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Thema: Bewaffnung von Zivilschutzkräften im V-Fall

  1. #1
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    Frage Bewaffnung von Zivilschutzkräften im V-Fall

    Abend zusammen,

    bei mehreren Gesprächen mit ehemaligen Zugführern unseres THW-Ortsverbandes wurde seitens derer zur Sprache gebracht, dass Führungskräfte des (erweiterten) Katastophenschutzes/Zivilschutzes im V-Fall wohl mit Handfeuerwaffen ausgestattet worden wären.

    Gemäß dem Art. 65 des Zusatzprotokolls I zum Genfer Abkommen ist dies genau mit den Zwecken Selbstverteidigung und Aufrechterhaltung der Ordnung (in den eigenen Reihen) beschrieben.

    Als Hinweis auf die Ernsthaftigkeit des Vorhabens würde ich u. a. auch die Erzählung über die Bewaffnung des "Helfers vom Dienst" in der Katastrophenschutzschule Geretsried (Pistole hinter Glasscheibe zum Einschlagen) zu Zeiten der RAF-Aktivitäten deuten.

    Gibt es denn Aufzeichnung und Zahlen über dieses Vorhaben im V-Fall, wie sah da die Vorhaltung sowie Überlegung zu Ausgabe und Ausbildung aus?

    Danke, bin gespannt auf faktenbasierte Antworten!

    Gruß Max

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  3. #2
    Cold Warrior
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    kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, das es geplant gewesen wäre, Zivilkräfte im Kriegsfall mit Waffen auszustatten.Dafür war ja die Polizei, der BGS, Bereitschaftspolizei und schliesslich die Bundeswehr da. Und wie wäre es wohl zu rechtfertigen, Menschen die den Dienst mit der Waffe abgelehnt haben und deshalb zum THW ect gegangen sind, jetzt zum Waffendienst zu zwingen.Was dann wirklich im Ernstfall passiert wäre, wissen wir nicht, den der ist ja Gott sei Dank nie eingetreten.Vermutlich wäre es zu Katastrophalen Zuständen in Deutschland gekommen, wenn der Kriegsfall eingetreten wäre, und da könnte es natürlich auch notwendig geworden sein, das man Versorgungsdepots der Hilfskräfte mit Waffengewalt schützen müsste, aber das wäre dann wieder die Aufgabe der Staatsorgane(Polizei,BGS oder BW) gewesen.Mir ist auf jeden Fall zu diesen Thema nix genaues bekannt.
    Ein anderer Fall sind alledings die Zivilen Unterstützungseinheiten der in Deutschland stationierten ausländischen Truppen.Diese waren sehr wohl militärisch gegliedert und auch bewaffnet.Deren Aufgabe wäre im Ernstfall wohl gewesen deren Einrichtungen zu schützen, bzw die Truppe logistisch zu unterstützen.Bei der Bundeswehr gab es bis in die 90 iger einen Mobilmachungsverband, wo diese Dienstgruppen eingeplant waren.Das Programm lief damals unter den Namen WHNS(Wartime host nation support)Es wurde dann wegen chronischen Geldmangels bei den Streitkräften schliesslich eingestellt.

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  5. #3
    Cold Warrior
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    Zitat Zitat von jason.76 Beitrag anzeigen
    Es wurde dann wegen chronischen Geldmangels bei den Streitkräften schliesslich eingestellt.
    WHNS wurde nicht aus Geldmangel eingestellt, sondern der Vertrag 1995 durch die USA gekündigt, da im wesentlichen zu diesem Zeitpunkt REFORGER aufgegeben bzw. geostrategisch durch Bright Star anderweitig verlagert wurde.

    Hat aber nichts mit dem Erweiterten Katastrophenschutz zu tun.

  6. Folgender Benutzer sagt Danke zu kato für den nützlichen Beitrag:

    Tipi (03.01.2013)

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  8. #4
    Cold Warrior
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    kato: meinen Informationen wurde das WHNS Programm wegen Geldmangel eingestellt, aber ich bin für jede Info darüber dankbar.Ich war auch in einer WHNS Einheit.Durfte dabei mal 1 Woche in Kusel verbringen....

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  10. #5
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    WHNS wurde seit Mitte der 80er Jahre aufgebaut und war als sehr umfangreiches Unterstützungsprogramm des Bundes zugunsten der US-Streitkräfte geplant. Es basierte auf einem bilateralen Abkommen der Bundesrepublik Deutschland mit den USA.
    Dabei wurden mehrere sog. Unterstützungskommandos WHNS vorgesehen, die in Friedenszeiten aus einem teilweise präsenten Stab, einigen Ausbildungseinrichtungen und einer unterschiedlich strukturierten, gekaderten Truppe von bis zu 10.000 Mann pro Kommando bestanden, insgesamt über 90.000 Soldaten im V-Fall. Dazu gehörten Nachschubeinheiten, Sicherungstruppen, ABC-Abwehr, Flugabwehr, Transporteinheiten, Sanitätseinheiten, Pioniere, Fernmelder, Stäbe...
    Die Truppe bestand zu über 90% aus Mob-Reservisten, das Material war größtenteils in Mob-Stützpunkten eingelagert, stammte aber zum Teil auch aus der materiellen Mobilmachungsergänzung.
    Allerdings wurden - und hier kommt der Geldmangel ein wenig ins Spiel - nicht alle ursprünglich geplanten Kommandos aufgestellt.
    Die Auflösung der WHNS-Einheiten, die übrigens nicht nur aus Mitarbeitern der CSG bestanden, sondern auch aus normalen Reservisten der Bw (ich z.B. zeitweise), erfolgte nach Ende des Kalten Krieges, da man davon ausging, dass eine derart umfangreiche Support-Organisation nun nicht mehr erforderlich war. Übrigens: die Aufgabe als solche besteht auch heute noch, Host Nation Support ist ein nach wie vor bedeutendes Thema, wenn auch nicht mehr nur bilateral und anders organisiert.
    Außerdem umfasste das WHNS-Abkommen nicht nur die Aufstellung von Truppenteilen, sondern auch ganz andere Unterstützungsleistungen: so gab es auch Regelungen über Finanzierungsfragen usw. Müsste ich mal nachlesen, ist schon "ewig" her, dass mich das Thema beschäftigte.
    Sonderwaffenlager Fischbach bei Dahn
    Interessengemeinschaft "area 1" -
    militärgeschichtlicher Verein e.V.
    www.ig-area-one.de

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  12. #6
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    Die Auflösung eines Teils der WHNS-Einheiten begann 1992 aufgrund der Rückführung von US-Truppen via Iraq/Kuwait (1991) und der daraus resultierenden Auflösung des VII (US) Corps (1992).

    1995 kündigten die USA (überraschend) den WHNS-Vertrag. Als neben generell dem Ende des Kalten Krieges und der daraus resultierenden Reduzierung der Truppenpräsenz ausschlaggebend gesehen wird üblicherweise die ab FY91 erfolgte Restrukturierung der US-Truppen hin zu autarkeren Truppenteilen unterhalb der Korpsebene. Das war allerdings auch keine US-Spezialität, sondern wurde Ende 1991 auf NATO-Ebene vereinbart (NATO MC 317, NATO Structures for the Mid 1990s and Beyond). Bei der Bundeswehr wurde infolgedessen die Korpsebene gleich abgeschafft.

    In der US Army wurde dabei ein Großteil der konzeptionellen WHNS-Leistungen, die auch durch die gestärkte Logistik unterhalb Korpsebene nicht geleistet werden konnte, organisatorisch entweder in die Support Groups (heute Sustainment Brigades) integriert oder als Dienstleistungen, auch im Einsatz, an PSC vergeben.

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  14. #7
    Cold Warrior Avatar von Ritchie 66
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    Hallo,
    die CS - Organisation hatte mit Stand 1991 eine Gesamtstärke von 12.600 Männern und Frauen die in "militärähnlichen Einheiten" - so die offizielle Sprachregelung - Dienstleistungen für die US Streitkräfte in Deutschland versahen. Die Einheiten waren in die Kategorien A, B und C eingeteilt. Das Personal von A - und B - Einheiten sollte im Kriegsfall in die WHNS - Einheiten der Bundeswehr eingegliedert werden. Dabei währe bei bestimmten CS - Einheiten auch die gesamte Großausrüstung mit in die Bundeswehr übernommen worden. Das Personal von Einheiten der Kategorie "C" war nicht für eine Übernahme in die Bundeswehr vorgesehen. Einheiten der Kategorie "C" sollten bei Ausbruch eines Konfliktes aufgelöst werden. Die Überwiegende Anzahl der CS - Einheiten gehörten jedoch zur Kategorie "A" und "B". Um den Auftrag der Unterstützung der US Streitkräfte in Deutschland gerecht zu werden war eine personelle Aufstockung des CS - Personals auf eine Mannschaftsstärke von 17.000 Männer und Frauen vorgesehen. Diese Aufstockung der Personalstärke erfolgte aufgrund des Zusammenbruchs des Warschauer Pakts jedoch nicht mehr.

    Im Rahmen des Programms wurde CSG - Personal durch die Bundeswehr ausgebildet. Im Gegenzug wurden aber auch Bw - Reservisten, die für eine Verwendung im Host Nation - Support verplant waren zu Wehrübungen einberufen, die sie dann bei einer CS - Einheit ableisteten. Beispiele sind etwa die CS - Pioniere oder im Bereich der Munitionsversorgung. Die Bw - Reservisten wurden dabei an US - Großgerät eingewiesen und ausgebildet.

    Das WHNS - Programm hatte nach dem Ende des Kalten Krieges keine "Daseinsberechtigung" mehr in diesem Umfang. Das Host Nation Support ein wichtiger Teil der Bündnissolidarität ist hat ja der Irak - Konflikt im Jahre 2003 gezeigt. Im Rahmen des Host Nation Support, hat die Bundesrepublik den Amerikanern mehr Unterstützung etwa durch Sicherung amerikanischer Militäranlagen und im logistischen Bereich geleistet als viele der Staaten, die mit (kleineren) Truppenkontingenten und "Hurra" mit in diesen Konflikt gezogen sind.

    Aber was eigentlich interessanter währe ist ob den nun in den Zivilschutzorganisationen der Bundesrepublik für einzelne Personen eine Bewaffnung im Konflikfall vorgesehen war? So Recht kann ich mir das auch nicht vorstellen!

    Gruß
    Ritchie 66
    Geändert von Ritchie 66 (22.11.2012 um 22:50 Uhr)

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  16. #8
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    Warum hätte man zivile Orgas mit Waffen ausstatten sollen? Die hatten ja nicht mal ne Ausbildung an diesen Waffen und hätten wohl durch Unfälle mit diesen Waffen mehr Ausfälle untereinander oder gegenüber anderen ausgelöst als durch Feindeinwirkung.

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  18. #9
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    Avatar von ed22ful
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    Abend,

    zu dem Thema hier hätte ich noch eine Ergänzung, da ich gerade darüber gestoßen bin.

    Auszug aus dem HADIS (Hessisches Archiv-Dokumentations-und Informations-System), H1 Nr. 3217:


    "Erteilung von Bescheinigungen gemäß des Waffengesetzes an mit Zivilverteidigungs-, Alarmplanungs und Geheimschutzangelegenheiten betraute Bedienstete, 1977"


    Damit dürfte die Frage geklärt sein, ich kann mir auch kaum vorstellen, das nicht zumindest in wichtigen Positionen stehende Personen im V-Fall mit einer Genehmigung zum Führen von Selbstschutz-Waffen ausgestattet worden wären.

    Darunter zählen höchstwahrscheinlich auch die Zivil-Angestellten bei der Bundeswehr.


    ed

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  20. #10
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    Zitat Zitat von ed22ful Beitrag anzeigen
    Darunter zählen höchstwahrscheinlich auch die Zivil-Angestellten bei der Bundeswehr.
    Wären die nicht eh im V-Fall praktisch alle aus ihren Einheiten herausgezogen bzw. in andere Dienstverhältnisse überstellt oder (nicht Beamte) einberufen worden?

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