Ergebnis 1 bis 4 von 4

Thema: Schiedsrichterdienst bei Manövern

  1. #1
    Cold Warrior Avatar von DeltaEcho80
    Registriert seit
    09.03.2013
    Beiträge
    1.235
    "Danke" sagen
    330
    Erhielt 307 Danke für 206 Beiträge

    Standard Schiedsrichterdienst bei Manövern

    Ich beschäftige mich zur Zeit privatissime mit den Reforger-Manövern, sicherlich auch angeregt durch die Publikationen des Tankograd-Verlages von Jochen Vollert ( Link hier: https://www.tankograd.com/cms/website.php).

    Dort habe ich mir auch ein Heft zum Reforger 1988 bestellt. Hier steht an mehreren Stellen beschrieben, dass es immer wieder "heiße" Diskussionen zwischen den deutschen und amerikanischen Schiedsrichtern gab, da die US-Schiedsrichter anscheinend immer sehr großzügig zu Gunsten ihrer Truppe bewerteten.

    Hierzu habe ich aber eine generelle Frage - hier im Forum hatten wir das Thema (anscheinend) im Detail noch nicht:

    Wie lief denn der Schiedsrichterdienst bei solchen (Groß-)Manövern in der "vor digitalen" Zeit überhaupt ab?

    Die Gestellung der Schiedsrichter erfolgte durch Truppenteile, die nicht direkt am Manöver beteiligt waren, soweit klar.

    Mir geht es um die Bewertung der Gefechtssituationen: Wurden hier anhand von Tabellen ausgerechnet, wenn z.B. ein Leo auf einen Bradley traf, dass der Leo das Duell "gewinnt"? Was wurde da alles berücksichtigt?

    Würde mich über einige Antworten freuen, denn zu meiner Zeit kannten wir ja nur noch digitale Simulationen...

  2. Folgender Benutzer sagt Danke zu DeltaEcho80 für den nützlichen Beitrag:

    spanier (14.06.2022)

  3. Direkt antworten
  4. #2
    Cold Warrior Avatar von Nemere
    Registriert seit
    12.06.2008
    Ort
    Oberfranken - Frankenwald
    Beiträge
    1.915
    "Danke" sagen
    534
    Erhielt 2.281 Danke für 841 Beiträge

    Standard

    Tabellen gab es z.B. für zeitliche Vorgaben, wie Herstellen der Feuerbereitschaft bei der Artillerie beim Beziehen einer Feuerstellung oder für das Anlegen von Minensperren (soweit die überhaupt real angelegt und nicht nur mit Trassierband angedeutet wurden).
    Bei "Duellsituationen" entschied der Gesamteindruck, also z.B. Geländeausnutzung, Tarnung, Häufigkeit des Stellungswechsels, Zeitbedarf für die Aufnahme der abgesessenen Schützentrupps usw.

    Da kaum mehr im freien Gelände geschanzt werden durfte, konnte z.B. bei einer Situation, bei der sich eine Truppe zur Verteidigung einrichten sollte, nur noch die Zweckmässigkeit der Stellungswahl (Reichweite der Waffen, Tarnung, flankierendes Feuer, gegenseitige Unterstützung, Ausdehnung usw.) beurteilt werden.

    Übungen im freien Gelände litten durch die Vielzahl von Umweltschutzauflagen und Sicherheitsbestimmungen (gelbe Blinkleuchte am Spähpanzer!) zunehmend an Realitätsnähe. So gab es kaum mehr den Angriff eines Panzerbataillons über einen Acker, weil jeder Bammel vor den Übungsschäden hatte.

    Schiedsrichter hatten übrigens nicht nur das Verhalten der Truppe zu beurteilen, sondern auch durch geeignete Einlagen zu steuern oder eben dann für Ausfälle zu sorgen.

    Deswegen konnte als Schiedsrichter eigentlich nur erfahrene Soldaten, meistens Zugführer und aufwärts eingesetzt werden.

    In der schönen Ausbildungshilfe "Üben und Schießen" von OTL Elser (Verfasser von "Kriegsnah ausbilden"), die leider auch dem Zeitgeist und der herrschenden political correctness zum Opfer gefallen ist, gab es Kapitel zum Schiedsrichterdienst, das im Anhang beifüge.
    Angehängte Dateien Angehängte Dateien

  5. Folgende 5 Benutzer sagen "Danke" zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    DeltaEcho80 (15.06.2022), Farang (14.06.2022), Keiler29 (23.06.2022), palatinat (14.06.2022), spanier (14.06.2022)

  6. Direkt antworten
  7. #3
    Cold Warrior
    Themenstarter
    Avatar von DeltaEcho80
    Registriert seit
    09.03.2013
    Beiträge
    1.235
    "Danke" sagen
    330
    Erhielt 307 Danke für 206 Beiträge

    Standard

    Vielen Dank - jetzt wird es wieder klarer.

    Ja, in dem Heft zu Reforger 1988 ist u.a. ein Bild zu sehen, wie ein amerikanischer Panzerzug durch ein Dorf in Gegenrichtung zum Rest der Truppe zurückfährt. Das Bild ist beschrieben mit "nachdem die Schiedsrichter entschieden hatten, dass 3 Panzer durch Panzerabwehrhubschrauber ausgefallen sind, begeben diese sich mit "Rohr nach hinten" in eine Ausweichstellung, um die Dauer des Ausfalls abzuwarten".

  8. Direkt antworten
  9. #4
    Cold Warrior Avatar von Nemere
    Registriert seit
    12.06.2008
    Ort
    Oberfranken - Frankenwald
    Beiträge
    1.915
    "Danke" sagen
    534
    Erhielt 2.281 Danke für 841 Beiträge

    Standard

    Die Darstellung der Waffenwirkung war und blieb immer unbefriedigend. Wenn im Ernstfall drei Panzer einer Kompanie Totalausfall wegen PAH-Beschuss sind, dann dauert es Tage bis Wochen, bis Ersatz da ist. Bei den Übungen wurden diese „Ausfälle“ bestenfalls für einige Stunden neutralisiert, was aber auch kaum überwacht wurde.

    Ein zweites Ärgernis war, das vor allem große Übungen zunehmend nach sehr eng gestrickten Fahrplänen abliefen. Natürlich braucht man für jede Übungen eine Ausgangslage mit gedachtem Verlauf, aber dieser gedachte Verlauf sollte die Parteien nicht fesseln. Leider war oft so, dass die zeitlichen und räumlichen Vorgaben im gedachten Verlauf so waren, das kaum mehr freie Entscheidungen möglich waren, weil dann die Schiedsrichter eingreifen mussten, um das „Drehbuch“ einzuhalten.

    Interessant wurde es dann, wenn Teile des Manövers als freilaufende Übungen abliefen, also die Parteien zumindest zeitweise frei entscheiden und handeln konnten. So z.B. beim „Fränkischen Schild“ 1986. Da war es dann eben so, dass während der Verzögerung der böse Feind auf einmal einen tiefen Einbruch erzielte, so das mein Verkehrsleitpunkt in Schwebenried auf einmal von Panzerkräften überrollt war und mein Feldjägerzug und was sich sonst so in Schwebenried angesammelt hatte, unter meiner Führung zur Rundumverteidigung übergehen musste. So etwas war bei den Lehrgängen an der Feldjägerschule in Sonthofen sicher nicht Ausbildungsschwerpunkt, war aber sehr lehrreich. Als ich dann einige Zeit später Hörsaalleiter in Sonthofen wurde, konnte ich diese Erfahrungen sehr nutzbringend in die Ausbildung einbringen.

  10. Folgende 3 Benutzer sagen "Danke" zu Nemere für den nützlichen Beitrag:

    DeltaEcho80 (16.06.2022), Floger (17.06.2022), uraken (15.06.2022)

  11. Direkt antworten

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •