Seite 2 von 2 ErsteErste 12
Ergebnis 11 bis 19 von 19

Thema: Büchervorstellungen

  1. #11
    Cold Warrior Avatar von B206
    Registriert seit
    12.07.2007
    Ort
    -
    Beiträge
    322
    "Danke" sagen
    10
    Erhielt 20 Danke für 17 Beiträge

    Standard

    Da waren wir mittendrin, zu beiden Seiten der Nahtstelle der Systeme als direkte Zuschauer und Akteure und es gibt hier keine Verleger die so etwas in die deutsche Sprache übersetzen. Das ist Schade. Aber womöglich waren wir zu dicht dran am Thema oder sind zu sehr abgestumpft davon als das wir uns heute noch damit beschäftigen wollten.

  2. Direkt antworten
  3. #12
    Cold Warrior Avatar von Hoover
    Registriert seit
    19.12.2013
    Ort
    27283 Verden (Aller)
    Beiträge
    123
    "Danke" sagen
    14
    Erhielt 27 Danke für 19 Beiträge

    Standard

    Noch mal ein Buchtipp:

    https://www.amazon.de/gp/product/347...?ie=UTF8&psc=1

    "Militarisierungsatlas der Bundesrepublik"
    Stand 1986 beschreibt das Buch rundherum alles über die NATO in Deutschland. Standorte, Liegenschaften, Gliederungen, Fahrzeuge, Zahlen, Pläne, Zivilschutz, A und C-Waffen.

    Herausgegeben in Darmstadt 1986 fällt eines auf: Die Skizzen und Tabellen haben eine deutliche Ähnlichkeit mit den Zeichnugen in den NVA Büchern zur NATO. Leider konnte ich nicht herausfinden, ob die DDR irgendwie was damit zu tun hatte, das Buch ist schon eine Anti-NATO-Propaganda. Die Russen wollten ja nur Frieden, die NATO ist Schuld an der Aufrüstungsspirale.

    Trotzem sehr interessant, weil auch viel über die NAOT-Staaten mit Stärken etc angegeben sind.

  4. Direkt antworten
  5. #13
    Cold Warrior
    Themenstarter
    Avatar von Nemere
    Registriert seit
    12.06.2008
    Ort
    Südostbayern
    Beiträge
    953
    "Danke" sagen
    142
    Erhielt 665 Danke für 316 Beiträge

    Standard

    Der Militarisierungsatlas ist mit äußerster Vorsicht zu gebrauchen, er ist weitgehend nach irgendwelchen Angaben friedensbewegter Menschen geschrieben, die meistens keinerlei Ahnung von Organisation, Gliederung und Zusammenhängen hatten. Viele Angaben im Militarisierungsatlas sind ohne Verifizierung durch mindestens eine weitere seriöse Quelle kaum zu gebrauchen, sie beruhen nur auf Hörensagen oder spiegeln die Stationierungen, die in den 1950er Jahren galten.

    Beispiel: In der 1986er Ausgabe wird auf S. 279 genannt: 8660 Münchberg, Kaserne, Nuclear Custodial Detachment. Münchberg lag damals keine 30 km von der DDR-Grenze entfernt, mitten in der Hauptstoßrichtung der aus der "Plauener Pforte" kommenden Divisionen des Warschauer Paktes. Ausgerechnet dort wird man ein Custodial Detachment stationieren! Abgesehen davon gab es in Münchberg nie eine Kaserne. Wenn man dem Zustandekommen dieses Eintrags nachgeht, kommt man folgenden Erkenntnissen:

    1. In Münchberg stand am Ortsausgang Richtung Helmbrechts seit Anfang des 19. Jahrhunderts ein Getreidespeicher, der mehrfach der damaligen bayerischen Armee als "Kaserne" für die Landwehr angeboten wurde, also eher eine Art MobStützpunkt. Von daher kommt das Gerücht der Kaserne in Münchberg im Militarisierungsatlas.

    2. Das "Nuclear Custodial Detachment" stammt aus Planungen der Frühzeit des Kalten Krieges. Die Amerikaner hatten damals neben Atombomben und - raketen als einzigen Nuklearwaffenträger die "Atomic Annie", ein 280 mm Geschütz. Wegen seiner Kampfentfernung von 28 km musste es relativ weit vorne eingesetzt werden, wegen des Gewichts - 80 t in Fahrstellung - konnte es nur im Zuge guter Straßen verwendet werden, also bevorzugt entlang der Autobahn. Münchberg liegt an der A 9, wie bereits erwähnt im Zuge einer Hauptangriffsrichtung, also waren hier Einsatzräume für die "Atomic Annie" vorgesehen. Anscheinend wurde hier in den 50er Jahren tatsächlich mit diesem Geschütz geübt, das in Bamberg und im Raum Nürnberg stationiert war. Entsprechende Gerüchte von der "Atomkanone" geistern unter älteren Einwohnern immer noch herum und wurden im Militarisierungsatlas dann zum "Custodial Detachment" gemacht. Auch das Sperrmittelhaus am Döbraberg, etwa 15 km von Münchberg entfernt, wurde in diesem Zusammenhang in der Vorstellung der Bevölkerung zum "Atomwaffenlager".

    Also äußerste Vorsicht beim Militarisierungsatlas. Jede Angabe darin sollte sehr kritisch überprüft werden.

    Beide Ausgaben (1986 und 1988) gibt es hier in der Download-Sektion.

  6. Direkt antworten
  7. #14
    Cold Warrior Avatar von B206
    Registriert seit
    12.07.2007
    Ort
    -
    Beiträge
    322
    "Danke" sagen
    10
    Erhielt 20 Danke für 17 Beiträge

    Standard

    Zitat Zitat von Hoover Beitrag anzeigen
    Die Skizzen und Tabellen haben eine deutliche Ähnlichkeit mit den Zeichnugen in den NVA Büchern zur NATO.
    Durchaus lesenwert zu diesem Thema der Link https://www.deutschlandfunk.de/ferng...ticle_id=97169

  8. Folgender Benutzer sagt Danke zu B206 für den nützlichen Beitrag:

    Nemere (20.10.2018)

  9. Direkt antworten
  10. #15
    Cold Warrior Avatar von Hoover
    Registriert seit
    19.12.2013
    Ort
    27283 Verden (Aller)
    Beiträge
    123
    "Danke" sagen
    14
    Erhielt 27 Danke für 19 Beiträge

    Standard

    Natürlich sind solche Veröffentlichingen immer mit Vorsicht zu genießen. Aber der Umfang des Buches wird einige Militärs damals sicher geägert haben. Auch im Bereich Verden ist Einiges falsch oder 1983 veraltet gewesen. Ich denke auch, dass die Stasi ihre Finger da im Spiel hatte. Leider kenne ich kein änliches Buch zur NVA aus den 80ern.

  11. Direkt antworten
  12. #16
    Cold Warrior Avatar von B206
    Registriert seit
    12.07.2007
    Ort
    -
    Beiträge
    322
    "Danke" sagen
    10
    Erhielt 20 Danke für 17 Beiträge

    Standard

    Zitat Zitat von Hoover Beitrag anzeigen
    Natürlich sind solche Veröffentlichingen immer mit Vorsicht zu genießen. Aber der Umfang des Buches wird einige Militärs damals sicher geägert haben. Auch im Bereich Verden ist Einiges falsch oder 1983 veraltet gewesen. Ich denke auch, dass die Stasi ihre Finger da im Spiel hatte. Leider kenne ich kein änliches Buch zur NVA aus den 80ern.
    Wird es auch nicht geben. In der DDR konntest du nicht mal eine Brücke/Schleuse/Kaserne fotografieren ohne Ärger zu bekommen. Man kann das beides nicht vergleichen. Das eine war eine Demokratie und das andere ein Regime. Es war im Westen viel leichter Informationen zu erhalten. Die lagen praktisch öffentlich auf der Straße oder standen in der Zeitung. Ein solches Buch konnte es nur im Westen geben.

  13. Direkt antworten
  14. #17
    Cold Warrior
    Themenstarter
    Avatar von Nemere
    Registriert seit
    12.06.2008
    Ort
    Südostbayern
    Beiträge
    953
    "Danke" sagen
    142
    Erhielt 665 Danke für 316 Beiträge

    Standard

    Zitat Zitat von B206 Beitrag anzeigen
    Wird es auch nicht geben. In der DDR konntest du nicht mal eine Brücke/Schleuse/Kaserne fotografieren ohne Ärger zu bekommen. .... Ein solches Buch konnte es nur im Westen geben.
    Dem kann ich nur zustimmen.

    Als kleinen Ersatz gibt es für die ehemalige DDR die "Standortdatenbank der Nationalen Volksarmee, der Grenztruppen der DDR und der sowjetischen (russischen) Streitkräfte in der DDR" auf der Website des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes.
    http://www.mgfa.de/html/zms_standort...5d20ef179cd774

    Die ist zwar - ähnlich wie die dort auch angebotene Datenbank zur Bundeswehr - auch nicht ganz zuverlässig, bietet aber doch einen guten Überblick.

    Außerdem haben wir hier in der Download-Sektion die hervorragenden Zusammenstellungen zur NVA und zur GSSD unseres geschätzten Foren-Autors "Alter Fritz".

    Grüße
    Jörg

  15. Direkt antworten
  16. #18
    Cold Warrior
    Registriert seit
    14.04.2013
    Ort
    Erlangen
    Beiträge
    311
    "Danke" sagen
    80
    Erhielt 42 Danke für 30 Beiträge

    Standard

    Zitat Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
    Beispiel: In der 1986er Ausgabe wird auf S. 279 genannt: 8660 Münchberg, Kaserne, Nuclear Custodial Detachment. Münchberg lag damals keine 30 km von der DDR-Grenze entfernt, mitten in der Hauptstoßrichtung der aus der "Plauener Pforte" kommenden Divisionen des Warschauer Paktes. Ausgerechnet dort wird man ein Custodial Detachment stationieren! Abgesehen davon gab es in Münchberg nie eine Kaserne. Wenn man dem Zustandekommen dieses Eintrags nachgeht, kommt man folgenden Erkenntnissen:

    1. In Münchberg stand am Ortsausgang Richtung Helmbrechts seit Anfang des 19. Jahrhunderts ein Getreidespeicher, der mehrfach der damaligen bayerischen Armee als "Kaserne" für die Landwehr angeboten wurde, also eher eine Art MobStützpunkt. Von daher kommt das Gerücht der Kaserne in Münchberg im Militarisierungsatlas.
    Noch ein paar - hier eigentlich nicht relevante aber vielleicht interessante - Informationen zu diesem Gebäude:

    In früherer Zeit erhielt der Staat einen Teil der Abgaben von den Bauern in Form des Zehntgetreides. Der Staat hatte das Recht, dieses dann in Münchberg auf dem Dachboden des Rathauses zu lagern. Die Stadt versuchte, diese Lagerungspflicht los zu werden. Nach dem Rathausumbau 1821 war der Dachboden dafür nicht mehr geeignet und 1833 verzichtete die Regierung auf ihr Recht endgültig unter der Auflage, dass ein Ersatzgebäude bereitzustellen sei.

    Baubeginn war dann 1847. Noch während des Baus trat am 4.6.1848 das bayerische Gesetz zur Aufhebung der Grundlasten in Kraft.

    Nach Fertigstellung suchte man daher nach einer anderen Nutzung. Dabei wurde unter anderem auch die Nutzung als Kaserne diskutiert.

    1862 wurde der Bau dann an die Textilfirma Johann Simon Fleißner verkauft, der es bis zu ihrem Ende gehörte. Später war ein schaumstoffverarbeitender Betrieb in der Fleißnerschen Fabrik angesiedelt, das Gebäude diente in zunehmend schlechterem Zustand noch teilweise als Lager.

    Es gab Initiativen, das Gebäude zu erhalten und ein Textilmuseum einzurichten. Es wurde aber schließlich 1992 abgerissen. Heute befindet sich dort ein Supermarktparkplatz und der Garten der evangelischen Kinder- und Jugendhilfe. https://goo.gl/maps/28nqAYhsSaz

    Zu meiner Schulzeit am Gymnasium trug das Gebäude in Gymnasiastenkreisen den Namen "Anhalter Bahnhof". Schüler aus der Helmbrechtser Gegend, denen der Weg zum Bahnhof zu weit oder die Wartezeit auf den Zug zu lang war stellten sich nämlich vor dem Gebäude an die Straße und versuchten als Anhalter heim zu kommen.

    Klaus

  17. Folgender Benutzer sagt Danke zu klaus_erl für den nützlichen Beitrag:

    Nemere (22.10.2018)

  18. Direkt antworten
  19. #19
    Cold Warrior
    Themenstarter
    Avatar von Nemere
    Registriert seit
    12.06.2008
    Ort
    Südostbayern
    Beiträge
    953
    "Danke" sagen
    142
    Erhielt 665 Danke für 316 Beiträge

    Standard

    Auch ich kann mich noch an dieses Gebäude an der Ortsausfahrt Richtung Autobahn erinnern.

    Zu dem alten Münchberger Getreidespeicher gibt es einen Aufsatz von dem ausgezeichneten Münchberger Heimatforscher Karl Dietel: Der ehemalige Getreidespeicher in Münchberg, In: Heimatkalender für Fichtelgebirge und Frankenwald 1986, S. 76 - 82.

    Aber jetzt gerade wir in die Heimatkunde.

    Grüße
    Jörg

  20. Folgender Benutzer sagt Danke zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    klaus_erl (22.10.2018)

  21. Direkt antworten
Seite 2 von 2 ErsteErste 12

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •