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Thema: Indochina 1945 bis 1954

  1. #1
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    Standard Indochina 1945 bis 1954

    Moin,
    neben der Bundeswehr im Kalten Krieg befasse ich mich eingehend mit dem Falklandkrieg und dem Krieg in Indochina.

    Zu Indochina habemich eine Frage: Es wird in einigen Büchern gemunkelt (jedenfalls nicht wirklich gesichert belegt) , dass Konrad Adenauer 1953 den Franzosen ein aus deutschen Freiwilligen bestehendes Freiwilligenkoprs angeboten haben soll. Von 1000 Mann ist die Rede.

    Hat da jemand etwas Genaueres zu? Hört sich wie eine Räuberpistole an.

    Grüße
    Frank

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  3. #2
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    Geändert von Berlin Brigade (15.10.2016 um 18:18 Uhr)

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  5. #3
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    Zitat Zitat von Berlin Brigade Beitrag anzeigen
    In Indochina kämpften Deutsche bei der Fremdenlegion.
    Das war aber nicht die Frage.

    Entschuldigung - aber das musste sein.

    Zur Sache:

    Von Kriegsende 1945 bis 1955 rekrutierte die Fremdenlegion in der französischen Besatzungszone Deutschlands unter weitgehender Ausnutzung des Besatzungsrechts und mit Unterstützung der französischen Besatzungstruppen mehr oder weniger „Freiwillige“ für die Legion. Auch französische Verbindungsorgane in den Besatzungszonen Großbritanniens und der USA unterstützten dabei.
    Dabei wurde jede Kontrolle deutscher Behörden bei den nach Frankreich ausreisenden Legionskandidaten verhindert, teilweise unter Gewaltanwendung seitens der französischen Gendarmerie (z.B. der Zwischenfall an der Grenzübergangsstelle Schweigen im November 1952).
    Der alte § 141 StGB, der das Anwerben für fremden Wehrdienst unter Strafe stellte, war 1945 aufgehoben worden, wurde erst 1953 wieder in Kraft gesetzt, kam aber gegen die Besatzungstruppen oder deren deutsche Zivilbediensteten so gut wie nie zur Anwendung, weil entsprechende Verfahren immer mit dem Hinweis auf die „Schädigung des Ansehens der Besatzungsmacht“ niedergeschlagen wurden.

    Diese Praxis der Franzosen erregte natürlich in der deutschen Bevölkerung, in der Presse aller Richtungen und vor allem bei den linksorientierten Parteien erhebliche Unruhe. Die deutsche Bevölkerung lehnte diese Anwerbungen einhellig ab. Da es damals in der Bundesrepublik noch die von der DDR gesteuerte KPD gab (wurde erst 1956 verboten), schlachtete natürlich auch die DDR-Propaganda diese Vorgänge aus. Die DDR konnte auch noch die Tatsache ausnutzen, das in Indochina von den Vietminh gefangen genommene deutsche Legionäre in vielen Fällen in die DDR „repatriiert“ wurden und natürlich dort als Opfer des kapitalistischen Adenauer-Systems vorgeführt wurden.

    Z.B. in den SPIEGEL-Jahrgängen bis 1955 findet man immer wieder Berichte über die teilweise wirklich sehr fragwürdigen Umstände mit denen Deutsche in diesen Jahren in die Legion gelockt wurden.

    Es gab auch massive Kampagnen der JuSos in Rheinland-Pfalz gegen die Rekrutierungsmaßnahmen der Franzosen, die daneben natürlich auch auf die damals von Adenauer betriebene, aber von der SPD abgelehnte Westintegration zielte.

    Diese Rekrutierungspraxis der Franzosen endete erst 1955 mit der weitgehenden Souveränität der Bundesrepublik beim NATO-Beitritt.

    Ganz sicher hat Adenauer den Franzosen keine geschlossenen deutschen Einheiten für Indochina angeboten, das wäre politischer Selbstmord für ihn gewesen.

    Ähnliche Gerüchte geisterten dann ja auch während des Vietnam-Kriegs der Amerikaner in den 1960er Jahren herum, auch hier sollen angeblich Bundeswehreinheiten den USA angeboten worden sein.

    Der ganze Komplex „deutscher Staatsbürger in der Fremdenlegion“ ist sehr gut beschrieben bei:

    Eckard Michels, Deutsche in der Fremdenlegion 1870-1965. Mythen und Realitäten (Krieg in der Geschichte, Band 2), Paderborn 2006 (5. Verbesserte Auflage)

    Das Buch kann man unter
    http://daten.digitale-sammlungen.de/...ite=00001&l=de
    downloaden (oben rechts auf Download klicken).

    Besonders aufschlussreich für Deine Fragestellung ist hier das Kapitel 9: Die Bundesrepublik und die Fremdenlegion (1949-1955)
    Darin wird auch das Verhalten der bundesdeutschen Regierung behandelt, z.B. auf Seite 245:

    „Der Grenzzwischenfall von Schweigen jedoch wirkte schließlich wie ein Fanal. Am 21.11.1952 protestierte Adenauer bei der Hohen Kommission und forderte ein Ende der Rekrutierungen, da sie nicht mit den eigentlichen Aufgaben der Besatzungstruppen in Deutschland zu tun hätten. Der Bundeskanzler forderte eine Übertragung der Grenzkontrollen für alliierte Fahrzeuge auf die deutschen Behörden. Diesen Protest wiederholte er am 4.12.1952, am 20.1.1953 und am 4.2.1953 angesichts der weiter stattfindenden Transporte von Legionsanwärtern in französischen Militärfahrzeugen über die Grenze. Er erhielt jedoch auf seine Schreiben keine Antwort. Hinter den Kulissen bewirkten jedoch die Proteste des Bundeskanzlers und das Aufsehen um Schweigen in der Kommission einen Sinneswandel. Vor allem die Amerikaner waren immer weniger gewillt, Frankreich in der Frage der Rekrutierungen für die Fremdenlegion zu decken. Zwar finanzierten sie zu diesem Zeitpunkt schon über die Hälfte der Kosten des französischen Indochinakrieges. Doch wollten sie für die Abwehr der „kommunistischen Gefahr" in Indochina nicht eine weitere Beunruhigung der westdeutschen Bevölkerung riskieren, deren zukünftiger Wehrbeitrag an der entscheidenden Front des Kalten Krieges in Europa zu diesem Zeitpunkt wesentlich wichtiger erschien als die vermeintliche Verteidigung der freien Welt in den Dschungeln Südostasiens.“

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    Da die Franzosen genug Deutsche in Indochina hatten und beliebig mehr "eigene Deutsche" dort hin schicken konnten, brauchten sie keine zusätzlichen Truppen von "Adenauer".
    Vielleicht ist es jetzt für Dich deutlicher.
    Entschuldigung - aber das musste sein.

    1966 hat Westdeutschland immerhin ein Lazarettschiff nach Vietnam entsandt, da waren die Franzosen natürlich schon lange weg.
    http://www.forum-vietnam.de/go/viewtopic.php?p=7929

    Es fällt schwer, sich schon deutlich zuvor ein größeres, noch direkter militärischeres Eingreifen der West-Deutschen dort vorzustellen.

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  10. #5
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    Ich beschäftige mich seit etwa 15 Jahren intensiv mit dem Indochina-Krieg und habe mit einigen deutschen Ex-Legionären gesprochen. Daher weißc ich natürlich gut bescheid über die Legion. Aber die Franzosen selbst haben das Ding mit Adenauers Angebot in die Welt gebracht. Ich muss mal meine ca 150 Bücher wälzen zum Thema, aber mein Französisch ist nciht mehr so gut, da dauert es länger, den Teil zu finden. Es gab übrigens auch SBZ-Deutsche, die auf Vietminh-Seite Agitation gegen deutsche Legionäre betrieben. Das waren teils russische Kriegsgefangene oder Freiwillige aus der SBZ.

    In vielen franz. Kasernen gab es damals Werbebüros, die die Interessenten dann nach Marseille brachten. Ich habe mit 3 Veteranen gesprochen, die unabhängig voneinander in Kehl angeworben wurden. Von einem habe cih dei Orden etc bekommen, weil er keine Angehörigen mehr hatte.

    Ich denke auch, dass das Adenauer-Angebot eine franz. Legende ist, aber...niemals ganz wegwischen. Wer weiß, on welchem Zusammenhang das gesagt wurde, ob es nur ein Weinspruch war oder so. Es war ja nie die redem, dass deutsche Soldaten nach Indochina sollte, sondern Adenauer hat angeblich Freiwillige angeboten. Darum geht es.

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    Berlin Brigade (21.10.2016)

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    Eine ganze Reihe kriegsgefangener deutscher Legionäre aus dem Indochinakrieg sollen von Vietnam in die DDR freigelassen worden sein. Angeblich bevorzugt in den Raum Dresden.

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  15. #7
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    Zitat Zitat von Berlin Brigade Beitrag anzeigen
    Eine ganze Reihe kriegsgefangener deutscher Legionäre aus dem Indochinakrieg sollen von Vietnam in die DDR freigelassen worden sein. Angeblich bevorzugt in den Raum Dresden.
    Dazu gibt es in der oben von mir genannten Studie ein eigenes Kapitel: "Von Indochina in die DDR: Repatriierung mit Hilfe des Viet Minh (1950 - 1956) (S. 210 ff.)

    Hier S. 221:

    "Die Idee, regelrechte „Heimkehrertransporte" von Ex-Legionären in die DDR zu organisieren, die entsprechend propagandistisch begleitet wurden, stammte ursprünglich von vietnamesischer Seite und wurde von der DDR-Führung im Frühjahr 1950 aufgegriffen. Organisatorische Schwierigkeiten, die vor allem darin bestanden, zuverlässige Legionäre unter den Gefangenen und Überläufern auszuwählen und diese sicher über die erst im Herbst 1950 freigekämpfte Grenze zu China zu bringen, verzögerten die Realisierung.
    Der erste „Heimkehrertransport" von 69 Ex-Legionären traf auf dem Landwege via China, die Sowjetunion und Polen schließlich am 29.3.1951 im sächsischen Bischofswerda ein, begleitet von einer Kampagne in den DDR-Medien gegen die Fremdenlegion. Er bestand überwiegend aus ehemaligen Legionären, die schon in den Jahren 1947 bis 1949 zum Viet Minh übergelaufen waren und sich in seinen Reihen aktiv betätigt hatten. Bis Anfang 1956 folgten sechs weitere Transporte, durch die insgesamt 761 deutsche Legionäre, zunächst meistens Überläufer, später auch Kriegsgefangene, in den östlichen Teil Deutschlands gelangten. Alle wurden jedoch zuvor sorgsam vom Viet Minh ausgewählt und politisch geschult. Der größte Transport von 357 Legionären traf im März 1955 in der DDR ein."

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    Hier dazu noch ein Auszug aus einem Buch: Ein nach dem 2. WK als Kriegsgefangener zwangsrekrutierter deutscher Fremdenlegionär, der in Vietnam überlief, dort kommunistischer Verhörer war und nach der Rückkehr (in die DDR) bei der Interflug aber auch bei der Stasi/HVA war. Er starb in Brüssel, wo er für die Stasi mit seiner Frau ein Restaurant aufbauen sollte. (lange Geschichte) Das Buch dazu habe ich: Die Gründer der DDR-Luftfahrt.

    http://www.kundschafter-ddr.de/?p=849

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