Seite 2 von 3 ErsteErste 123 LetzteLetzte
Ergebnis 11 bis 20 von 28

Thema: Auflösung eines Standortes

  1. #11
    Cold Warrior Avatar von DeltaEcho80
    Registriert seit
    09.03.2013
    Beiträge
    804
    "Danke" sagen
    148
    Erhielt 148 Danke für 99 Beiträge

    Standard

    Ein kleines Beispiel aus Mellrichstadt:

    Da wurden in den Jahren vor der Schließung der Kaserne noch die Heizungssysteme der Gebäude mit neuer Steuerungs-und Regeltechnik ausgestattet. Diese Technik wurde dann ausgebaut, mit der Maßgabe, dass diese Teile in Wildflecken benötigt werden.
    NUR: In Wildflecken sind diese Teile nie angekommen.

    Jetzt hat die Bayerisches Landessiedlung das Problem, dass die Gebäude nicht mehr heizbar sind.

    Oder man hat auf irgendwelche Vorgaben hin sogar die Wasserhähne in den Waschräumen ausgebaut, keiner weiß, wo sie geblieben sind.
    „Der Horizont vieler Menschen ist wie ein Kreis mit Radius Null. Und das nennen sie dann ihren Standpunkt“ (Albert Einstein)

  2. Direkt antworten
  3. #12
    Cold Warrior Avatar von DeltaEcho80
    Registriert seit
    09.03.2013
    Beiträge
    804
    "Danke" sagen
    148
    Erhielt 148 Danke für 99 Beiträge

    Standard

    Hallo zusammen,

    angeregt durch nemeres Beitrag hier: http://www.cold-war.de/showthread.ph...0034#post40034 - stelle ich hier mal folgende Frage ein:

    War bei der BW nicht auch die Abgabe der Akten, Dienstsiegel usw. per Auflösungsbefehl geregelt?
    Wieso kamen da kaum Bestände im BA an? Sind diese Sachen in irgendwelchen Privatarchiven verschwunden?

    Dass die "Leichenfledderei" ein großes Thema ist, weiß ich aus eigenen Erfahrungen auch. Aber zumindest die Sachen, die im Auflösungsbefehl geregelt waren, sollten doch befolgt werden, oder??

    DE
    „Der Horizont vieler Menschen ist wie ein Kreis mit Radius Null. Und das nennen sie dann ihren Standpunkt“ (Albert Einstein)

  4. Direkt antworten
  5. #13
    Cold Warrior Avatar von Nemere
    Registriert seit
    12.06.2008
    Ort
    Südostbayern
    Beiträge
    1.180
    "Danke" sagen
    212
    Erhielt 981 Danke für 428 Beiträge

    Standard

    Grundsätzlich hätte eine regelmäßige Abgabe nicht mehr benötigter Akten erfolgen sollen. Eine ordnungsgemäße Abgabe an das Bundesarchiv hätte zumindest das Aufstellen von Archivverzeichnissen erfordert, da sonst die Akten nicht angenommen worden wären. In der Praxis hat sich unterhalb der Divisionsebene kaum jemand diese Arbeit gemacht, sondern vermeintlich überflüssige Sachen wurden dann entsorgt, wenn Platzmangel für die Aktenordner auftrat. Dabei wurde in den meisten Fällen das Schriftgut vernichtet / verbrannt.

    Bei der Auflösung von Dienststellen lief das ähnlich. In den meisten Fällen war weder Zeit noch Personal für eine ordnungsgemäße Abgabe vorhanden, also landeten auch hier nicht mehr benötigte Papiere im Abfall. In Privatarchiven wird kaum etwas verschwunden sein.

    Geheimsachen wurden sowieso kaum an das Bundesarchiv abgegeben, weil der Verwaltungsaufwand für die Abgabe von Geheimsachen immens war. Es war einfacher, die Sachen zu vernichten, ein Vernichtungsprotokoll anzufertigen und diesen Sachverhalt im Tagebuch für Geheimsachen zu vermerken. Das ist einer der Gründe, warum im Militärarchiv kaum Material zu den GDP-Planungen auf den unteren Führungsebenen (Brigade abwärts) überlebt hat. Beispielsweise hat auch die viele hunderttausend Seiten umfassenden Aufmarschpläne (ab ca. 1980 meistens Computer-Endlospapier-Ausdrucke) und die dazu gehörigen Straßenbelegungspläne - beides GEHEIM, in Teilbereichen STRENG GEHEIM eingestuft - allein wegen des Umfangs niemand abgegeben, da das zum Geheimsachentransport mit allen Schikanen ausgeartet wäre. Ich war in den 1980er Jahren S-2 Offizier eines Feldjägerbataillos in München, wir hatten fast jedes Jahr das zweifelhafte Vergnügen, drei Panzerschränke voll mit Aufmarschunterlagen auszutauschen. Da eine Vernichtung mit normalen Mitteln (Reißwolf) wegen der enormen Papiermenge nicht machbar war, hatten wir ein Agreement mit der Müllverbrennungsanlage Nord der Stadt München getroffen. Wir konnten dort mit unseren Kisten voller Geheimsachen vorfahren und durften dann höchstpersönlich diese Papierberge in die Verbrennungsanlage kippen.

    Diese Archivproblematik wird sich sicher in einigen Jahren durch die elektronische Aktenführung noch verschärfen. Hier findet noch viel weniger eine ordnungsgemäße Archivierung statt, ganz abgesehen davon, das es jetzt schon Probleme mit der Lesbarkeit elektronischer Dokumente gibt, die vor Jahren mit heute nicht mehr gebräuchlichen Programmen erstellt wurden.
    Den genauen Ablauf von elektronisch abgewickelten Amtsvorgängen kann man heute schon kaum mehr rekonstruieren, da vieles per E-mail erfolgte und diese Mail als vermeintlich unwichtig gelöscht wurden.
    In der Papierakte habe ich einen Aktenvermerk oder einen Bearbeitungshinweis der zuständigen Sachbearbeiter und kann damit den Gang der Ereignisse nachvollziehen, bei Abwicklung per EDV ist das nicht mehr so einfach möglich.

    Grüße
    Jörg

  6. Folgender Benutzer sagt Danke zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    suedbaden (27.08.2016)

  7. Direkt antworten
  8. #14
    Cold Warrior
    Registriert seit
    03.03.2009
    Beiträge
    510
    "Danke" sagen
    65
    Erhielt 93 Danke für 72 Beiträge

    Standard

    Zitat Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
    eine Vernichtung mit normalen Mitteln (Reißwolf)
    Wurde bei der Bundeswehr der Reißwolf als probates Aktenvernichtungsmittel für eingestuftes Material angesehen?

    Mir würde da sofort unser Datenschutz aufs Dach steigen.

  9. Direkt antworten
  10. #15
    Cold Warrior Avatar von Nemere
    Registriert seit
    12.06.2008
    Ort
    Südostbayern
    Beiträge
    1.180
    "Danke" sagen
    212
    Erhielt 981 Danke für 428 Beiträge

    Standard

    Wurde bei der Bundeswehr der Reißwolf als probates Aktenvernichtungsmittel für eingestuftes Material angesehen?
    Wenn der Reißwolf zugelassen war und entsprechend feine Streifen schnitt, dann schon. Dafür gab es bei den MAD-Stellen die "technische Absicherungsberatung", die sich auch um solche Dinge kümmerte. Die Reißwölfe wurden im Normalfall zentral beschafft und durchliefen vor der der Beschaffung ein Zulassungsverfahren.
    Wir sprechen hier nicht von "Aktenvernichtern", die man im Büromaterialhandel kaufen kann.
    Problem war und blieb die zu geringe Leistungsfähigkeit dieser Geräte. Man konnte höchstens drei Blatt gleichzeitig durchlaufen lassen, Heftklammern konnten auch zu Schwierigkeiten werden. Bei Überlastung lief auch mal gerne einer heiß.

    Verbrennen war die eindeutig bessere Lösung. Viele Bataillone behalfen sich mit einem Blechfass hinter dem Stabsgebäude oder im technischen Bereich, das Fass wurde mit einem feinmaschigen Drahtgitter abgedeckt, um zu verhindern, das angebrannte Papierreste wegfliegen konnten.

  11. Folgender Benutzer sagt Danke zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    DeltaEcho80 (27.08.2016)

  12. Direkt antworten
  13. #16
    Cold Warrior Avatar von DeltaEcho80
    Registriert seit
    09.03.2013
    Beiträge
    804
    "Danke" sagen
    148
    Erhielt 148 Danke für 99 Beiträge

    Standard

    Hallo Nemere,

    vielen Dank für die Ausführungen - wieder ein sehr interessantes Thema, welches durch deine Ausführungen sehr anschaulich erklärt wird.

    Wäre mal interessant zu wissen, wie heute derartige Planungen (GDP) weiter gegeben werden würden. Lotus Notes hoffentlich nicht...
    By the way: Aufmarschpläne im o.g. Sinn wird es ja wohl kaum noch geben heutzutage, oder?
    „Der Horizont vieler Menschen ist wie ein Kreis mit Radius Null. Und das nennen sie dann ihren Standpunkt“ (Albert Einstein)

  14. Direkt antworten
  15. #17
    Cold Warrior
    Registriert seit
    06.01.2008
    Beiträge
    285
    "Danke" sagen
    116
    Erhielt 22 Danke für 16 Beiträge

    Standard

    Wir sind damals (1986/87) mit zu vernichtenden Akten mit dem Zweitonner des KpFw auf den StoÜbPl gefahren, haben sie in ein Erdloch geworfen, einen halben Kanister Benzin drübergekippt und fertig...

    Die Münchner Müllverbrennung ist übrigens heute mein Mittel der Wahl bei der Vernichtung privater Unterlagen. Die kommen in einen Sack und werden in die Mülltonne geworfen - kurz bevor der Müllwagen kommt, was sehr gut planbar ist, da ich am Anfang einer Tour wohne, so dass die Jungs regelmäßig um sieben Uhr morgens auftauchen. Geht natürlich nur, weil man im privaten Bereich nicht dokumentationspflichtig ist, dafür ist es nach meiner Einschätzung aber absolut zuverlässig, das die Müllwagen den Müll am Ende der direkt in die Müllverbrennung kippen.

  16. Direkt antworten
  17. #18
    Cold Warrior Avatar von DeltaEcho80
    Registriert seit
    09.03.2013
    Beiträge
    804
    "Danke" sagen
    148
    Erhielt 148 Danke für 99 Beiträge

    Standard

    Muss das Thema wieder mal entstauben:

    Wir waren am Samstag mit unserer RK zu einem Ausflug mit geführter Besichtigung im Museum in Mellrichstadt.
    Mein ehem. Spieß hat uns durch die Räumlichkeiten geführt.
    Er hat dann beim gemütlichen Teil auch ein bisschen "aus dem Nähkästchen" von der Auflösung des Standortes geplaudert - er war zur Auflösung 2006 als Kasernenfeldwebel eingesetzt. Er hat quasi 3 Wochen nach Auflösung als allerletzter Soldat das Tor zugesperrt.

    U.a. hat er erzählt, dass tage -, wochen - und monatelang Vollzähligkeiten geprüft wurden, Listen geschrieben wurden und man sich die Finger wund gezählt hat. Dann wurde alles sauber verpackt und auf LKW verladen. Der Auftrag war dann, diese LKWs in andere Standorte oder zu Depots zu bringen. In den Depots war es nicht selten so, dass dann - noch vor den Augen der StoV-ler und Soldaten aus MET - die Sachen in die Schutt-Container geleert wurden. Als Beispiel hat er uns die Sportausstattung des Standortes genannt. Da waren kurz vor Auflösung z.B. noch 20 nagelneue Medizinbälle geliefert worden. Der Sportwart hatte die nie ausgegeben, weil die schlicht niemand mehr gebraucht hat. Die Bälle gingen ungeöffnet zurück und wurden entsorgt.

    Wahrscheinlich hat sie dann irgendjemand aus dem Container geholt und in eBay versteigert....

    Von so Aktionen wie "kein Strom mehr da" ganz abgesehen.
    Geändert von DeltaEcho80 (17.09.2019 um 09:41 Uhr)
    „Der Horizont vieler Menschen ist wie ein Kreis mit Radius Null. Und das nennen sie dann ihren Standpunkt“ (Albert Einstein)

  18. Folgende 2 Benutzer sagen "Danke" zu DeltaEcho80 für den nützlichen Beitrag:

    B206 (17.09.2019), Nemere (17.09.2019)

  19. Direkt antworten
  20. #19
    Cold Warrior Avatar von Nemere
    Registriert seit
    12.06.2008
    Ort
    Südostbayern
    Beiträge
    1.180
    "Danke" sagen
    212
    Erhielt 981 Danke für 428 Beiträge

    Standard

    Zitat Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
    Mein ehem. Spieß hat uns durch die Räumlichkeiten geführt.
    Er hat dann beim gemütlichen Teil auch ein bisschen "aus dem Nähkästchen" von der Auflösung des Standortes geplaudert - er war zur Auflösung 2006 als Kasernenfeldwebel eingesetzt.
    Einem alten, gestandenen Kompaniefeldwebel oder auch dem zivilen Lagerhelfer der Kompanie oder dem Gerätefeldwebel einer Geräteeinheit muss das Herz geblutet haben, wenn er miterleben musste, wie hier Material, das jahrelang gehütet und gepflegt wurde, bei solchen nicht durchdachten Auflösungsaktionen verschleudert wurde. Was hier an Geld verloren ging, ist unvorstellbar.

    Das begann aber schon unmittelbar nach Übernahme der NVA. Auch hier wurde Material und Gerät, das man bei geschickter Vorgehensweise durchaus auf dem Markt hätte unterbringen können, so schnell wie möglich entsorgt – Hauptsache es war weg. Die Komplexlager der Ausbildungszentren (aus denen Reservedivisionen hätten aufgestellt werden sollen) standen voll mit älteren LKW, die man durchaus noch in Osteuropa oder auch in so manchem Dritte-Welt-Land hätte gewinnbringend verwerten können. Dieses Gerät wurde dann zum Schrottpreis abgestoßen und der wurde noch gedrückt, weil man das Material aller Liegenschaften gleichzeitig auf den Markt warf. Hauptsache schnell die Lager leer machen, um ein paar Mark Kosten für Betrieb und Bewachung zu sparen.

    So richtig geisteskrank wurde es dann, als sich Aufstellung und Auflösung von Einheiten fast schon selbst überholten. Da wurden in den fünf neuen Bundesländern eine Anzahl von Verteidigungskreiskommandos und anderen Dienststellen aufgestellt, obwohl eigentlich klar war, das diese Truppen innerhalb kurzer Zeit wieder aufgelöst würden. Eine der ersten Amtshandlungen war dann, z.B. die neuen VKK mit den ihnen zustehenden Stabsbüchereien auszustatten. Das waren einige hundert Bücher, ein Großteil davon waren Titel des MGFA, die auf dem freien Markt teilweise schon vergriffen und dementsprechend gesucht waren. Bei der dann schnell erfolgenden Wiederauflösung wurden dann diese Stabsbüchereien in den Standorten den Soldaten zum Verkauf angeboten: Gebundene Bücher 50 Pfennig das Stück, broschierte 20 Pfg. Ich habe damals Unmengen von Büchern für Peanuts abgeschleppt, Bücher die heute in den Antiquariaten teuer angeboten werden. Wenn man diese Büchereien über Antiquariate verkauft hätte, hätte man ein Vielfaches erzielt.

    Grüße
    Jörg

  21. Folgende 2 Benutzer sagen "Danke" zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    DeltaEcho80 (18.09.2019), Rex Danny (17.09.2019)

  22. Direkt antworten
  23. #20
    Warrior Avatar von dave2006
    Registriert seit
    17.11.2006
    Ort
    Nördlich von Hamburg, südlich von Kiel
    Beiträge
    64
    "Danke" sagen
    11
    Erhielt 13 Danke für 8 Beiträge

    Standard

    Das kann ich aus zwei Auflösungen bekräftigen. Bei beiden hatten wir den Auftrag das Material im Zustandskode A an Depots zu liefern. Das wurde tatsächlich vor unserer aller Augen in Schrottboxen verklappt. Da beim ersten mal unser Btl zum AufwuchsBtl wurde, haben wir einen Großteil der Ausstattungsätze abgeben, und danach aus dem Müll in den "Schwarzbestand" des AufwuchsBtl`s überführt.
    Das war 91/92 bei der ersten großen Welle.
    Besonders ärgerlich war es bei der Infrastruktur. Die Brigade InstKp hat kurz vor Auflösung zwei nagelneue Hallen bekommen. Da wurde nie drin geschraubt. Mittlerweile sind sie ungenutzt wieder abgerissen und überbaut.

    In Beelitz 97/98 war es dann auch ähnlich chaotisch.

    Gruß Dave2006

  24. Direkt antworten
Seite 2 von 3 ErsteErste 123 LetzteLetzte

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 2 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 2)

Ähnliche Themen

  1. Standortmunitionsniederlage Halver (BW)
    Von Wippgogo im Forum Konventionelle Depots
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 14.03.2015, 09:03
  2. Suche eines GI´s der MC Pheeters Kaserne in Bad Hersfeld
    Von Patrick1980 im Forum User-Vorstellungen & Gästebuch
    Antworten: 22
    Letzter Beitrag: 03.07.2011, 13:03
  3. Wegen eines Securitytokens kann ich keine Bilder Hochladen
    Von Horner im Forum Forum, Allgemeines, Medien & Termine
    Antworten: 2
    Letzter Beitrag: 06.03.2010, 17:04
  4. Frage zum Erkennen eines Raketenangriffs
    Von Atalanttore im Forum Forum, Allgemeines, Medien & Termine
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 05.11.2009, 15:31
  5. Die NVA zwischen Wende und "Auflösung"
    Von taupe im Forum Forum, Allgemeines, Medien & Termine
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 23.05.2006, 18:05

Stichworte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •