Seite 3 von 3 ErsteErste 123
Ergebnis 21 bis 27 von 27

Thema: Spionagefälle im Kalten Krieg

  1. #21
    Cold Warrior Avatar von Nemere
    Registriert seit
    12.06.2008
    Ort
    Südostbayern
    Beiträge
    1.352
    "Danke" sagen
    267
    Erhielt 1.313 Danke für 527 Beiträge

    Standard

    Wenn ich richtig informiert bin, war es eigentlich nie vorgesehen, Reservisten zu Generälen zu befördern. Wenn man in alten Taschenbüchern für Wehrfragen oder Handbüchern für Reserveoffiziere der Zeit vor 1965 blättert, ist immer der Oberst d.R. als der höchste erreichbare Dienstgrad vorgesehen. Mit von der Heydte wurde 1962 ein Präzedenzfall geschaffen, der wahrscheinlich v.d.Heydtes guten Verbindungen in die Politik bis hin zum Bundespräsidenten (der ja die Offiziere ernennt) zu verdanken ist. Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass man die Sache so drehte, dass v.d.Heydte für ein paar Tage zum aktiven Soldaten gemacht wurde und während dieser Zeit wurde er zum General befördert.
    Da er bis 1966 noch als General d.R. Wehrübungen machte, weckte das natürlich Begehrlichkeiten bei anderen Reserveoffizieren, die auch einen goldenen Stern wollten. So kam es, dass im Laufe der Zeit noch einige wenige Generäle der Reserve befördert wurden. Ich habe eine schwache Erinnerung, dass in den späten 1970er/frühen 1980er Jahren die im V-Fall vorgesehenen stellvertretenden Befehlshaber der Wehrbereiche Brigadegeneräle der Reserve waren. Mir ist da bei einer WINTEX-Übung mal ein Brigadegeneral d.R. Steffel (oder so ähnlich) in dieser Funktion beim Stab WBK VI über den Weg gelaufen.
    v.d.Heydte hat sich unter dem Titel: „Der moderne Kleinkrieg als wehrpolitisches und militärisches Phänomen“ schon 1972 mit dem befasst, was wir heute als asymmetrische Kriege bezeichnen und was damals nach dem Desaster der USA in Vietnam sehr aktuell war.

    Warum ausgerechnet die 12. PzDiv in den 1960er Jahren die Speerspitze der NATO gewesen sein soll, erschließt sich mir nicht. Die Division wurde erst im April 1965 der NATO assigniert und war zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht fertig aufgestellt. Die dritte Brigade fehlte noch bis 1976, das Artillerieregiment wurde erst 1970 vollständig und auch das PzAufklBtl 12 bestand bis 1970 nur aus einer Kompanie.
    Die 12. PzDiv gehörte bis 1970 zum II. Korps und scheint dort wegen ihrer noch nicht kompletten Aufstellung nicht für eine kriegsentscheidende Rolle vorgesehen gewesen zu sein. Erst nach 1970 mit dem Wechsel zum III. Korps und der später dann vorgesehenen Unterstellung im V-Fall unter das VII. US-Korps änderte sich das.
    Auch die Ausrüstung der Division in den 1960er Jahren kann es eigentlich nicht gewesen sein, welche die Aufmerksamkeit des Ostens auf sich zog. Die drei damals vorhandenen Panzerbataillone 354, 363 und 364 fuhren bis 1967/1968 den M 47 und rüsteten dann auf M 48 um, der bis in die 1980er Jahre im Bestand blieb. Auch die Infanterie war nicht unbedingt State of the Art. 362 in Walldürn war das einzige wirkliche Panzergrenadierbataillon der Division, damals noch wie üblich mit HS 30. 351 in Hammelburg war Lehrbataillon der Infanterieschule mit einer gemischten Ausstattung aus LKW und MTW M113. 352 in Mellrichstadt war bis 1965 PzGrenBtl (mot) auf Unimog, dann PzGrenBtl (MTW) auf M 113. Und schließlich 353 in Wildflecken war ein reines Ausbildungsbataillon, das sechs verschiedene Ausbildungskompanien führte.

    Grüße
    Jörg

  2. Folgender Benutzer sagt Danke zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    spanier (23.04.2020)

  3. Direkt antworten
  4. #22
    Cold Warrior Avatar von DeltaEcho80
    Registriert seit
    09.03.2013
    Beiträge
    884
    "Danke" sagen
    188
    Erhielt 177 Danke für 113 Beiträge

    Standard

    Naja, vielleicht musste sich Haase mit der Behauptung "Speerspitze" noch ein bisschen selbst vermarkten, wer weiß.

    Die MainPost schreibt ja auch vom "aufgestellten Divisionsstab in Tauberbischofsheim". Aber der wurde ja tatsächlich zunächst in TBB aufgestellt und dann nach Veitshöchheim verlegt.

    Ich denke mal, dass eine Division - egal welche - generell für den "Osten" interessant war. In Mellrichstadt war auch ein MfS-ler im Kaninchenzuchtverein, da er an einige Unteroffiziere der 352er ran kam, die dort ihrem Hobby nachgingen.

    Zum Thema "General d.R.": Als ich diesen Artikel las, ist bei mir irgendwo im Hinterkopf was aufgeleuchtet, dass der ehem. Astronaut Thomas Reiter ein Brigadegeneral d.R. war. Lt. Wikipedia wurde er aber offiziell als "beurlaubter Brigadegeneral" der Luftwaffe geführt, siehe hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Reiter

    Ich hatte mal vor langen Jahren ein Fernseh-Interview mit ihm gesehen, da hat er gesagt: "Ich habe den Dienstgrad Brigadegeneral der Reserve, ein in der Bundeswehr wohl einmaliger Dienstgrad". Deswegen habe ich mich da jetzt erinnert. Gott sei Dank funktioniert mein Migräne-Gehirn manchmal noch.

  5. Direkt antworten
  6. #23
    Cold Warrior Avatar von Nemere
    Registriert seit
    12.06.2008
    Ort
    Südostbayern
    Beiträge
    1.352
    "Danke" sagen
    267
    Erhielt 1.313 Danke für 527 Beiträge

    Standard

    Reiter war im Gegensatz zu von der Heydte aktiver Offizier der Bundeswehr, daran ändert auch eine Beurlaubung nichts. Wenn er noch während seiner aktiven Dienstzeit zum Brigadegeneral befördert wurde und ausscheidet, trägt er den Dienstgrad eines Brigadegenerals der Reserve.

    Wenn Reservisten bis zum Brigadegeneral befördert werden, stellt sich immer die Frage, wo man diese verwenden will. Gibt es Dienstposten, wo man einen General der Reserve braucht? Ist dieser überhaupt in der Lage, diesen Posten auszufüllen?

    Wobei die letzte Frage konnte man sich bei so manchem Reserveoffizier stellen. Wir hatten beim Feldjägerbataillon 760 einen Oberstleutnant d.R. als Kommandeur des FJgBtl 762, eines der Gerätebataillone. Dieser OTL d. R. war als Spätberufener in der Ausbildung zum katholischen Pfarrer und machte trotzdem eine Wehrübung nach der nächsten, obwohl absehbar, das er in dieser Funktion nie eingesetzt werden würde. Als er dann endlich seine Primiz irgendwo im bayerischen Wald hatte, musste natürlich eine Ehreneskorte mit 7 BMW-Krädern gestellt werden. Kurz danach verschwand er wie zu erwarten aus der Einplanung und ging als Missionar irgendwo nach Südamerika.

    Dieser OTL d.R. war militaristischer wie jeder Berufsoffizier, er trieb es soweit, das sogar die Brotaufstrichdose aus dem Sturmgepäck (normalerweise aus Aluminium) bei ihm Fleckentarnung hatte.
    Seine fachlichen Kenntnisse als BtlKdr waren fragwürdig, vor allem da er mit dem Feldjäger-Btl 762 das Bataillon hätte führen müssen, das im V-Fall dem II. Korps zugeteilt worden wäre. Diesem Bataillon wären auch die Feldjägerkompanien unterstanden, die bei den Divisionen eingesetzt waren und dort auch in der Überwachung der rückwärtigen Divisionsgebiete eingebunden waren. Es wäre also ein für die Führung deutlich anspruchsvollere Aufgabe gewesen, als bei einem FJgBtl beim Wehrbereichskommando.

    Um nicht mißverstanden zu werden - ich habe nichts gegen Reservisten. Die meisten haben hervorragende Arbeit geleistet, ich hatte auch nie Schwierigkeiten mit Reservisten, die bei mir eingesetzt waren. Aber es gab eben gerade auf den höheren Ebenen eklatante Fehlbesetzungen, hier kamen Reserveoffiziere zum Einsatz, die nur aus irgendwelchen Rücksichtnahmen auf diese Posten geschoben wurden.

  7. Folgende 2 Benutzer sagen "Danke" zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    DeltaEcho80 (26.04.2020), spanier (23.04.2020)

  8. Direkt antworten
  9. #24
    Rekrut
    Registriert seit
    01.10.2006
    Beiträge
    15
    "Danke" sagen
    36
    Erhielt 9 Danke für 6 Beiträge

    Standard

    Zitat Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
    Gab´s in der Bundeswehr der 1960er-Jahre Generale d.R.?!
    Im Bereich des BND gab es im Zusammenhang mit der Mobilmachung des BND im Verteidigungsfall einige Generale d.R.. Zum Beispiel war Gehlen Generalleutnant d.R..
    Zur Kriegsgliederung des BND siehe Keßelring - Die Organisation Gehlen und die Neuformierung des Militärs in der Bundesrepublik.

  10. Direkt antworten
  11. #25
    Cold Warrior
    Registriert seit
    03.03.2009
    Beiträge
    523
    "Danke" sagen
    67
    Erhielt 102 Danke für 78 Beiträge

    Standard

    Zitat Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
    Wenn ich richtig informiert bin, war es eigentlich nie vorgesehen, Reservisten zu Generälen zu befördern. Wenn man in alten Taschenbüchern für Wehrfragen oder Handbüchern für Reserveoffiziere der Zeit vor 1965 blättert, ist immer der Oberst d.R. als der höchste erreichbare Dienstgrad vorgesehen. Mit von der Heydte wurde 1962 ein Präzedenzfall geschaffen, der wahrscheinlich v.d.Heydtes guten Verbindungen in die Politik bis hin zum Bundespräsidenten (der ja die Offiziere ernennt) zu verdanken ist.
    In dieser Dissertation finden sich auf Seite 197/198 die Namen aller bis 1968 zum Brigadegeneral der Reserve - oder anderen Reserve-Generalsrängen - beförderten/ernannten Personen. Neben von der Heydte war dies außerhalb der Organisation Gehlen lediglich einer - Horst Niemack, Generalmajor a.D. der Wehrmacht.

    Wie genau Niemack an den Brigadegeneral d.R. gekommen ist, ist mir aber auch nicht ganz klar - er wurde wohl als Berater des BMVg irgendwie über ein paar Ecken in den Reservedienst reingeschleust (selbst das Jahr dazu ist wohl nicht ganz klar - 1957 oder 1959) und man drückte sich dann ein paar Jahre darum ihm einen richtigen offiziellen Dienstrang zu geben oder so...


    Vermutlich wurden halt später im Verlauf von Heeresstruktur III (Aufbau von Kommandostrukturen entsprechender Ebene im Territorialheer) Reservegeneralsdienstposten geschaffen.

  12. Folgende 3 Benutzer sagen "Danke" zu kato für den nützlichen Beitrag:

    DeltaEcho80 (27.04.2020), Malefiz (27.04.2020), Nemere (27.04.2020)

  13. Direkt antworten
  14. #26
    Cold Warrior Avatar von Nemere
    Registriert seit
    12.06.2008
    Ort
    Südostbayern
    Beiträge
    1.352
    "Danke" sagen
    267
    Erhielt 1.313 Danke für 527 Beiträge

    Standard

    Die Information zu Niemack war mir neu. Allerdings muss ich zu seiner Erwähnung in der Dissertation bemerken, dass die dort angegebene Quelle für die Beförderung mir doch etwas merkwürdig erscheint. Ausgerechnet Franz Kurowski, dessen Arbeiten durch die Bank mehr als fragwürdig sind und meistens nicht auf einer soliden Quellenbasis, sondern eher auf der Phantasie des Autors beruhen. Ich will damit die Beförderungen der in der Dissertation erwähnten Herren nicht anzweifeln, aber hier hätte der Autor sich auf die Suche nach Primärquellen machen sollen. Zugriff auf Personalunterlagen der Bundeswehr hatte er anscheinend, wie sich z.B. aus den angegebenen Quellen zum Personalgutachterausschuss ergibt.
    Auch wäre interessant, ob Niemack eine Wiedereinstellung in die Bundeswehr anstrebte , auf S. 163 Anm. 25 wird zumindest erwähnt, dass seine Wiederverwendung erwogen wurde. Spannend wäre dann die Frage, ob er sich dem Personalgutachter gestellt hat und wie dessen Stellungnahme ausfiel, angesichts der Tatsache, dass Niemack schon Anfang der 1950er Jahre einem Verein angehörte, der „Demokratie und Parlamentarismus“ überwinden wollte.
    Die Ernennung zum Brigadegeneral der Reserve stellt genau genommen keine Beförderung dar. Niemack war bei der Wehrmacht Generalmajor, was damals der unterste Generalsrang war, genau wie der Brigadegeneral bei der Bundeswehr.
    Die Gründe für seine Ernennung bleiben mir auch unerklärlich. Eventuell spielte eine Rolle, dass er seit 1958 Vorsitzender der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger sowie Vorsitzender des Ringes deutscher Soldatenverbände (RDS) war und man sich von Seiten der Bundeswehrführung damit der Unterstützung durch die „alten Kameraden“ versichern wollte.
    Da Niemack als ehemaliger Kavallerist nach 1945 im Reitsport sehr aktiv war (bis hoch zur Olympiade) steckt er vielleicht auch hinter den Versuchen, bei der Bundeswehr wieder Kavallerie einzuführen, was in den 1960er Jahren ernsthaft diskutiert wurde. Zumindest eine berittene Zivilwache hatte die Bundeswehr noch 1987 auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Hohne.

  15. Direkt antworten
  16. #27
    Cold Warrior
    Registriert seit
    03.03.2009
    Beiträge
    523
    "Danke" sagen
    67
    Erhielt 102 Danke für 78 Beiträge

    Standard

    Zitat Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
    Die Ernennung zum Brigadegeneral der Reserve stellt genau genommen keine Beförderung dar. Niemack war bei der Wehrmacht Generalmajor, was damals der unterste Generalsrang war, genau wie der Brigadegeneral bei der Bundeswehr.
    Beförderungen der Wehrmacht zu Generalmajoren der letzten Kriegswochen wurden bei der Wiedereinstellung nicht anerkannt und diese Personen grundsätzlich als Oberst i.G. eingestellt - dies betraf u.a. die Generalmajore Klasing und Poleck, wobei Klasing binnen eines halben Jahres im aktiven Dienst zum Brigadegeneral befördert war. Niemack mit seiner Beförderung am 07.04.45 (während er im Lazarett lag) rückwirkend zum 01.04.45 wäre bei einer "regulären" Wiedereinstellung mutmaßlich ebenfalls betroffen gewesen.

  17. Direkt antworten
Seite 3 von 3 ErsteErste 123

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Ähnliche Themen

  1. Der Warndienst der BRD im Kalten Krieg
    Von nairolf im Forum Warndienst, Luftschutz
    Antworten: 36
    Letzter Beitrag: 30.09.2012, 14:13
  2. Italien im kalten Krieg
    Von Hatebreed im Forum Forum, Allgemeines, Medien & Termine
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 20.09.2012, 12:47
  3. Zeitreise in den Kalten Krieg
    Von Horner im Forum Ausweichsitze, Gefechtsstände, Führungsbunker
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 12.05.2011, 14:52
  4. Forschung zum Kalten Krieg
    Von FEK im Forum Ost-West-Konflikt
    Antworten: 84
    Letzter Beitrag: 22.05.2009, 18:13
  5. Wer war Schuld am Kalten Krieg?
    Von flip im Forum Forum, Allgemeines, Medien & Termine
    Antworten: 4
    Letzter Beitrag: 18.06.2008, 20:08

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •