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Thema: Luftlandefeldjägerkompanie 9

  1. #1
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    Standard Luftlandefeldjägerkompanie 9

    Hallo erstmal an die Community.

    Ich habe vor kurzem von der Luftlandefeldjägerkompanie 9 aus Sigmaringen gehört. Die soll so um 1958 entstanden sein. Dazu hätte ich ein paar Fragen:


    1. Wozu brauchte man früher luftlandefähige Feldjäger? Im V-Fall hätte man sie doch für Verkehrs-, Ordnungs- und Nachforschungsaufgaben im Hinterland gebraucht.

    2. Wieso wurden die wieder aufgelöst? Gerade bei den heutigen Evakuierungseinsätzen (z.B. Übung Schneller Adler) könnte man Feldjäger doch gemeinsam mit den Fallis absetzen.

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  3. #2
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Zur Luftlande-Feldjäger-Kompanie 9:

    Die Luftlande-Feldjäger-Kompanie 9 wurde 1958 in Sigmaringen mit zunächst nur 1 Zug aufgestellt. In Sigmaringen war diese Feldjägerzug aber nur bis 1959. Ab 1961 gab es hier die Feldjägerkompanie 10 der 10. Division.

    1959 wurde die LL-FJg-Kompanie 9 aufgestellt mit der Kompanieführungsgruppe, den Versorgungsteilen und dem III. Zug in Esslingen beim Stab der 1. Luftlandedivision, dem I. Zug in Böblingen und dem II. Zug in Zweibrücken. Die Züge bildeten jeweils ein „Feldjägerwachkommando“. In Esslingen bzw. später in Bruchsal war außerdem der zeitweise bestehende Fernmeldezug der Kompanie stationiert.
    1964 verlegt der Stab der 1. LL-Div nach Bruchsal. Die Stationierung der LL-FJgKp 9 war dann:
    - Kompanieführungsgruppe, Versorgungsteile, Fernmeldezug, III. Zug in BRUCHSAL
    - I. Zug Böblingen,
    - II. Zug Zweibrücken
    Außerdem gab es wie bei allen damaligen Divisionsfeldjägerkompanien einen IV. und V. Zug als Geräteeinheiten, die nur im V-Fall aufgestellt wurden.

    Bei der Umgliederung in die Heeresstruktur 3 im Jahr 1972 wurde die Kompanie gekadert. In Bruchsal verblieben eine schwache Kompanieführungsgruppe und der III. Zug.
    I. und II. Zug sowie die Versorgungsteile waren nur als Geräteeinheiten vorhanden.
    Das Feldjägerdienstkommando Böblingen (früherer I. Zug) wurde ersatzlos aufgelöst, aus dem Feldjägerdienstkommando Zweibrücken (früherer II. Zug) wird der III. Zug 2./FJgBtl 740.

    1980 wurden sämtliche Feldjägertruppenteile zum Territorialheer überführt. Aus der Luftlande-Feldjäger-Kp wurde die 2.Kompanie FJgBtl 750, Standort blieb Bruchsal. Die Kompanie blieb der 1. Luftlandedivision als Divisionsfeldjägerkompanie zugeordnet. Das bedeutet, der Kompaniechef war Divisionsfeldjägerführer der Luftlande-Division, nach Abschluss des Aufmarsches wurde die Kompanie aus dem Unterstellungsverhältnis zum Feldjägerbataillon 750 herausgelöst und trat zum Stab der 1. LL-Div, die Kompanieführungsgruppe bildete die Zelle Feldjäger im Divisionsstab.
    Die 1. Luftlandedivision wurde zum 30.09.1994 aufgelöst, von diesem Zeitpunkt an gab es keine „Luftlande-„Feldjäger mehr.

    Die Bruchsaler 2./FJgBtl 750 wurde im Jahr 2003 umgegliedert in die 3./FJgBtl 452. Daraus entstand 2012 die 6./Feldjäger-Regiment 3, die ebenfalls in Bruchsal stationiert ist.

    Zu Deinen Fragen:

    Frage 1:
    Was verstehst Du unter „Hinterland“? Der mögliche Kriegsschauplatz in der Bundesrepublik teilte sich grob in
    - die vordere Kampfzone (FCZ) und
    - die rückwärtige Kampfzone (RCZ) sowie
    - die anschließende Verbindungszone ein.
    Die vordere Kampfzone war wiederum in
    - das Divisionsgebiet und
    - das Korpsgebiet eingeteilt.
    Die ungefähren Tiefen dieser Gebiete und Zonen findest Du in anhängender Skizze.

    In Divisions- und Korpsgebiet war jederzeit mit unmittelbaren Kampfhandlungen zu rechnen, man kann also hier nicht von „Hinterland“ sprechen.
    Jeder Division war eine Feldjägerkompanie zugeteilt, die im Divisionsgebiet mit Aufgaben im Ordnungs- und Verkehrsdienst sowie mit Sicherheitsaufgaben mehr als ausgelastet war und zudem bei der Überwachung und Sicherung des rückwärtigen Divisionsgebiets mitzuwirken hatte. Beispiele

    - Verkehrsdienst beim Heranführen von Reserven
    - Verkehrsdienst bei Gewässerübergängen
    - Verkehrsdienst an Versorgungsstraßen
    - Rückführen von Verzögerungskräften nach der Aufnahme, hier z.B. Einsatz von Feldjägern an den Ausweichwegen,
    - Lenken von Bevölkerungsbewegungen zum Freihalten von Militärstrassen

    - Mitwirken beim Sammeln und Rückführen von Versprengten
    - Mitwirken beim Sammeln und Transport von Kriegsgefangenen
    - Ordnungsdienst an Sanitäts- und ABC-Abwehreinrichtungen, wobei beim Einsatz an ABC-Abwehreinrichtungen oft auch Verkehrsdienstliche Aufgaben dazu kommen.
    - Überwachung der militärischen Ordnung und Disziplin einschl. Nachforschungen
    - Unterstützung der Wehrgerichte (Ermittlungen, Sitzungspolizei)

    - Absicherung von Gefechtsstandkernen
    - Zusammenwirken mit den für den Schutz des rückwärtigen Divisionsgebiets zuständigen Kommandeuren beim Raumschutz.

    Im Falle der Luftlande-FJg-Kp 9 war allerdings nach 1972 nicht mehr so ganz klar, wie diese eingesetzt werden sollte, weil die 1. Luftlandedivision als Division keinen echten Auftrag mehr hatte, da die drei Luftlandebrigaden wären den Korps zugeteilt worden.
    Es wäre nur der Divisionsstab, das Fernmeldebataillon, später der Stab des Luftlande-Artillerie-Rgt. 9 und die Feldjägerkompanie übrig geblieben und hätte für Sonderaufträge zur Verfügung gestanden, z.B. zur Führung kurzfristig anderweitig freigemachter Truppenteile, um Feindeinbrüche und Luftlandungen zu bekämpfen.
    Im Korpsgebiet hinter dem Divisionsgebiet war ein dem Korps unterstelltes Feldjägerbataillon eingesetzt, in der Rückwärtigen Kampfzone pro Wehrbereich ein bis drei Feldjägerbataillone, von den allerdings mindestens zwei mehr oder weniger bei den Gewässerübergängen am Rhein gebunden waren.

    Frage 2:
    Bei den Feldjägern gibt es inzwischen Spezialkräfte ähnlich den Sondereinsatzkommandos der Polizei, z.B. Zugriffstrupp, Scharfschützen usw. (Siehe beigefügtes Bild). Diese Trupps können und wurden bereits bei Evakuierungen eingesetzt. Bei einer Evakuierung dürfte ein Sprungeinsatz wenig bringen, denn man muss die Evakuierten ja nach erfolgreichen Einsatz abtransportieren. Also werden entweder Fahrzeuge oder Hubschrauber auch für den Antransport der Eingreifkräfte eingesetzt.
    Angehängte Grafiken Angehängte Grafiken

  4. Folgende 2 Benutzer sagen "Danke" zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    Maeks (29.01.2015), Sven-BER (28.01.2015)

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  6. #3
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    @Nemere

    Erstmal vielen Dank für deine äußerst umfangreiche Antwort.

    Das mit der Einteilung war mir in dieser Form noch nicht bekannt. Aber ich bin hier ja recht neu und man lernt immer dazu.

    Das mit den Zugrifftrupps erscheint mir aber etwas konfus. Diese wurden aufgrund der Erfahrungen aus dem KFOR-Einsatz gegründet. Dort war die Bundeswehr (vor allem die Feldjägertruppe) dazu gezwungen polizeiliche Aufgaben zu übernehmen, da es nach dem Krieg keine rechtsstaatlichen Strukturen gab. Somit fungierten die Feldjäger zu Anfang als eine Art Ersatzpolizei und mussten in dieser Funktion u.a. Razzien gegen die lokale O.K. durchführen. Aus diesem Grund wurde die Spezialisierung Zugriff eingeführt. Das hat mit Evakuierungen eher weniger zu tuen.

    Ebenso war es ja mit der Spezialisierung CRC. Die stammt auch aus dem KFOR-Einsatz.

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  8. #4
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    Man wird bei jedem Einsatz entscheiden müssen, welche Kräfte eingesetzt werden. Warum sollte man auf ausgebildetes Personal der Feldjägertruppe verzichten, wenn es für einen bestimmten Auftrag verfügbar und geeignet ist? Es spielt doch überhaupt keine Rolle, warum bestimmte Ausbildungen ursprünglich vorgesehen waren.
    Die Aufgaben und die Ausbildung der Feldjägertruppe im Bereich Ermittlungsdienst im Ausland waren z.B. ursprünglich vor 1989 für die Wahrnehmung polizeilicher Aufgaben in Truppenlagern im Ausland (z.B. Shiloh oder Castle Martin) nach dem NATO-Truppenstatut entworfen worden und haben sich dann kontinuierlich zur heutigen Aufgabenstellung entwickeln.

  9. Folgender Benutzer sagt Danke zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    Sven-BER (29.01.2015)

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