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Thema: Atomwaffen auch in Bamberg ?

  1. #1
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    Standard Atomwaffen auch in Bamberg ?

    Hallo,

    habe einen 90 Jährigen zeitzeugen getroffen der meinte auf den Munagelände wären auch mal Kernwaffen gelagert.

    Wer weis da was oder war das nur ein zwischenlager ?


    Freundlicher Gruß

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  3. #2
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Eindeutige Quellenangaben, dass in der Bamberger MUNA zeitweise Nuklearwaffen lagerten, habe ich nicht. Die „Station Lists“ der Amerikaner geben dazu nichts her. Ich will es aber für die späten 1950er und frühen 1960er Jahre nicht ausschließen, weil damals in Bamberg Einheiten stationiert waren, die zum Einsatz von Nuklearwaffen befähigt waren.

    Zum einen war die die Geschichte mit den rückstoßfreien „Davy Crockett“-Geschützen.
    Das waren Waffen zum Verschießen von "kleinen" Nuklearsprengkörpern als Überkalibergeschosse (Sprengkraft unter 1 KT).
    Es gab die Versionen
    M-28: Kaliber 120 mm. Schußweite 2 km, Dreibeinlafette und
    M 29: Kaliber 155 mm. Schußweite 4 km. Montiert auf Jeep.
    Von 1959 bis ca. 1964 sollte im Mob.falle jedes amerikanische Infanterie-, Panzer- und Aufklärungsbataillon je drei dieser Geschütze zugeteilt bekommen.
    In BAMBERG war dazu die „Headquarters & Headquarters Company, Davy Crockett Artillery“ von ca. 1959 –. 1964 stationiert, dieser Führungsstab war für Ausbildung und Logistik dieser Waffen zuständig.

    Weiter lagen in Bamberg Mitte bis Ende 1950er Jahre Artillerieeinheiten, die mit der „Atomic Annie“ ausgestattet waren, der ersten Kanone, die Nuklearsprengköpfe verschießen konnte (Kaliber 280 mm, Gewicht 76 Tonnen in Fahrstellung, Schußweite 28 km).
    Hier sind nachweisbar:
    613th Field Artillery Battalion mit Stab, Stabsbatterie und B-Batterie (etwa von 1957 - 1959) und noch kurze Zeit 1959 – 1960 Teile des 80th Field Artillery 3rd Gun Battalion.

    Dann gab es von 1960 – 1966 in Bamberg noch ein Bataillon mit Raketenwerfern, die ebenfalls atomare Gefechtsköpfe tragen konnten: 39th Field Artillery 5th Battalion
    Dieses Bataillon war mit „Lacrosse“ –Raketenwerfern ausgerüstet, das war damals der einzige taktische Flugkörper, der über eine Fernlenkung verfügte und von daher auch sinnvoll mit konventionellen Sprengköpfen verwendet werden konnte.
    Weiter gab es für diese Raketen in Bamberg von 1961-1966 eine eigene Versorgungseinheit , das 178th Ordnance Detachment (Lacrosse).

    Ab Mitte der 1960er Jahre lagen zahlreiche Artillerieeinheiten in Bamberg, die mit den bekannten atomwaffenfähigen Geschützen ausgestattet waren (M 107, M 109, M 110). Die nukleare Munition dieser Einheiten dürfte aber nicht in Bamberg, sondern in den entsprechenden Sondermunitionslagern z.B. in Mittelfranken gelagert worden sein. Damals wurden auch die Versorgungsabläufe der US-Army umgestellt und zentralisiert.

    Man muss erfahrungsgemäß bei solchen Erzählungen von Zeitzeugen immer recht vorsichtig sein. In sehr vielen Fällen haben sie die atomaren Einsatzmittel, also die Geschütze oder Raketenwerfer gesehen und ziehen dann sofort den Schluß, dass auch die nuklearen Gefechtsköpfe im Standort gelagert waren. Wenn z.B. die „Atomic Annie“ zu einer Gefechtsübung ausrückte, dürfte dies bei den damaligen Verkehrsverhältnissen und dem Zustand der Straßen zu verkehrstechnischen Ausnahmezuständen in Bamberg und Umgebung geführt haben.
    Diese Bamberger Riesenkanonen hatten ihre am weitesten vorgeschobenen Feuerstellungen bei Münchberg am Rande des Fichtelgebirges. Dort hält sich unter älteren Ureinwohnern immer noch das Gerücht, das im Sperrmittelhaus am Döbraberg damals auch „Atombomben“ für diese Waffen gelagert waren. Wenn man nachbohrt, kommt heraus, dass dieses Gerücht aus der Erinnerung an die damaligen Verlegeübungen dieser wirklich beeindruckenden Kanonen entstanden ist.
    Ich kann mir vorstellen, dass es in Bamberg ähnlich war.

    Quellen:
    Wiener, Friedrich: Die Armeen der NATO, Truppendienst-Taschenbuch 3, Wien 1966, S. 208.
    Station Lists 1955 – 1961,

    Grüße
    Jörg

  4. Folgende 2 Benutzer sagen "Danke" zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    Mathias (14.09.2020), spanier (08.09.2020)

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  6. #3
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    Die M107 hatte nach meinen Wissensstand keine Nukleargeschosse. Die gab es nur in 155mm und 203mm nach der Ausmusterung von "Atomic Annie".

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  8. #4
    Cold Warrior Avatar von Nemere
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    Zitat Zitat von uraken Beitrag anzeigen
    Die M107 hatte nach meinen Wissensstand keine Nukleargeschosse.
    Ich weiß es nicht genau. Im "Taschenbuch der Landstreitkräfte", Ausgaben 1966 und 1974 wird die M 107 als Geschütz für den atomaren Feuerkampf genannt. Würde ja angesichts der Kampfentfernung der M 107 auch eigentlich Sinn machen.

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  10. #5
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    Die Kanone 175 mm M 107 konnte keine Atomgeschosse verschießen, weil es soche vom Kaliber 175 mm gar nicht gab.
    Die M 107 hatte zwar eine Höchstschussweite von 32 km, die aber mit einem enormen Rohrverschleiss und einer großen Streuung erkauft wurde.

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  12. #6
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    Zitat Zitat von Nemere Beitrag anzeigen
    Im "Taschenbuch der Landstreitkräfte", Ausgaben 1966 und 1974 wird die M 107 als Geschütz für den atomaren Feuerkampf genannt. Würde ja angesichts der Kampfentfernung der M 107 auch eigentlich Sinn machen.
    Bei der 175mm muss man sich vergewärtigen, dass diese erst 1962 in der US Army eingeführt wurde - und die M107 dort derart unbeliebt war, dass man um 1965/66 schon ganz oben Ersatz forderte. Als möglicher Ersatz für die 175mm wurde 1966 die MGM-52 Lance gesehen, und zwar im Grunde die (recht enttäuschende) Originalversion, die man damals informell in "Jr. Lance" umtaufte, ihr quasi-analog zur 175mm dabei "mindestens 30 km" Reichweite zuschrieb ... und die ein paar Jahre später wiederum ersatzlos eingestampft wurde.

    Es hätte also wenig Sinn gemacht, eine Entwicklung - z.B. in Ableitung des W-48 für 155mm - für ein Waffensystem in Auftrag zu geben das man so schnell wie möglich wieder loswerden wollte. Zumal die Stückkosten der damals in Produktion befindlichen W-48 sich als horrend erwiesen, für die Kosten eines W-48 Geschosses konnte man genauso ein volles Bataillon Artillerie mit M107 samt Gefechtsbeladung ausgestattet hinstellen.

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