eigentlich nur Granaten in der Gegend herumschießen. Was anderes können die ja nicht.
    Baumgarten: Sollten die mit der 152mm Haubitze ans Brandenburger Tor rücken? Ich frage das bewußt einmal sarkastisch.
    Hertle: Ich nehme diese Frage ernst. Aber was ist der Grund für seine Alarmierung?
    Baumgarten: Offensichtlich ein Fehler in der Ubermittlung. So sehe ich das. Ich kenne die Dinge ja nicht, denn ich habe zu dieser Zeit im Kommando der Grenztruppen in Pätz gesessen und hatte konkrete Aufgaben zu lösen. Und die Grenztruppe war - im Gegensatz zu Ihren Feststellungen - zu diesem Zeitpunkt total intakt. Es stimmt einfach nicht, daß sie handlungsunfähig gewesen wäre. Die Be

    5 Horst Skerra, Jg. 1930, Generalleutnant, Chef des Stabes der Landstreitkräfte der NVA .
    6 Klaus-Dieter Baumgarten, Jg. 1931, Generaloberst, ab 1979 Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef der Grenztruppen, ab 1981 Kandidat des ZK der SED.
    7 Joachim Goldbach, Jg. 1929, Generaloberst, ab 1986 Stellvertreter des Ministers und Chef Technik und Bewaffnung.

    364 Jede Konfrontation war zu vermeiden

    fehlsstruktur lief, und es gibt keinen einzigen, der einen Befehl nicht exakt ausgeführt hätte.
    Hertle: In den Regimentern des Grenzkommandos Mitte sieht man das anders. Dort wird gesagt, sie haben um 0.20 Uhr den Befehl erhöhte Gefechtsbereitschaft erhalten. Sie haben jedoch auf eigenen Entschluß die Durchführung der Erhöhten Gefechtsbereitschaft entweder gar nicht begonnen oder aber abgestoppt und reduziert auf die Herstellung einer Erhöhten Führungsbereitschaft. Von einer zentral funktionierenden Befehlsstruktur kann diesen Aussagen zufolge nicht die Rede sein.
    Baumgarten: Da müßten wir uns noch einmal mit der Frage befassen, welche Einschränkungen es konkret gab. Das wäre sicher notwendig. Aber mir geht es um etwas ganz anderes. Es geht doch darum, daß zu diesem Zeitpunkt, obwohl die Situation kritisch war für den ganzen Staat, und vielleicht für mehr als nur die DDR und die Bundesrepublik, es keine Notwendigkeit gab, die Grenztruppe irgendwie zu verstärken. Wir waren durchaus in der Lage, diese wenn auch sehr komplizierten Aufgaben allein und selbständig zu lösen. Es gab keine Anforderungen und keine Weisungen, sie beispielsweise mit Kampfgruppen zu verstärken.
    Wir haben natürlich ein enges Zusammenspiel mit den Paßkontroll-Einheiten des MfS gehabt, denn jede Öffnung einer Grenzübergangsstelle bedeutete ja, daß dort die Kontrollorgane - Paß, Zoll, Tierarzt usw. - eingerichtet werden mussten. Das alles innerhalb weniger Stunden zu machen, ist schon eine Leistung. Aber dabei ist uns nie der Gedanke gekommen, daß man nun entlang der Staatsgrenze Bataillone und Regimenter der NVA hinzuzieht. Und ich frage noch einmal: Wo ist die Logik der Dinge, Teile einer Division und nicht die gesamte Nationale Volksarmee in erhöhte Gefechtsbereitschaft zu versetzen?
    Hertle: Das hängt von Ihrem damaligen Bedrohungsszenario ab. Wir haben vielleicht eine unterschiedliche Einschätzung über die Bedeutung der Mauer für die Existenz der DDR. Vielleicht haben wir aber die gemeinsame Einschätzung, daß die Art und Weise des Falls der Mauer maßgeblich den Zusammenbruch der DDR beschleunigt hat - unter Einschluß der Tatsache, daß die Sowjetunion die Dinge dann hat so laufen lassen, wie sie gelaufen sind.
    Goldbach: Aber zu dem Zeitpunkt, als die Entscheidungen gefällt werden mussten, war ja die Haltung der Sowjetunion nicht bekannt!
    Hertle: Gut, aber vielleicht haben Sie ja die Vorstellung gehabt ...
    Goldbach: ... mit dem Artillerieregiment die Situation zu retten?
    Hertle: Vielleicht haben Sie beispielsweise die Vorstellung gehabt oder zumindest militärisch nicht ausschließen wollen oder können, daß möglicherweise - hier haben Sie ja Recht mit Ihrer Kritik, daß ich Ihnen etwas unterstelle, wenn ich in diesem Zusammenhang die "Berliner Gruppierung" mit ins Spiel bringe - die Lage, ausgehend vom Brandenburger Tor, solch bedrohliche Ausmaße annehmen kann, daß sich daraus ein Angriff von außen entwickelt.[8]
    Baumgarten: Unterstellen wir das einmal: Dann kann man doch bei aller Sicherung der Aufklärungsergebnisse - daß man als Militär wissen muß, was der andere vorhat, in welcher Bereitschaftsstufe er steht usw. - nach vierundzwanzig Stunden nicht alles wieder zurücknehmen. Da ist doch die nächste Unlogik drin!

    8 Die "Berliner Gruppierung", deren Kern aus der 1. MSD, dem LStR-40 und dem Grenzkommando Mitte in Verbindung mit der 6. Motorisierten Schützenbrigade der Westgruppe der sowjetischen Streitkräfte bestand, hatte im Kriegsfall die Aufgabe, West-Berlin einzunehmen. Die beteiligten Verbände waren für diese Zielstellung übungsmäßig vorbereitet.

    [ebenda S. 365]
    Gespräch mit K.-D. Baumgarten, J. Goldbach und F. Streletz 365

    Hertle: Nein, die Logik wäre die, daß der sowjetische Verbündete als an der
    „Berliner Gruppierung" maßgeblich Beteiligter diese Vorstellung nicht nachvollzieht und seine Unterstützung versagt. Herr Streletz kennt diese These schon, aber möchte mir nicht verraten, wie die Haltung der sowjetischen Militärs in diesen Tagen war.
    Streletz: Doch, das verrate ich Ihnen noch, wenn der Zeitpunkt dazu da ist.
    Baumgarten: Weil es ja hier am Beispiel der Alarmierung der 1. MSD um das geht, was sie «militärische Option" nennen, wiederhole ich noch einmal: Es bestand angesichts der zur Verfügung stehenden Kräfte keine Notwendigkeit, einen solchen Gedanken überhaupt zu erwägen. Und selbst wenn es notwendig gewesen wäre, in Gestalt von Kräften zusätzlich etwas zu organisieren, dann hätte es nur so sein können, daß man die Grenztruppen in Form von Hundertschaften in der Tiefe unterstützt hätte, aber doch nie im Grenzgebiet selbst.

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  7. #14
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    Standard NVA Hundertschaften im Herbst 1989

    Von der Frage nach den Gründen der erhöhten Gefechtsbereitschaft zu trennen, ist die Existenz der sogenannten a-typischen Hundertschaften der NVA.
    Mit dem Befehl 10/89 des Nationalen Verteidungsrats (NVR) der DDR, dessen Sekretär Generaloberst Fritz Streletz war, wurden aus NVA Angehörigen sogenannte a-typische Hundertschaften gebildet, denen zeitweise bis zu 18.000 Armeeangehörige angehörten. Die Soldaten sollten nicht in ihrer Struktur und ihrer strukturmäßigen Bewaffnung, sondern mit polizeitypischen Einsatzmitteln in Hundertschaften entfaltet werden. Mit diesem Vorgehen und Berufung auf einen außergesetzlichen Notstand, glaubte man verfassungsrechtliche Bedenken, die gegen einen Einsatz der NVA im Inneren sprachen, entkräften zu können.

    Am 10.11.1989 standen genügend dieser Hundertschaften in Berlin bereit, um die Lage am Brandenburger Tor, wo damit begonnen worden war, Teile der Grenzsicherungsanlagen zu beschädigen, entschärfen zu können.
    Gerade die Lage am Brandenburger Tor wird aber von den befragten Generälen als Grund für die Auslösung der erhöhten Gefechtsbereitschaft angegeben. Hertle schreibt dazu:

    "Am 9. und 10. November hielt die NVA noch immer insgesamt 179 Hundertschafen - auch in der 1. MSD und dem LStR 40 - 'zur Unterstützung der Schutz - und Sicherheitsorgane' wie es hieß, in einer Zwei - bis Drei-Stunden-Bereitschaft bereit, davon allein 25 für einen Einsatz in Berlin. Daß die politische Führung nicht auf diese polizeilich getarnten Formationen, sondern auf die militärischen Strukturen zurückgriff, ist nur so zu verstehen, dass andere, nämlich militärische Einsatzziele verfolgt wurden". Hertle: Der Fall der Mauer, S. 255 ff.

    Joachim

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  9. #15
    Cold Warrior Avatar von FEK
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    Standard

    Hhm,

    jetzt sind wir aber weg vom eigentlichen Thema.

    War nun die WGT an der Grenze oder nicht. Der Zeitzeuge selbst schränkt ja in 5. selbst ein, das er nur eine Aussage zu diesen einen Abschnitt treffen kann.
    Dabei sind die Fragen warum sie dort lagen und wer das anwies noch gar nicht geklärt.
    Erklärt mal einem Laien die Geschichte mit dem Waffenstatus, welche erwähnt wurde. heiß das, das die WGT bei Übungen an der Grenze ohne Muni oder mit Platzpatronen rausfuhren, sie aber in diesem Fall scharfe Muni mitführten?

    Das die GT alarmiert wurden und auch für teile der NVA Alarmstufe war, halte ich bei derartig zugespitzten Situationen für relativ normal. Und das auch alle "Besatzer" aufmerksam horchten kann ich mir auch vorstellen.
    Soviel ich weiß hieletn diese sich aber allesamt, was die militärische Präsenz betrifft zurück.

    FEK

    FEK

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  11. #16
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    Standard

    Zitat Zitat von FEK
    Hhm,

    jetzt sind wir aber weg vom eigentlichen Thema.
    Das sehe ich anders. Die behauptete Dislozierung würde Sinn machen innerhalb eines Szenarios in dem eine mögliche erneute Schließung der Grenzen, zumindest als Option offen gehalten werden sollte.

    Mir ist aber bewusst, dass ein Zeitzeugenbericht als Beleg nicht ausreicht. Ich habe aber unter anderem auch zu dieser Thematik einen Forschungsantrag bei der BStU gestellt, der zur Zeit bearbeitet wird. Unter anderem werde ich Unterlagen der HA I zu den Einheiten auswerten, denen der Zeitzeuge angehörte.

    Joachim

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  13. #17
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    Standard Waffenstatus

    Zitat Zitat von FEK
    Erklärt mal einem Laien die Geschichte mit dem Waffenstatus, welche erwähnt wurde. heiß das, das die WGT bei Übungen an der Grenze ohne Muni oder mit Platzpatronen rausfuhren, sie aber in diesem Fall scharfe Muni mitführten?
    Die Verbände der WGT rückten in der Regel immer scharf aufmunitioniert aus. Insofern wäre dies nichts besonders bemerkenswertes gewesen, da hast Du recht.

    Joachim

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  15. #18
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    joachim,

    was bleibt uns da noch vom Zeitzeugenbericht als tatsächlicher Hinweis auf das Vermutete?

    Was taten die Grenzsicherungsbat. der WGT eigentlich sonst, d.h. außerhalb dieser heiße Tage und Wochen? Waren sie selten oder häufig an der Grenze anzutreffen?

    Was sagen denn eigentlich die Grenztruppen selbst dazu, denn diese waren doch sicherlich jederzeit darüber unterrichtet, das sich sowj. Truppen innerhalb des von ihnen zu sichernden Bereiches aufhielten.

    Die Option der Schließung der Grenze hatte man doch sicher auch völlig unabhängig vom Einsatz von Angehörigen der WGT. Da wäre doch aber sicher in allererster Linie Präsenz an den Übergängen und deren Zufahrten erforderlich.

    FEK

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  17. #19
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    Hallo FEK,

    Die Stellungen sollen sich ca. 600 Meter vom Hinterlandsicherungszaun entfernt befunden haben; sie befanden sich also nicht im unmittelbaren Handlungsraum der Grenztruppen.

    Trotzdem wäre es sicher interessant, Angehörige des Grenzregiments 6, die in diesem Zeitraum Grenzdienst geleistet haben, über den Sachverhalt zu befragen.

    Ich glaube nicht, dass die WGT die Grenztruppen über Verlegungen an die Grenze vorher unterrichtet hätte.

    Joachim
    Geändert von joachim (17.03.2006 um 11:37 Uhr)

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  19. #20
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    Der Zeitzeuge hat noch eine weitere Mitteilung gemacht: Das Treffen in Wünsdorf fand im Rahmen der Traditionspflege ehemaliger NVA Angehöriger statt.


    Als wir uns in Wünsdorf trafen [2004], habe ich darauf den GO [Generaloberst] Streletz persönlich angesprochen. Er antwortete mir, dass es sich bei meinen Beobachtungen um die Grenzsicherungsbataillone der WGT gehandelt habe. Das ist für mich eine zusätzliche Bestätigung des selbst erlebten. Ich stellte diese Frage auch nur im Zusammenhang der Äußerung Streletz, die WGT waren zu dieser Zeit ausschließlich in ihren Kasernen. Ich wußte jedoch das dass nicht stimmte.

    Joachim

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