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Thema: Offizierlaufbahnen der Bundeswehr - 1966

  1. #1
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Standard Offizierlaufbahnen der Bundeswehr - 1966

    Hallo,

    in einer Ausgabe des „Spiegel“ von 1966 bin ich über die beigefügte Notiz mit dem Titel „Oberunteroffiziere“ gestolpert, wonach die Bundeswehr damals über die Wiedereinführung besonderer Offiziers-Dienstgrade nachdachte.
    Den „Feldwebelleutnant“ hatte es schon einmal im Ersten Weltkrieg gegeben. Für Leutnantsstellen bei Ersatz-, Landwehr- und Landsturmeinheiten konnten erfahrene, gut beurteilte Portepeeunteroffiziere „mit geordneten bürgerlichen Verhältnissen“ herangezogen werden. Diese Feldwebelleutnants erhielten jedoch keine volle Anerkennung als Offiziere, sie hatten nicht die gleichen Rechte wie aktive oder Reserveoffiziere, sie hatten z.B. keine Disziplinargewalt und rangierten statusmäßig hinter dem jüngsten Reserveleutnant. Insgesamt wurde diese Laufbahn als diskriminierend und als Fehlschlag beurteilt.

    Glücklicherweise hat die Bundeswehr auf die Verwendung dieser negativ besetzten Dienstgradbezeichnung verzichtet und stattdessen 1969 die Laufbahn der Fachoffiziere geschaffen. Die bis dahin als Spitzendienstgrade der Unteroffiziere vorhandenen Stabsfeldwebel / Oberstabsfeldwebel wurden mit Einführung der Fachoffiziere abgeschafft, bis dahin war für die Beförderung zum Stabsfeldwebel eine eigene Laufbahnprüfung und die Absolvierung der sog. Bildungsprüfung III notwendig. Die Dienstgrade StFw/OStFw wurden erst um 1990 wieder eingeführt.

    Fachoffiziere fanden sich fast in jedem Bataillon als S 1-Offizier (Personal), je nach Bataillonstyp auch als Fernmeldeoffizier und - soweit vorhanden - als Stabszugführer oder Leiter Fahrschule, sowie häufig als S 1/3 Offiziere der Geräteeinheiten. Fachoffiziere konnten bis zum Hauptmann, nach Einführung dieses Dienstgrades auch bis zum Stabshauptmann befördert werden. Fachoffiziere hatten die gleichen Rechte und Pflichten wie andere Offiziere und waren auch Disziplinarvorgesetzte, eine besondere Kennzeichnung gab es nur in der StAN, wo Fachoffiziersstellen mit „FD“ markiert waren.
    Natürlich gab es bei der Einführung dieser Laufbahn auch in der Bundeswehr Vorbehalte gegen diese „Schmalspuroffiziere“, vor allem bei sehr konservativ eingestellten älteren Offizieren, die oft genug eigentümliche Vorstellungen vom Wesen eines Offizierskorps hatten.

    Weiter konnte bei entsprechender Eignung jeder Unteroffizier, der die Offiziersprüfzentrale und einen Auswahllehrgang an der Offiziersschule erfolgreich absolviert hatte, in die Laufbahn der Offiziere des Truppendienstes übernommen werden, ohne dass die sonst geforderten schulischen Voraussetzungen vorliegen mussten (§ 33 Soldatenlaufbahnverordnung).

    Grüße
    Jörg
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  3. #2
    Cold Warrior
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    Hallo Jörg,

    bist du dir mit der Wiedereinführung der Dienstgrade Stabsfeldwebel/Oberstabsfeldwebel um 1990 sicher?
    Als ich 1984 in der PzPiKp 100 war gab es in der Kaserne beide Dienstgrade. In meiner Kompanie diente ein Stabsfeldwebel als Zugführer und die Stabskompanie der Brigade hatte einen Oberstabsfeldwebel als Komopaniefeldwebel. Beides waren zwar ältere Herren, dass sie aber "Überbleibsel" von 1969 waren erscheint mir unwahrscheinlich.

    Klaus

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  5. #3
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    Laut Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Stabsfeldwebel und https://de.wikipedia.org/wiki/Oberstabsfeldwebel) wurden 1955 die Dienstgrade Stabsfeldwebel und Oberstabsfeldwebel eingeführt, die 1969 mit Einführung der Laufbahn der Offiziere des Militärfachlichen Dienstes auf den sogenannten "Aussterbeetat" gesetzt wurden.

    Seit Anfang 1983 waren dann wieder Beförderungen in beide Dienstgrade möglich. Daher dürfte die Anmerkung von Klaus richtig sein, daß er in 1984 in seiner Kaserne beide Dienstgrade gesehen hat.

    Grüße und einen schönen Sonntag


    Rex Danny

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  7. #4
    Cold Warrior
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    Zitat Zitat von klaus_erl Beitrag anzeigen
    Hallo Jörg,

    bist du dir mit der Wiedereinführung der Dienstgrade Stabsfeldwebel/Oberstabsfeldwebel um 1990 sicher?
    Hallo Klaus,

    es kann durchaus früher gewesen sein, ich habe leider kein genaues Datum gefunden, mir war nur noch in Erinnerung, dass unserer Inspektionsfeldwebel an der Feldjägerschule 1990 StFw war. Bei dem von Rex Danny zitierten Wikipedia-Artikel ist als einwandfreie Primärquelle das BGBl. genannt, somit ist an 1983 nicht zu zweifeln.
    Die letzten Stabsfeldwebel/Oberstabsfeldwebel alter Art wurden 1973 oder 1974 zu diesen Dienstgraden befördert, weil dann die Übergangsregelungen für die damals bereits in der Ausbildung befindlichen Soldaten endeten.

    Grüße
    Jörg

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  9. #5
    Cold Warrior Avatar von DeltaEcho80
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    Ohne jetzt unverschämt sein zu wollen: Die Offiziere Fachdienst waren auch rein äußerlich zu erkennen. Ein Hauptmann, der die 40 mehr als deutlich überschritten hatte, konnte ja nur Reservist oder FDler sein.
    Was nicht heißen soll, dass bei den FD-Offizieren oft enormes Fachwissen und große Erfahrung zusammen kamen.

    Der Dienstgrad Oberstabsfeldwebel war für viele UmP meist der "Karrieretraum" schlechthin. Da aber der Weg sehr weit war und Stellen dünn gesät, war meistens als Stabsfeldwebel Ende.
    Ich habe das während meiner aktiven Zeit als Stabsdienstsoldat oft mitbekommen, wenn hier Telefonate und umfangreicher Schriftverkehr mit der SDH geführt wurden.
    In Mellrichstadt z.B. gab es ja eh nur 2 Stellen, die mit OStFw dotiert waren. (Spieß 1. und S1-FW) - das war ja mW bei den Kampftruppen generell so. Die naheliegende Lösung war dann die Versetzung nach Hammelburg, Wildflecken oder Veitshöchheim.

    In den Kampfkompanien wurde ja in letzter Zeit die Stellenbesetzung etwas modifiziert (Chef, KpOffz und ZgFhr 1 mit 3 statt bisher 2 Offizieren (Hauptmann) besetzt). Wurde hier eigentlich auch den Stellenbesetzungen der UmP "geschraubt"?
    „Der Horizont vieler Menschen ist wie ein Kreis mit Radius Null. Und das nennen sie dann ihren Standpunkt“ (Albert Einstein)

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  11. #6
    Cold Warrior
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    Zitat Zitat von DeltaEcho80 Beitrag anzeigen
    Ohne jetzt unverschämt sein zu wollen: Die Offiziere Fachdienst waren auch rein äußerlich zu erkennen. Ein Hauptmann, der die 40 mehr als deutlich überschritten hatte, konnte ja nur Reservist oder FDler sein.
    Es gab aber auch noch den Hauptmann Truppendienst, der trotz mehrerer Anläufe die "Prüfstufe C" (Stabsoffizierlehrgang / Grundlehrgang Fortbildungsstufe C) an der Führungsakademie in Hamburg nicht geschafft hatte und dann irgendwo auf einen Hauptmann-Dienstposten versteckt werden musste. Manche davon fanden sich dann an den Schulen, wo sie jahrelang die gleichen Tätigkeiten wahrnahmen und dabei oft jeden Praxisbezug endgültig verloren.

    Beispiel Feldjägerschule: Hier gab es wie an jeder Schule den Spezialstab ATV. ATV stand eigentlich für Ausrüstung/Ausbildung, Truppenversuch und Vorschriften.
    Hier gab es einen OTL als Leiter, meistens ein ehemaliger Bataillonskommandeur oder zumindest mit S-3 Verwendung und einen Hauptmann. Dieser Hauptmann war bei den FJg eben so ein gescheiterter Truppenoffizier. Sein Haupttätigkeiten waren das Führen der Schulchronik, die Betreuung des Feldjägermuseums, die Organisation des Offizierskasinos. Die eigentlichen Aufgaben, vor allem die Truppenversuche und die Vorschriften kamen dagegen immer zu kurz. Seine Erfahrungen im Feldjägerdienst stammten noch aus der Heeresstruktur 2. Wir hatten diesen inkompetenten Spezialstab ATV z.B. eine Reihe wirklichkeitsfremder Vorschriften zu verdanken, die dann mühsam im Erlaßprozeß nachgebessert werden mussten. Bei der Ausrüstung wurden so unbrauchbare Dinge wie das FuG 13 als Nachfolger des PRC 6 und die Sofortbildkameras für die Spurensicherung eingeführt. Nicht umsonst wurde ATV im Sprachgebrauch dann als "Alles tote Vögel" interpretiert.

    Weitere Hauptleute Truppendienst, die an Hamburg gescheitert waren, sassen bei den Feldjägern manchmal auf dem Dienstposten "Wehrbereichsfeldjäger-Offizier". Das war ein Teil des Stabes WBK, bestehend aus einem Hauptmann und einem Hauptfeldwebel. welcher dem Bataillonskommandeur des Feldjägerbataillons zuarbeitete, der gleichzeitig "Wehrbereichs-Feldjägerführer" war. Dieser Wehrbereichsfeldjägeroffizier war z.B. für die Abwicklung der Nachforschungen und die Koordination des Verkehrsdienstes zuständig war, wenn die Einsatzräume mehrerer Dienstkommandos betroffen waren.

    Nach Übernahme der Offiziere aus der NVA stieg die Zahl der Hauptleute, die an der FüAK nicht bestanden hatten, recht steil an. Die Kameraden aus der NVA scheiterten dort meistens in den Bereichen Innere Führung, Sicherheitspolitik und Recht. Beim Feldjägerbataillon 701 hatten wir um 1995 / 1996 drei ehemalige NVA-Hauptleute, die auch nach Wiederholung nicht bestanden hatten und drei, die mehrere Anläufe brauchten. Nur der S 4, aus einem "Wach- und Sicherstellungsbataillon" der NVA kommend, den alle als etwas primitiv und ohne jede erkennbaren geistigen Interessen einstuften, bestand auf Anhieb.

    Grüße
    Jörg
    Geändert von Nemere (07.10.2019 um 16:05 Uhr)

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