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Thema: Wie war die Kampfbereitschaft der Warschauer Pakt Staaten während des kalten Krieges

  1. #41
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    Zitat Zitat von Rex Danny Beitrag anzeigen
    Ich glaube, daß LN-09 irgendwann...
    Rex Danny
    LN-09 hatte Zugang zu den Unterlagen/Zusammenarbeit mit der Unterabteilung 1 eines Rates des Bezirkes.. aber ok. Keiner da, der von Euch auf der anderen Seite da gearbeitet hat....

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  3. #42
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    Hat das was mit "Mitarbeiter 1" zu tun? Wenn nicht müßtest Du mal erklären was sich hinter Unterabteilung 1 verbirgt. Auf diese Information aufbauend ließe sich möglicherweise ein Pendant im Westen finden, sofern überaupt vorhanden. Eine Bitte, versuche Deine Sätze mit einem Punkt, einem Fragezeichen oder einem Ausrufezeichen zu beenden. Das erleichtert die Lesbarkeit.

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  5. #43
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    Unter "Vorbereitungsarbeit" war natürlich nicht nur die materielle Sicherstellung wie hier geschildert gemeint, sondern nicht zuletzt auch die Vorbereitung des MfS und seiner Organe und nachgeordneten Bezirksverwaltungen in einem Spannungsfall... Nach meinem bescheidenen Kenntnisstand hatte sich hierzu auch Minister Mielke höchstselbst geäußert. Nebenbei: zur Vorbereitungsarbeit der Stasi gehörte wohl auch die Vorbereitung von Verhaftungslisten für unliebsame Bürger der DDR.... Das aber nur am Rande.
    Wie bereits an anderer Stelle dargetan, bin ich davon überzeugt, dass weder im Osten noch im Westen ernsthaft an der Vorbereitung eines Angriffskrieges gearbeitet wurde.
    Ein Problem bei der Beurteilung dürfte m.E. der unterschiedliche Sprachgebrauch sein: so ist immer wieder davon zu lesen, der Osten habe Angriffsoperationen geplant.
    Wohlgemerkt: Operationen! Die Strategie, besser gesagt, das strategische Ziel dürfte aber darin bestanden haben, bei einem Angriff durch die NATO die westlichen Truppen schon auf deren eigenem Territorium zu vernichten. Hm, und was war mit der "Vorneverteidigung" der NATO oder den "follow-on-forces-attacks" (FOFA)? Auch das waren operative Planungen, die zum Ziel hatten, den potenziellen Gegner durch Offensiven zurückzuschlagen und ihn dann soweit zurückzuwerfen, dass man ihn in seinem eigenen Bereich zerschlagen konnte bzw. die gegnerischen Nachschublinien und folgenden Verstärkungswellen weit im Hinterland zu vernichten. Der dritte Weltkrieg wäre also alles andere als ein "Sitzkrieg" geworden, geführt aus befestigten STellungen und Bunkern, sondern eine höchst dynamische Abfolge weitgreifender Operationen - mit offensivem Charakter auf beiden Seiten. Gott
    Der vielbeschworene "vordere Rand der Verteidigung (VRV)" wäre ja auch keine fixe Linie geworden, die es um jeden Preis zu halten galt. Die damals veröffentlichten sehr hübschen und übersichtlichen Grafiken mit der "Schichttortenverteidigung" (welch verharmlosender Ausdruck für ein finales Inferno!!) waren ja auch höchst abstrakt-theoretischer Natur.
    Schon bei FALLEX 66 wurde im Bunker aller Bunker geübt wie denn wohl diese Verteidigung funktionieren könnte: schon damals (siehe Wolfram Dorns Buch "So heiß war der Kalte Krieg") wurde eingespielt, dass tausende von Reservisten ihrer Einberufung nicht Folge leisten und lieber über die Westgrenze abhauen... Und wenn ich richtig informiert bin, war das auch bei den späteren WINTEX/CIMEX-Durchgängen stets ein Thema.
    Ich denke, der Verteidigungsfall hätte - weit über das jahrezehntelang Geübte hinaus - ungeahnte und nicht vorhersehbare Überraschungen hervorgerufen, die einmal die Grenzen zwischen reinen Verteidigungsanstrengungen und offensiven Operationen verwischt hätten und zum anderen sicher zu kriegsentscheidenden Krisen geführt hätten.
    Dass es nicht zum großen Crash kam, lag - bei aller hysterischen Ideologisierung der damaligen Zeit - vor allem an der Vernunft der Verantwortlichen und der Unlust der Truppen, mit dem Risiko der vollständigen Vernichtung sinnlos loszuschlagen. Und zwar in Ost und in West gleichermaßen. Gott sei´s gelobt, gedankt, getrommelt und gepfiffen!!!
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  6. Folgender Benutzer sagt Danke zu rubeck1 für den nützlichen Beitrag:

    jason.76 (25.06.2013)

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  8. #44
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    Standard Vorneverteidigung und Angriffsoperationen

    Der Begriff "Vorneverteidigung" bedeutete zunächst nur, dass die NATO ihre Verteidigungsoperationen in Mitteleuropa so weit wie möglich vorn am Eisernen Vorhang führen wollte. Der GDP (General Defense Plan) sah immer nur die Verteidigung westlich des Eisernen Vorhangs vor. Natürlich wurden in diesem Rahmen auch Angriffsoperationen gegen tiefe Einbrüche von Kräften des Warschauer Paktes geplant. Diese Gegenangriffe mit Landstreitkräften sollten aber nie über den Eisernen Vorhang nach Osten geführt werden. Der Landkrieg sollte ausschließlich auf eigenem Terrain geführt werden.
    Absichten oder gar Pläne zu Land-Offensiven über den Eisernen Vorhang nach Osten hat es definitiv nicht gegeben.
    Hätte es sie gegeben, wären sie mit Sicherheit spätestens nach der Wende bekannt geworden.
    Im Übrigen: nicht alles, was bei WINTEX "gespielt" wurde, entsprach realen Planungen. Sehr oft hatten wir in den Oprationszentralen noch die Zeit, nach Anworten zu suchen auf die vielen Fragen "was machen wir, wenn ...?"

  9. Folgender Benutzer sagt Danke zu alterfritz für den nützlichen Beitrag:

    Nemere (26.06.2013)

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  11. #45
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Zitat Zitat von alterfritz Beitrag anzeigen
    Absichten oder gar Pläne zu Land-Offensiven über den Eisernen Vorhang nach Osten hat es definitiv nicht gegeben.
    Das ist für die Jahre nach 1970 sicher richtig.

    In den "Anfangsjahren" der Bundeswehr gab es dagegen durchaus Überlegungen zu Gegenangriffen, die tief in das Staatsgebiet der DDR (damals im westdeutschen Sprachgebrauch noch die "SBZ" oder die "sogenannte DDR") geführt hätten. Man träumte damals vom "Schlagen aus der Nachhand", wie es Manstein in exzellenter Weise nach dem Fall von Stalingrad Anfang 1943 in Südrußland durchexerziert hatte.

    Eine erste Skizze dazu aus dem Jahre 1959 habe ich als Anlage beigefügt.
    Ausgangspunkt waren zunächst Überlegungen von General Speidel zu weiträumigen Gegenangriffen aus dem Raum Hof - Bamberg - Würzburg nach Norden über die obere Saale hinweg. General Heusinger ließ dann dazu eine Studie für eine Zangenoperation auf dem Gebiet der DDR anfertigen. Die Gegenangriffskräfte sollten zum einen aus dem norddeutschen Raum mit 36 Panzerbrigaden antreten, um Brückenköpfe über die Elbe ostwärts Magdeburg zu erzwingen. Im Mittelabschnitt zwischen Kassel und Rhön sollte starr verteidigt werden. Aus dem nordbayerischen Raum sollten 33 Panzerbrigaden antreten, mit dem Ziel, die Elbe zwischen Wittenberg und Dresden zu nehmen. Weitere Operationen Richtung Osten waren nicht ausgeschlossen.

    Diese Planungen wären angesichts der verfügbaren NATO-Kräfte in der Bundesrepublik nicht zu verwirklichen gewesen, sie hätten nahezu eine Verdoppelung des Heeres erfordert.

    Quelle: Operative Studie FüH II, Oktober 1959, BA-MA, BH 1/9487. In: Hammerich, H. u.a.: Das Heer 1950 bis 1970. Konzeption, Organisation, Aufstellung ( = Sicherheitspolitik und Streitkräfte der Bundesrepublik Deutschland, 3), München 2006, S. 139 - 142.

    Für die Endphase des Kalten Krieges sollte man das 1984 erstmals vorgestellte "FOFA"-Konzept (Follow-on-Forces-Attack) der NATO nicht ganz aus den Augen verlieren. Hier ging es zwar nicht um Operationen mit Landstreitkräften auf dem Gebiet des Warschauer Paktes, aber um die Bekämpfung von Kräften in der Tiefe des Raumes. Der zu bekämpfende Raum des Gegners wurde von den NATO-Planern gemäß FOFA-Konzept nach Polen, die Tschechoslowakei und bis in die westlichen Militärbezirke der UdSSR ausgedehnt. Mit Marschflugkörpern und Raketen sollten dort gezielt Flugplätze, Brücken und Eisenbahnknotenpunkte ausgeschaltet werden. Des Weiteren sollte die Bereitstellung von Panzereinheiten und das Kommando- und Fernmeldesystem nachhaltig zerschlagen sowie der Aufmarsch der zweiten Angriffswelle des Gegners gestört oder vernichtet werden. Etwa ab 1987 standen erste Waffensysteme dafür zur Verfügung, ein weiterer Ausbau des Konzepts fand nach den Ereignissen der Jahre 1989 / 1990 nicht mehr statt.

    Schließlich sollte man als weitere planerisch vorbereitete Möglichkeit von Operationen der NATO auf dem Staatsgebiet der DDR auch die „Con*tingency“-Planung der US-Streitkräfte nicht ganz vergessen. Diese Notfallpläne umfaßten alle Maßnahmen gegen eine eventuelle sowjetische Blockade der Zufahrtswege nach Berlin. Anders als 1948/49 wollte man sich nicht mehr nur auf rein defensive Maßnahmen wie die Luftbrücke beschrän*ken, sondern die Sowjetunion durch ein Bündel abgestufter Reaktionen von der Kriegsgefahr überzeugen. Im Mittelpunkt standen dabei Überlegungen über den Einsatz einer begrenzten militärischen Streitmacht in Form einer durch Kampftruppen gesicherten Versorgungskolonne auf der Autobahn Hof – Berlin. Falls dieser Testkonvoi durch Grenzorgane der DDR oder sowjetische Truppen an der Weiterfahrt gehindert werden würde, sollte noch am gleichen Tag eine US-Division die Autobahn nach Berlin „öffnen“. Schwierigkeiten bereitete dabei die seit 1945 gesprengte Autobahn-Brücke bei Rudolphstein, die erst 1966 wieder benutzbar war. Die amerikanischen Streitkräfte hätten bei ihrer Demonstrationsfahrt erst eine längere Strecke auf der Bundesstraße 2 durch die DDR fahren müssen, um - wie der gesamte damalige Inter*zonenverkehr - schließlich bei Hirschberg oder Blintendorf wieder die Autobahn zu erreichen. Man zog daher bald neben der Autobahn Hof – Berlin zusätzlich die durchgehend befahr*bare Strecke Helmstedt – Berlin in Erwägung gezogen zu haben, obwohl diese außerhalb der ursprünglichen amerikanischen Zone lag.
    Siehe dazu: Bremen, Christian: Das Contingeny Planning der Eisenhower Administration während der zweiten Berlinkrise. In: Militärgeschichtliche Mitteilungen 57 (1998), S. 117 – 147.
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken

  12. Folgende 4 Benutzer sagen "Danke" zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    Maeks (27.06.2013), messu (27.06.2013), rubeck1 (27.06.2013), TopOfTheRock (26.06.2013)

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  14. #46
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    WOW!!! Vielen Dank für diese Info, Nemere. Hab ich alles nicht gewusst.

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  16. #47
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    Danke, Nemere, für die umfassende Erläuterung, man bemerkt den Fachmann (wozu hat man euch denn auch sonst auf die Offz-Schule geschickt!).
    Für mich als Uralt-Obergefreiten und - Reservefeldwebel ist es nach all den Jahren seit "damals" schon beruhigend, dass ich mir das alles nicht einbilde, sondern von tatsächlichen Dingen rede bzw. schreibe.
    Aber nochmal zurück zum Thema: ich denke, dass die Vorstellung, am "Eisernen Vorhang" mit den Verteidigungsanstrengungen aufzuhören und nur auf eigenem Territorium zu kämpfen, auch in den achtziger Jahren durchaus noch vorhanden war. Ich muss mal in den vergilbten Unterlagen auf meinem Dachboden kramen: es gab einen US-General, der in den 80ern noch äußerte, es sei nicht auszuschließen, dass in einem Verteidigungsfall auch in Städten wie Magdeburg oder Rostock gekämpft werden müsse. Diese Äußerung hing vermutlich mit FOFA zusammen, aber ich kann sie leider nur noch sinngemäß wiedergeben.
    Noch eine kleine Randbemerkung zu WINTEX/CIMEX: diese Übungen waren ja immer sehr vielschichtig. Einerseits entstand durch die eingespielte Lage und das Entscheidungsprozedere immer eine sehr dichte und unheimliche Atmosphäre, andererseits waren so Leute wie ich damit beschäftigt, den Vorrat an Bockwürsten, Kaffee und Kaffeeteilchen auf einem angemessenen Level zu halten, damit jederzeit auch an dieser Front vernichtend zugeschlagen werden konnte.
    Und die Diskussionen, "was wäre, wenn" kenne ich nur zu gut... Und dann kam irgendwann die erlösende Mitteilung, dass sich die NATO zum Abschuss einer nuklearen taktischen Rakete (LANCE) entschlossen habe, was dem Gegner die Aussichtslosigkeit seines Abenteuers vor Augen geführt und die Kampfhandlungen beendet habe. Abrödeln, Marschbereitschaft herstellen, aufsitzen - Rückmarsch nach Koblenz, in die liebe Boelcke-Kaserne mit vielen lustigen stories im Gepäck, die dann abends beim Bier ausgetauscht wurden und nach dem nächsten Wochenende zu Hause bereits vergessen waren.
    Einerseits diese fast irreale Ernsthaftigkeit und andererseits das sehr schnelle Übergehen zur Tagesordnung - heute kaum noch vorstellbar.
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  18. #48
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Zitat Zitat von rubeck1 Beitrag anzeigen
    Noch eine kleine Randbemerkung zu WINTEX/CIMEX: diese Übungen waren ja immer sehr vielschichtig.
    Ich habe WINTEX/CIMEX vor allem als Angehöriger des Territorialheeres in WBK-Stäben, bei der Verkehrsführung und im Rahmen der Zivil-Militärischen Zusammenarbeit (ZMZ) erlebt und erinnere mich noch recht deutlich daran, das immer die gleichen Probleme jedesmal wieder auftauchten und nie zu einer befriedigenden Lösung gebracht wurden:
    -Unkontrollierte Flüchtlingsbewegungen, die zum Verstopfen der Aufmarschstraßen der Streitkräfte führten;
    -fehlende ausreichend konkrete Vorplanungen zur Aufnahme dieser Flüchtlinge in Evakuierungsräumen, von der ungenügenden Betreuung und Versorgung ganz zu schweigen, die dafür vorgesehenen Betreuungszüge hätten vom Umfang her niemals ausgereicht (im Schnitt ein Betreuungszug für mehr als 300.000 Bürger)
    -das nicht vorhersehbare Verhalten der Gastarbeiter / ausländischer Mitbürger in den frontnahen Gebieten, ein Problem, das sich bei Schließung der Grenzen durch Österreich und die Schweiz noch verschärft hätte.
    -die völlig ungenügende Vorbereitung auf den Einsatz von Massenvernichtungswaffen chemischer oder nuklearer Art im zivilen (und eigentlich auch im militärischen) Bereich
    - die unzureichende Bevorratung vieler Munitionsarten
    - die nicht geregelte Militärgerichtsbarkeit
    - die nicht zu Ende gedachte Frage der Versorgung und Bewachung von Kriegsgefangenen

    Antworten auf diese Fragen sucht man in den einschlägigen Vorschriften der damaligen Zeit vergebens, meist steht da nur "bleibt offen". Z.B. HDv 100/500 - Das Heer in der militärischen Landesverteidigung, letzte Änderung 1988: Kapitel 25 - Kriegsgefangenenwesen: "bleibt offen".
    Auch in den Vorschriften der Feldjägertruppe sind nähere Hinweise, wie den jetzt beim Lenken von Bevölkerungsbewegungen vorzugehen wäre, nicht zu finden.

  19. Folgende 2 Benutzer sagen "Danke" zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    alterfritz (28.06.2013), rubeck1 (29.06.2013)

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  21. #49
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    Gerade Deine letzten beiden Spiegelstriche offenbaren m.E. das Wesen der Planungen ein wenig:
    - eine geregelte Militärgerichtsbarkeit wäre wohl nur für einen länger dauernden Konflikt erstrebenswert gewesen: lange Feldzüge wie im WW II noch durchaus üblich, waren ja gar nicht vorgesehen (die Bevorratung in vielen Schutzbauwerken reichte nicht über 30 Tage hinaus, nur mal als Indiz), die vielbeschworene "Durchhaltefähigkeit" war nach meiner Einschätzung gerade nicht gegeben; abgesehen davon weiß ich aber von Justizbeamten, dass sie zu Übungen mit vorläufigen Dienstgraden einberufen wurden und dort - wohl eher hypothetischen - Wehrstrafgerichten zugeteilt waren (waren die Rechtsberater dann Wehrstrafrichter? Keine Ahnung);
    - und was die Kriegsgefangenenfrage angeht, wurde zwar von Feldersatzbataillonen verlangt, dass sie dieselben bewachen sollten (hat mein Großvater schon im WW II in seinem Ersatzbataillon getan!) aber die Grundlagen fehlten auch hier. Vermutlich sollten gar keine Gefangenen gemacht werden (sorry, das war jetzt zynisch).
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  23. #50
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    Ich denke, die fehlende Wehrgerichtsbarkeit wäre vom ersten Tag an ein Problem gewesen, unabhängig davon wie lange ein Krieg tatsächlich gedauert hätte.
    Zumindest in der vorderen Kampfzone wären doch weder die zivile Justiz noch die friedensmässigen Truppendienstgerichte der Bundeswehr mehr arbeitsfähig gewesen. Beide Organisationen braucht man aber sehr schnell, wenn man als Truppenführer und / oder Disziplinarvorgesetzter auch nur einigermassen rechtskonform handeln will. Beispiele:
    - Verfolgung von Straftaten von Soldaten mit der Frage der Abgabe / Nichtabgabe an die Staatsanwaltschaft
    - Mitwirkung der Truppendienstgerichte bei Disziplinarstrafen.
    Beides hätte von den Wehrgerichten erledigt werden müssen. Ich gebe Dir allerdings recht, dass andere Aufgabengebiete der Wehrgerichte erst bei längerer Kriegsdauer relevant geworden wären. Das gilt vor allem für die Aufgabenbereiche der Zivilgerichtsbarkeit und der freiwilligen Gerichtsbarkeit, die z.B. im 2. Weltkrieg einen Großteil der Tätigkeiten der Militärgerichte darstellten (z.B. Ehescheidungen, Erbschaftssachen, Vaterschaftsanerkennungen usw.).

    Eingeplant, organisiert und als StAN-Baustein vorhanden waren die Wehrgerichte ja durchaus. Auf Divisionsebene gab es Wehrgerichte, die Korps und TerrKdo hatten zusätzlich Oberwehrgerichte als Rechtsmittelinstanz:
    - Korps Wehrgericht 24 Personen / 6 Kfz. Oberwehrgericht 18 Personen / 4 Kfz
    - Division Wehrgericht 15 Personen / 4 Kfz
    - TerrKdo Wehrgericht 33 Personen / 7 Kfz. Oberwehrgericht 23 Personen / 4 Kfz
    - WBK Wehrgericht 33 Personen / 7 Kfz
    Die Materialausstattung stand ebenfalls fest - bis hin zu Ausstattungslisten, welche und wieviele Gesetzbücher mitzuführen waren. Auch das Personal war eingeplant, hier waren z.B. die Rechtsberater der Divisionen usw. als Wehrrichter vorgesehen.
    Was aber fehlte - und das ist das eigentlich entscheidende - waren die gesetzlichen Grundlagen für das Tätigwerden dieser Gerichte. Es gab keine "Wehr"-Strafprozessordnung für den Ablauf eines möglichen Strafverfahrens vor diesen Gerichten, es gab kein "Wehr"-Gerichtsverfassungsgesetz zur Regelung der Zuständigkeiten. Weiter fehlte eine Regelung über die Wahrnehmung von Ermittlungsaufgaben durch die Wehrgerichtsbarkeit, auch im Kriegsfall hätte somit bei Straftaten grundsätzlich weiter die zivile Staatsanwaltschaft eingeschaltet werden müssen. Deshalb durften Feldjäger vor 1989 offiziell nicht im Ermittlungsdienst bei Wehrstraftaten ausgebildet werden. Man behalf sich damit, das die entsprechenden Lehrgänge unter der Bezeichnung "Feldjägereinsatz im Ausland" liefen, weil in den deutschen Truppenlagern im Ausland hatten die Feldjäger nach dem NATO-Truppenstatut sehr wohl polizeiliche Aufgaben wahrzunehmen.

    Ähnlich war es mit den Kriegsgefangenen. Sicher hätte man Feldersatz-Btl usw. mit Bewachungsaufgaben beauftragt, aber eine vernünftige Regelung, was dann mit den Kriegsgefangenen im Bereich des TerrH geschehen sollte, gab es nicht. Man hätte sie ja nicht in der FCZ belassen können (hätte schon den Genfer Abkommen wiedersprochen).

    Während der Laufzeit der Heeresstruktur 3 (ca. 1970-1980) tauchte in einigen Vorschriftenentwürfen (Feldjägertruppe, diverse Vorschriften für Stäbe des Territorialheeres) der Begriff des ''Kriegsgefangenen-Wach- und Versorgungsbataillons" auf, das die Kriegsgefangenenlager betreiben sollte. Diese Bataillone sollten entweder bei bestimmten WBK oder direkt bei den Territorialkommandos aufgestellt werden. In tatsächlich erlassene Vorschriften fand der Begriff keinen Eingang, geschweige denn, daß es jemals Regeln gab, wie diese Bataillone ihre Aufgaben erfüllen sollten. Eingeplant als Geräteeinheiten wurden diese Btl auch niemals.
    Die einzige damals vorhandene Vorschriftengrundlage war eigentlich das NATO-Standardization Agreement (StANAG) 2044: Verfahren für die Behandlung von Kriegsgefangenen. Das war aber nicht viel mehr als ein Auszug aus den Genfer Abkommen.

    Zu einer sauberen Regelung wie sie die US-Army mit der auf TAACOM-Ebene vorgesehenen "Militäry Police Prisoner of War Brigade" hatte, kam man bei der Bundeswehr nie. Diese POW-Brigade umfasste mehrere Kriegsgefangenenlager mit entsprechenden Versorgungsteilen, dazu MP-Bataillone für Bewachung und Transport von Kriegsgefangenen und Frontnachrichtentruppenteile. (Quelle: FM 19-1 Military Police Support for the Airland Battle (1983), Kapitel 8). In den Führungsvorschriften für MP-Einheiten gibt es dann detaillierte Bestimmungen wie dieses "Kriegsgefangenenwesen" abzulaufen hat (z.B. in der FM 19-4 Military Police Team, Squad, Platoon Combat Operations (1984), Kapitel 8). Das geht hin bis zu Ladelisten, wieviele Kriegsgefangene man auf den verschiedenen LKW-Typen oder in bestimmten Eisenbahnwaggons unterbringen kann.
    Was mich bei diesen amerikanischen Vorschriften immer so ein bißchen gestört hat, war allerdings, dass hier immer explizit von "Enemy" Prisoner of Wars (EPW) die Rede war, also von feindlichen Kriegsgefangenen. Das legt den Schluß nahe, dass es doch auch "eigene" Kriegsgefangene gegeben haben muss - bleibt die Frage, wer das gewesen sein soll.

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