Im Falle einer geringen Vorwarnzeit:
Wie wären alle Bundeswehr Soldaten (z.B. an Wochenenden) alarmiert worden? Hätte es einen generellen Aufruf in Radio und Fernsehen gegeben wie "Alle aktiven Soldaten und Reservisten müssen sofort zu ihren Einheiten zurück kehren."?
Oder vielleicht noch dazu "Alle wehrfähigen Männer zwischen 18 und 50, die noch keine aktiven Soldaten bzw. Reservisten sind, müssen sich sofort bei ihren zuständigen Kreiswehrersatzämtern melden (wenn die in den Städten wegen drohender Luftangriffe nicht schon dicht gemacht hätten)?"
Außerdem tut sich für mich die Frage auf, wie die Leute noch rechtzeitig zu ihren Einheiten gekommen wären, vor allem dann, wenn sie geografisch nicht in den Bereichen der Territorialkommandos wohnten, sondern in den Korpsbereichen des Feldheeres. Was wäre gewesen, wenn ihre Heimatdörfer bzw. Heimatstädte bereits vom WP eingenommen gewesen wären? Oder die Kasernen, wo sie zu Friedenszeiten ihren Wehrdienst leisteten? Wo wäre dann ihr Ort gewesen, wo sie sich stellen sollten? Bei jeder beliebigen BW-Einheit? Wahrscheinlich, oder? In dem dann eingetretenen Chaos wäre das zumindest die einzige noch sinnvolle Lösung gewesen und die bereits im Feld stehenden Einheiten wären froh über jeden Zugang gewesen, gleich ob Derjenige zu der Einheit gehört oder nicht. Auch ohne spezielles Fachwissen zu den diversen Waffensystemen: Zumindest ein G3 hätte ja Jeder noch abfeuern können?!
Doch die Straßen wären sowieso dicht gewesen. Wären sie dann trotzdem mit ihren Privatautos noch irgendwie über Landstraßen (evtl. schon die BMP Schützenpanzer des WP im Rücken hinterher fahrend) in Richtung Westen gefahren? Womöglich hätten sie dadurch auch noch die zivile Flüchtlingswelle verschlimmert? Hätte es zumindest noch in den ersten Stunden nach dem Eindringen über die Grenze noch Verkehrsregelung durch Polizei und Natotruppen in den Grenzgebieten gegeben? Wann wäre eine generelle Sperre für den Verkehr von Zivilfahrzeugen ausgerufen worden?
Vielleicht hätte es auch eine Mischung aus einer Fluchtbewegung und einer militärischen Bewegung gegeben? Beispiel: Ein BW-Soldat hätte seine Freundin/Frau/Familie ins Auto gepackt um weiter im Westen seine Einheit zu erreichen, gleichzeitig auch bei dieser Fahrt seine Angehörigen bei Verwandten weiter westlich unterzubringen?
Selbst wenn der Soldat aus einem besetzten Gebiet kam, so wäre es doch seine Pflicht gewesen, und wenn es notfalls auch nur mit einem Fahrrad gegangen wäre, irgendwann am VRV (so bald nach Wochen die Verteidigung durch den Convoi-Nachschub aus USA stärker wurde und der VRV langsam zum Stillstand gekommen wäre)anzukommen und sich den nächsten Bundeswehreinheiten zum Dienst zu stellen. Er hätte ja schlecht nur einfach zu Hause sitzen bleiben können und die Hände in den Schoß legen können so nach dem Motto "Mist, jetzt ist die Front, pardon, der VRV an mir vorbei gerauscht, jetzt kann ich nichts mehr machen und bleib halt zu Hause."
Das wäre dann ja wohl Fahnenflucht gewesen. Dann lieber selbst noch zu Fuß zum VRV laufen. Irgendwie wäre man an den WP Truppen doch noch vorbei gekommen. Ich denke, daß ich das zumindest versucht hätte. Lieber tot als rot, sagte man ja damals im Kalten Krieg. Auch wenn ich erst 1991 und 1992 beim Bund war (und Nürnberg ja auch nicht direkt im unmittelbaren Grenzbereich lag, diese Gefahr also auch für mich gar nicht bestand, nicht rechtzeitig bei meiner Einheit zu sein), gemustert wurde ich schon 1987 (wegen Berufsausbildung und Fachoberschule wurde ich zurück gestellt und rückte erst am 1. Oktober 1991 zu der HFlg Ausb. Staffel 8/II in Roth ein).
Ich war ein Kind des Kalten Krieges, durch und durch, auch durch mein Elternhaus. Für mich war es schon seit früher Jugend klar, daß ich zum Bund wollte. Verweigern kam für mich gar nicht in Frage. Mein Großvater väterlicherseits (er starb 5 Jahre vor meiner Geburt) war auch Fernmelder (allerdings nicht Funker, sondern Meldereiter auf einem Pferd), allerdings schon im 1. Weltkrieg (wegen größerer Generationenverschiebung in der Familie - die Söhne waren in jeder Generation immer die letzten Kinder). Heute schaut mich Jeder ungläubig an, wenn ich erzähle, daß mein Opa schon im 1. Weltkrieg war. Mein anderer Opa war für den ersten Weltkrieg (sehr knapp) zu jung und für den Zweiten ebenfalls zu alt. Naja, egal, zurück zum Thema. Die eigene Geschichte tut ja nichts zur Sache.
Hatten Wallmeister und Pioniere eigentlich einen kritischeren (höheren) Bereitschaftsgrad? Ihr schneller Einsatz wäre ja vielleicht kriegsentscheidend gewesen?

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