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Thema: BGS / BuPo - Der Wandel einer Polizeitruppe im Zeichen der Zeit

  1. #1
    Rekrut Avatar von harbec
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    Standard BGS / BuPo - Der Wandel einer Polizeitruppe im Zeichen der Zeit

    @ EmilBerggreen

    Teil 1 - Wie kam ich zum BGS?
    Die Anregung für meine kommenden Ausführungen sind von Emil. Ich werde versuchen, seine
    vielen Anregungen einmal umzusetzen. Es gibt viel zu berichten. Das ich damals beim BGS
    anfing war nur ein günstiger Ersatz für die damals gültigen 18 Monate bei der Y-Bande. Ich
    verdiente damals als Schriftsetzer in Lübeck mit gerade 18 Jahren schon ein sehr gutes Geld.
    Bei der BW war es als Wehrpflichtiger nicht so toll. Von der evtl. weiten Entfernung von
    zu Hause bzw. der Freundin gar nicht zu sprechen.

    Dann kam 1971 der Musterungsbescheid zur BW. Ich sprach in der Druckerei mit einem
    befreundeten Kollegen über meinen Fall. Dieser hatte gerade 2 Jahre beim BGS in Lübeck
    abgeleistet. Dieser erklärte mir die Möglichkeiten einer möglichen Laufbahn. Eben wie damals
    bei der BW 2-4-8-12 Jahre mit Abfindung, Beurfsförderung oder mit Glück evtl. Beamter auf
    Lebenszeit. Interessant waren in dem Moment für mich die 2 Jahre. Es gab für diese Dienstzeit
    damals 1.000.- DM Verpflichtungsprämie und eine Abfindung vom letzten Bruttogehalt 3-fach
    Brutto = Netto. Weiterhin zu fast 100% Verwendung in Lübeck. Es gab damals 2 BGS-
    Abteilungen im Ort.

    Mein Vater gab mir als Soldat des II. WK noch den Tipp Fernmelder/Funker zu werden. Die
    sitzen immer warm und trocken meinte er. Weiterhin sind sie immer gut informiert.
    Am Tag der Musterung ging alles seinen sozialistischen Gang und ich stellte mich nach der
    Musterung noch einem Berater des BGS vor und sagte, dass ich gerne 2 Jahre dienen
    wollte.

    Nach kurzer Zeit bekam ich die Aufforderung zu einem Eignungstest beim BGS. Ähnliches
    Prozedere wie der bei der Musterung mit Rechen-, Deutsch- und Sporttest und persönlichem
    Gespräch. Vor dem Sporttest fragte ein Unterführer unsere Gruppe, wer Fernmelder werden
    wollte. Ich meldete mich und er notierte meinen Namen und meinen Beruf. Der Test war
    erfolgreich und so bekam ich meine BGS-Einberufung zum 03.01.1972 zur Grundausbildung
    mit anschließender Ausbildung zum Fernmelder. Das Ganze sollte in Neu Tramm bei Dannenberg
    an der Elbe stattfinden.
    Geändert von harbec (30.05.2019 um 13:53 Uhr)
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  4. #2
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    Standard

    Teil 2 - BGS 1972 - Sport, Drill, Schliff in der Grundausbildung

    Die erste Woche der 4 Monate begann recht harmlos. Es kamen die ärztlichen Untersuchungen, Unterkunfts-
    begehungen, Empfang der Bekleidung und Ausrüstung, Einräumen der Stuben und Schränke. Auch unseren
    Lehrsaal lernten wir kennen. Es erfolgten Belehrungen und Unterschriften mussten geleistet werden. Der
    Abteilungsführer begrüßte uns mit markigen Worten. Der Rechnungsführer erläuterte uns die Abgabe der
    Essenmarken, die Gruppenführer das Verhalten in der Öffentlichkeit und sonstige Verhaltensmaßregeln
    eine BGS-Beamten. Natürlich auch kein Verlassen der Kaserne in Uniform. Am Freitag erfolgte dann die
    Ernennung zum Grenzjäger und Beamten auf Widerruf mit einer Urkunde aus Büttenpapier und die Auszahlung
    eines Vorschusses auf unser monatliches Gehalt. Das natürlich auch wieder alles mit einer markanten Rede
    unseres Hundertschaftsführers Hauptmann P..
    Bei den Offizieren ging es mit dem Leutnant los und hört mit dem Generalmajor auf. Die Unterführer waren
    Hauptwachtmeister, Meister usw..
    Nach dem Mittagessen war noch ein ruhiger und gesitteter Stubendurchgang. Wir durften dann in aller Ruhe
    ins Wochenende fahren.

    Während der ersten Woche war uns schon aufgefallen, dass hier beim BGS ein ziemliches raues Klima
    herrschte, welches sich in der Lautstärken bemerkbar machte und vieles im Laufschritt absolviert wurde.
    Auch fiel uns auf, dass noch diverse Kriegsteilnehmer die Uniform des BGS trugen. Sie trugen alle
    ihre Ordensspangen mit den Orden des 2. WK. Natürlich war das DSA und DLRG auch dabei.
    Ich hatte Glück, mein Gruppenführer hatte den Beinamen Schleifer-L.. Wir waren dann ein Zug von
    knapp 30 Leuten, der dann die nächsten Wochen zu einer Einheit "geformt" werden sollte. Man hatte
    uns schon zu verstehen gegeben, dass man uns schon rannehmen würde, weil wir ja anschließend
    als Fernmelder eine ruhige Kugel schieben würden.
    Geändert von harbec (30.05.2019 um 19:18 Uhr)
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    EmilBerggreen (31.05.2019)

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  7. #3
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    Teil 2a - BGS 1972

    Am Sonntag Abend hatten wir bis 24.00 Uhr in der Kaserne zu sein. Wir schauten natürlich
    gleich auf den Dienstplan der 2. Woche. Es ging gut los:
    05.45 Uhr Wecken - UvD
    06.00-06.20 Geländelauf - Gr.Fhr.
    06.20-07.15 Duschen / Frühstück
    07.15 Uhr Befehlsausgabe - Innendienstleiter
    07.30- Waffen- und Geräteempfang
    Alleine die ersten beiden Stunden hatten es in sich. Der Geländelauf wurde am Außenzaun der Kaserne durchgeführt und man kam
    doch etwas in Schwitzen. Natürlich wurde die Laufzeit nie eingehalten, so dass es von der Dusch- und Essenszeit abging. Einige
    meiner Mitstreiter waren so schlau und wollten das Duschen sparen. Sie wurden von den aufsichtsführenden UvD im Speisesaal
    wieder zurückgeschickt. Also verzichteten sie auf das Frühstück. Man musste sich das Frühstück reinwerfen, weil einem die Zeit
    im Nacken saß. Der Spieß als alter Kriegsteilnehmer zog dann eine lockere Befehlsausgabe durch, so dass man im ersten
    Moment dachte, das ist ja ein netter Typ. Später mehr von ihm später.
    Auch der anschließende Waffen- und Geräteempfang ging noch locker vor sich. Wir bekamen unser G 1 sowie das andere
    persönliche W-Gerät. Die Gerätschaften wurden dann nach dem Spindplan unter Aufsicht der Gruppenführer im Schrank verstaut.
    Dann folgte die ersten Stunden Formalausbildung. Wir mussten ja erst einmal das Laufen lernen. Zum Glück hatten wir
    keine Passgänger in der Gruppe, so dass es einigermaßen mit uns klappte und endlich war Mittagspause.
    ... dachten wir!
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    EmilBerggreen (31.05.2019), Hoover (31.05.2019)

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    Danke, gerne mehr. Hast du auch Bilder von deiner Zeit?
    "Damals, als ich in meinem Alter war..."

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  12. #5
    Cold Warrior Avatar von EmilBerggreen
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    Sorry, hatte ich erst jetzt entdeckt! Besten Dank dafür!

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  14. #6
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    Zitat Zitat von Hoover Beitrag anzeigen
    Danke, gerne mehr. Hast du auch Bilder von deiner Zeit?
    ... Bilder habe ich nicht, leider!

    Teil 2b - BGS 1972
    ... jetzt ging es in die Mittagspause. Wir stürmten nach der ersten Ausbildung auf die Stuben und
    holten unsere Bestecke und gingen zum Essen. Vor dem Speisesaal hatte sich schon ein Schlange gebildet.
    Bald erkannten wir den Grund. Im Speisesaaleingang kontrollierte ein UvD den Stiefelputz und den Anzug und wir
    sahen dann den einen oder anderen Leidensgenossen in Richtung Unterkünfte traben. Wir waren in dieser
    Richtung noch völlig unbedarft und waren frohen Mutes. Unsere Moleskinanzüge (Drillichanzüge) wiesen
    uns als Frischlinge aus. Von unserm gesamten Zug kamen nur wenige durch die Prüfung der überprüften Stiefel.
    Einige kamen in den Speisesaal, die einen gingen in die Kantine und einige liefen zurück, um die Stiefel zu
    putzen. Und die Zeit der Mittagspause war 1 Stunde zu kurz, zumal der Weg zur Unterkunft 600-700m betrug.
    Nach dem morgendlichen Beginn begannen wir langsam sauer zu werden. Am Nachmittag hatten wir dann
    Unterricht und Sport. Dienstschluß war damals 16.45 Uhr. Der Unterricht war die reinste Erholung (Dienstgradabzeichen, Verhalten
    in der Öffentlichkeit).
    Die letzten beiden Stunden mit dem Sport hatten es wieder in sich. Anzug war der BGS-Trainingsanzug grün u. Turnschuhe BGS mit harter Sohle. Grüne Turmhose und Sporthemd mit dem Bundesadler auf der Brust. Auf dem Plan stand Laufen, Gymnastik und Spiele. Natürlich ging es im Laufschritt von der Unterkunft zur relativ weit entfernt liegenden Sporthalle. Gelaufen wurden diverse Runden in der Sporthalle absolviert. Alle Varianten: Vorwärts, rückwärts, seitwärts. Nachdem wir langsam am Köcheln waren, ging es zur Gymnastik über. Dieses fing mit dem allseitsbeliebten Hüpfen an, ging über diverse Dehnübungen bis zu den damals üblichen Rumpfbeugen, Kreisen der Arme, Kreisen des Kopfes usw., usw..
    Schließlich endete die Gymnastik mit Liegestützen in allen Varianten. Einige Kameraden waren jetzt schon platt wie eine Flunder. Alle Ausbilder (Zugführer, 3 Gruppenführer) waren in der Halle und wechselten sich immer wieder ab und machten alles vor. Jetzt hofften natürlich einige auf die abschließenden Spiele. Wir hatten uns getäuscht, es gab Partnerspiele mit und ohne Gerät. Keine Ballspiele, weil die Verletzungsgefahr ja so groß wäre und man länger ausfallen könnte. Selbst einige Ausbilder mussten bei dieser Erklärung des Zf. grinsen. Der Sport endete mit dem Lauf zurück zur Unterkunft, so dass wir mit Dienstschluss unseren Block erreichten. Mit Ausnahme von 2 oder 3 Sportskanonen waren wir alle fix und fertig. Also Duschen, Abendbrot, das eine oder andere Bier und dann nur noch ins Bett. Und dann gab es noch den Stubendurchgang
    um 22.00 Uhr, ich war es damals zum Glück nicht. Dieser durfte dann im kompletten Drillichanzug die Stube abmelden. Natürlich vorher fegenund aufräumen und den Mülleimer leeren.

    Ein anstrengender Tag ging zu Ende und alle schliefen recht gut.
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    EmilBerggreen (01.06.2019)

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    Respekt, harte Sitten damals in den 1970ern!

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    harbec (07.06.2019)

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  20. #8
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    Moin Hartmut,

    ich wollte Dir nochmal ganz herzlich für Deinen spannenden Bericht danken!
    Wie war es eigentlich damals beim BGS, welche Aufgaben hattet Ihr? Grenzsicherung, Sicherung der territorialen Integrität der Bundesrepublik, illegaler Grenzübertritt, etc.
    Wir haben uns hier im Forum öfter mal über die Aufgaben des BGS im Spannungsfall/V-Fall unterhalten. Herauslösung aus der Grenzsicherung, BGS verlegt nach hinten, BW-Kampftruppe übernimmt, etc ….
    Wie habt Ihr Euch damals auf den V-Fall vorbereitet? Alarmübungen?

    Grüße aus HH

  21. Folgender Benutzer sagt Danke zu EmilBerggreen für den nützlichen Beitrag:

    harbec (07.06.2019)

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  23. #9
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    Zitat Zitat von EmilBerggreen Beitrag anzeigen
    Moin Hartmut,

    ich wollte Dir nochmal ganz herzlich für Deinen spannenden Bericht danken!
    Wie war es eigentlich damals beim BGS, welche Aufgaben hattet Ihr? Grenzsicherung, Sicherung der territorialen Integrität der Bundesrepublik, illegaler Grenzübertritt, etc.
    Wir haben uns hier im Forum öfter mal über die Aufgaben des BGS im Spannungsfall/V-Fall unterhalten. Herauslösung aus der Grenzsicherung, BGS verlegt nach hinten, BW-Kampftruppe übernimmt, etc ….
    Wie habt Ihr Euch damals auf den V-Fall vorbereitet? Alarmübungen?

    Grüße aus HH
    Schauste mal hier:
    http://www.cold-war.de/showthread.ph...desgrenzschutz

    Das Herauslösen/Zusammenarbeit und Erreichen der Bereitstellungsräume wurde geübt. Hing hinsichtlich der Intensität auch von den jeweiligen GSK-

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    EmilBerggreen (10.06.2019), harbec (09.06.2019)

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    Yo, ich weiß, wir hatten das Thema schon öfter mal.

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