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Thema: HStr IV und die Sankette

  1. #11
    Cold Warrior
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    Avatar von EmilBerggreen
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    Okay, verstehe.
    Hatte das Verwundetennest immer als eine Art "Provisorium" gesehen, wo die Verwundeten eines Zuges, der gerade das Feuergefecht führt, gesammelt werden und dass die Sanitäter mit ihren lebensrettenden Maßnahmen erst später ins Spiel kommen.
    Natürlich solche Dinge wie Druckverbände anlegen … etc.

    Gem. WP
    Ein
    Verwundetennest ist der erste Versorgungs- und Sammelpunkt für einen Verwundeten, meist nahe dem Zugnest/"Zuggefechtsstand ". Vom Verwundetennest erfolgt dann die Übernahme durch den Truppensanitätsdienst mit Sanitätspersonal, in schweren Fällen auch durch den beweglichen Arzttrupp (BAT), der diese dann zur Rettungsstation, früher Truppenverbandplatz (TVP), verbringt.

    Druckverband - vielleicht die wichtigste lebensrettende Maßnahme, um die Blutung zu stoppen. Ich meine das einmal von einem ehemaligen Sani gehört zu haben. "Blutung stoppen und egal, ob da Schmutz reinkommt - Infektionen kann man später noch immer bekämpfen - Hauptsache, er schafft es erst einmal weiter".
    Schusswunden sind eine Sache aber was ist mit Kombinationen aus Schuss- und Brandwunden, Metallsplittern (alle typischen Verletzungsbilder aus einem Panzergefecht), komplizierten Knochenbrüchen, etc.?
    Geändert von EmilBerggreen (15.07.2018 um 16:00 Uhr) Grund: Synthax

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  3. #12
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Ich befürchte fast, da kommt wieder etwas durcheinander:

    1. Dieses Thema bezieht sich auf die Heeresstruktur IV

    2. Schlumpf spricht in seinem Beitrag (Beitrag Nr. 10) aber von seiner Zeit als Sanitäter 1997! Das war keine Heeresstruktur IV mehr, da gab es keinen potentiellen Gegner im Osten mehr, der mit massiven Panzerkräften angerückt war, da galten völlig andere Organisationsstrukturen - auch bei den Sanitätern.

    3. Schlumpf schreibt: "Uns wurde erklärt, dass wir das Verwundetennest betreuen sollten. Ein Sanitäter pro Sammelplatz."
    In der Heeresstruktur IV war aber das "Verwundetennest" etwas anderes als der "Sammelplatz". Das Verwundetetennest hatte damals eher selten einen ausgebildeten Sanitäter zur Betreuung von Verwundeten, hier war vorrangig Selbst- und Kameradenhilfe. Ausnahmen gab es, wenn der Kompanie ein Santrupp zugeteilt war, wie dies meistens bei den Kampfkompanien der Fall war. Vom Verwundetennest erfolgt der Transport zum Truppenverbandplatz des Bataillons, entweder durch die Kompanie selbst oder durch einen der Santrps des Btl. Wenn dies von der Kompanie erfolgt, stand der KpChef schon wieder im Gewissenskonflikt. Nach den Erfahrungen der beiden Weltkrieg und des Koreakriegs bestand immer die Gefahr, das an sich nur leicht verwundete Soldaten von viel zu vielen Kameraden zurück- "transportiert" wurden und dadurch die Kompanien massiv an Gefechtsstärke verloren. Eine der letzten Kriegsvorschriften der Wehrmacht fordert daher: "Der Bataillonsarzt achtet darauf, daß die Kompanien unter dem Vorwand der Verwundetenfürsorge nicht an Gefechtsstärke verlieren." (HDv 130/19 - Versorgung im Grenadier-Regiment, 1945). Gerhard Elser schreibt dazu in seinem hervorragenden Kompendium "Kriegsnah ausbilden": Der Schwund an Kampfkraft ist leicht nachzurechnen, er verdoppelt und verdreifacht die tatsächlichen blutigen Verlusten, die Auswirkungen auf den Auftrag sind abzusehen. LEHRE: Nur der taktische Führer entscheidet, wer Verwundete betreut (Elser, Kriegsnah ausbilden, 1985, S. 130 ff.).
    Im Ersten Weltkrieg nahm dieses Phänomen vor allem 1918 Ausmaße an, die von der Führung nicht mehr beherrschbar war. Man geht davon aus, das von März bis Juli 1918 nur an der Westfront mehr als 1 Million Soldaten deswegen nicht mehr greifbar war (Deist, Wilhelm: Versteckter Militärstreik im Kriegsjahr 1918?, In: Wette, Wolfram (Hrsg.): Der Krieg des kleinen Mannes - eine Militärgeschichte von unten, München 1992, S. 157. Deist verwendet als Quelle vor allem den ein sehr exaktes Zahlenmaterial bietenden "Sanitätsbericht über das Deutsche Heer im Weltkriege 1914 - 1918, hier Band 3, S. 61, 758, 765, 774 ff.)
    Hier schlugen auch die geringen Personalstärken der Züge in der Heeresstruktur IV voll durch: SPz-Züge mit zwei Gruppen, Absitzstärken des Zuges von noch nicht mal 20 Solaten usw. Zwei Verwundete mit je zwei Begleitpersonen und ein Drittel der abgesessen kämpfenden Grenadiere sind verschwunden.

    4. "Sammelpunkte" für Verwundete konnten dagegen von der San-Truppe betrieben werden. Das waren z.B. die Wagenhalteplätze in der Nähe der Truppenverbandplätze, wo KrKw für den Weitertransport bereitstanden. Bis zum Ende der Heeresstruktur 3 gab es bei den Korps-Sanitätsbataillonen und bei den Sanitätsbataillonen des Territorialheeres sogar eigene "Sanitätssammelkompanien", die solche Sammelpunkte einrichteten und dazu bis in das Divisionsgebiet vorgeschoben wurden (Taschenbuch für den Sanitäts- und Gesundheitsdienst der Bundeswehr, 14. Folge - 1972, S. 30 ff.)

    Grüße
    Jörg

  4. Folgende 2 Benutzer sagen "Danke" zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    EmilBerggreen (16.07.2018), Rex Danny (15.07.2018)

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  6. #13
    Cold Warrior
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    Ganz wichtiger Punkt, wäre ich so auch noch nicht darauf gekommen.

    Was wäre eigentlich mit Leichtverletzten oder möglichen Simulanten gewesen? Jemand gibt z.B. vor, ein schweres Knalltrauma (nach einem Panzergefecht) zu haben. Äußerliche Verletzungen nicht zu sehen.
    Kommt der dann auch in den TVP, wo dann der BtlArzt entscheidet, dass der Kamerad voll verwendungsfähig ist?

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  8. #14
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Über solche Fragen wird natürlich der Arzt entscheiden müssen. Wenn der Truppenarzt das nicht sicher beurteilen kann, gibt es dann spätestens auf der Ebene der Reservelazarettorganisation entsprechende Facharztgruppen, z.B. für HNO oder Neurologie/Psychiatrie. Außerdem ist bei "Simulanten" immer auch die wehrstrafgerichtliche Seite zu prüfen: § 18 WStG Dienstentziehung durch Täuschung, bei möglichen Selbstverstümmelungen- also Selbstzufügen von Verwundungen ist der § 17 WStG einschlägig. In beiden Fällen ist bereits der Versuch strafbar.
    Hier kämen dann die Wehrgerichte ins Spiel, die es ab Divisionsebene gab.

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