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Thema: Wenn es zu einem Angriff gekommen währe?

  1. #1
    Cold Warrior Avatar von Ritchie 66
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    Standard Wenn es zu einem Angriff gekommen währe?

    Hallo,
    ich habe zwar schon einiges durchgelesen hier im Forum, hätte jedoch an die Experten unter euch noch einige Fragen.

    Ich interessiere mich im speziellem dafür wie die Situation sich bei einem Angriff des WP auf die Bundesrepublik im Bereich Niederbayern/Oberpfalz dargestellt hätte. Wie hätte ein solcher Angriff in dem Bereich aus der CSSR ausgesehen? Welche Truppen verfügte die UDSSR in der CSSR und welche Stärke hatten die tschechischen Truppen. Wie hätten die hier stationierten Truppenteile der Bundeswehr und die der Amerikaner reagiert?

    Würde mich über Antworten von Euch freuen.

    Gruß
    Ritchie 66

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  3. #2
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Eine eingehende Antwort auf Deine Fragen würde den Umfang des Forums sprengen.

    Ganz kurz einige Stichpunkte:

    Ein Angriff des WP aus der CSSR heraus war immer nur als Nebenstoß zu sehen, er ist immer zur Unterstützung des Angriffs anderer Kräfte entlang einer der Hauptstoßrichtungen zu sehen. In Frage kam hier vor allen die Unterstützung des Hauptstoßes im bayerischen Norden mit der Angriffsache in der Senke zwischen Fichtelgebirge und Frankenwald (Autobahn A 9) und der Zielrichtung Nürnberg – München angenommen werden.
    Dieser Angriff hätte durch eine Operation aus der CSSR heraus unterstützt werden können, so dass es im günstigsten Fall zu einer Spaltung der Verteidigungskräfte der NATO und einer Einschließung der NATO-Truppen in Nordbayern gekommen wäre.

    Hauptangriffsachsen aus der CSSR war die damalige B 14 (Waidhaus – Sulzbach-Rosenberg) und die Niederung der Cham-Further Senke zwischen Oberpfälzer Wald und Bayerischem Wald.

    Daneben musste immer auch die Möglichkeit eines Angriffs durch das an sich neutrale Österreich im Auge behalten werden (südlich Passau über Inn-Salzach, eventuell auch je nach Lageentwicklung nördlich Passau).

    In der CSSR gab es die „Südwestfront“ mit dem Stab in Tabor. Unterstellt waren:

    a) die sowjetische Zentralgruppe der Truppen in Milovice mit
    - der Ost-Armee in Olmütz (1 Panzer-, 2 Motschützendivisionen)
    - der West-Armee in Jungbunzlau (2 Panzer-, 1 Motschützendivisionen)

    b) die 1. tschechoslowakische Armee in Pribram (1 Panzer-, 3 Motschützendivisionen)
    c) die 4. tschechoslowakische Armee in Pisek (2 Panzer-, 2 Motschützendivisionen)

    als Reserven waren vorhanden 2 tschech. Panzerdivisionen in der Slowakei, die allerdings nur eine Friedensstärke von 60 % hatten.

    An Front- und Armeetruppen waren vorhanden:
    - 1 tschech. Luftlandebrigade
    - 5 Raketenbrigaden (3 tschech., 2 SU)
    - 9 Artilleriebrigaden (6 tschech., 3 SU)
    - 7 Pionierbrigaden (6 tschech, 1 SU)

    Für die Luftunterstützung war die 57. Frontluftarmee in Lemberg zuständig.

    Die NATO hatte demgegenüber vorgesehen:
    Im Norden (Hof bis Steinwald / Nördlicher Oberpfälzer Wald): Kräfte des VII. US-Corps. Daran anschließend von Nord nach Süd:
    - 4. Panzergrenadierdivision
    - 1. Gebirgsdivision mit unterstellter Heimatschutzbrigade 56, aber eventuell ohne Gebirgsjägerbrigade 23.

    Als Reserve war hier vorgesehen die 4. kanadische mechanisierte Brigade, die allerdings erst aus dem Raum Lahr/Schwarzwald herangeführt werden musste.

    Bei einem Angriff des WP über Österreich hinweg sah man zunächst den Einsatz von Sperrverbänden entlang der mit vielen Sperren ausgebauten Inn-Salzach-Linie vor.
    Grundsätzlich waren hier vorgesehen:
    - Teile einer Luftlandebrigade, verstärkt durch ein Korpspionier-Btl und PAH oder
    - Teile der Heimatschutzbrigade 66 oder
    - Teile der Gebirgsjägerbrigade 23.

    Denkbar wäre die Führung der eingesetzten Kräfte durch ein Verfügungstruppenkommando gewesen.

    Problematisch blieb die Frage, welche Kräfte dann tatsächlich verfügbar gewesen wären, da alle vorstehend aufzeigten Kräfte eigentlich andere Aufträge hatten. Die Eignung der aufgezählten Truppen für diesen Einsatz war auch nicht gerade optimal. Es wäre hier mit dem Angriff vollmechanisierter Kräfte unter hoher Artilleriekonzentration zu rechnen gewesen. Demgegenüber hatte die NATO fast nur ungepanzerte Truppen verfügbar.

    Weiter war hier der Einsatz von Feldausbildungsregimentern zur Sicherung vorgesehen. Man ging von einer Vorwarnzeit von mehreren Tagen aus, da man damit rechnete, dass das österreichische Bundesheer zumindest hinhaltenden Widerstand leisten würde.

    Bei einem sich abzeichnenden Durchbruch durch die doch sehr weitgespannten Verteidigungslinien der NATO wäre noch die 10. Panzerdivision verfügbar gewesen, die als CENTAG-Reserve im Ingolstädter Raum lag. Als letzte Option kamen dann französische Truppen in Frage, die aus ihren Stationierungsräumen in Südwestdeutschland in Sammelräume nach Nordbaden oder ins westliche Bayern vorverlegen sollten.

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    Ritchie 66 (17.07.2011), spanier (13.11.2017)

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  6. #3
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    Hallo Nemere,
    vielen Dank für deine doch umfangreiche Antwort! Trotz Suche habe ich bisher noch keine so genaue Angabe der Kräfteverhältnisse auf Seiten der ehemaligen CSSR gelesen. Das ein Angriff des WP aus der CSSR heraus nur ein "Nebenkriegsschauplatz" bei der Hauptaufführung gewesen währe ist schon klar. Für die Menschen in dem betroffenen Gebiet währe es wohl nicht minder dramatisch gewsen wie für die in der Hauptstoßzone. Soweit ich mich erinnern kann habe ich vor einigen Jahren die Ausführungen eines ehemaligen im Planungsstab des BMdV gelesen, der in einem Artikel in der Loyal ausgeführt hat, dass Auswertungen von Plannungen und Manövern der CSSR-Armee sowie der dort stationierten russischen Verbände ergeben haben, dass ein Angriff des WP auf den Westen wahrscheinlich mit taktischen Atomwaffen eröffnet worden währe um die hier in Nordbayern stationierten NATO- Kräfte "Nuklear zu Entwaffnen". Ziel währe gewesen diese noch in den Heimatgarnisonen zu zerschlagen.

    Die Kräfte des WP sollten dann am achten oder neunten Tag im Raum Besancon - Lyon stehen. Dieses Ziel währe dem Autor nach nur mit dem Einsatz nuklearer Waffen zu Erreichen gewesen, wobei die Führung des WP davon ausging das ein Großteil der Soldaten der ersten Staffel nach einiger Zeit durch die erlittenen Strahlenschäden nicht mehr Einsatbereit gewesen währe.

    Inwieweit dies so gewsen währe?

    Weist du wie Tief man den Gegner auf das Gebiet der Bundesrebublik vordringen lassen wollte, bis man Ihn auf jeden Fall stoppen wollte? Ich habe noch die Aussage eines deutschen Offiziers im Ohr der davon gesprochen hat, das gegen Ende der achtziger Jahre die Vorgabe galt, dass man wenn möglich den Gegner nicht weiter als 10 Km Luftlinie eindringen lassen wollte um entsprechende Schäden an der Infrastruktur in der Bundesrepublik zu verhindern. Auch sollte verhindert werden das der Kampf in die Ballungszententren gelangen konnte um entsprechende Verluste unter der Zivilbevölkerung zu verhindern. Die Aussage stand im raum, das bis Ende der siebziger Jahre / Anfang der achtziger Jahre noch eine Eindringtiefe von bis zu siebzig Kilometer Luftline bis zu einem Stopp der WP-Kräfte gegolten habe.

    Zur Richtigkeit dieser Aussagen kann ich aber nichts sagen.

    Gruß
    Ritchie 66

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  8. #4
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Ein "auf jeden Fall stoppen" hätte immer den Einsatz zumindest taktischer Atomwaffen von Seiten der NATO bedeutet. Das war ein politische Entscheidung, die von zahllosen Faktoren abhing und sicher keinem Automatismus unterlag, der sich aus einer vorher festgelegten Eindringtiefe ergab.

    Die 10 km Luftlinie sind absoluter Blödsinn, da in vielen Fällen der durch GDP geplante VRV wesentlich weiter als 10 km von der Grenze entfernt lag. Der Raum zwischen der Grenze und dem eigentlichen VRV wurde als Verzögerungszone dringend gebraucht, hier wurde um Zeitgewinn gekämpft, ohne sich auf eine Entscheidung einzulassen.

    Es hätte allen Grundsätzen einer beweglichen Verteidigung widersprochen, wenn man sich stur an eine dann berechenbare Linie geklammert hätte und sich dort verschanzt hätte. Angesichts der weit überlegenen Artillerie und den ebenfalls überlegenen Luftstreitkräften des WP wäre das Selbstmord gewesen.

    Dagegen spricht weiter, das es weit hinter der von Dir angesprochenen 10 km Linie zahlreiche Sperranlagen gibt, z.B. in Niederbayern südlich der Donau und in Mittelfranken.

    Um die Bevölkerung hat sich niemand wirklich Gedanken gemacht. Es gab kaum Schutzraumplätze, die Evakuierung war allenfalls angedacht, aber nie zu Ende geplant.

    Das war ein wunder Punkt der gesamten NATO-Verteidigungsplanung. Als Grundsatz galt die sogenannte "Stay-put-policy", also das Verbleiben der Bevölkerung an ihren gewöhnlichen Aufenthaltsorten. Zum Lenken von unkontrollierten Bevölkerungsbewegungen schuf man für Zivilbehörden und Streitkräfte eine Weisungsbefugnis im Rahmen der „Aufenthaltsregelung“. Man wollte damit Flüchtlingsströme, die den Aufmarsch der Streitkräfte behindert hätten, vermeiden und ging davon aus, daß die Gefährdung der Zivilbevölkerung an ihren Wohnorten noch am geringsten wäre. Gleichzeitig verschloß die politische Führung aber die Augen davor, daß ein wirksamer Schutz der Bevölkerung unter den gegebenen Bedingungen nicht möglich war. Die geringe räumliche Ausdehnung hätte sehr schnell den größten Teil der Bundesrepublik zur Kampfzone werden lassen, in der auch bei ausschließlichen Einsatz konventioneller Waffen ein Verbleiben der Bevölkerung nicht mehr zu verantworten gewesen wäre.

    Wir können mit einer durchschnittlichen Tiefe des Divisionsgefechtsstreifens von 40 km rechnen, davor lag eine Verzögerungszone von mindestens 10 km, meistens mehr. Im gesamten Divisionsgebiet wäre mit Kampfhandlungen zu rechnen gewesen, die sicher eher selten auf die Bevölkerung Rücksicht zugelassen hätten. Die "Vordere Kampfzone" (FCZ) , in der allein die Operationsführung der NATO-Streitkräfte das Geschehen bestimmt, wird nach hinten durch die Rückwärtige Grenze des Korpsgebietes begrenzt, die Tiefe der vorderen Kampfzone liegt bei mindestens 55 – 60 km. Erst in der anschließenden "Rückwärtigen Kampfzone" (RCZ) beginnt eine gewisse Zuständigkeit und wirksame Eingriffsmöglichkeiten der deutschen nationalen Stellen. Das wäre im angenommenen Fall dann etwa auf der Höhe Nürnbergs der Fall gewesen.
    (HDv 100/500 – Das Heer in der militärischen Landesverteidigung – Bonn, September 1981, Kap. 6)

    Die fehlenden ausreichend konkreten Vorplanungen zur Aufnahme dieser Flüchtlinge in Evakuierungsräumen, von der ungenügenden Betreuung und Versorgung ganz zu schweigen, waren ein Trauerspiel für sich. Die dafür vorgesehenen Betreuungszüge hätten vom Umfang her niemals ausgereicht. Es gab um 1980 dafür:
    - Einen Betreuungszug (28 Zivilschützer, Kapazität 3 Feldküchen) für jeweils 585 000 Einwohner;
    - ein Betreuungsleitzug (32 Zivilschützer, seine Aufgabe ist das Sammeln und Weiterleiten von Flüchtlingen) für 787 000 Einwohner.

    Quelle: Bundesministerium des Inneren, Zivilschutz heute, Bonn 1980, S. 72.

    Die amerikanischen Streitkräfte sahen die Gefechtsführung an der Grenze wesentlich realistischer als die deutschen Behörden. Noch 1982 ging man bei der US-Army von einer Tiefe der Verzögerungszone von bis zu 70 km aus, in dieser Zone waren umfangreiche Sperren aus konventionellen Minen geplant, auch der frühzeitige Einsatz von Atomsprengladungen wurde nicht ausgeschlossen. Eine Eskalation durch den Einsatz von Atomminen entlang der Grenze glaubte man auf amerikanischer Seite nicht zu erkennen, man betrachtete diese Art von Nuklearwaffen als reine Verteidigung und sah erst im Einsatz taktischer offensiver Atomwaffen (z.B. Pershing-Raketen oder atomare Granaten) die Schwelle zum Nuklearkrieg überschritten.
    Angesichts des mit größter Wahrscheinlichkeit zu befürchtenden Einsatzes chemischer Kampfstoffe durch sowjetische Truppen, sah auch die amerikanische Planung die Schaffung von mit seßhaften Kampfstoff vergifteten Zonen an den großen Grenzübergangspunkten vor, um den Vormarsch der Warschauer Pakt-Truppen zu kanalisieren. Dabei sollte der Nervenkampfstoff VX eingesetzt werden. Das seit dem Londoner Giftgasprotokoll von 1929, dem auch die USA 1975 beigetreten waren, ein Verwendungsverbot dieser Waffen bestand, interessierte dabei niemanden, nicht einmal das Bundesverfassungsgericht. Im Beschluß vom 29.10.1987 stellte es fest, daß „ein etwaiger völkerrechtsgemäßer Zweiteinsatz dieser Waffen sich im Rahmen des dem NATO-Vertrag zugrunde liegenden Bündnisprogramms hält“.
    (Literatur: Paech, Norman: Gastrechte in einer Kampfzone – Was die US-Truppen in der Bundesrepublik alles dürfen. In: Spoo, Eckart (Hrsg.): Die Amerikaner in der Bundesrepublik. Köln 1989, S. 87 – 119, hier S. 98)

    Ortschaften sollten keineswegs in der Verzögerung und Verteidigung möglichst ausgespart bleiben, wie dies realitätsferne deutsche Politiker sich vorstellten. Die amerikanischen Taktiker sahen klar vor: „Die aktive Verteidigung in Europa sollte als zentrales Axiom die umfassende Nutzung von Verteidigungsstellungen in bebauten Gebieten einschließen...“ Der Schutz der Bevölkerung des Grenzlandes, in dem dieser mit größten Materialeinsatz geführte Krieg stattfinden sollte, taucht dagegen in den amerikanischen Planungen überhaupt nicht auf, Evakuierungspläne existierten nur für die zivilen Angehörigen der US-Streitkräfte. Ansonsten wurden die Einwohner vor allem als Störfaktor angesehen, die durch unkontrollierte Fluchtbewegungen den Aufmarsch der Streitkräfte behindern könnten. Von Bedeutung für die Zivil-militärische Zusammenarbeit war aus Sicht des amerikanischen Militärs lediglich die Nutzung ziviler Einrichtungen und Ressourcen für die Zwecke der Streitkräfte.

    Literatur dazu:
    - McCaffrey, Barry M.: The battle on the german frontier, In: Military Review (USA), Heft 3/1982, S. 62 – 70, hier S. 67/68.
    - HQ Dept of the Army, Field Manual 100-5 S. 45 ff.

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    spanier (13.11.2017)

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    Na da bekommt man ja im nachhinein noch eine Gänsehaut wenn man deine Ausführungen liest. Das die deutsche Politik hier in letzter Konesquenz die "Augen verschlossen hat" vor dem Grauen, dass in den Kampfzonen aufgetreten währe ist irgendwie verständlich. was hätte man groß machen sollen? Ausgehend davon, dass eine Vorwarnzeit von wenigen Tagen bestanden hätte, hätte eine groß einsetzende Fluchtwelle der Grenznahen Bevölkerung die Operationsführung der Streitkräfte wahrscheinlich behindert. In dem Zusammenhang finde ich Persönlich deine Ausführung interessant, dass die B 14 von Waidhaus in Richtung Sulzbach - Rosenberg eine der Hauptangriffsachsen geswen währe. Bis 1989 habe ich direkt an der B 14 in Hirschau gelebt. ich hätte also einen Logenplatz gehabt. : )

    Die Zivilschutzvorbereitungen der Bundesregierungen während der Zeit des Kalten Krieges waren zu keinem Zeitpunkt ausreichend um einen wirklichen Schutz für die Bevölkerung darzustellen. Diese Massnahmen waren immer nur zur Beruhigung der Gesellschaft vorhanden und sind es bis heute. Die von Dir angeführten zahlen der Betreuungszüge sagen alles.

    Interessant finde ich in dem Zusammenhang auch den möglichen Einsatz von C-Waffen durch beide Seiten, ein gerne verdrängter Teil der Einsatzrealitäten. Auch spielten diese Waffen im Bewustsein der Menschen wegen des Vernichtungspotentials der Atomwaffen beider Blöcke nur eine untergeordnete Rolle. Als ehemaliger der CS - Organisation kann ich aber sagen, dass der Einsatz von C-Waffen durch die WP- Führung für die US Armee ein ernstzunehmendes Faktum der gefechtsführung war, sprich man ging davon aus das es mit größter wahrscheinlichkeit zu einem Einsatz solcher Kampfmittel kommen würde. Mit entsprechenden Gegenmaßnahmen durch die Amerikaner war ebenfalls zu rechnen. Schrecklich die Folgen für die ungeschützte Zivilbevölkerung im Gefechtsstreifen. das sowjetische Soman sowie das amerikanische Sarin und VX sind Massenvernichtungswaffen gegen ungeschützte Personen. Ich habe es schon einmal an anderer Stelle hier im Forum geschrieben, selbst bei durch ABC-Vollschutz und Voralarm gewarnten Truppen ging man beim Einsatz chemischer Waffen wie dem Nervengift Soman von einer ausfallrate zwischen 30 - 50 Prozent der betroffenen Soldaten aus.

    Ritchie 66

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  13. #6
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    Zitat Zitat von Ritchie 66 Beitrag anzeigen
    ................. Ich habe noch die Aussage eines deutschen Offiziers im Ohr der davon gesprochen hat, das gegen Ende der achtziger Jahre die Vorgabe galt, dass man wenn möglich den Gegner nicht weiter als 10 Km Luftlinie eindringen lassen wollte um entsprechende Schäden an der Infrastruktur in der Bundesrepublik zu verhindern. Auch sollte verhindert werden das der Kampf in die Ballungszententren gelangen konnte um entsprechende Verluste unter der Zivilbevölkerung zu verhindern. Die Aussage stand im raum, das bis Ende der siebziger Jahre / Anfang der achtziger Jahre noch eine Eindringtiefe von bis zu siebzig Kilometer Luftline bis zu einem Stopp der WP-Kräfte gegolten habe. Zur Richtigkeit dieser Aussagen kann ich aber nichts sagen.
    Gruß Ritchie 66
    Hallo Ritchie 66,
    welchen deutschen Offizier hast du "denn noch im Ohr" zum Thema Eindringtiefe ?! Deutsche Offiziere hatten vor, während und nach Ende des Cold War weniger als Null zu sagen! Das ging alles einzig und alleine über die Amerikaner! Wenn man überhaupt von einer geographisch definierten Eindringtiefe sprechen kann, kommt m.E. hier lediglich die damalige, sog ADIZ (Air Defense Identification Zone) in Betracht.

    Dieses, unterschiedlich breite Band, verlief entlang der damaligen Demarkationslinie und war besonders während der Periode "Massive Retaliation" sowie der anschliessenden Periode "Flexible Response" als "Puffer" (auf beiden Seiten) von allergrößter Bedeutung. Auf beiden Seiten gab es denn auch in diesem Band höchst aufwändige, zum Teil bis heute streng geheime Mil- Installationen. Insbesondere während der Periode "Flexible Response" und speziell während politischer Spannungsphasen die es in jener Periode immer wieder gab, diente dieser ADIZ- Puffer wiederholt der proaktiven Deeskalation, so z.B. im Falle von unbeabsichtigten Grenzverletzungen durch Militärflugzeuge (Navigationsfehler).

    Auch im Falle eines Angriffs durch den WP (der m.E. zu keinem Zeitpunkt zur Debatte stand), hätten sich m.E. zunächst einmal alle militärischen Aktionen primär im damals durch beide Seiten perfekt überwachten ADIZ- Bereich abgespielt, mit dem (beiderseitigen) Ziel einer kurzfristigen, sprich nach zwei- bis drei Tagen zu erreichenden Deeskalation mittels einer wie auch immer gearteten, politischen Lösung.
    Gruß Scaleon !

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  15. #7
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    Übrigens sah das mit den Ortschaften auch die Bundeswehr realistisch. Auf YouTube kann man mehre Ausbildungfilme zu dem Thema runterladen.
    Eine 4 Film Serie "Artillerie Im Gefecht" legte einen VRV knapp vor Bayreuth, am 2 Tag des Konflikts.
    Geändert von uraken (17.07.2011 um 22:26 Uhr)

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  17. #8
    Cold Warrior Avatar von Horner
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    Guten Abend zusammen,
    der C-Kampfstoff hat es wirklich in sich und ist sogar sehr hartneckig gegen den tiefsten Frost. Seine molekulare Strucktur zerfällt sogar nicht, wenn diese Temperaturen von 49°- ausgesetzt werden. Gegen Sonnenlicht ist Soman ebendso resistend und außerdem kann man es auch mit Wasser verbinden. Da darf man wirklich nicht daran denken, wenn solche hochgiftigen Kampfstoffe ihre Anwendung gefunden hätten und noch dazu die Folgen der nuclearen Angriffe, da bekommt man wirklich Gänsehaut.

    Gruß
    Horner

    http://www.gifte.de/B-%20und%20C-Waffen/soman.htm

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  19. #9
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Zitat Zitat von uraken Beitrag anzeigen
    Übrigens sah das mit den Ortschaften auch die Bundeswehr realistisch. ...... legte einen VRV knapp vor Bayreuth, am 2 Tag des Konflikts.
    In diesem Film werden allenfalls kleine Ortschaften und Dörfer in die Verteidigung einbezogen. Auch in Bonnland wurde nur die Kampfführung in eher ländlich geprägten Gegenden geübt. Über die Verteidigung von Städten wie Bayreuth, Hof oder gar Nürnberg, die mitten in der Angriffsachse des potentiellen Gegners lagen, wollte man sich aus guten Gründen keine Gedanken machen. Man wusste ganz genau, daß weder die Kräfte - nämlich genügend Infanterie - vorhanden waren, noch dass es gelungen wäre, rechtzeitig die Bevölkerung zu evakuieren. Ich suche bei nächster Gelegenheit mal die Zahlen zum Bevölkerungsschutz und zur mutmaßlichen Bedrohungslage für Hof/Saale heraus, da wird die Problematik sehr deutlich.

    Es gibt übrigens einen einzigen Ausbildungsfilm der Bundeswehr, der sich wirklich mit der Verteidigung in Industriegebieten bzw. größeren Städten befasst. In den 1980er Jahren sollte das Bahnbetriebswerk in Schweinfurt abgerissen werden und stand vor Beginn des Abrißs mehrere Monate leer. Die Kampftruppenschule in Hammelburg nutzte die Gelegenheit, mit dem Lehr-Btl hier wirklich etwas realistischeren Ortskampf zu üben. Allerdings ist der in diesem Film gezeigte Kräfteansatz nach den Erfahrungen mit Ortskämpfen des 2. Weltkrieges wieder total unrealistisch: Ein Panzergrenadierzug mit 3 Mardern und einer Absitzstärke von bestenfalls 17 Mann verteidigt hier riesengrosse Gebäudekomplexe.

    Artillerie im Gefecht ist bei Youtube:
    http://www.youtube.com/watch?v=C9wcNV_uq2w

    hier sind dann die Links zu den weiteren Teilen zu finden.

    Der Film ist recht brauchbar, zeigt er doch gut das Zusammenwirken im Gefecht der verbundenen Waffen. Die feindliche Waffenwirkung ist allerdings sehr verharmlosend dargestellt.

  20. Folgender Benutzer sagt Danke zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    spanier (13.11.2017)

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  22. #10
    Cold Warrior
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    Hallo Scaleon,
    bei dem Offizier hat es sich um einen Oberst der Bundeswehr und Schulkommandeur einer Unteroffiziersschule des Heeres gehandelt. Die Aussage wurde zu beginn der neunziger Jahre gemacht. Wie gesagt, über den Inhalt kann ich nichts sagen, da ich von der Strategie die damals galt nichts weis. Das während einer damals möglichen Eskalation die beiden "großen Brüder" im jeweiligen Bündniss das sagen gehabt hätten, darin stimme ich Dir sicherlich zu.

    @Nemere, nochmals danke für deine umfangreichen Erklärungen, die ich in dieser Form auf den Bereich Niederbayern/Oberpfalz bezogen so noch nirgends erhalten habe. Wenn du dazu noch etwas sagen kannst: wie hätte die Operationsführung am Beispiel der 4. Panzergrenadier Division, Rgegensburg und der ihr unterstellten Einheiten ausgesehen, ausgehend davon das ein bevorstehender Angriff rechtzeitig erkannt worden währe und die Einheiten in ihre Einsatzräume verlegen hätten können?

    Gruß
    Ritchie 66
    Geändert von Ritchie 66 (18.07.2011 um 11:26 Uhr)

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