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Thema: Ausbildung der Offiziere in der Bundeswehr

  1. #1
    Cold Warrior
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    Standard Ausbildung der Offiziere in der Bundeswehr

    Hallo zusammen,

    ich weiß, dass wir uns eigentlich damit zurückhalten, aktuelle Entwicklungen in der Bundeswehr zu kommentieren. Ich bin allerdings am Wochenende auf eine Information aufmerksam geworden, die ich für sehr bemerkenswert erachte:

    In der aktuellen Ausgabe der "loyal" wird in einer (Rand-)Notiz erwähnt, dass die Bundeswehr ab dem Januar 2019 die Ausbildung der Offiziere wieder umstellen wird. Man hat anscheinend gemerkt, dass die zentralisierte Ausbildung der OA nicht optimal ist (erster Kontakt mit der Truppe nach 86 Monaten) und geht den Weg "wieder zurück" zur dezentralen Ausbildung in den Truppenteilen.

    In diesem Zuge müssen auch die OA-Bataillone in Hammelburg und Munster "angepasst und neu strukturiert" werden.

    Andere Berichte hierzu (augengeradeaus.net, FAZ, offizielle Bundeswehr-Website) konnte ich bislang nicht finden.

    Sollten wir mal im Auge behalten.
    „Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel“
    Friedrich Nitzsche

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  3. #2
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Wenn man es objektiv betrachtet, kamen die Offiziere „früher“ auch erst nach gut fünf Jahren in Truppenkontakt:
    - 3 Monate Grundausbildung
    - 3 Monate Vollausbildung
    - 9 Monate Offiziersanwärterlehrgang
    - 36 Monate Studium
    - 5 Monate Offizierslehrgang A an der OSH
    - 5 Monate Offizierslehrgang B an der Truppenschule
    --------------------------
    = 61 Monate.

    Eine Zeitlang war noch ein Truppenpraktikum von 3 – 4 Monaten als Gruppenführer vor dem Studium eingeschoben.

    Bei mir sind es jetzt über 35 Jahre her, seit ich meine Offiziersausbildung durchlaufen habe. Aus diesem Abstand traue ich mir zu sagen, dass diese Ausbildung trotz ihrer relativen Länge insgesamt keinesfalls zu lang war.
    Wenn ich mir so im nach hinein überlege, was wir alles NICHT gelernt haben, kriege ich heute noch das kalte Grausen. Es gab unzählige Situationen, vor denen wir dann als junge Leutnants im Truppenalltag standen, ohne dass uns diese Tätigkeiten in der Ausbildung wirklich beigebracht worden waren. Beispiel Gefechtsschiessen eines Zuges bei Nacht: Natürlich wurde das Thema theoretisch abgehandelt, natürlich hatte man selbst an Gefechtsschiessen teilgenommen, aber die praktische Durchführung des Schießens als LEITENDER kam allein aus Zeitgründen bei den Lehrgängen nicht zustande.
    Oder wenn man frisch vom OffzLehrgang B zurückgekehrt, auf einmal den KpChef vertreten musste und die erste Disziplinar- oder Beschwerdesache stand an. Theoretisch hatten wir den Umgang mit WBO und WDO bestens gelernt, aber wie man jetzt die Vernehmung von Zeugen oder des Übeltäters in der Praxis so durchführt, das hinterher haltbare Fakten für die Disziplinarmaßnahme bereitstanden, das war nie geübt worden.
    Die taktischen Grundsätze der Truppengattungen waren in der Offizierausbildung recht gut vermittelt worden, woran es immer fehlte, war die Ausbildung für den ganzen alltäglichen Kleinkram, der aber die Masse der Dienstzeit ausmachte.

    Grüße
    Jörg

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  5. #3
    Cold Warrior
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    Hallo Jörg,

    danke für deine Erfahrungen.

    So, wie ich die Meldung lese, will man ja genau die ersten 6 Monate auch wieder "einführen".

    Anscheinend hat es wirklich Probleme gegeben, dass die OA nur "im eigenen Saft" unter ihresgleichen geschmort sind und nach 86 Monaten das erste Mal "vor der Front" standen und sie gefordert waren.
    Die OAs werden ja momentan direkt in die zentralen Ausbildungseinheiten eingezogen.

    Wenn man z.B. den "Der Infanterist" liest, kommt immer, immer wieder deutlich zur Sprache, dass die OA-Ausbildung viel zu theoretisch sei. Wortführer ist hier z.B. Brigadegeneral a.D. Henning Glawatz, der ja in Büchold bei Hammelburg wohnt und dessen Stimme als graue Eminenz der Fallschirmjäger in Hammelburg noch einiges an Gewicht besitzt.

    Er lädt ja momentan die OAs der Fallschirmjäger zweimal im Jahr zu sich auf Schloß Büchold ein und hält Vorträge über die Fallis, damit die Soldaten zumindest ein gewisses Bild über ihre gewählte Truppengattung bekommen. Lt. seiner Aussage hätten die jungen OA nicht mal ne gewisse Vorstellung über die Grundwerte ihre Truppe.
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    Duebbekold (09.04.2018)

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  8. #4
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    Das sind doch keine Truppenoffiziere. Das sind für mich Militärtheoretiker. Da werden Offiziere die keine praktische Erfahrung haben, auf Untergebene losgelassen.

    In CH sieht die Milizoffiziersausbildung wie folgt aus:
    • 7 Wochen Rekrutenschule (Vorschlag und Beförderung zum Soldaten)
    • 9 Wochen Unteroffiziersschule, je nach Truppengattung unterschiedlich aufgeteilt in Funktionsausbildung und Führungsausbildung (Beförderung zum Obergefreiten)
    • 4 Wochen zentraler Offizierslehrgang
    • 11 Wochen Of ziersschule inkl. 1 Woche KVK (Beförderung zum Oberwachtmeister)
    • 18 oder 21 Wochen Abverdienen in einer RS, davon
    – 13 Wochen Praktikum unter Betreuung der Berufskader (Beförderung zum Leutnant) – 5 oder 8 Wochen Praktischer Dienst mit voller Verantwortung

    Berufsoffizier kann man erst nach der Beförderung zum Leutnant werden, mit einer recht langen Ausbildung, die immer wieder durch einen praktischen Truppendienst, unterbrochen wird.


    Gruss
    Varga

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  10. #5
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Zitat Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
    ..., kommt immer, immer wieder deutlich zur Sprache, dass die OA-Ausbildung viel zu theoretisch sei.
    Ich denke, das ist (und war schon immer) allgemein ein Problem. Praktische Ausbildung ist in vielen Fällen aufwendiger, teurer und gefährlicher als die Theorieschulung. Allerdings kann man heute mit Simulatoren sehr viel machen, von denen man früher nicht einmal geträumt hat.
    Die "echte" Praxis können aber Simulatoren nicht ersetzen. Ich kann einen MG-Schützen wunderbar virtuell ausbilden. Wenn er dann nach 10 Tagen Übungsplatzaufenthalt, völlig übermüdet in vom Regen völlig aufgeweichten Klamotten hinter seinem MG liegt und dann auf einmal ständig Ladehemmung hat, weil der den MG-Gurt trotz aller Belehrungen im nassen Sand liegen hatte, dann konnte diese "Friktionen" anscheinend am Simulator nicht eingespielt werden.
    Wie sagte schon der ältere Moltke so schön: "Die Lagen im Krieg sind von unbegrenzter Mannigfaltigkeit". Gerade diese Überraschungen erlebt man eben nur in der Praxis.
    Auch die Geschichte vom Richtschützen im MARDER, der auf der Schießbahn in Shilo/Kanada auf 1500 m in den Nebelschwaden irgend etwas Dunkles sieht, das er für die Scheibe hält, dann abdrückt und nach einem Feuerstoß Sprengbrandmunition bei der Trefferaufnahme voller Erstaunen erkennt, dass er einen Elch atomisiert hat, wäre wohl keinem Programmierer für ein Simulationsprogramm eingefallen.

    Ausufernde Sicherheits-, Umweltschutz- und Arbeitsschutzbestimmungen machten schon in den 1980er Jahren eine praktische Ausbildung immer schwieriger. Die westdeutschen Übungsplätze mutierten immer mehr zu Parkanlagen, wo man sich nur noch auf genau festgelegten Trassen bewegen durfte und wo die Schußrichtung durch entsprechend gepflanzte Hecken vorgegeben wurde, Überschießen oder Feuerkreuzen war bei diesen gepflegten Gärten Teufelszeug.
    Nach 1991 konnten noch für einige Jahre die ehemaligen NVA-Übungsplätze genutzt werden. Hier war man viel freier in der Übungsanlage, wenn mal eine Buschgruppe oder einige Bäume zerschossen wurden, dann war das eben so. Besonders gerne erinnere ich mich hier an den kleinen Übungsplatz Dauban in der Oberlausitz, nördlich von Görlitz. Für Infanterieschießen ein Traumplatz, wo man wirklich alles machen konnte, was die Praxis eines Gefechtsschießens erforderte.

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    Duebbekold (11.04.2018), Rex Danny (11.04.2018)

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  13. #6
    Cold Warrior Avatar von zaagstra
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    Zitat Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
    Auch die Geschichte vom Richtschützen im MARDER, der auf der Schießbahn in Shilo/Kanada auf 1500 m in den Nebelschwaden irgend etwas Dunkles sieht, das er für die Scheibe hält, dann abdrückt und nach einem Feuerstoß Sprengbrandmunition bei der Trefferaufnahme voller Erstaunen erkennt, dass er einen Elch atomisiert hat (...)
    Ich glaub, mich knutscht ein Marder...

    Walter Zed
    1983-84 Sani beim 41 Tankbataljon "Regiment Huzaren Prins Alexander" (NL) in Bergen-Hohne.

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  15. #7
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    Zitat Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
    (...)
    Wie sagte schon der ältere Moltke so schön: "Die Lagen im Krieg sind von unbegrenzter Mannigfaltigkeit". Gerade diese Überraschungen erlebt man eben nur in der Praxis.
    (...)
    Ausufernde Sicherheits-, Umweltschutz- und Arbeitsschutzbestimmungen machten schon in den 1980er Jahren eine praktische Ausbildung immer schwieriger. Die westdeutschen Übungsplätze mutierten immer mehr zu Parkanlagen, wo man sich nur noch auf genau festgelegten Trassen bewegen durfte und wo die Schußrichtung durch entsprechend gepflanzte Hecken vorgegeben wurde, Überschießen oder Feuerkreuzen war bei diesen gepflegten Gärten Teufelszeug..
    Lustig zu lesen, auf was in Kanada die Elche achten müssen.. :-)
    Dabei fällt mir spontan eine Nachtschicht OvWa-Dienst bei einem Truppenübungsplatz in 1988 in Bergen- Hohne ein. Ein Auszug der Erlebnisse, kurz gehalten..
    - Am Abend, Leopard-Schießen auf einer Schießbahn steht an, man schaut den Kameraden eines anderen Bataillons gerne mal zu.. Nach den entsprechenden vorbereitenden Abläufen wird der Richtschütze eines Panzers gefragt, ob er das Ziel erkannt hat - er bestätigt und hat Feuerfreigabe. Er soll sein Ziel zwischen zwei weißen Lichtern finden. Irgendwann fällt uns Unbeteiligten ( OvWa und Fahrer ) auf, daß die beiden Lichter den Eindruck erwecken, schwingende Bewegungen zu machen. Ohne sich das auf die Schnelle erklären zu können, veranlassen wir einen Abbruch der Übung und Rücknahme der Feuer-Freigabe. Als die Lichter näher kommen stellt sich heraus, daß es ein US-LKW mit zwei sturzbetrunkenen GI´s ist, die "eine Abkürzung" genommen hatten.. Von den beteiligten Verantwortlichen hatte keiner bemerkt, daß der Richtschütze etc. sein "Ziel" in einer abweichenden Richtung gewählt hatte.

    In der Nacht Kontrolle einer Wache, die an einer Schießbahn die abgestellten Panzer und die separat gestapelte "scharfe" Munition bewachen sollte. Als wir heranfahren, ist niemand zu erkennen. Irgendwann erkennen wir einen Mannschaftsdienstgrad, der auf dem warmen Heck eines Panzers: schläft! Als wir kontrolliert haben, daß sich kein weiterer Soldat im Bereich des Abstellplatzes unterwegs ist, wecken wir den Mann, der auf unsere Fragen verdutzt mitteilt, man hätte vergessen, ihnen Funkgeräte, Waffen und Munition dazulassen. Es hätte nur der zur Wache eingeteilte Uffz eine Pistole dabei und dazu drei Schuß "privaten Schwarzbestand". Dieser sei oben im Turm und würde dort mit einem weiteren Mannschaftsdienstgrad schlafen. Auf die Frage, wie er sich denn im Gefahrenfall bemerkbar machen wolle - Achselzucken. Der Uffz wurde geweckt, er erklärte nach dem Motto "... seine Vorgesetzten hätten vergessen, ... " und er hätte keine Möglichkeit gesehen, sich zu melden und auf die Versäumnisse hinzuweisen... Eine weitere "Praline" bot sich mit dem Umstand, daß die zahlreichen, palettierten Geschosse außerhalb der Sichtweite vorne an der -als öffentliche Straße fungierenden- Ringstraße gestapelt waren. Der wachhabende Uffz habe seine Vorgesetzten noch darauf angesprochen, daß sie dort falsch abgeladen seien und umgesetzt werden müßten, doch habe sich keiner zuständig gefühlt..

    In der Nacht gab es noch drei weitere in diesem Zusammenhang "bemerkenswerte" Vorfälle..

    Am Morgen kam man bei dem eigenen Truppenteil vorbei ( Mat-Nachweis-Gruppe eines Panzerbataillions ), deren Lager- und Materialausgaberaum in einer Holzbaracke ( "Feldhaus" ) dort untergebracht war. Von einem Zugang gab es rechts und links je eine Zugangstür in einen Raum. Wir hatten einen belegt. Beim Aufschließen fiel auf, daß Glasspitter im Eingang lagen. Die Auflösung: in der Nacht hatten Feldwebeldienstgrade und Leutnante einer anderen Einheit im anderen Raum ein Trinkgelage veranstaltet und irgendwann in alter John Wayne und Ronald Reagan - Manier Übungen abgehalten, wer denn schneller die Pistole ziehen kann. Irgendwann war einer nicht nur der schnellere, sondern er drückte auch ab - Treffer! Blattschuß, mitten in den Oberkörper. Als wir kamen, hatte man gerade das Opfer abtransportiert. Den Nutzer der anderen Barackenhälfte zu kontaktieren oder einfach nur informieren hatte man vergessen.. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß unsere Mannschaft ursprünglich in dem Barackenteil auch einquartiert werden sollte, Betten standen schon drin. Da es aber derart nach ausgelaufenem und in das Holz eingesaugte Öl des dort als Heizung dienenden Ölofens stank konnten wir letztlich doch noch eine Einquartierung zusammen mit den anderen Soldaten der Einheit in einem festen Gebäude erreichen.. Die benachbarten Baracken waren ausschließlich als Truppenunterkünfte anderer Einheiten genutzt - also in der Nacht auch bewohnt... Ein verantwortungsvolles Handeln der beteiligten "fei(u)ernden" Offiziere.. Für mich ein prägendes Erlebnis.

    Am folgenden Tag stand das Üben von Reparaturen an den Kpz Leo II auf dem Programm. Darunter auch das Auswechseln einer Antriebseinheit sowie die ganzen "Papier-Abläufe" im Ersatzteilwesen. Als materialbetreuende Einheit war eine ebenfalls auf dem Übungsplatz anwesende Pz-Einheit befohlen, deren Nachschub-Kompanie sich in einem idyllischen Dorf am Rande des TrÜbpl eingerichtet hatte. Als man dort auftragsgemäß zum Abholen einer Antriebseinheit und weiterer Ersatzteile vorfuhr wurde man erstmal durch die Feldwebeldienstgrade vertröstet - ma nsei gerade in einer feldmößigen Übung, wir müßten uns eingliehätte dern und unser Fahrzeug in einen Nachbarort bringen und gegen Luftsicht abtarnen. Wir würden dann im Lauf des Tages "abgerufen"... . Auf den Hinweis, dazu sei bei der "Bestellung" / Anforderung der Teile auf dem Versorgungswege nichts mitgeteilt worden und die eigene Truppe warte ja auf die Sachen, da auch sie an diesem Tage den Einbau der Sachen übe - ausweichende Antworten. Auf die Bitte, mit der eigenen Einheit telefonieren zu können, wurde mitgeteilt, das ginge nicht, "der Feind hätte -laut deren vorgegebenen Übungsverlauf- die Fernsprechverbindungen unterbrochen.." ( man erinnere sich, satellitengestützte Telefonie für jedermann und überall gab es noch nicht...) Als es zu bunt wurde und man sich eigenmächtig in eine der Scheunen begab, in denen die als Lager dienenden BW-Fahrzeuge untergestellt waren, stellte sich heraus, daß die Einheit auf Anweisung ihrer Vorgesetzten gar keine solcher vorzuhaltenden Teile dabei hatte. Die zahlreichen Anhänger und tmil-Fahrzeuge waren : leer ! ( ein Zitat: "Wegen zehn Tagen ÜbPl-Aufenthalts das ganze Material zu verladen.... " ). Als wir leer zurückgefahren waren und das unserer Einheit meldeten wollte das keiner glauben - bis ich auf angefertigte Fotos verweisen konnte und der Film daraufhin sofort zum Entwickeln gebracht wurde.. Mir hatte es einen Hubschrauberflug zum Anholen der Großbauteile mit einer CH 53 vom Norden in den Süden in die eigene Kaserne und wieder zurück eingebracht und der verursachenden Einheit sicherlich einige Disziplinarverfahren und Beförderungsstopps etc. .
    0
    Das nur mal als "Momentbetrachtungen", ich erinnere mich noch an einiges mehr vergleichbarer Art, bei der man leicht den Eindruck gewinnen konnte, diese Vorgesetzten haben die Tragweite ihrer (nicht) getroffenen Entscheidungen nicht überschaut..

    Ob es heute im allgemeinen besser "läuft", wo oftmals Offiziere mehrere "Halbzeit-Dienststellen" begleiten, mag jeder für sich bewerten.

    Hoffe nicht allzu stark gelangweilt zu haben und verbleibe mit kameradschaftlichem Gruß
    Muna-Mann
    Geändert von Muna-Mann (11.04.2018 um 23:01 Uhr)

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    Guenther (12.04.2018), kato (18.04.2018), Rex Danny (11.04.2018)

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  18. #8
    Cold Warrior
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    Danke für deinen Erlebnisbericht, MunMann.

    Was es alles so gibt...

    Aber ich sehe es so: Die Bundeswehr wird (in meinen Augen) immer mehr in Zwänge und Abläufe eines zivilen Unternehmens gedrängt. Und in der zivilen Wirtschaft ist es doch immer mehr so, dass alles nur noch auf Kante genäht ist und auf Verschleiß gefahren wird. Man spart an sämtlichen Personalkosten, was irgendwann mal dazu führt, dass ein Mitarbeiter schlussendlich die Arbeit von 3 Leuten machen muss, da die anderen beiden ausgeschieden sind und die Posten nicht mehr nach besetzt werden (dürfen), weil der Chef seine Kostenstelle ja klein halten will (klar, danach misst sich seine Bonus-Zahlung).
    Das führt dann dazu, dass a.) der Frust unter den Mitarbeitern immer weiter steigt und schließlich im burn-out mündet b.) eine Mentalität Einzug hält, die einfach nur noch unerträglich ist.
    Und das greift auch unter den Soldaten um sich.

    Ich war in 2016 und 2017 an verschiedenen Weiterbildungseinrichtungen der genossenschaftlichen Finanzgruppe VolksbankenRaiffeisenbanken, u.a. auch auf Schloß Montabaur, wo ja der "Führernachwuchs" der VR-Banken ausgebildet wird. Da habe ich Szenen erlebt, wo ich mir denke: Na toll, wenn das die neuen Chefs werden, dann Gute Nacht. Das war für mich sehr prägend, vielmehr aber noch beängstigend.
    Da frage ich mich: Bin ich mit meinen 38 Jahren scho soooo alt und konservativ oder ist meine Einstellung doch vielleicht ganz richtig in einer vogelwilden Zeit?

    Um die Kurve zum Thema wieder zu bekommen: Wenn die BW dann ihren "Führernachwuchs" dann auch so ausbildet wie in einem zivilen Unternehmen, dann brauchten wir uns nicht wundern. Vielleicht ist hier der Weg "zurück zum Ursprung" dann doch ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

    Und nochmal zum Thema Ausbildung und nemeres Beitrag: Während meiner Dienstzeit 1999/2000 begann das Simulatorzeitalter bei der BW. Meine Ausbildung zum MKF F war zu einem großen Teil "simulatorgestützt". Das war in meinen Augen nicht das Gelbe vom Ei. Hier kann auch kein TD geübt werden, das musste noch am "Lebenden Panzer" geübt werden. Waren aber nur 2 SPz Marder verfügbar, weil ein Teil in der Inst war und ein anderer Teil der Fahrschul-Marder abgegeben werden musste, weil man ja nicht mehr so viele Marder benötigt und jetzt alles im Simulator macht.

    Später dann fuhren wir mit der 5./352 regelmäßig zu Uffz-Weiterbildungen und zur Besatzungsausbildung nach Bad Salzungen. Da stand ein AGPG. Hier konnten die einzelnen Besatzungen zug - und/oder kompanieweise im Simulator üben. Also MKF, Kommandant, Richtschütze. Hier durfte ich dann den SPz der KpFü mit dem KpChef "fahren".

    Der Chef war jedes Mal auf der Heimfahrt nach Mellrichstadt der Verzweiflung nahe. Alles, was er gelernt hatte, führte zu Mißerfolgen. Die spielsüchtigen Uffze, die an ihrer Konsole oder dem PC Spiele zockten, die "gewannen". Das hat ihm schwer zu denken gegeben.
    Geändert von DeltaEcho80 (12.04.2018 um 09:03 Uhr)
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    Muna-Mann (12.04.2018), Nemere (12.04.2018)

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    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Zitat Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
    Wenn die BW dann ihren "Führernachwuchs" dann auch so ausbildet wie in einem zivilen Unternehmen, dann brauchten wir uns nicht wundern. Vielleicht ist hier der Weg "zurück zum Ursprung" dann doch ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.
    Das Problem ist - wie so häufig - den gesunden Mittelweg zu finden. In den 1970er und 1980er Jahren hat man sich in der Bundeswehr auf vielen Ebenen noch keine Gedanken um betriebswirtschaftliches Handeln gemacht.

    Beispiel: Eine Kompanie Jäger fährt zum Schießen, eingesetzt werden zum Personentransport ein Dutzend LKW 1,5 to (Unimog). Es wäre problemlos möglich gewesen, drei der im Standort vorhandenen Omnibusse einzusetzen - es hätte einer gewissen Organisation bedurft, hätte aber allenfalls die Hälfte der Kosten verursacht.
    Ein anderes Beispiel aus dem Feldjägerbereich: Für Fotoaufnahmen hatten wir bis nach 1980 sehr gute robuste Kameras von Rollei oder Zeiss, die allerdings eine gewisse Ausbildung erforderten, dann aber hervorragende Ergebnisse erbrachten. Verwendet wurden vor allem preiswerte, aber völlig ausreichende Schwarzweiß-filme, die von den Film-Bild-Ton-Stellen der WBK selbst aus Meterware konfektioniert wurden. Entwicklung der Filme war auch sehr billig machbar. Aber wie gesagt, der Umgang mit diesem Gerät erforderte entsprechende Ausbildung. Nun kam man bei Neubeschaffungen von Unfallaufnahme- und Spurensicherungsgerät auf die glorreiche Idee Sofortbildkameras zu beschaffen, weil man da ja sofort erkennt, ob das Bild etwas geworden ist. Abgesehen davon, das diese Kameras für die oftmals anzutreffenden schwierigen Aufnahmesituationen völlig ungeeignet waren, waren die Bilder um ein vielfaches teuerer als die der Vorgängermodelle. Die Sofortbildfilme mussten aus dem Titel "Büromaterial" beschafft werden, der sowieso immer unterfinanziert war. Endergebnis: Die Sofortbildkameras wurden so gut wie nicht verwendet, man hegte und pflegte die noch vorhandenen alten Kameraschätzchen, bis dann endlich Mitte der achtziger Jahre einfachere, aber meistens ausreichende Agfa-Kameras beschafft wurden. Für Sonderfälle gab es dann im Bataillon noch eine Contax mit exzellenten Objektiven.

    Heutzutage ist es dagegen in weiten Bereichen der Streitkräfte so, dass Controlling alle anderen Faktoren überwiegt und darum häufig keine brauchbare Ausbildung wegen der Angst vor den entstehenden Kosten machbar ist.

    Merkwürdigerweise funktioniert aber dieses eigentlich ja sinnvolle Kostenbewusstsein auf den hohen Führungsebenen überhaupt nicht - siehe die ständigen Skandale im Bereich Rüstungsgüterbeschaffung, wie Airbus A400M, Beschaffung des Kampfhubschraubers TIGER, der nach wie vor nicht voll einsetzbare NH 90 usw.

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    DeltaEcho80 (12.04.2018), Duebbekold (12.04.2018)

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    Zitat Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
    Das Problem ist - wie so häufig - den gesunden Mittelweg zu finden. In den 1970er und 1980er Jahren hat man sich in der Bundeswehr auf vielen Ebenen noch keine Gedanken um betriebswirtschaftliches Handeln gemacht.

    Beispiel: Eine Kompanie Jäger fährt zum Schießen, eingesetzt werden zum Personentransport ein Dutzend LKW 1,5 to (Unimog). Es wäre problemlos möglich gewesen, drei der im Standort vorhandenen Omnibusse einzusetzen - es hätte einer gewissen Organisation bedurft, hätte aber allenfalls die Hälfte der Kosten verursacht.
    Genau das mein(t)e ich ja. Zu meiner Zeit wurde damals in Mellrichstadt das "KLV"-Büro eingerichtet. Die Kompanien und deren Teileinheiten mussten hier bis Donnerstag, 14 Uhr, ihre vorher verteilten KLV-Bögen ausgefüllt wieder abgeben. Und wehe, der "Stundenzettel" stimmte nur ansatzweise nicht mit dem Dienstplan der Kompanie, welcher natürlich mit eingereicht werden musste, überein.
    Wir hatten ein spezielles Problem: Unsere Kompanie hatte in I/00 Leerquartal. Der Dienstplan, den der Chef erließ, war - bis auf die Essenszeiten - sagen wir mal "sehr flexibel" auslegbar. Nun war es meine Aufgabe vom Spieß aus, die KLV-Bögen entsprechend kreativ zu gestalten, dass der KLV-StOffz (immerhin ein Major!) zufrieden war. Ihr wisst also, was ich den ganzen Donnerstag vormittag gemacht habe...

    Anderes Beispiel: ich war ja MKF der KpFü. Wir hatten für jedes unserer Fahrzeuge (ja, auch für die SPz!!!) eine DKV-Tankkarte. Damit konnten wir z.B. an der Aral-Tanke in Mellrichstadt unseren Wolf tanken. Dies mussten wir auch regelmäßig nutzen, da die Dienst-Tankstelle nur noch eine Wochenzuweisung über 1.000 Liter Diesel bekam. Das reichte nicht mal für 2 SPz.
    So, am Monatsende kam von der KLV-Stelle der Abrechnungsbogen an unseren Chef, der ihn gegenzeichnen musste - natürlich nicht ohne den Umstand, dass der KpTrpFhr oder VU bei ihm antreten mussten, um gesammelte Werke der erteilten Fahraufträge vorzulegen.
    Das hatte zur Folge, dass z.B.der Chef Anforderungen anderer Einheiten für Fahrzeuge nur genehmigte, wenn sichergestellt war, dass die auch über die Kostenstelle dieser anfordernden (Teil)-Einheit abgerechnet wurden. Ihr könnt euch vorstellen, dass das für ein Aufwand war, wenn wir dann 3 VW-8-Sitzer von der 1. Kompanie für einen Ausbildungsaufenthalt auf der Winkelmoosalm benötigten.

    Das ist jetzt 19 Jahre her. Möchte gar nicht wissen, was jetzt abläuft. Ist das noch eine einsatzbereite Armee???
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    Friedrich Nitzsche

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